ver | komponiert

gestern nacht hab ich mich mal wieder verkomponiert. das passiert öfter. ich kenne das. ich merke die anzeichen frühzeitig — und komponiere trotzdem weiter. am ende kommt dann keine runde sache heraus, sondern eine baustelle, die ich nur schwer aufgeben kann.

diesmal fing ich mit einem vorgefertigten schlagzeug-loop an, der gut, aber etwas dürftig klang. ich spielte eine zweite schlagzeugspur ein, in mehreren varianten. damit waren zwei stunden vergangen. ungewöhnlich lang, nur für das schlagzeug.

elektrische rhythmusgitarre für die dritte spur

weil ich mich auf eine tonart festlegen wollte, nämlich d-moll, suchte ich nach einem instrument, das ich melodiös einsetzen konnte, das hell und etwas scharf klang. auch das dauerte und war mit einigen fehlgriffen verbunden. endlich fand ich eine mit arpeggio spielbare elektrogitarre. die kam mit einem raum, der perfekt klang.

um die kompositionsskizze (denn mehr war es nicht) abzurunden, brauchte ich einen bass. normalerweise finde ich einen passenden bass rasch in meinem VST-instrumentarium. diesmal dauerte es lang. ich spielte die spur mit einem 1/4-beat-gefühl ein, was mir zu langsam vorkam. also suchte ich einen zweiten bass, der die achtel bediente.

beim abhören der inzwischen fünf spuren merkte ich, wie stark ich mich verkomponiert hatte. die erste bass-einspielung war so klischeehaft, dass sie nicht zu gebrauchen war. es war ein melodiemuster, das vier takte lang funktionierte, dann das stück aber in tiefe ödnis schickte.

früher hätte ich das stück einfach gelöscht. inzwischen weiß ich aber, dass sich einen tag später ganz andere perspektiven auftun können. die gitarre ist herrlich, den bass schmeiße ich sicherlich weg. mal schau‘n.

steinbach | manitoba

panorama der ortsmitte von steinbach

2013 flog ich über toronto nach winnipeg, in die mitte kanadas. dann stieg ich in einen mietwagen, einen weißen VW beetle, und fuhr bei bestem wetter eine stunde nach süden. dort befindet sich eine kleinstadt, deren bewohner fast ausschließlich mennoniten sind. sie waren über mehrere generationen aus europa hierher geflüchtet. 2013 lockte die kanadische regierung die mennoniten mit einwanderungsprämien. denn die mennoniten gelten als fleißig, landwirtschaftsverbunden, friedliebend.

bei meinen zahlreichen interviews lernte ich progressive, aber auch sehr traditionelle mennoniten kennen, die moderne technik als teufelszeug ablehnten. und → frisch eingewanderte, die in russland als “deutsche” und nach ausreise nach bayern als “russenschweine” beschimpft wurden. in steinbach fanden sie frieden. fast alle sprachen mit mir deutsch.

steinbach ist einem straßendorf in der ukraine nachgebaut, von wo viele mennoniten flüchteten, unter anderem weil der sowjet-führer stalin die männer zum wehrdienst einziehen wollte. das ukrainische steinbach befand sich etwas westlich von mariopol und 700 km südlich von kiew. heute gehört das ehemals mennonitische siedlungsgebiet zur → oblast saporischschja. in der karte von 1914 unten ist steinbach rechts unten zu sehen.

mennonitsches siedlungsgebiet 1914 (heute ukraine)

im kanadischen steinbach gab es, als ich da war, mehr kirchen als straßenlaternen, und google maps kannte einige teile des orts noch nicht.

ich fand das einstündige feature von damals auf einer älteren festplatte und poste es hier. es war eine koproduktion des deutschlandfunks mit dem bayerischen rundfunk. einige zusatzinfos und längere interviewpassagen sind auf meiner etwas ältlichen webseite zu finden, nämlich → hier.

steinbach, manitoba. feature von 2013. DLF/BR

motion blurred | shadow

the google pixel 6 phone has a built-in motion mode. in this example you see a photo i took within a millisecond, while having a coffee outside of a café. the result is impressive. apart from the obvious blur of the street, the shadows are blurred as well. only the woman‘s and the pram’s shadow is in focus.

motion shot with smartphone

very well-done | depth of field

with the google pixel 2 smartphone i was quite amazed about its camera app. not the camera, but the app which drives the camera. it simulated the depth of field effect amazingly well. the current pixel 6 phone does an even better job, with less artifacts in “undecided“ regions of the scene. the photo below demonstrates this effect very well.

smartphone depth of field effect. photo: ms/picture alliance

the effect is called “portrait mode“ in the camera app. i shot this photo in normal mode which turned out to be too complex to grasp at first sight. in normal mode the saddle is merely one of many objects in focus. the portrait mode picks out the saddle and the centre pole (and the left handle) very well, so you see at first glance what‘s strange about this special bicycle.

8 tracks online via | music hub

die GEMA hat ein portal zur verbreitung von GEMA-registrierter musik geschaffen, den music hub. übers GEMA-portal fühlte ich mich aufgefordert, mal paar titel auf diese weise zu veröffentlichen. für GEMA-mitglieder ist der distributionsservice kostenlos. das war der grund, dass ich das jetzt mal gemacht habe. quasi mein erstes “album“, wobei album in den zeiten der musikstreaming-dienste ein überholter begriff ist.

mich hat an dem thema gereizt, wie es funktioniert, ohne großen aufwand titel zusammen zustellen, ein cover zu erstellen und den rest, also die verbreitung über spotify, applemusic etc., dritten zu überlassen.

dass in klammern neben dem albumtitel “original motion picture soundtrack” steht, wundert mich. es war nicht geplant. ich musste beim eingeben der metadaten für die zusammenstellung ein genre nennen. jedenfalls hatte ich beim komponieren filmszenen im kopf, aber es ist keine musik für einen konkreten film.

im entstehungsprozess waren noch ein paar andere dinge hakelig, und ich musste viermal den support an-chatten. beispielsweise heißt es, wenn ein track bei der GEMA angemeldet ist und davon ein soundfile existiert (fürs digitale fingerprinting, also die erkennung, wann und wo eine musik läuft), muss ich es nicht nochmal bei music hub hochladen. musste ich aber doch, nämlich weil music hub ein ganz spezielles musikformat verlangt, worauf die GEMA keinen wert legt. 16 bit wav. was auch nicht richtig klappte, ist der metadatenabgleich von der GEMA zu music hub. ich musste das meiste neu eingeben. eigentlich sollte es genügen, die werknummer der GEMA zu übertragen.

paar anmerkungen zur musik: ich komponiere das meiste in cubase. für mich sind die verfügbaren instrumente entscheidend für die komposition. habe ich eine für mich gut klingende und angenehm spielbare hammond-orgel zur verfügung, inspiriert mich das ebenso wie die exzellenten streicher von spitfire audio und der vienna symphonic library. ich mag aber auch iZotope Iris und massiveX sehr gern. toontracks EZ drummer sorgt in den meisten stücken für das jazzige schlagzeug. mit solchen favoriten im hinterkopf fange ich dann an und baue das stück allmählich auf. selten fülle ich dabei mehr als 6 spuren. ich spiele alles über ein midi-keyboard ein und editiere die eingespielten midi-events häufig per hand; nicht, weil ich falsch eingespielt hätte, sondern eher um neue melodie- und akkordstrukturen zu finden, die mir beim einspielen am keyboard einfach nicht einfallen. bei zwei oder drei der tracks des “albums” habe ich gitarre eingespielt, aber nie als typische e- oder akustische gitarre behandelt. es sind immer effekte am werk.

ich bin erfahren im komponieren und arrangieren, habe aber wenig ahnung vom mixing und mastering. vor nicht allzu langer zeit entdeckte ich iZotope ozone. ozone erledigt für mich mixing und mastering so gut, dass selbst mein freund christoph meist sagt, es klingt amtlich.

yes film | music!

track 3. photo: ms/pictureAlliance

i‘ve written and performed music since i was a kid. not a single piano lesson, and exactly three guitar lessons. this is a piece of music for film, composed last night. enjoy!

flötentank by ms/2022

archivradio | vorm start

im herbst 2007 startete der SWR das → archivradio. heute, 2022, ist es eine starke marke in der ARD mit zig tausenden hörerInnen. im → wikipedia-artikel dazu gibt es einen längeren teil zur geschichte des archivradios.

handschriftliches gesprächsprotokoll

ich fand in einem notizblock jetzt ein gesprächsprotokoll vom 10. januar 2007. handschriftlich, weil ich im zug zurück von dem treffen in wiesbaden war und noch alles frisch im kopf hatte.

dort hatte ich im deutschen rundfunkarchiv den damaligen DRA-chef hans-gerhard stülb und den leiter der hauptabteilung dokumentation und archive des südwestrundfunks in baden-baden michael harms. ich war im vorfeld schon mit detlef clas (leiter SWR 2 wissen) beim hörfunkdirektor des SWR bernhard hermann gewesen, der das projekt so gut fand, dass er sich einen start im frühjahr 2007 vorstellen konnte.

das gesprächsprotokoll beginnt mit den zwei kernaussagen: kein zweifel am sinn des projekts, und kein zweifel an seiner zukunftsfähigkeit. in dem gespräch, das ungefähr eine stunde dauerte, ging es um die finanzierung, um die begleitung des streams durch einen blog und die frage, ob NS-originaltöne kommentiert und eingeordnet werden sollten.

damals war nicht klar, wie viel aufwand die bestückung und kuratierung des archivradios erfordern würde. ich brachte gegenüber stülb und harms ins spiel, dass ich als freier journalist einen teil der arbeit übernehmen könnte. es stand noch mein → sendeschema von 2005 im raum, was aber nach dem start im herbst 2007 obsolet wurde. die finanzierung erfolgt seitdem über ein minimales budget der redaktion wissen im SWR.

der von harms vorgeschlagene blog kam nie zustande.

in der frage nach der kommentierung von NS-originaltönen waren stülb und ich uns einig: die das archivradio begleitende webseite müsste diese einordnung leisten. harms dagegen schlug vor, das auch vor, nach und mitten in jedem “problematischen ” o-ton per ansage zu tun.

dass o-töne aus nationalsozialistischer zeit überhaupt ein thema waren, liegt an der aufstellung des rundfunkarchivs. das DRA hat unmengen an NS-mitschnitten. als ich viele jahre später den schwerpunkt setzte, alle vorhandenen o-töne aus den parlamentsdebatten des weimarer reichstags zu streamen, ordneten wir das über die webseite des archivradios ausführlich ein und beschränkten uns in der anmoderation auf eine kurze inhaltliche zusammenfassung und zeitliche einordnung, mehr aber nicht. harms meinte dazu abschließend – und damit endet mein gesprächsprotokoll –, “in den 60er jahren wäre so ein o-ton im giftschrank verschwunden.”

giftschrank für NS-o-töne?

motion with a single | click

we‘re living in exciting times — as to the progress in photography and AI. the pixel 6 smartphone has a feature built deeply into its photo app which depicts motion with just a single click/tap on the screen. motion blur is always full of artifacts because it shows moving objects/subjects not totally sharp. we‘re so much used to motion blur in films that we interpret certain kinds of blurs as motion into a specific direction. google makes use of this by taking two photos, of which the first one is straight and the second more or less significantly blurred.

the app has two motion modes. in the one i‘m using most it freezes the moving subject and blurs the rest. in the four new photos i shot yesterday while sitting on a bench the top left is based on a misinterpretation: the photo app thinks the lake moves. that‘s why it motion blurs the jogger so dramatically.

(c) ms / pictureAlliance

the effect cannot be finetuned. you have to live with the result. and it‘s so obvious „pixel 6“ that sooner or later competitors like apple will have to implement a similar technique into their iPhones. it‘s much more than a special effect like sepia or a cartoon look.

heim | schnitt 1991

tonschnitt auf band zu hause

dieses polaroid nahm ich mitten in der nacht auf, als ich alle interviews für eine zündfunk-sendung über das gerade zu ende gegangene trickfilmfestival in stuttgart geschnitten hatte. auf dem teppich liegen die bandreste. im hintergrund die studer-bandmaschine, mit der ich 1991 alles an schnitt für die anstehende live-sendung vorbereiten konnte. das gerät wurde anfang der 1960er jahre gebaut, und ich bekam es in gutem zustand von einem bekannten verkauft, der ein musikstudio betrieb und auf neuere maschinen umstieg. das studer-gerät war eine der ersten stereo-bandmaschinen und lief mit 38 cm/s.

der tonschnitt auf band war damals tontechnikerinnen vorbehalten. siehe dazu → diesen eintrag. ich habe viel und gern mit ihnen im bayerischen rundfunk zusammen gearbeitet. irgendwann fand sich aber eine telefunken-bandmaschine in den redaktionsräumen des zündfunks ein. auf diesem gerät lernte ich abends (wenn der zündfunk vorbei war und die maschine nicht mehr genutzt wurde) selbst zu schneiden. ich verbrachte die ein oder andere nacht in diesem zimmer, ergriff dann aber die gelegenheit, mir ein profigerät für zu hause anzuschaffen.

im fall der trickfilmsendung war es so, dass wir samstag nachmittag von 14-16 uhr sendeten und vorher, ich glaube ab 10 uhr, schnitt- und produktionszeit im studio 4 des BR hatten. mit den geschnittenen interviews auf einer spule, die einzelnen takes mit gelbband getrennt, kam ich nach kurzem schlaf in den sender. das datum auf dem polariod war ein samstag. also, wie meist im aktuellen journalistenleben, kurz vor knapp alles fertig.

zündfunk ohne | computer (1995)

zündfunk redaktion — noch ohne PCs

ich fand in einer fotokiste diese beiden fotos. das erste, vermutlich 1995 mit selbstauslöser gemacht, zeigt einen von gefühlt fünf räumen der zündfunkredaktion. wir residierten im zweiten oder dritten stock des 1928 entstandenen riemerschmidbaus, also nicht im hochhaus. am selben flur befand sich die B3-redaktion, wo günter jauch und thomas gottschalk ein und aus gingen und wohin das zündfunk-urgestein ingeborg schober fremd ging (ich übernahm anfang der 1980er jahre ihre sendung im “club 16“). wir sahen ohne neid die B3-wäschekörbe mit hörerpost, die meisten waren musikwünsche oder antworten auf gewinnspiele. wir zündfunk-moderatorInnen bekamen genug briefe von hörerInnen, oft sehr ausführliche sendekritik. ich habe noch viele davon in einem schrank.

es gab drei sekretärinnen, auf zwei räume verteilt, und drei, später nur zwei redakteure und redakteurinnen. das büro, in dem das foto oben entstand, war das von judith schnaubelt, wie sie mir schrieb. kann sein, dass sie das foto aufgenommen hat.

nirgends standen zur zeit der aufnahme computer herum. es gab schreibmaschinen, die auf massiven metallhebelarmen von einer schreibtischseite zur anderen hinüber geschwenkt werden konnten. einer der drei redakteure der 1980er jahre, klaus kastan, merkte an, dass der BR die ersten PCs testweise ende der 1980er jahre in der wirtschaftsredaktion einführte. als klaus 1995 von london, wo er korrespondent war, zurück kam, hatten alle redaktionen computer. das bedeutet, dass das bild oben auf 1994 umdatiert werden muss.

wir freien mitarbeiterInnen hatten keinen eigenen schreibtisch, sondern einen etwas armseligen raum, in dem ich selten war, aber öfter kollegen wie jo angerer, lorenz schröter, roderich fabian antraf, die fleißig auf schreibmaschinen tippten und telefonierten. telefonieren war in der zeit noch sehr teuer, und um recherchen durchzuführen kamen wir gern ins funkhaus. denn wozu sollten wir unsere private telefonrechnung damit belasten! ejo eckerle, der das mitarbeiterzimmer gut kannte, weiß noch details, die ich vergessen habe: es war eine umfunktionierte besenkammer mit einem kieselgrauen wählscheibentelefon, drei schreibtischen und ein oder zwei ausrangierten mechanischen schreibmaschinen. lorenz “lorenz“ schröter erinnerte mich jetzt an den namen des mitarbeiterzimmers: miezi. und an ein skelett, das mir gehörte und im besenschrank stand, bis ich‘s zur live-sendung mit hochnahm. ich war selten im miezi.

im hintersten redaktionsraum, dem büro des redaktionsleiters, stand zwar eine (ton)bandmaschine, aber die sendungen vorbereitet haben wir mit meist weiblichen tontechnikerinnen im 7. stock des „studiobaus“ in so genannten tonbearbeitungsräumen. die tontechnikerinnen waren meister der tonbandakrobatik: sie spulten, schnitten, markierten und klebten sehr schnell. die kleber waren meist blau.

als ich mir diese expertise angeeignet hatte, war es schon fast zu spät: ich sendete damals (1995) schon mit selbstgebrannten CDs, also ohne tonbänder.

abhörraum mit steuergerät und lautsprecher

dieses foto ist ein zeitdokument besonderer art. es zeigt einen so genannten abhörraum. er befand sich ebenfalls im 7. stock, direkt neben dem schallarchiv. ich verbrachte viel zeit in diesen kargen räumen, um o-töne aus dem archiv zu hören. ein kollege im schallarchiv legte in seinem arbeitsbereich (genannt ZÜTR) ein von mir bestelltes tonband auf und leitete das signal zu mir in den abhörraum auf den hervorragend klingenden mono-lautsprecher. hier konnte ich mit dem kruden grauen kasten von ferne aus auf die bandmaschine zugreifen, also spulen und anhalten. wichtig war der lautstärkeregler, und unverzichtbar das (im bild nicht sichtbare) telefon. ich rief immer wieder im ZÜTR an, zum beispiel um zu sagen, das band ist gleich zu ende, man möge mir bitte das nächste auflegen. dieser raum war an erbärmlichkeit kaum zu überbieten, aber er war in diesen analogen zeiten sehr effektiv.

rye sourdough | as always

above you see the 1 kg loaf of bread. 100% organic rye, sourdough, salt. below is the sequence before and during baking. the bottom right image shows the loaf after half an hour of very hot and steamy dutch oven baking. the remaining hour is without the dutch oven and without steam.

artificial | art

let me show you three images, created with AI. the first one is a clichée. i used a photo of a man throwing the branch of a tree into the air. AI turned the man into a dog or wolfe-like creature and planted one or two spacecrafts into the (originally bright blue) sky.

a typical derivative of a classical photo as AI art.

the second image is not that obvious. i used the satellite view of the city of kiev and entered the keyword “hieronymus bosch”. bosch was a dutch painter born in the 15th century. the AI located a dark area in the map which depicts the dnieper river and replaced it with a bird. what the AI did with the letters in the map is not very exciting.

bosch and the kiev map

the third image is pretty amazing. i used a photo of a beach on a sunny noon, with nobody there, just waves and blue sky, and used the term “ritterkapelle” for the calculation. ritterkapelle is german for a gothic chapel or cathedral. usually the AI process likes to incorporate detailed structures like the shape of the gothic columns. not in this case. only a very dark thin horizontal line and the dark sky reminds me of a dark church:

the term “ritterkapelle” applied to a sunny beach photograph

motion blurred | art

this image is a mix of two:

skating galore!

i photographed the two original images within less than a second, using the motion option in the google pixel 6 photo app. overlaying the two photos in photoshop with the difference function and reversing the colours of the composite made this possible. bottom line: you see the motion of the skaters rather than only the skaters. lots of other possibilities with this amazing motion mode in a smartphone!

the original(s): without and with motion

funkt der | deutschlandfunk?

vorweg: ich bin seit etwa 1990 freier mitarbeiter des deutschlandfunks, und zwar aus einem einzigen grund: ich schätze diesen sender. ich schätze den sender auch heute, erlaube mir aber die kritik am online-auftritt, wie er sich heute gestaltet.

dies ist die startseite des deutschlandfunks am heutigen dienstag nachmittag:

deutschlandfunk.de webseite vom 12. april 2022. text only, no audio.

zu sehen sind auf den ersten blick sieben themen, von “terror… abziehen?” über “krieg in der ukraine / putin…” bis zur “internationalen presseschau”. nur zwei (!) dieser themen führen zu dem, was den deutschlandfunk ausmacht, nämlich zu rundfunkbeiträgen:

  • die internationale presseschau liefert bei klick eine liste der presseschauen der letzten tage, und jede lässt sich über einen weiteren klick nachhören. was nicht möglich ist, ist die aktuelle presseschau direkt über die homepage anzuhören.
  • “LNG in deutschland”: der klick darauf führt zu einem längeren artikel, wobei sich im zweiten absatz ein link zu hören des knapp fünfminütigen beitrags anbietet. in diesem fall also nicht nur zwei klicks, wie im beispiel der presseschau, sondern auch noch suchen nach einem link.

keine audio-links zu konkreten beiträgen im deutschlandfunk finden sich unter allen anderen einträgen. auch nicht beim leitartikel “terror, militärputsch…” und allen größeren online-beiträgen, die sich beim runterscrollen anbieten.

es gibt oben einen menüpunkt “sendungen”, der zu einer alphabetischen auflistung aller sendungen führt. diese beginnt mit “@mediasres” und endet mit “zwischentöne”.

der menüpunkt “programm” führt zu dem, was eigentlich auf die leitseite gehört, nämlich zu den sendungen. hier ist der ort, wo jemand, der/die im auto etwas spannendes hört, das später online nachhören kann.

im UX-design, also der wissenschaft, wie man ein portal aufbaut, gilt, dass die anlaufseite sofort das eigentliche zeigt. im fall des deutschlandfunks wären das nicht von der online-redaktion verfasste an zeitungsartikel erinnernde, bebilderte texte, sondern im beispiel des screenshots informationen über das, was gerade im sender läuft und gerade lief, nämlich die sendung “campus und karriere” mit unter anderem dem thema

  • Welche grünen Berufe gerade im Trend liegen und welche Chancen sich für die Ausbildungsorientierung ergeben.

nichts davon auf der leitseite. blicken wir vier jahre zurück: damals hatte der trend längst begonnen: die homepage war nicht von den DLF-redaktionen, sondern von der online-redaktion gewichtet und scherte sich nicht ums laufende programm. allerdings war damals in vielen fällen der direkte klick zum nachhören der angeteaserten themen zu sehen.

die webseite vor genau 4 jahren: fast alles direkt nachhörbar. audio follows text.

wir rundfunkleute haben erlebt, wie die verlagsbranche und die privatsender im aufbau der webseiten der öffentlich-rechtlichen sender ihren größten feind sahen. immer wieder wurden – im rundfunkstaatsvertrag und anderswo – regeln über die online-portale der sender aufgestellt und modifiziert. zum beispiel mussten hörfunk- und fernsehbeiträge vor einigen jahren nach wenigen tagen gelöscht werden; heute dagegen können viele über einige jahre “zum nachhören” bestehen bleiben. beiträge zum hören sind das herzstück, die kernkompetenz des rundfunks. schließlich sind wir radiojournalisten keine zeitungsjournalisten. für uns ist text nicht das non plus ultra. wir sind auch stimm-vermittler.

die webseite vom 25. märz 2004: text follows audio

längst haben sich die internet-redaktionen in allen anstalten, nicht nur im deutschlandfunk, einen immer stärkeren stand in den rundfunkanstalten erobert. vor gefühlt 15 jahren spielten die “onliner” eine außenseiterrolle in den täglichen redaktionskonferenzen des deutschlandfunks. schon vor jahren hat sich der spieß umgedreht, und die klassischen rundfunkredakteurInnen fragen inzwischen in den sitzungen freundlich bei den online-kollegInnen an, ob ihr “spannender, höchst relevanter” beitrag vielleicht “online begleitet” werden könnte. könnte er schon, wird er aber in der regel nicht, denn die online-redaktionen führen ein eigenleben, das mit dem sender immer weniger zu tun hat.

für die dominanz der online-redaktion gibt es mehrere gründe, was zu diskutieren hier zu weit führen würde. auch die art der texte und die auswahl der themen für die webseite ist ein spannungsfeld. warum kommen zum beispiel im radioprogramm “schwierige” wissenschaftliche themen täglich vor, nämlich in der sendung “forschung aktuell”, praktisch nie aber auf der leitseite des senders? warum gibt der sender viel geld für hörspiel- und featureproduktionen aus, die sich dann aber auf der homepage nicht finden? eben weil sie “schwierig” sind, oder “zu lang”, ist zu hören.

woran macht man “schwierig” fest? natürlich, wie die privatsender und die zeitungsmedien schon immer: an den klickzahlen. seit wann richtet sich ein öffentlich finanzierter sender nach klickzahlen auf internetseiten? ich dachte, der sender macht aus seiner expertise heraus rund-funk, legt die themen fest und macht “schwierige” themen akustisch vermittelbar. das müsste sich auf den dann eben durchaus “schwierigen” internetseiten zeigen, und zwar direkt vorn, ganz oben. es gibt keine regel, wie “leicht” internetseiten zu sein haben. wer dies fordert, hat den deutschlandfunk und das internet nicht verstanden.

daytime long | exposure

3 seconds exposure

long exposure has been a well known special effect of classic photography. you would typically place your camera on a tripod at night and shoot the stars or the car traffic with several seconds of exposure or “B“ — which would depict the stars in the sky as curved lines. you could not perform long exposures during daytime because that would allow too much light entering the lens, even with a tiny aperture. the neutral-density (ND) filters which throttle the light-input are no real solution.

with the advent of special effects in smartphone photography this night effect was transported into daytime. here is an example, just for demonstration purposes. the image at the top is such a long exposure photo, shot with the google pixel 6. no tripod, no long wait. a matter of maybe 3 seconds, holding the phone in a more or less steady position. the camera delivers two photos. below you see the “original“ — or let‘s call it the classic shot.

classic shot

small | talque

this short piece consists of two parts. in the first one we start talking. in the second part, drums drive us somewhere else. the talking voices come from “super 8“. the bass is a rickenbacker, the organ a B4 (all three by native instruments, berlin), the drums come from toontrack‘s eazy drummer.

small talque, licensed via GEMA, germany

the icon above: Freepik – Flaticon

Club | 16

cassettenaufkleber eines club 16-mitschnitts. ca. 1970

ungefähr 1967 lernte ich den club 16 auf bayern 2 kennen. die sendung lief werktäglich von 16 bis 17 uhr und war ein vorläufer des zündfunks.

der club 16: eine insel des glücks für all diejenigen in und um bayern, die das volktümelnd-ultrakonservative des senders satt hatten und den frischen wind der aufmüpfigen rockmusik spürten. im club 16 liefen „freche“ titel von jimi hendrix, den rolling stones, ten years after, frank zappa etc. die sendung war für uns hörer auch deswegen von großer bedeutung, weil sie uns frühzeitig über neuerscheinungen informierte und wir nicht jede schallplatte für damals 20 DM kaufen mussten.

der sendungsmitschnitt war die lösung. auch für mich, der ich genau wusste, an welchem wochentag meine lieblingsmoderatoren den club 16 bestückten, etwa raoul hoffmann. leisten konnte ich mir damals vom taschengeld allenfalls eine LP pro halbjahr. das weiße doppelalbum der beatles war die erste anschaffung.

meine mitschnitte des club 16 fanden anfangs auf tonbandspulen statt, später auf cassette in stereo. ich störte mich nicht — wie andere — daran, wenn die moderatoren über den schluss von musiken drübersprachen, denn mir gefiel gerade diese mischung aus musik und persönlicher ansprache.

das foto oben zeigt den über die vielen jahre abgefallenen aufkleber einer meiner wichtigsten compact-cassetten. auf ihr konnte ich zwei club 16-sendungen mitschneiden, eine vorn, eine hinten. ich nummerierte cassetten damals durch. “2120“ bedeutete, dass es meine zweite cassette dieser länge, eben 120 minuten, war.

die cassette zu diesem aufkleber steht irgendwo in diesem regal:

mein cassetten-regal

mich hat der aufkleber daran erinnert, dass ich vom club 16-hörer zum club 16-moderator wurde. ganz ähnlich wie ich 1983 vom commodore 64-user zum initiator von bit, byte, gebissen wurde. und vom nutzer des deutschen rundfunkarchivs zum erfinder des archivradios. und vom nutzer des stasi-unterlagen-archivs zum host des podcasts 111 km akten. vieles in meinem berufsleben hat nicht geklappt, aber diese dinge eben schon.

putin’s | grip on power

in may 2000, vladimir putin “sealed” his way to power – as the financial times/reuters put it. a legitimite democratic transfer from boris jelzin.

financial times, may 8, 2000, page 1

four years later, in september 2004, putin made a major move away from the russian federal to a centralized structure, plus: strengthening the power of the secret police. he could do this with ease because the superpower USA had used the september 2001 attack by al qaida to terrorize parts of the world. the article in the financial times puts putin’s drastic move into perspective:

financial times, september 14, 2004

he stayed in power for two terms, until may 2008. since the constitution barred him from a third term, he tricked the political system by a → a power-switching operation. he enthroned his friend and deputy prime minister dmitry medvedev as his intermediate successor. then a manipulation in the constitution skipped the two term limitation. medvedev handed power back to putin in 2012.