männerstamm | tisch

… schreibt kollegin güzin kar im schweizer tagesanzeiger. kein wunder ist, dass trump und brexit die nationalpatriotische rechte in allen möglichen ländern stärken. womit ich aber nicht gerechnet hätte, ist die aktuelle frauendiskussion. trump hat sie quasi persönlich durch sein pussy-grabbing-video initiiert, und ihm wäre es natürlich sehr lieb, wenn die frauen ihn spätestens jetzt als präsident toll fänden. stattdessen reihenweise artikel und postings wie diese hier, wo etwas sehr laut gesagt wird, was schon immer da war.

auch dies macht zur zeit die runde:

dazu passend, zeitungsfoto 1970er jahre:

zynische selbst | versorgung

das leid, das du anderen antust…*

Am dritten Tag sprach nicht Jesus zu seinen Jüngern …, sondern [und ab hier weitgehend wörtlich übersetzt] fing die verschärfte Verhörphase an. Das Subjekt hatte den letzten Abend in einer großen Box verbracht. Gemäß der aktuellen Verhörstrategie war der Schlaf des Subjekts wie in den Tagen zuvor mehrmals unterbrochen worden. Um 10 Uhr 42 kamen die Wachen sowie 10 Psychologen (Verhörexperten) und holten das Subjekt aus der Kiste. Vorher war besprochen worden, wie man mit der Wunde am Handgelenk des Subjekts umgehen solle, denn das Verhör durfte dadurch nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Handfesseln wurden gegen neue ausgetauscht. Die Verhörexperten würden schließlich immer wieder mit der Wunde in Kontakt kommen.

Das Subjekt wurde an die Spezialwand geführt, und man brachte ein aufgerolltes Handtuch an seinem Hals an. Als das Subjekt auf die Frage, was es an Informationen verberge, sagte, keine, bekam es einen erniedrigenden Schlag ins Gesicht. Als es weiterhin verneinte, Informationen über Aktionen gegen die USA zu haben, wurde es mit Wucht gegen die Wand gestoßen.

Die Verhörenden hatten kein Interesse daran, mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten des Befragten in Kontakt zu kommen und forderten ihn deswegen auf, sich selbst um seine Wunden zu kümmern. Sie überreichten ihm 6 Mullbinden und forderten ihn auf, sich zu beeilen und nicht den Verhörvorgang hinauszuzögern, der in wenigen Minuten weiter ginge. Unmittelbar danach stießen sie ihn wieder gegen die Wand, weil er die Frage nach Informationen wieder verneinte. Daraufhin kam er wieder in die Kiste.

Um 11 Uhr 30 wurde das Subjekt aus der Box geholt und ihm ein Sack über den Kopf gestülpt. Man führte es zur Verhörwand und ließ es da in der Anwesenheit der Wachmänner bis 12 Uhr 9 stehen, um sein Orientierungsvermögen zu stören. Die Sicherheitsleute brachten das Subjekt anschließend in die Kiste zurück, nahmen den Sack ab und wiesen es an, den Eimer zur Kenntnis zu nehmen. Es sollte hier seine Blase entleeren.

Um 12 Uhr 46 brachten die Verhörexperten das Wasserbrett in die Zelle. Die Kiste wurde geöffnet, das Subjekt bekam den Sack über den Kopf. Auf dem Wasserbrett, wo sich das Subjekt widerstandslos hinlegte, wurde ihm der Kopf wieder befreit. Es fing an zu weinen, wiederholte, nichts zu wissen, und stotterte „Helft mir“.

Zwischen 12 Uhr 50 und 13 Uhr 15 wurde die Wasserbrett-Technik zahlreiche Male angewandt. Um 13 Uhr 17 kam das Subjekt zurück in die Kiste, um 13 Uhr 21 wieder heraus musste und in sitzender Position auf dem Wasserbrett Platz nehmen. Es wirkte niedergeschlagen, vorgebeugt und weinte offenbar echte Tränen. Es sagte, es habe nach dem Gebet beschlossen, nun die Wahrheit sagen, um sich selbst und seine Brüder zu retten. Um 13 Uhr 26 kam es in die Kiste zurück.

Um 16 Uhr 29 betrat das Team die Zelle und öffnete die Box. Weil das Subjekt keine Auskunft gab, wurde es wieder zum Wasserbrett geführt. Wieder weinte es und bekundete, alles gesagt zu haben. Man wies das Subjekt darauf hin, dass es mehr Informationen liefern müsse, um den Fluss des Wassers zu stoppen.


manning job done | twice

schwere geburt war mein so genannter „zwischenruf“ heute in WDR 3 / resonanzen, einem mehrstündigen kulturprogramm mit sehr viel musik und einer dreieinhalbminütigen kommentar/glossen-ecke, eben dem zwischenruf. ich hatte der redaktion auf deren wunsch zwei kulturnahe aktuelle themen angeboten, die aber auf kein interesse stießen. stattdessen wurde ich gebeten, etwas über die begnadigung chelsea aka bradley mannings zu schreiben. nun war manning heute in aller munde und in allen zeitungen und in der tagesschau ganz vorn. was will ich dazu noch sagen? eine glosse konnte ich mir wegen des ernsts der lage zunächst nicht vorstellen. die redaktion bat also um einen kommentar, eine einordnung – wie sie heute vermutlich schon x kollegen vollzogen hatten.

ich kam vom mittagessen zurück, als mir ein dreh einfiel, doch eine glosse daraus zu machen, nämlich eine dystopie der fake news. dieser text wurde umgehend abgelehnt:


nicht gesendete fakenews glosse

der text sei unverständlich und ginge nicht ernst genug auf das thema der begnadigung mannings durch obama ein. der nachmittag neigte sich dem sendebeginn zu. ich wurde gebeten, doch einen kommentar zu schreiben, der aspekte aufwirft, die nur ich, der ich die wikileaks sehr gut kenne, aufwerfen kann. mir fielen keine ein, denn inzwischen sind alle kollegen auf dem gleichen stand. aber ich schrieb den kommentar, sicher kein weltwunder an text, und → hier eine zeitlang nachhörbar.

war das nun eun typischer ablauf für ein journalistisches autorenleben? eher nicht. es gibt zwei arten von beiträgen fürs radio (und für print): das alltägliche, was gemacht werden muss. und die etwas höhere kunst, sich etwas zu erfinden, zusammenhänge zu schaffen und an sich normales ins bizarre, komische, skurrile zu drehen, dahin, wo nicht jeder sowieso hindenkt und wo man nicht merkt, wohin die geschichte läuft, bevor sie nach wenigen minuten zu ende ist. ein sehr sensibles produkt. also ein eher unüblicher ablauf im freien autorenleben.

bootleggers club | london

norwegischer youngster dixie. foto: ms/dpa

kein eintritt, gutes raumklima trotz keller, miserable bierauswahl, zu wenig personal, beschäftigt mit „old fashioned“ hergestellten cocktails, krumme tischplanken, wo kein glas ruhig steht und viele gläser kippen. eine band aus norwegen, die offenbar letzten donnerstag nur einsprang und namenlos blieb. weder der twitter-account des pub-clubs, noch seine → webseite sagten was drüber auf. eine fusion aus ca. 20jährigen, perfekt spielenden, aber etwas emotionslos wirkenden dixie-musikanten. in → diesem video ist nur der sänger/trompeter identisch mit dem, was wir im bootleggers sahen. irgendwie waren die disney-verdixie-ungen nicht ganz kompatibel mit der city of london. viele gingen nach eineinhalb verschütteten pints…

die → fallen heroes, die ihr zuhause im abgewirtschafteten blue posts pub in soho nach 10 jahren verloren, finden vermutlich hier ein neues zuhause. sie sind meister der londoner stimmung, diese reifen herren mit ihrem repertoire aus dub, ska, rock n‘ roll, einem übertalentierten pianisten (ian beetlestone) und dem scheuen background gitarristen john „flashback radio“ ruscoe:

John ‘Flashback Radio’ Ruscoe : Guitar. He’s the quiet one, the dark horse but he’s keeping that motor running in the band, he’s driving that rhythm section along. John mixes the styles of Chuck Berry, Scotty Moore, Gram Parsons, Wes Montgomery and Muddy Waters without plagiarising. John draws on his varied tastes, as does the rest of the band, but has his own unique sound and style, which is so much a part of the band. It just wouldn’t be The Fallen Heroes without him. John is the anchor to the ship of musical pirates that are The Fallen Heroes. John mixes whiskey with anything.

pinterest | hugs and kisses

die „intelligente“ foto-app pinterest gibt keine urheber für die bilder an. ich habe fast beliebig das obere bild gefunden und auf den gewählten ausschnitt pinterests algorithmus angewandt. die sequenz könnte fast ewig weitergehen, ich musste irgendwann mal abbrechen und die lange liste ins schwarz absenken.

pinterest listet ähnliche fotos auf

chatstream vor wikileaks | konferenz

heute hat julian assange eine wenig bedeutende pressekonferenz von seinem zwangsasyl in der ecuadorianischen botschaft aus gegeben. ich fand den chat-stream vor und zu beginn der live-veranstaltung interessant und habe ihn einfach von meinem smartphone angefilmt. bei ca. 6 minuten beginnt assange dann zu sprechen.

chats vor der assange-PK heute

pinterest’s bilder | assoziationen

assoziative bildersuche entlang einer todesskizze

mandarinen werden zu lachs sashimi

pinterest ist eine art KI-bildersuchportal, funktioniert am besten per app. im beispiel unten stieß ich auf ein foto aus den 1970er jahren, das das model brit ekland mit dem popsänger rod stewart zeigt. oben wähle ich das ganze foto aus, und darunter präsentiert mir pinterest dann ähnliche fotos, vor allem von alten autos schräg von vorn. in den nächsten reihen wähle ich dann bestimmte bildbereiche (gelb hervorgehoben) aus, und pinterest adaptiert entsprechend. zweite reihe links wird der kühlergrill als zaun interpretiert, unten links interpretiert das programm die heute nicht mehr üblichen geraden scheibenwischer als abstrakte diagonale. unten rechts fokussiere ich auf die gesichter der beiden – und sehe unzählige schwarzweißfotos von vor allem pärchen.

die app will bei der installation, dass wir uns mit unserem facebook-account anmelden. davon rate ich dringend ab, weil man damit pinterest das facebookaccount samt passwort schenkt.

siehe auch → lange lange pinterest-seite

zündfunk bauchlyrik | 1988

sendungsmitschnitt auf cassette

wir moderatoren finden erst über die jahre zu uns selbst. in meinen frühen jahren im zündfunk, club 16, pop sunday, war ich zu leise zu nah am mikro. das war damals gängiger stil bei vielen. erst gegen 1990 fand ich meine stimme, wie sie ist. hier also noch nicht. mir nicht in erinnerung, diese viel zu tragisch vorgetragene vermutlich selbst geschriebene zeitgeist-wissenschaftslyrik. das war freeform radio par excellence, wir konnten machen, was wir wollten. es juckte keine quote, es zählte die echtheit. wir erzählten das, war wir dachten, wir spielten die musik, die wir kannten und toll fanden. das war keine bessere zeit, aber eine andere.

wenn ich es heute höre, fällt mir auf, dass ich, anders als das meiste in meinen 80-minuten-sendungen, diesen take nicht live gesprochen hatte. im vorlauf der spätnachmittagssendungen hatten wir „schneidetermine“ mit studio. diesen text, der zu atmosphärischem sound im stereopanorama hin und her fährt, musste eine toningenieurin/technikerin (praktisch ausschließlich frauen; nur in den hörspielen saßen männer am pult) quasi live gepegelt und auf band aufgezeichnet haben. da gab es kein undo. ich nahm dann das tonband, das mit 38 cm/s offen gewickelt lief, vom studio 4 im vierten mit in die sendung hoch in den siebten stock.


kurzer ausschnitt daraus

parkuhr heißt heute | handyparken

in vielen städten ist das handyparken möglich und ein mini-geschäftsmodell für etwa ein dutzend firmen, einige davon startups. ich nutze mein auto nur noch selten und kenne die preise, in der stadt zu parken. eine zeitlang habe ich mit geldkarte bezahlt; war oft kompliziert, weil der parkautomat die karte nicht immer gern freigab. ansonsten halt münzen. zum handyparken kam ich durch zufall, weil ich in einem stadtteil parkte, wo ich ein ticket ziehen musste, aber kein kleingeld hatte und weit und breit kein laden war, wo ich hätte wechseln können. also meldete ich mich kurzerhand, im geparkten auto sitzend, bei einem der etwa 10 anbieter in köln an. sowas ist immer mit dem download einer app verbunden, in meinem fall war es, easypark wie im screenshot oben. diese app hat eine nette wählscheibe, um die geplante parkdauer einzustellen und ad hoc zu verlängern. klappte prima. was mich wunderte, war, dass das parken deutlich teurer war als beim bezahlen mit münzen. das lag daran, dass der betreiber 15% der parkgebühr draufschlägt. es gibt für vielparker die möglichkeit, eine monatspauschale zu zahlen, um dann nicht bei jedem parkvorgang ordentlich was draufzulegen. die einen anbieter bieten eine SMS-erinnerung vor ablauf der parkzeit, manche kostenlos, andere wollen dafür 15 cent.

in diesen abo- und nicht-abo-modellen unterscheiden sich die konditionen der anbieter. ich stieg, wieder ohne groß weiter darüber nachzudenken, zu einem anbieter um, der „nur“ 25 cent pro parkvorgang nimmt, wenn man ohne abo bleiben will. beide provider wiesen mich beim start des parkvorgangs darauf hin, dass ich für eventuelle parkkontrollen einen zettel mit dem vermerk „handyparker“ hinter der windschutzscheibe positionieren sollte.

zwei vorteile des handyparkens liegen auf der hand: kein suchen nach münzen, nicht einmal nach automaten. und: kein ablaufen der parkzeit mehr, und umgekehrt: kein überbezahlen mehr, weil ich den parkvorgang jederzeit abbrechen, also abkürzen kann. der nachteil ist neben den extra-kosten (die sich schon nach zwei, drei parksituationen bezahlt machen dürften) durch die gebühr der datenschutz: die app funktioniert nur über kenntnis unserer position. beim münzparken wusste niemand, wer da parkte.

 

 

the tube – cut and | cover

u-bahn-bau bei king’s cross 1861. grafik: percy william justyne

1860 begannen die arbeiten an londons u-bahn, die damals „underground railway“ hieß. in der TIMES taucht der begriff erstmals in der ausgabe vom 1. februar 1860 auf.

die TIMES vom 1. februar 1860

das projekt wird von der redaktion so klein eingestuft, dass es erst auf seite 7 (von 16) auftaucht. in king’s cross, am euston square und in paddington entstanden in diesem winter die ersten löcher. auch erste tunnels wurden angebohrt, wobei man feststellte, dass sich der londoner untergrund gut durchbohren lässt, ohne gleich wieder einzustürzen. eine diskussion gab es über die frischluftzufuhr für die angehenden passagiere. laut dem artikel wird man auf sie verzichten können, weil die stationen nah genug beieinander liegen und den tunnels reichlich luft von oben zuführen. an der illustration oben von percy william justyne (1812-1883) sieht man, wie nah unter der oberfläche die (später metropolitan line genannte) linie geführt wurde. man nannte diese frühe technik des u-bahn-baus „cut and cover“: man schnitt den boden auf, konstruierte den tunnel wie den keller eines neubaus, und deckte ihn wieder zu. es dauerte nicht lange, bis man sich von cut and cover verabschieden musste, weil die baustellen riesig waren und ihnen häuser in großen mengen zum opfer fielen. → bohrschilde lösten cut and cover ab.

dame stephanie | shirley

Stephanie Shirley als junge Frau

stephanie brook ca. 1957

vor etwas über zwei jahren sah ich mir den → TED-talk einer bunt gekleideten, sehr ernst wirkenden älteren dame an, die tatsächlich eine britische dame war, nämlich eine ritterin des britischen empires, → dame stephanie shirley. weil ich ja quasi eine schwäche für IT und IT-geschichte habe, blieb ich an der rednerin hängen und dachte nach so 2 minuten, die würde ich gern mal kennenlernen. sie sprach von „kindertansport“, und ich recherchierte dann kurz, von wo nach wo sie dieser glücksbringende nazi-deal der briten transportierte, nämlich von wien nach london. sie war damals 5.

dann erfuhr ich übers stadtarchiv dortmund, dass ihre großmutter die erste frau im stadtrat war, 1920er jahre: nach rosa buchthal ist auch eine straße im zentrum dortmunds benannt.

heiratsurkunde von dame stephanies oma rosa 1895

rosas sohn arnold buchthal war richter in dortmund, wurde als jude von den nazis nach ungarn und österreich in kleine schreiberpositionen strafversetzt. die jüngere seiner beiden töchter, vera, nannte sich, kaum 18 geworden, in england von vera stephanie buchthal in stephanie brook um, heiratete in den 1950er jahren einen IT-mann namens derek shirley, gründete aus frust anfang der 1960er jahre eine eigene softwarefirma, die vermutlich erste in england überhaupt. sie stellte ausschließlich frauen ein. der betrieb wuchs auf mehrere tausend angestellte, genau genommen: projektgebundene freiberuflerinnen. als FI international dann in den 1980ern an die börse kam, wurden 60 frauen zu millionärinnen, steve shirley selbst war mit einem schlag die reichste frau nach der queen. die queen traf sie mehrmals, zuletzt als sie sie zur DAME ernannte. seitdem heißt vera buchthal, stephanie brook, steve shirley: dame stephanie. punkt.

es dauerte eine weile, ein konzept für eine sendung zu finden. ende 2015 bekam ich dann das okay vom WDR. das war mir vor allem deswegen wichtig, weil mir nun mein vorhaben, dame stephanie kennenzulernen, finanziert wurde. ich hatte den kontakt zu ihr über ihre presseagentur hergestellt, schnell fand sich ein erster und zweiter termin. es kam im hochsommer 2016 zu einem dritten treffen. ich besuchte auch die größte autismus-einrichtung des landes, dame stephanies stiftung prior’s court, sowie zwei lebensgefährtinnen, hilary gilfoy und penny tutt, ehemalige stewardess, inzwischen 91, und mir gegenüber anfangs sehr reserviert, weil sie, wie sich herausstellte, noch nie neben einem deutschen gesessen hatte und mit deutschland hitlers“blitz“ verband. am schluss befand sie, dass das treffen durchaus angenehm war und ich doch mit meiner ganzen familie wiederkommen möge, es sei seit dem tod ihres manns viel platz im haus.

das → feature im wdr wurde von → nikolai produziert und ist eine klassische autorensendung. ich bin (leider, haha) dauernd zu hören, wie ich dame stephanie ins wort falle, mit ihr deutschstunde mache (denn sie hat praktisch alles deutsch schon mit 5 verlernt. sprach sie, als sie mit ihrem vater bei den nürnberger prozessen war, mit dem vater deutsch? aber nein!), sie nach ihrem verhältnis zu margaret thatcher frage und ob sie 1968 miniröcke trug und ob ihr schwer autistischer sohn nur aggressiv war? wir verstanden uns so gut und lachten so viel, dass ich hoffe, es kam in der sendung einigermaßen rüber. das feature ist im moment nicht mehr nachhörbar, wird es aber wohl, spätestens wenn es von einem anderen sender übernommen wird, wieder sein.

royalZ mit | schnupfen

die queen kam wegen erkältung nicht zu weihnachts- und neujahrgottesdienst, ihr gatte schleppte sich immerhin in die christmette. das bild unten basiert auf dem weihnachtsfoto von reuters, reichlich digital angefixt. unter anderem habe ich sie alle gleich groß gemacht, denn es ist schwer zu ertragen, dss die queen gegenüber den anderen wie ein zwerg aussieht.

vorsicht, zwei sind erkältet! illustration: ms nach einem foto von reuters

fakenews | 1916

der tägliche demokrat, iowa, 31.12.1916

typische argumentationsstruktur von heute: man nennt ein faktum (ausländer sind keine verbrecher), worauf dann jemand ein oft aus der luft gegriffenes kleines gegenbeispiel als faktum dagegenhält (afrikaner haben deutsche frauen begrapscht). ganz ähnlich: man nennt eine tatsache, und der andere wendet ein: falsch, glaub ich nicht, lüge. (trump standard)

im genau 100 jahre alten text aus einer von deutschen emigranten in davenport, iowa, herausgegebenen zeitung namens „der tägliche demokrat“, sind diese muster zu sehen. das deutsche reich hatte 1914 zusammen mit österreich einen krieg angezettelt, der jetzt verloren wird. alles, was die angegriffenen (die entente) schreiben, stimmt, es wird aber als fake news deklariert.

einen tag später, im „täglichen cincinnatier volksblatt“ vom 1.1.1916 schon im titel eines artikels das wort „lüge“. hier hat angeblich die pressestelle der französischen truppen gelogen:

cincinnatier volksblatt, 1.1.1916

detroiter abendpost, 2.1.1916

cincinnatier volksblatt, 3.1.1916