dorn war nicht | rabestein

long story short: die DDR-justiz hat nach dem aufstand vom 17. juni 1953 eine dubiose und sicherlich nicht lupenreine frau namens → erna dorn zum tode verurteilt und hinrichten lassen, weil sie angeblich KZ-aufseherin von höchster brutalität gewesen war. das war erna dorn sicherlich nicht, auch wenn sie in haft damit geprahlt hatte. in dem strafprozess spielte offenbar auch eine verwechselung der erna dorn mit der tatsächlichen KZ-aufseherin → gertrud rabestein eine rolle.

merkwürdig daran ist (auch), dass frau rabestein damals bereits lebenslänglich in DDR-haft war. kann sein, dass die DDR-justiz keine unterlagen über den 1948er-prozess gegen rabestein hatte, denn der prozess fand noch unter sowjetischer ägide statt. aber der richter hätte immerhin sehen können, dass frau rabestein schon fünf jahre ihre haftstrafe abbüßte (sie starb viel später in haft).

dass die DDR-presse stromlinienförmig auf parteilinie war, ist klar. aber dass sich auch zeitungen im ausland so (und noch dazu 150prozentig linientreu) präsentierten, ohne es zu müssen, war mir nicht so klar. oben der völlig verquere, von unbelegten unterstellungen überquellende ganzseitige artikel der österreichischen zeitung → der neue mahnruf (bei klick wird der scan schön groß).

peter silly band | 1980

1978 konnte ich mir, wenn auch nur mit mühe, eine top-anschaffung leisten: ein fender rhodes e-piano und dazu ein lautsprecherkabinett für zusammen 3650 DM.

damals wohnte ich mit meiner ersten freundin in einer einzimmerwohnung im noch sehr ländlichen unterschleißheim bei münchen. ich war süchtig nach diesem keyboard und spielte oft nachts mit kopfhörer. lioba , 1,5 meter davon entfernt im tiefschlaf, war das klappern der tasten zwar gewohnt, aber besonders tief konnte sie dabei sicher nicht schlafen.

zwei jahre später zog ich in eine WG in der herzogstraße in schwabing, wo martin seeliger sich gerade (und sehr akribisch) mit dem saxofon vertraut machte. ich gründete in diesem jahr eine rockband mit dem wenig einfallsreichen namen peter silly band, mit reinhard thusbass am schlagzeug, dem bassisten peter und einem gitarristen mark, deren nachnamen ich vergessen habe. mark an der gitarre war engländer, der viel besser als ich klavier spielte und mir einige jazz-griffe am piano zeigte, an die ich mich heute noch erinnere. martin stieß, als er sich reif für eine band fand, dazu. ich komponierte, spielte das fender rhodes und sang. wir traten einige male zusammen auf, gefühlt nicht mehr als 5 mal, zum beispiel in der haidhausener vielharmonie. die qualität unserer musik und die aufnahmequalität waren unterirdisch:

peter silly band live, zugabe, ende, 1980

die live-auftritte waren im grunde verlängerte übungsraumsessions, mit einer musik im stil von jazzrock. allerdings saßen die für den jazzrock typischen breaks bei uns nicht: es fehlte an der präzision zwischen den instrumenten, vor allem der koordination von bass, schlagzeug und meinem piano. in dem folgenden ausschnitt aus dem song “the images” nach einem englischen text aus dem 1. weltkrieg, hört man diese defekte. es ist ein take aus dem übungsraum in schwabing:

peter silly band: the images

von der peter silly band habe ich kein foto. die gruppe war für mich und reinhard das testbed für das, was zwei, drei jahre später zur band k. rot extra führte. k. rot extra positionierte sich anfangs als punk- und dub-band, später dann klar als new wave.

k rot extra – pause zwischen zwei sets.

der kleine | dom

dom und hbf. foto: ms/dpa

wie oft flog ich mit eurowings oder ryanair von münchen oder london zurück nach köln und sah dabei den rhein und den dom. seit der neuen EU-drohnenverordnung dürfen wir bei bestimmten voraussetzungen nun auch nachts fliegen. so konnte ich mir den dom gestern abend um halb 11 mal genauer von oben ansehen:

köln zentrum mit dom und hauptbahnhof. foto: ms/dpa

als 360°-panorama, welches die drohne innerhalb einer minute in form von 24 einzelbildern schoss und zusammenfügte, lassen sich fast beliebige blickwinkel realisieren, etwa diese → little planet-ansicht:

köln bei nacht als little planet

dieses bild ist ein aspekt des → fotos auf wikimedia-commons. bitte den 360°-link benutzen, um das panorama richtig navigieren zu können!

die bohne | macht’s

filterkaffee

in den kaffee bin ich, wie in’s bier, erst spät und sehr langsam reingewachsen. früher dachte ich, dallmayr prodomo war die krönung der bohnen und das jever das pils der pilse. ich lernte eine damals neue kaffeekultur in stockholm kennen, so um das jahr 2010. → johan & nyström servierten filterkaffee und positionierten sich damit zweifach: sie verdammten den mit milchschaum versauten siebträgerkaffee ebenso wie den lieblosen filterkaffee der kaffeekränzchen. als ich meinen ersten kaffee dort trank und um milch bat, wurde ich eines besseren belehrt: die bohne ist die bohne ist die bohne – und braucht keine milch. mir wurde durch die besuche bei johan & nyström klar, dass die bohne nicht die bohne ist, und dass die röstung nicht die röstung ist, sondern dass eine mit liebe gepflegte kaffeeplantage, eine sorgsame ernte und eine präzise röstung einen so erheblichen unterschied machen, dass dallmayr einfach nicht mehr infrage kommt.

als ich gestern einen meiner lieblingskaffees gekauft hatte, den äthiopischen, im sauerland gerösteten arabica vom kölner → café einspänner, ganze bohne, kam ich am chlodwigplatz am café der coffee fellows-kette vorbei. der inhaber fragte mich, was der einspänner-kaffee koste. um die 8 € für 250 g. er bot mir an, seinen kaffee-blend für die americano-kunden zu testen und füllte mir einen kleinen becher mit bohnen. dieser kaffee fiel so stark gegen den doppelt so teuren ab, dass ich die restlichen bohnen meinen bürofreunden vermachte. die filterkaffeevariante von coffee fellows schmeckt fad und dünn.

achso: das jever. dazu sag ich nur craftbeer, vor allem IPA, zum beispiel bei → bier macht schön in köln/sülz.

slave states | free states

die zeitung präsentiert auf ihrer ersten seite das vollständige transkript einer debatte im US senat vom 25. märz 1862. titel: “abschaffung der sklaverei im bezirk columbia”. der abgeordnete (?) → james harlan spricht über die free states und die slave states, also die staaten, wo die sklaverei abgeschafft bzw. noch nicht abgeschafft wurde. er sagt, die weiße bevölkerung in den free states hege ein tiefes vorurteil gegen “negroes”, weil sie es nicht gewohnt seien, mit dunkelhäutigen menschen zusammenzuarbeiten. dies sei in den slave states so normal, dass es quasi keine berührungsängte gäbe.

es dauerte noch 3 jahre, bis die sklaverei in den ganzen USA gesetzlich verboten wurde.

dollarstrafen | peitschenhiebe

im februar 1853 unterzeichnete der bürgermeister der kleinstadt → woodville in mississippi ein später in der lokalzeitung veröffentliches gesetzespaket. es ist für seine zeit typisch, weil es zum beispiel die kanalisation als zentralen wert wahrnimmt und per gesetz “obstructions in gutters” verbietet und auch mit strafe belegt, wenn jemand seinen verstorbenen hund oder das tote hausschwein länger als 12 stunden im stall oder auf der straße liegen lässt.

es gab auch verkehrsregeln wie zum beispiel die geschwindigkeitsbegrenzung im ort beim reiten mit oder ohne kutsche (“penalty for driving faster than a trot or pace”). mit “not to hitch animals to shade-trees, etc.” war ein parkverbot gemeint, nämlich das freie anleinen von tieren, vor allem von pferden, unter schatten spendenden bäumen.

1853 war neun jahre vor abraham lincolns hoch umstrittener abschaffung der sklaverei. in den südstaaten war ein wirtschaften ohne “sklaven, neger und mulatten” nicht denkbar. an dem gesetzespaket sieht man, wie stark sich die regeln und das strafmaß unterschieden, je nachdem, welche hautfarbe man trug. wenn ein “weißer” zu schnell durchs dorf ritt, zahlte er maximal 5 dollar strafe, während der schwarze mit höchstens 39 hieben ausgepeitscht wurde. es gibt kein vergehen, bei dem ein weißer ausgepeitscht werden sollte. genauso wie sklaven nie zur kasse gebeten wurden – sie hatten ja kein geld.

eine ganze reihe von anordnungen betreffen explizit “slaves, free negroes, and mulattoes”. beispiel: “negroes prohibited from conducting balls, etc.” wenn sie trotzdem zusammen außerhalb des geländes ihrer arbeitgeber tanzten, waren exakt 39 peitschenhiebe fällig . wenn jemand aus dieser personengruppe einen weißen mitbürger beleidigte, gab es eine staffelung des strafmaßes: der “freie neger” zahlte mindestens 5 dollar, der rest bekam maximal 39 peitschenhiebe und eine gefängnisstrafe. sie mussten sich außerdem an eine ausgangssperre halten und durften am sabbath gar nicht in die stadt (höchsten 20 peitschenhiebe) – es sei denn, ihre herren nahmen sie zum gottesdienst mit.

die titelseite der zeitung “the woodville republican” ist hier unten komplett zu sehen, bei klick/tippen in hoher auflösung:

the woodville republican vom 1. märz 1853

nur 43.000 | sklaven

der liberale beobachter, eine in reading/pennsylvania erschienene US-amerikanische zeitung in deutscher sprache, schreibt in der ausgabe vom 4. april 1843 von einem rückgang der sklavenimporte auf kuba. 22 jahre später, 1865, wurde die sklaverei in den USA abgeschafft.

kölner dom | nachts von oben

köln zentrum. foto: ms/dpa/pictureAlliance

dieses foto entstand am späten abend des 23. juni 2021. ich hatte einen sweet spot zum starten der drohne am laurenzplatz mit der stadt köln vereinbart, von wo man den dom in seiner ost-west-breite gut sieht.

das ist mein zweites bild nachts von oben. beim ersten (siehe foto unten) war die belichtungszeit mit 2 sekunden zu lang. hier war sie 1 sekunde. man sieht, wie ruhig die drohne dabei in der luft steht, denn es erscheint am boden nichts verwackelt.

die flughöhe von 299 metern war ad hoc mit dem tower am köln-bonner flughafen respektive der deutschen flugsicherung vereinbart. es sind für solche flüge noch weitere sonderfreigaben, nämlich von der luftfahrtbehörde der NRW landesregierung. das heißt im umkehrschluss, dass ich z. b. in chemnitz zwar nachts aufsteigen darf, aber nur bis 120 m höhe. und nur mit dem neuen EU-drohnenführerschein A2.

zu dem gelungenen flug letzte nacht gibt es außerdem ein → video. drohnenvideos mache ich meist nur nebenbei, typischer weise vor dem rückflug. wichtigste aktion bei den meisten meiner flüge ist die aufnahme eines 360°-panoramas für die wikipedia. bitte den → 360°-link benutzen, um es mit maus oder finger navigieren zu können.

beim nächsten dom-flug suche ich mal eine andere perspektive, aus der man die beiden türme sieht.

2 sekunden belichtungszeit sind zu lang

SED | cottbus

o-ton aus dem podcast “111 km akten

hintergrund: die sowjetunion lieferte 1981 nicht die versprochene menge an PKW der marke LADA an die DDR. die staatspartei SED hatte probleme, dies der bevölkerung zu vermitteln. die wartelisten für autos waren lang genug. der “sekretär für propaganda” bei der “zentralen parteileitung der bezirksverwaltung cottbus” werner thomala zieht hier gegen einen genossen vom leder. sein standpunkt ist der: bevor man die sowjetunion kritisiert, muss man erstmal der sowjetunion für alles danken, was sie für die DDR getan hat. im podcast ist dieser ausschnitt vom 10. april 1981, dem vorabend des X. parteitages der SED, länger. die erwähnte publikation “LR” ist die → lausitzer rundschau.

thomala gibt es in der mediathek des archivs auch noch → viel ausführlicher, wenn auch schwer verständlich. den o-ton hier habe ich mit izotope RX8 so bereinigt, dass er einigermaßen zu verstehen ist.

coronavirus | visualized

coronavirus, visualized. ms/dpa pictureAlliance

the coronavirus is smaller than the wavelength of visible light. so it does not have colours in the way we think about colours. as to geometry we can model the virus, not not in terms of colour. most visualisations reduce the complexity of the protein structure. a single spike consists of over 20,000 proteins. my new visualisations show the virus with a highly reduced complexity. but the basic geometry is correct. about 40 spiked fit on each cell. i did other visualisations with much more complexity, such as this one:

three spike protein chains, separated. ms/dpa pictureAlliance

lokalzeitungs | dummi

in der gestrigen süddeutschen zeitung war im lokalteil das foto einer 1000 € fotodrohne zu sehen, dazu die schlagzeile “Fluggeräte in München: Die Gefahr kommt von oben.” darunter dann folgender text:

Als der Greenpeace-Aktivist am Dienstagabend seine Bruchlandung in der Fröttmaninger Arena hinlegte, […] fest steht: Die Aktion war nicht nur illegal, sondern auch höchst leichtsinnig. Und sie zeigte, dass von Fluggeräten potenzielle Gefahren ausgehen können.

der artikel trägt eine an die BILD-zeitung erinnernde schlagzeile, und am aufhänger des motorseglers rangelt sich autor andreas schubert (den ich nicht kenne) an den gefahren von fotodrohnen entlang. motorsegler und fotodrohnen? unterm strich: drohnen fliegen überall, auch wenn es verboten ist, da zu fliegen, wo sie fliegen.

das ist eine ausgesprochen dumme einschätzung, denn…

  • das horrorszenario, dass mit preiswerten drohnen der luftraum vandalisiert wird, wurde vor 3 jahren diskutiert. heute hat sich herausgestellt, dass bei den rund 400.000 drohnen in deutschland praktisch nichts anbrennt.
  • die rechtslage hat sich seit 1. januar 2021 völlig geändert. seit dem gilt nämlich die EU drohnenverordnung, die das fliegen von drohnen jeden gewichts sehr genau reguliert. drohnenpiloten müssen, wenn sie höher und weiter als 2 meter in ihrem garten fliegen wollen, einen so genannten drohnenführerschein machen, der nicht ohne aufwand und zudem kostenpflichtig ist. auch drohnenhaftpflichtversicherungen sind pflicht. von all dem ist diesem artikel keine rede.
  • nach der EU drohnenverordnung muss jede drohne eine kennung tragen, die vom luftfahrtbundesamt vergeben wird. wenn, was seltenst vorkommt, eine drohne abstürzt, können die behörden anhand der (feuerfesten) kennung den “halter” der drohne lokalisieren. nichts davon in diesem artikel.
  • lokalredakteur schubert spricht von methoden, drohnen vom boden aus zu orten, an denen die deutsche flugsicherung forscht. das wort “transponder” kennt er offenbar nicht, und auch nicht, dass laut der EU drohnenverordnung ab 2022 ein solches übertragungsmodul eingebaut sein muss. das stellt ein großes problem für die hersteller dar, aber auch für die besitzer so genannter bestandsdrohnen, die sich nämlich nicht so leicht umrüsten lassen.

also ein ingesamt kleinkarierter artikel, der nur angst machen soll.

hans | friemond

hans, hier rechts. foto: ms

hans friemond lernte ich in den frühen 1990er jahren kennen, wobei das kennenlernen einseitig war. die redaktion des WDR hörfunks befand sich damals noch in der kölner budengasse, und ich traf dr. friemond mindestens zweimal gegen dienstschluss auf der toilette an, als er sich am waschbecken seinen oberkörper wusch. er nahm mich nicht zur kenntnis. warum betrieb der (haupt?)abteilungsleiter in der WDR kultur & wissenschaft körperpflege im klo? ich erfuhr bald, dass hans friemond gern abends zur oper ging und sich dafür frisch machte. er war ein völlig unkapriziöser mensch.

viele jahre später, als er schon lange in rente war, vielleicht ab 2010, trafen wir uns oft, meist zusammen mit seiner und meiner frau, oft zum dinner. er war ein sehr agiler wanderer und wunderte sich, dass ich keiner war. machte aber nichts, denn wandern ging er eh gern mit ex-kolleginnen aus dem WDR hörfunk.

alle seine redakteure waren immer voll des lobes für ihn als ihren chef. das hatte mit zwei eigenschaften von hans zu tun: er stand hinter seinem team und arbeitete nicht, wie das später üblich wurde, gegen seine leute. und: er war ein intellektueller. sendungen, die “anstrengend” waren, wie das kritische tagebuch, entstanden unter ihm als begründer der kultur-welle WDR3 (wohlgemerkt: nicht der klassikwelle WDR3!). er mutete den hörerInnen etwas zu. ganz anders heute: samtweiche sendungen, niemandem wehtun, sonst verlieren wir sie, die “lieben” hörer.

im höheren alter war hans immer wieder schwer krank, konnte aber immer genesen. kämpfernatur. ich denke an die austern, die wir in köln sülz aßen und an sein windows-handy. an seine trüben geschichten aus der kindheit, die glücklichen zeiten mit frau und zwei kleinen söhnen in berlin. ich schickte ihm kürzlich ein video, das ich auf dem runden geburtstag seiner frau aufgenommen hatte. da war er schon sehr geschwächt und las die mail wahrscheinlich nicht. zwei tage später, am 7. juni 2021 starb hans.

besuch beim | mustang ford

der wagen ist baujahr 1967, ein top gepflegtes cabrio. sein stolzer eigentümer war gerade dabei, den vergaser neu einzustellen, als ich mit meiner 360°-kamera aus dem nichts auftauchte. danke für die kooperation!

8 zylinder-motor. foto: ms/dpa

zwei panoramen von dem kurzen treffen in der kölner südstadt sind jetzt in den wikimedia commons. bitte den 360°-link in der bildbeschreibung nutzen! → 1; → 2

vergewaltigung | 1925

das wort “vergewaltigung” bezog sich damals fast immer auf zwangsauflagen, die nichts mit dem zu tun hatten, was heute vergewaltigung meint. das lag auch daran, dass sexuelle übergriffe so üblich waren, dass sie nicht unter die kategorie vergewaltigung fielen. das macht auch der folgende abschnitt im berliner “Tage-Buch” klar: