trump groß | zügig

ein geschäftsmann bleibt bei geschäftsverhandlungen hart, also da, wo es um geld und ruhm geht. bei minder wichtigen dingen, wo der geschäftsmann weder finanzen, noch eitelkeit verletzt sieht, spielt er den großzügigen. das fing kurz nach amtsantritt an mit trumps bemerkung, folter sei prima, aber wenn die parlamentarier dagegen sind, ist es auch okay. und es fand heute wieder statt, als netanyahu zu besuch im weißen haus war: ein oder zwei staaten (israel, palestinia), ich kann mit beidem leben, sollen die parlamente entscheiden.

 

ein präsident in der | trotzphase

ein → editorial in der heutigen ausgabe der new york times beschäftigt sich mit trumps kollektiver verdammung der US-justiz und beginnt mit dem vielleicht trivialen, aber richtigen satz:

„wenn präsident trump nicht kriegt, was er will, sucht er sich gern jemanden, den er dafür verantwortlich machen kann – verdorbene meinungsforscher, falsche wähler, lügende journalisten. jeder, der ihn und was er tut hinterfragt, wird zu seinem feind.“

die kinderpsychologie kennt dieses raster gut; es heißt da „trotzphase“. viele erwachsene, die nicht heil durch die trotzphasen des kindesalters durchkommen, setzen ihren willen mit mitteln durch, die alle auf trump zutreffen: die dinge schlecht machen, herumtoben und eben: andere diskreditieren.

in dem editorial wird auf trumps auslassungen gegen die justiz hingewiesen, diese mache sich ab sofort für jeden terroranschlag schuldig. diese argumentation ist deckungsgleich mit der, wo menschen, denen ein schwarzer hund in den garten pinkelt, zu rassenhassern werden. die deutschen hatten in den 1930er jahren eine kollektivschuld an den naziverbrechen. ein großer teil der amerikanischen bevölkerung hat jetzt eine kollektivschuld an all dem, was der von ihnen demokratisch gewählte präsident an „bösem“ durchzieht. trump hat im wahlkampf nichts anderes gesagt, als was er jetzt tut, also kann niemand, der ihn gewählt hat, sagen, er habe nichts gewusst.

automatische text | erzeugung

welcher text kommt aus der maschine, welcher von einem journalisten?

die lösung lautet: A ist der maschinentext – wobei ich dazu sagen muss, dass ich der radiophonen kürze wegen aus den viel viel längeren texten (DIN A4) ausschnitte gewählt habe, die in etwa das gleiche thema haben: lage des hotels, parken…

der heutige schwerpunkt in der DLF-sendung → computer und kommunikation findet sich zum nachhören → hier.

das ein- und das zwei | korn

emmer-sauerteigbrot. foto: ms/dpa

emmer ist eine alte, wie man heute sagen würde „nicht besonders performante“ weizenart. der alte deutsche ausdruck dafür ist das zweikorn. mein emmer-sauerteig hat – das ist schon ein jahr her – zwei wochen gebraucht, bis er „trieb“, und weil ich ihn zuletzt mit → einkorn anfütterte, schien er vorgestern etwas verwirrt und stellte sich schlafen. den ganzen tag gestern versuchte ich ihn mit leichtem anfüttern, lauwarmem wasser, raumwärme aufzuwecken, aber auch heutemorgen waren seine fermentierungsbläschen sehr überschaubar.

also griff ich zur notlösung und mischte erstmals trockenhefe in den sauerteig. der ging natürlich ordentlich auf. das brot schmeckt trotzdem angenehm sauer, und gleichzeitig leicht süßlich, weil der emmer-weizen nunmal süßlich-nussig schmeckt. ein zauberhaftes mehl.

das brot von oben im anschnitt

gottschalk auf den hund | gekommen

ich kenne → thomas gottschalk flüchtig aus meinen BR-zeiten. zwei abteilungen, die sich respektvoll distanziert gegenüberstanden und gelegentlich im aufzug und in der kantine sahen: die leichte unterhaltungswelle B3 (→ gottschalk, → jauch, → egner…) und der politisch widerborstige B2 zündfunk (lindenmayer, → riederer, → kastan, kick, angerer, → bruckmaier, → kapfer…). auf B3 liefen die charts, gottschalk machte witze wie: „bei der geschlossenen schneedecke können Sie wenigstens nicht durchfallen“. wir im zündfunk stellten den punk und den metal vor, besuchten besetzte häuser und ließen jusos live gegen rechte socken antreten. 1980er jahre.

gottschalks fernsehkarriere ist zwiespältig. seine talkshows waren alle flops, weil er einfach keine interviews führen kann, oder anders ausgedrückt: weil er kein journalist ist, ganz im gegenteil zum beispiel zu einer ebenfalls zündfunk-kollegin → sandra maischberger. wetten dass dagegen war ideal für ihn, weil hier ein schön unpolitischer sunny boy den liebsten fernsehschwiegersohn für das etwas ältere samstagabendpublikum spielen konnte. genommen spielte er den nicht, er war und ist so.

wenn jemand finanziell so gut dasteht, wundert es mich, dass er in die unterste werbeschublade greift und sich vor ein möbelhaus spannen lässt, nur um noch paar euro zu verdienen. im goldjäckchen. sorry, thomas, schmieriger geht’s nicht.

suppenküche | MAGISTER

AfD-mitglied und seit langem (weitgehend verdienter) wikipedia-autor MAGISTER (großbuchstaben, weil er sich selbst so schreibt) wurde wegen persönlichen beleidigungen und mobbing für eine woche vom schreiben in der wikipedia ausgesperrt. → hier in typisch epischer länge nachzulesen.

trump-narzissmus mal | anders

beim studium des phänomens DT stieß ich auf einen artikel in der new york times vom 26. august 1980, der in mehreren aspekten interessant ist. trump war damals 34 und hatte den bau des trump towers mitten in manhattan durchgesetzt.

trump am modell des trump towers. foto: charles/manning, NYT

der artikel von howard blum zeigt erstens, wie gut die zeitung trump und wie gut trump die new york times kannte. zweitens waren die geldspiele und das beeinflussen von politikern mit geschenken schon damals kennzeichnend.

blum kritisiert trump allerdings vor allem in einem punkt: dass er einen art deco vorbau abreißen ließ, um seinen trump tower dahin zu stellen. was er nicht ohne bewunderung hinnimmt, sind „seine politischen kontakte, das familienerbe“, das ihm diesen luxus erlaubte, und trumps „agressive art, geschäfte zu machen.“

er scheint damals mit trump ausführlich gesprochen zu haben, denn der erzählte ihm einen schwank aus der zeit, als er (trump) 18 war: es regnete in strömen, als die  → verrazano-narrows-brücke eröffnet wurde (ich bin 2011 mal mit meinem vater drübergefahren; wirkte wie eine leicht schwankende, ganz normale autobahnstrecke). ihn ekelten die politikerreden bei dieser zeremonie an. diese „jerks“ lobten und priesen sich gegenseitig, obwohl viele von ihnen gegen die brücke gewesen waren, sagte trump dem reporter. und jetzt kommt’s: der junge trump, mit seinem vater an seiner seite, entdeckt einen „85jährigen schwedischen ingenieur“ am rande der veranstaltung stehen, der der architekt der brücke war und den keiner in den großen reden  erwähnte. diese ungerechtigkeit widerte den kleinen trump an.

der damals in wahrheit schon 86jährige schwede war ein schweizer und hieß → Othmar Ammann. bevor er in rente ging, war er längst stolzer, einflussreicher amerikanischer staatsbürger, nämlich quasi einer der brückenchefs von new york, also keine kleine, bemitleidenswerte nummer. was natürlich hinter dieser geschichte steckt, ist trumps damals schon virulente abneigung gegen bigotte politiker, oder wie er’s heute sagen würde, das politische establishment.

an jenem tag, so trump 1980, entstand die vision, manhattan umzubauen. mit 30 machte er sich an die arbeit für den trump tower. ein immobilienmagnat, dem das grundstück gehörte, sagte, man habe den jungen mann beobachtet, wie er mit den ganzen hürden (papierkram, umweltauflagen, bauhöheneinschränkungen) fertig würde, „and to tell you the truth, he surprised us. We were kind of skeptical at first, but everything Donald promised to get done, he did.“

wieder schüttet der autor des artikels ein wenig wasser in den wein und schreibt, dass die trumps die lokalpolitiker new yorks mit vielen geldspenden bei den wahlkämpfen unterstützt hätten, also ein leichtes spiel mit baufreigaben ermöglichen konnten. aber dann doch wieder lob: der ehemalige bürgermeister → robert f. wagner  meinte, trump sei nicht wegen seiner politischen verbindungen erfolgreich, sondern weil „er gern übertreibt, wie das verkäufer nunmal so tun“: „Donald could be very convincing when he’s selling a project to the city.“

der immobilienmann meinte, trump sei sehr scharf darauf gewesen, das gebäude nach seiner familie zu benennen. das habe ihn einiges gekostet. als es genehmigt war und fast gleichzeitig zufällig der penn station bankrott ging, kaufte er das grundstück bot der stadt an, ein kongresszentrum zu bauen, das den namen seine vaters tragen sollte. jetzt wieder typisch:

„er hat uns gesagt, er könnte von uns für den bau 4,4 millionen dollar kommission verlangen. auf die würde er gern verzichten, wenn das gebäude ‚Fred C. Trump Convention Center‘ genannt würde. wir dachten darüber nach und kamen zu dem schluss, dass das in ordung wäre, wenn wir [die stadt] bei dem deal 4,4 millionen sparen könnten. wir rechneten dann aber einen monat lang nach, studierten den original-vertrag zwischen penn station und trump und stellten fest, dass er gar keinen anspruch in höhe von 4,4, millionen, sondern höchstens von 500.000 dollar hätte. was mich dabei wirklich beeindruckt hat, war, wie weit er sich vorwagte. es war fantastisch. unglaublich. er hatte uns fast soweit gebracht, dass wir das kongresszentrum nach seinem vater benannten, um anfgeblich paar millionen einzusparen. vermutlich ging er davon aus, dass der deal über die bühne ging, weil wir das kleingedruckte nicht lasen, und wenn, dann so spät, als der deal längst unter dach und fach gewesen wäre.“

der → artikel zeigt uns einen anderen trump, als wir ihn kennen, und einen, den wir genau so jetzt kennen. der text geht noch lange weiter und wird dann durchaus kritisch, weil die vielen verstrickungen mit der politik deutlich werden, ursprünglich die seines vaters mit den demokraten von brooklyn.

reich übern | teich

1981 → heirateten prince charles und lady diana. sie wollten gern im damals im bau befindlichen trump-tower wohnen, und nicht nur das: zwei stockwerke kaufen, um daraus ein 21-zimmer-objekt zu machen. alles falsch, wie die TIMES vom 4. august 1981 schreibt. donald trump selbst wollte sich um den deal kümmern, der offenbar nie zustande kam. interessant auch der letzte satz in diesem allerersten artikel der TIMES, in dem donald trump erwähnt wird: arbeiter schwarzer hautfarbe protestieren gegen die weiß dominierte arbeiterschaft an dieser und an anderer baustelle.