mobilität mit | kajak

ich kenne mich mit booten gar nicht aus. unser freund armin wies mich vor zwei jahren ins kajak-fahren (“wasserwandern”) auf dem seengeflecht in brandenburg ein. gestern lernte ich eine erstaunliche alternative zu armins schnittigem kunststoff-kajak kennen: aufblasbare kajaks von der österreichischen firma grabner. ich fuhr vier verschiedene modell test. das erstaunliche ist, dass sich die boote ähnlich schnittig wie die aus kunstoff verhalten, aber naturgemäß leicht transportabel sind. die packmaße eines standard-kajaks kommen dann auf ca. doppelte rucksackgröße.

mäßig besucht, aber gut ausgestattet: der grabner bootstag in neuss. foto: DR

mich erinnert das an eine andere form der kompakten mobilität, nämlich mit dem → brompton faltrad. bromptons werden seit ähnlich langer zeit wie grabner-boote hergestellt, gelten als robust und werden quasi nie verkauft, weil sie ewig halten.

mein brompton im ICE

auf dem bild unten ist ein wasserwanderer zu sehen, der sich steve flusswanderer nennt. das bild stammt aus steves → video, wo er zu zweit venedig erkundet – mit grabner gummibooten. auf dem foto sind im hintergrund die beiden kajaks zu sehen. venedig ist allerdings prädestiniert für handliche boote, nicht für handliche fahrräder…

steve flusswanderer in venedig; die roten kajaks im hintergrund. screenshot/steve

vocal synth | 2

vocal synth 2 ist ein von www.izotope.com entwickelter digitaler stimm-prozessor. als musiker mit bisschen historie wird man → vocoder denken, und das ist auch gut so, denn vocal synth ist ein vocoder. aber die neue version kann viel mehr, auch viel mehr als die länger zurückliegende vorgängerversion. das animierte bunte in der mitte des fensters ist mehr oder weniger optische spielerei, macht aber sinn und spaß, anzugucken und daran live herumzuzupfen. man regelt damit die stärken der einzelnen fünf effektmodule.

ein schnell gestrickter song mit paar vocal synth 2-stimmeffekten

zwei | blaus

zwei tweets von heute

heute standen in meinem twitter-feed zwei bilder übereinander, oben ein von @oldpicsarchive* gepostetes foto von nick deWolf, san francisco 1971, darunter ein von @dpa gepostetes, von martin moravec (@moravecma). der screenshot macht mit einem blick deutlich, was man unter den warmen film-farben von früher und dem kalten look von heute versteht. in manchen apps auf smartphones gibt es fotofilter, die in neue fotos das wärmere blau der celluloid-tage zaubern. polariod ist nochmal was anderes.

nick deWolf – → hier der wikipediaartikel über ihn – war primär computerpionier, fotografierte aber auch wie besessen.


*oldpicsarchive ist ein dubioses unternehmen. es steckt dahinter vermutlich kenga rex, ein vermeintliches kunstportal, dem anschein nach aber eine reine werbeplattform. der weg geht so: unter dem handle @oldpicsarchive sind auf twitter interessante, meist ältere fotos zu sehen. folgt man dem link unter den fotos, kommt man auf kengarex.com, wo man in der regel ein anderes bild sieht, umrahmt von ziemlich schriller werbung. den fotos fehlen oft die quellenangaben, und ich kann mir nicht vorstellen, dass die betreiber der werbeseite sich die veröffentlichungsrechte ordentlich eingeholt haben. es sind darunter fotos von gut verdienenden zeitgenössischen fotografen, aber auch historisches material, das zum beispiel über getty vertrieben wird.

altmännerlicher | feuilleton-duktus

es gibt eine bestimmte art der kulturrezension, die intellektuell tut, es vielleicht auch ist, es aber schräg und billig herüberbringt. schwer zu beschreiben.

SZ vom 15. mai 2018

fangen wir anders an: ich las heute in der süddeutschen zeitung die kritik einer alois-zimmermann-aufführung in der kölner ausweichoper. in der mitte blieb ich bei folgendem satz stecken, vielmehr, hier hielt ich kurz inne, weil mir was aufstieß:

“Marie ist ein grotesk aufgeputzes Girlie des 18. Jahrhunders mit kokett wippendem Reifrock und einer Trikolore vor der Scham.”

mein unwohlsein kam nicht von der beschriebenen szene, sondern von der art des ausdrucks. aufgeputzt und girlie, kokett wippender rock und vor allem vor der scham – was ist das für ein altes wortgebälk, scham, kokett und aufgeputzt, girlie von vielleicht 1980. ich las einen satz weiter:

“Sie lässt sich flachlegen, um nach oben zu kommen.”

damit lief das fass über. ich dachte mir, das muss ein alter mann geschrieben haben, der schreiben und denken kann, der aber in mancher hinsicht aus der zeit gefallen ist und hier sogar chauvinistisch wirkt. ich konnte das altmännerliche fast in der zeile riechen und dachte: das kann nie im leben eine frau geschrieben haben. mein blick schwenkte auf die letzte zeile: ja, es war ein mann, der WDR-kollege → michael struck-schloen.

später, beim lunch mit einem freund sprach ich die irritation an. bin ich überempfindlich? vermutlich, so kamen wir überein, hätten wir vor ein paar jahren über den satz hinweggelesen, heutzutage aber fällt er unangenehmst auf. ja, nie im leben könnte eine frau so etwas schreiben. joachim kaiser übrigens auch nicht, chauvinist ganz alter schule, aber viel zu sensibel, solche kamellen fallen zu lassen. und bei kaiser sprechen wir von den 1960er bis 1980er jahren, nicht von 2018.


ps.: hab das stück gesehen. keine trikolore „vor der scham“, sondern als unterhose, also auch am po. nennt man selektive wahrnehmung, der der kritiker da nachlüstert. und kokett von jedem flachlegen lässt sich kein girlie. die hauptdarstellerin spielt eine traurige figur, wie beim lenz halt.

Du has | t

ausschnitt aus einer spam-mail von heute: um die spam-filter zu umgehen, enthält dieser text absichtlich falsch geschriebenes (rot markiert):  leerzeichen innerhalb von worten und fehlendes leerzeichen nach punkt. übersetzungsprogramme aus anderen sprachen erzeugen solche fehler nicht, wohl aber grammatikfehler wie den grün markierten.

der spam-filter hat diese mail dennoch als spam identifiziert, vermutlich wegen des headers, also des email-kopfs und wegen des ziel-links, der zu einer abzocke-webseite führt.

fotodrohnenethik für | journalisten

der amerikanische fotojournalisten-verband NPPA hat sich über die verwendung von drohnen in diesem berufsfeld gedanken gemacht. neben selbstverständlichkeiten wie sicherheit und privatheit sind zwei punkte interessant:

  1. man sollte als nachrichtenmedium drohnenmaterial ablehnen, das nicht legal gewonnen wurde (oder die wirklichkeit verzerrt). ein youtube-star wie casey neistat nennt sich selbst journalist und fliegt seine drohnen überall – mitten über amsterdam, niedrig, durch die kölner kranhäuser und über den rhein usw. er hat eine sehr eigene foto/film-ästhetik entwickelt, das steht aber auf einem anderen blatt. ein weniger bekannter amerikanischer youtube-„creator“ namens kraig adams fliegt hemmungslos über paris und andere europäische städte. die reglementierungen für drohnenpiloten in deutschland (und sicher anderswo auch) sind nicht ideal und zu streng gefasst, behörden sind zu starr, um besondere fluggenehmigungen zu erteilen, selbst wenn man ordentlich und als fotojournalist anfragt. aber die ansage von neistat und anderen touristen, man fährt ins ausland und fliegt einfach drauf los, weil man die regeln nicht kennt, ist natürlich unterirdisch. casey neistat hat mit seinen 1,5 millionen abonnenten drohnenpiloten positiv beflügelt, aber auch schamlos in die irre geleitet.
  2. der zweite punkt hängt mit der nachbearbeitung zusammen. raymond, robert und ich hatten diese diskussion, als wir den abriss des immerather doms für die wikipedia dokumentierten: sollen wir unter das (stille) drohnenvideo atmo von unten oder gar musik legen? der drohnenethik von NPPA zufolge ist auch das beschleunigen und verlangsamen von drohenvideos problematisch, weil es eine dramatisierung erzeugen kann, die dem material seine neutralität nimmt.

 

es stellt sich eine zentale frage, die hier nicht angesprochen wird: worin unterscheidet sich drohnenvideografie grundsätzlich von fotografie auf dem boden? technisch auf jeden fall, wegen der gefahr des absturzes und der verletzung von menschen. sonst aber nicht. man könnte auch über eine ethik der 360°-fotografie und VR-journalismus nachdenken. oder über die verzerrung der so genannten wirklichkeit durch tele- oder makrofotografie…

kontakt | abzug

immer wenn ich mich mit thomas und claudia vorm metropolis-kino in köln treffe, komme ich mit dieser rolltreppe von der u-bahn ans licht. es sieht immer toll aus. der himmel ist meist überstrahlt. diesmal überholte mich eine junge frau. ich dachte, hm, blöd gelaufen, aber bild 3 (das dritte von rechts) ist dann doch ganz okay.

foto: ms/dpa