lokalzeitungs | dummi

in der gestrigen süddeutschen zeitung war im lokalteil das foto einer 1000 € fotodrohne zu sehen, dazu die schlagzeile “Fluggeräte in München: Die Gefahr kommt von oben.” darunter dann folgender text:

Als der Greenpeace-Aktivist am Dienstagabend seine Bruchlandung in der Fröttmaninger Arena hinlegte, […] fest steht: Die Aktion war nicht nur illegal, sondern auch höchst leichtsinnig. Und sie zeigte, dass von Fluggeräten potenzielle Gefahren ausgehen können.

der artikel trägt eine an die BILD-zeitung erinnernde schlagzeile, und am aufhänger des motorseglers rangelt sich autor andreas schubert (den ich nicht kenne) an den gefahren von fotodrohnen entlang. motorsegler und fotodrohnen? unterm strich: drohnen fliegen überall, auch wenn es verboten ist, da zu fliegen, wo sie fliegen.

das ist eine ausgesprochen dumme einschätzung, denn…

  • das horrorszenario, dass mit preiswerten drohnen der luftraum vandalisiert wird, wurde vor 3 jahren diskutiert. heute hat sich herausgestellt, dass bei den rund 400.000 drohnen in deutschland praktisch nichts anbrennt.
  • die rechtslage hat sich seit 1. januar 2021 völlig geändert. seit dem gilt nämlich die EU drohnenverordnung, die das fliegen von drohnen jeden gewichts sehr genau reguliert. drohnenpiloten müssen, wenn sie höher und weiter als 2 meter in ihrem garten fliegen wollen, einen so genannten drohnenführerschein machen, der nicht ohne aufwand und zudem kostenpflichtig ist. auch drohnenhaftpflichtversicherungen sind pflicht. von all dem ist diesem artikel keine rede.
  • nach der EU drohnenverordnung muss jede drohne eine kennung tragen, die vom luftfahrtbundesamt vergeben wird. wenn, was seltenst vorkommt, eine drohne abstürzt, können die behörden anhand der (feuerfesten) kennung den “halter” der drohne lokalisieren. nichts davon in diesem artikel.
  • lokalredakteur schubert spricht von methoden, drohnen vom boden aus zu orten, an denen die deutsche flugsicherung forscht. das wort “transponder” kennt er offenbar nicht, und auch nicht, dass laut der EU drohnenverordnung ab 2022 ein solches übertragungsmodul eingebaut sein muss. das stellt ein großes problem für die hersteller dar, aber auch für die besitzer so genannter bestandsdrohnen, die sich nämlich nicht so leicht umrüsten lassen.

also ein ingesamt kleinkarierter artikel, der nur angst machen soll.

hans | friemond

hans, hier rechts. foto: ms

hans friemond lernte ich in den frühen 1990er jahren kennen, wobei das kennenlernen einseitig war. die redaktion des WDR hörfunks befand sich damals noch in der kölner budengasse, und ich traf dr. friemond mindestens zweimal gegen dienstschluss auf der toilette an, als er sich am waschbecken seinen oberkörper wusch. er nahm mich nicht zur kenntnis. warum betrieb der (haupt?)abteilungsleiter in der WDR kultur & wissenschaft körperpflege im klo? ich erfuhr bald, dass hans friemond gern abends zur oper ging und sich dafür frisch machte. er war ein völlig unkapriziöser mensch.

viele jahre später, als er schon lange in rente war, vielleicht ab 2010, trafen wir uns oft, meist zusammen mit seiner und meiner frau, oft zum dinner. er war ein sehr agiler wanderer und wunderte sich, dass ich keiner war. machte aber nichts, denn wandern ging er eh gern mit ex-kolleginnen aus dem WDR hörfunk.

alle seine redakteure waren immer voll des lobes für ihn als ihren chef. das hatte mit zwei eigenschaften von hans zu tun: er stand hinter seinem team und arbeitete nicht, wie das später üblich wurde, gegen seine leute. und: er war ein intellektueller. sendungen, die “anstrengend” waren, wie das kritische tagebuch, entstanden unter ihm als begründer der kultur-welle WDR3 (wohlgemerkt: nicht der klassikwelle WDR3!). er mutete den hörerInnen etwas zu. ganz anders heute: samtweiche sendungen, niemandem wehtun, sonst verlieren wir sie, die “lieben” hörer.

im höheren alter war hans immer wieder schwer krank, konnte aber immer genesen. kämpfernatur. ich denke an die austern, die wir in köln sülz aßen und an sein windows-handy. an seine trüben geschichten aus der kindheit, die glücklichen zeiten mit frau und zwei kleinen söhnen in berlin. ich schickte ihm kürzlich ein video, das ich auf dem runden geburtstag seiner frau aufgenommen hatte. da war er schon sehr geschwächt und las die mail wahrscheinlich nicht. zwei tage später, am 7. juni 2021 starb hans.

besuch beim | mustang ford

der wagen ist baujahr 1967, ein top gepflegtes cabrio. sein stolzer eigentümer war gerade dabei, den vergaser neu einzustellen, als ich mit meiner 360°-kamera aus dem nichts auftauchte. danke für die kooperation!

8 zylinder-motor. foto: ms/dpa

zwei panoramen von dem kurzen treffen in der kölner südstadt sind jetzt in den wikimedia commons. bitte den 360°-link in der bildbeschreibung nutzen! → 1; → 2

vergewaltigung | 1925

das wort “vergewaltigung” bezog sich damals fast immer auf zwangsauflagen, die nichts mit dem zu tun hatten, was heute vergewaltigung meint. das lag auch daran, dass sexuelle übergriffe so üblich waren, dass sie nicht unter die kategorie vergewaltigung fielen. das macht auch der folgende abschnitt im berliner “Tage-Buch” klar:

timelapse | extract

16 images from a bike trip through town

360° mini cameras for 500 € provide us with endless options. in the example above i shot a time lapse video on my way home, on the brompton bike. the video is totally uninteresting, but exploiting 16 of the 50 or so shots and viewing different angles led to this sweet image collage.

below one of the shots, larger. the image quality could be much better, but keep in mind that the bike was in motion, and the camera had to deal with very dark areas and the overcast sky. the bike lamp you see is positioned very low, right above the small brompton wheels. the camera was fixed to the handle bar and lowered down with the selfie stick.

stabilized image, fast ride

camtasia | 2021 → 9 ?

one of 500 tutorials i made with camtasia 9

camtasia version 9 has been my workhorse for creating youtube tutorials for a few years now. i still find it an amazing program, because it does a flawless job recording everything which is happening on the screen. after recording a session of, say, 20 minutes, i edit it down to 10 minutes, with lots of cuts and zoom and text overlays. finally, i use camtasia to render the video and upload it to → my youtube channel.

a few weeks ago camtasia 2021 came out, with lots of new “transitions” – which are the effects between two adjacent clips. i’ve been very happy with the transitions in version 9; actually i’m using only three of them anyway. no need for more transitions!

the audio handling is pretty much straight forward and has been slightly improved in the recent versions. but when i detect flaws in the audio i use other pieces of software to repair or enhance the audio quality.

so, the new version is not worth while for me, and probably many others.

but why not just try the new version in its trial mode? well, the problem is that you can try out the new version for free, but once you get serious about it and create a video with version 2021, you cannot render it without a watermark, and once you save the project, it cannot be opened by my version 9. that means that the trial of the update causes a problem. if you try it out, try it out playfully, because you cannot downgrade the project file.

i contacted the support team of techsmith (which distributes camtasia) and got a very competent reply to my request:

(09:14:23 AM) maximilian: is there a way to export the project from 2021, so that version 9 can open it? what i also tried is copy all files in the 2021 project. but i cannot paste them into version 9.
(09:15:03 AM) Mariel L: No. There’s no way to open a project from the latest version to the older version. The project files in Camtasia are not backward compatible because there are a feature in the latest version that is not available in the older version.
(09:15:16 AM) Mariel L: I’m sorry for the limitation.

so, trying the new version is risky!

köln von oben | nachts

drei kölner brücken, nachts.

dieses und das nächste foto entstanden bei meinem ersten nachtflug mit der fotodrohne über köln. auslöser ist die anfang 2021 in kraft getretene EU-drohnenverordnung, die mehrere auflagen mit sich bringt, aber eben auch den zuvor nicht erlaubten nachtflug ermöglicht. in diesem fall mit drohnenführerschein A2, ausnahmegenehmigungen der luftfahrtbehörde der NRW landesregierung und absprache mit der deutschen flugsicherung im tower von köln/bonn. letzteres deswegen, weil die am aufstiegsort in der kölner südstadt maximal erlaubte höhe 50 m ist, ich aber durch erfahrung am tag weiß, dass erst 200 meter höhe einen überblick über die stadt ermöglichen. hier war ich 270 meter hoch.

ich habe bei dem nachtflug eines gelernt: die vorher eingestellte verschlusszeit von 2 sekunden ist zu lang. sie führt, trotz schwachem wind, zu leichten verwackelungen. und beim fliegen habe ich nicht die muße, die einstellungen über die app zu ändern.

das foto unten zeigt die 2 sekunden deutlich. die aufnahme entstand beim landen, als die drohne schon recht niedrig war. weil der gimbal (also die beweglich gelagerte hasselblad-kamera) offenbar beim fotografieren stabilisert, sind objekte weit hinten ziemlich scharf abgebildet, die lichter des doms und vor allem die ganz nahen lichter aber zeigen die abstiegsbewegung deutlich. sieht trotzdem nicht übel aus.

vor der landung. fotos: ms

dreiste spam | typo

dieser spam wirbt mit einer interessanten typografie als “PARTNER FUR VIRENSCHUTZ” und kommt von einer ziemlich sicher frei erfundenen email-adresse aus polen. fast identisch, aber mit ganz anderer message, dieser fast gleichzeitig ankommende spam: “EDEKA”

die gefahr liegt im klick auf den inhalt der email. diese führt in beiden fällen zu einer sehr kryptisch verlinkten webseite, die den trojaner pflanzt.

nazi | hinrichtungsstreit

wer heute afd wählt, wählt den rechten “vogelschiss“-flügel mit. das nur als nebenbemerkung.

als die nazis den 2. weltkrieg starteten, forderten sie noch mehr stromlinienförmigkeit als zuvor. die kommunisten, sozialdemokraten, homosexuellen und millionen von juden hatten sie schon umgebracht. jetzt ging’s ans detail. in köln wurde 1941 ein 18jähriger hingerichtet, weil er notorisch klaute. der psychiater bescheinigte ihm “leichten schwachsinn” und “moralische unreife”. er riet zur todesstrafe, weil der dieb nicht mehr “als nützliches glied” in die gesellschaft eingeführt werden könne. die tötung von behinderten war durch die euthanasieaktion längst gang und gäbe. drei jahre später brachte der jurist edmund mezger einen gesetzesentwurf ein, der dazu diente, alles auszumerzen, was “gemeinschaftsfremd” war. damit meinte er “versager”, “arbeitsscheue”, “liederliche”. mezger machte nach dem krieg übrigens karriere, als sei nichts gewesen. sein gesetz wurde nie verabschiedet, aber die NS-juristen handelten so, als sei es gesetz geworden.

plötzensee – hinrichtungen durch strangulieren. foto: alter fritz, wiki commons

ab 1941 platzten die gefängnisse aus den nähten, und auch die todeszellen waren überfüllt. der abtransport in konzentrationslager wäre umständlich gewesen und hätte die zuständigkeiten der SS durcheinandergebracht. also bekamen die staatsanwälte das go für “blitzvollstreckungen”: zwischen verkündung des urteils und der hinrichtung verging oft nur eine stunde. darüber klagte das hinrichtungspersonal, weil es die ganze nacht durch arbeiten musste (hinrichtungen sollten möglichst bei dunkelheit geschehen); und es klagten die geistlichen, deren seelische hilfstellung (und bei katholiken beichte und letzte ölung) mindestens eine stunde dauerte, die die todgeweihten jetzt lieber für die formulierung eines testaments und von briefen an die engsten freunde und verwandten nutzten.

im januar 1941 kritisierte das reichssicherheitshauptamt (mit heydrich als leiter) die jesus-kreuze in den zellen. warum? “das letzte mit bewusstsein aufgenommene bild für den verurteilten stellt das kruzifix dar, das einen märtyertod versinnbildlicht.” das wollten die nazis absolut nicht, denn deliquenten wurden “vernichtet” und nicht feierlich zum schafott geführt. speziell im massenhinrichtungsort plötzensee war das kreuz ein thema, weil dort im akkord gearbeitet wurde. hitler hatte schon früher versucht, die kreuze aus den ämtern zu entfernen, was auf so viel widerstand bei den kirchen und in der christlichen bevölkerung stieß, dass er davon absah – und nun vorläufig (bis der krieg vorbei und gewonnen wäre) auch nichts gegen die kruzifixe in den todeszellen unternahm.

für die christen hießen die todeszellen armensünderzellen. der münchner gefängnispfarrer karl kinle sprach noch auf dem sterbebett von seiner totalen erschöpfung druch die jahrelange arbeit, unter zeitdruck, in den armensünderzellen.

fränkisches | essen

selbst in den besseren, wenn auch nicht spitzen-restaurants von unterfranken*, ist die küche im letzten jahrhundert stehengeblieben. in sauce versenktes, zu lang gegartes fleisch, dazu knödel und zu süßes „blaukraut“. angeblich frische maischolle, die aber tiefgefroren war. tafelspitz, überschwemmt von viel zu süßer meerrettichsauce. die fleischmengen dürften den besucher aus der fremde erfreuen, aber gaumenfreuden bescheren sie nicht. gute küche besteht aus einer, ja, geschmacksexplosion. nicht durch zu viel, sondern durch wenig und passend. schon mal von marcis oder koriander gehört?

deswegen hier ein kontrast: die corona-bedingte take-away-speise eines österreichers in köln**: extrem fein. wiener (!) schnitzel, warmer kartoffel-gurkensalat, preiselbeeren, zitrone. so sieht fränkisches mainstream-essen aus dem pseudo hochwertigen niveau eben nicht aus.

davon können die franken lernen

*zwei beispiele für das mittelmaß: martinsklause ziegelanger, neumanns haßfurt.

** scherz-restaurant köln

motocyclette | 1901

1901 gab es in der automobilistik einen megatrend: das fahrrad bekam einen hilfsantrieb. viele waren skeptisch, ob das sinn machte. es war die zeit, als man die ersten autos in kleinserie baute, mit vier rädern. aber ein motor in einem zweirad? auf der automobilausstellung in paris stellten mehrere unternehmen „motocyclettes“ vor, hier eins mit wassergekühltem verbrennungsmotor, 50 km/h höchstgeschwindigkeit, 32 kg schwer:

fahrräder | 1896

ein herrliches fundstück über die boomenden fahrräder auf den straßen. gefunden im grazer tagblatt vom 28. april 1896. training des blitzschnellen absteigens ist angesagt. und plötzlich ist eine “maschine” (eben das fahrrad) auf der straße, das schneller ist als alle anderen verkehrsteilnehmer, bis auf die eisenbahn. die essenz dieses artikels steht jetzt auch in der → wikipedia. bitte zum vergrößern aufs bild klicken!

unfehlbar zu fall

(un)ausgewogene | inhaltsangaben

wenn wikipedia-artikel von kontroversen themen oder personen handeln, drängt es manche wikipedia-autorInnen, die artikel in eine bestimmte richtung zu drücken. in der regel passiert das über kleine änderungen (edits), die oft nicht auffallen, dann aber in der summe den artikel tatsächlich ummünzen.

ein beispiel für eine den inhalt nicht, den gesamteindruck aber schon verdrehende änderung:

mich machte kürzlich eine freundin auf den artikel über das journalistenbüro → correctiv aufmerksam. der sieht, wie unzählige artikel, sehr zerfleddert aus. wenig fließtext, stattdessen listen mit projekten und auszeichnungen. den ausführlichsten textteil (länger als alles vorherige zusammen) nimmt die kritik ein, hier “kontroversen” genannt. das ist bei einem projekt, das mehr als 20 teilweise durchaus renommierte preise bekam, etwas merkwürdig. aber eben auch typisch, weil correctiv kontroversen auslöst.

links adidas, rechts correctiv

mich hat bei meinem kurzen besuch die inhaltsangabe gestört, die nahelegte, dass correctiv vor allem kritisch zu betrachten sei. auch bei zahllosen anderen artikeln gibt es kritik-abschnitte, die aber im inhaltsverzeichnis in der regel nicht alles andere überwiegen, wie zum beispiel bei → adidas. deswegen mein versuch, bei correctiv dies zu koRRigieren.

walter | praedel

dieser mann wuchs in sehr einfachen und so brutalen verhältnissen auf, dass nicht einmal die schreibweise seines nachnamens klar war. prädl, predel und einige andere versionen kursierten. in seiner geburtsurkunde und dem hinrichtungsbescheid heißt er walter praedel. so habe ich auch den → wikipedia-artikel über ihn genannt, als ich ihn vor einigen jahren anlegte. wie kam ich auf ihn? über eine halbwöchige audio-session im stasi-unterlagen-archiv. ich hatte einen rechercheantrag gestellt, um mich über weitere tonmitschnitte von DDR-strafprozessen zu informieren. elli barczatis und otto fleischer waren die angeklagten in zwei von mir schon früher publizierten prozessen.

an walter praedel ist einiges besonders – und anders. denn er ist weder ein spion, noch in irgend einer form prominent gewesen. fleischer war professor für bergbau, barczatis die chefsekretärin von otto grotewohl. praedel hatte nicht einmal eine eindeutige berufsbezeichnung. von ofenbauer bis landarbeiter war die rede. er hatte aus frust über die verhältnisse in seinem DDR-umfeld eine scheune mit heu angezündet.

der strafprozess gegen ihn im dezember 1961 dauerte genau einen tag. einen monat später wurde er mit dem fallbeil (die DDR vermied das wort guillotine) hingerichtet.

der prozess ist komplett als audiomitschnitt erhalten. wir werden ihn im archivradio des SWR in voller länger präsentieren und schon im vorfeld im podcast des stasi-unterlagen-archivs über ihn diskutieren.