vorsicht | trojaner

bei den emails mit bösem inhalt fallen mir in der letzten zeit zwei neuerungen auf: der auf 2999 datierte spam, der sich wegen des falschen absendedatums ewig oben bei den neuen mails befindet. und die vermeintlichen app-store-mails, denen zu folge ich dauernd irgend etwas dort gekauft haben soll, und um den kauf abzuschließen, doch bitte diesem oder jenem folgen möge. der link führt praktisch immer in eine zukunft, die unseren computern, ob windows oder mac, nicht gut tut.

ein definitiv böser trojaner, vermutlich mit erpressungs-funktion, ist in dieser email enthalten die ich vorhin bekam:

gefährlicher trojaner im anhang!

an diesem spam ist schon die absenderadresse faul: service2-101 …. @ … webde.com. undisclosed recipients ist der abschuss an plumpheit, und wer die angehängte docx-datei herunterlädt und öffnet, lässt microsoft word ein makro ausführen, welches den trojaner installiert.

also immer mit spitzen fingern an mails von unbekannten oder auch vermeintlich bekannten absendern herangehen.

300m über | raderberg

deutschlandfunk (links) und ex-deutsche welle. foto: ms/dpa

mit genehmigung der deutschen flugsicherung. die aufnahme entstanden primär, um den rückbau des ehemaligen deutsche-welle-gebäudes zu dokumentieren. → hier als flimclip, in den wikimedia commons, also frei nutzbar, mit quellenangabe.

steve jobs | 1996 interview

steve jobs 2010. photo: matthew yohe, wikimedia commons, CC-BY-SA 3.0

in the spring of 1996 i was vacationing with my family in california. before flying over from germany i arranged a brief interview with steven jobs. jobs at that time was just leaving Next and heading back to apple, which was not official then. the meeting took place int he Next building, under strict conditions: steve did not permit any questions concerning apple. so, all there was left to talk about was laser printer, computer graphics and pixar.

this 90 seconds segment of the interview is about his faible for computer animation. steven jobs also mentions → luxo jr., the first respectable 3D computer animated short.

steve jobs, interviewed by maximilian schönherr in spring 1996

disclaimer: you may not distribute or use this interview in any context. you may set the link to this site, however. for further legal and copyright questions, let me refer you to my → homepage.

i aired the whole interview, dubbed for the german audience, in my public radio broadcast “zündfunk radiotop” on may 13, 1996.

evil flowers | rotten paper

an amazing day. yesterday’s state of the nation speech by US president trump made big news today in europe. a speech full of lies and some entertainment elements. election campaign auftakt. followed by nancy pelosi distinctively ripping the script of trump’s speech apart – in front of all cameras and behind a president who was so satisfied with his show.

deep love

on a much smaller scale, but of high political impact, is today’s voting in the parliament of thuringia, germany. the extreme right wing party AfD voted for a member of the liberal party FDP to become president – and they suceeded. it reflects the mindset of the state of thuringia, so it’s not new. but for the liberal party it is. in the early years of west germany, the FDP had a reputation to be a pool for ex-nazis, but that changed from the 1960s on. now back to the roots? it was a shock wave in germany today.

dropping the flowers. video source: reuters

wikimedia | GLAM

am 2. februar las ich im → wikipedia kurier, einer ziemlich insider-mäßigen webseite, einen beitrag über GLAM in münchen. → GLAM steht für Galleries, Libraries, Archives, Museums und dient der verbesserten zusammenarbeit zwischen solchen einrichtungen und der wikipedia. ich sehe GLAM seit langem kritisch, auch wenn ich viele positive seiten davon entdecke und eine ganze reihe von menschen kenne, die damit zu tun haben, zum beispiel als ehrenamtliche fotografen, die über GLAM zugang zu museen bekamen. auch ich selbst habe mal an einer solchen expedition teilgenommen, mache das aber nie wieder.

mein posting im “kurier” stieß in der insider-community auf kopfschütteln bis entrüstung, sodass ich es eine halbe stunde später zurückzog. hier, quasi aus chronistenpflicht, das, was so schräg ankam:

GLAM mit Gschmäckle

Als Barbara Fischer, damals frisch bei Wikimedia in Berlin, WMDE-„Kuratorin für Kulturpartnerschaften“, die GLAM-Strategie vorschlug und zum Laufen brachte, war ich als Journalist (in anderer Sache) da und fragte sie, wozu das denn? Mir kam alles, was die Wikimedia quasi an der schreibenden Community vorbei plante, finanzierte und durchsetzte, suspekt vor (Wikidata damals ausgenommen; das erschloss sich mir sofort, eine Datenbank hinter der Wissensdatenbank). Einer der ersten Wikimedian in Residence, welches auch ein GLAM-Modul ist, erzählte mir, dass quasi nichts von dem, was er in der Institution einbrachte, Früchte trug. Und das nach Monaten Residenz.

Das GLAM-skeptische Gefühl bin ich auch heute, fast 10 Jahre später, nicht los. Und ich würde mir gar nicht weitere Gedanken dazu machen, wenn das Projekt nicht wüchse, also Spendengelder-relevant ist.

Mein Grundgedanke ist dieser: Sollen wir uns vor Museen verbeugen, indem wir auf sie zugehen und um die Zulieferung von Bildern oder um die Erlaubnis, diese zu fotografieren, bitten? Wozu als Wikimedian in Residence auf eine Forschungsgemeinschaft oder ein Unternehmen zugehen, um das Wiki-Gen zu pflanzen?

Wikipedia wuchs als Grassroots-Projekt aus sich selbst heraus. Wenn wir AutorInnen eine Info, ein Bild, einen Expertenrat brauchen, kriegen wir das schon. Die GLAM-Veranstaltungen machen das für einige leichter, sie dienen dem Festigen von Gemeinschaft, und wenn sich Museums-LeiterInnen und WikipedianerInnen persönlich kennen, wird auch in Zukunft einiges geschmeidiger laufen. Aber die Gemeinschaften, die hier geknüpft werden, haben ein Gschmäckle: Die Tausende still arbeitenden AutorInnen, die die Wikipedia tragen und gar nicht auf die Idee kommen, ins Lokal K oder ins Lenbachhaus München zu WikiMUC zu kommen, bleiben außen vor. GLAM hat nichts mit ihnen zu tun. MX 2.2.

night | view

last night, walking home from the tram, two closed stairways to … the rail tracks. all four photos taken with a single lens, 3 year old smartphone. the left images with, the right images without night mode. of course, the original resolution is much higher. the two photos on the right were taken with a manual exposure adjustment: all the way down. the top right image reminds me of romantic landscape paintings in the early 19th century.

left: night view. photos: ms

der wind | professor

haus mit 106 stockwerken. grafik: ms

für das → zündfunk radiotop, das von 1993 bis 1997 an jedem zweiten montag im zweiten programm des bayerischen rundfunks lief, habe ich jeden monat eine kurzgeschichte produziert.

ich bekam die ganze sendung pauschal honoriert und hätte einfach musik spielen und dazu kluge worte sagen können. aber das radiotop war vom konzept her dafür ausgerichtet, alle möglichen ecken der radiophonie auszuloten. welche genau, wusste ich anfangs auch nicht. es war die zeit, als windows-computer noch probleme mit der taktfrequenz hatten und man nur auf apple macintosh-PCs klänge digital bearbeiten konnte, allerdings mit teuren steckkarten. ich war gerade frisch vater geworden, viel zuhause und spielte praktisch in jeder freien minute mit dieser neuen technik. man konnte plötzlich aufnahmen in der zeit strecken, ohne die tonhöhe zu verändern! man konnte digital scratchen und polyphonie erzeugen. die gut 40 radiotop-sendungen waren voll mit live-mischungen aus schallplatten, CDs und vorab digital gebauten experimental-sounds.

der windprofessor. radiotop XXI

die kurzgeschichtenreihe hieß “das haus mit den 106 stockwerken”, war vom titel her eine hommage auf die 110-stöckigen zwillingstürme des world trade center in new york, wo ich öfter hoch fuhr, und sie war ein direkter nachfolger von “jefferson’s computernächten”, die ich für die computersendungen → bit, byte, gebissen seit ca. 1986 geschrieben und produziert hatte. ich ließ die jefferson-texte anfangs von der schauspielerin michele sterr sprechen oder sprach sie selbst. für das radiotop produzierte ich die kurzgeschichten am rechner in köln und griff nur auf zwei musiken,* meine stimme und zwei assistenzstimmen zurück. letztere erklangen immer dann im hintergrund, wenn die beiden hauptfiguren, ilona und dongdong sprachen.

diese damals noch unreife mischtechnik, bei der die stimmen, leicht zeitversetzt den erzählertext wiederholen, hat sich später in vielen meiner produktionen bewährt.

diese sehr frühe folge hieß “der windprofessor” und lief im radiotop XXI im juni 1995. der text war (mehr oder weniger beabsichtigt) gespickt mit metaphern und haarscharf-daneben-formulierungen. heutzutage etwas anstrengend zu verfolgen.

bei mir, dem autor, und offenbar vielen hörerInnen, blieb aber das szenario hängen und kristallisierte sich von folge zu folge klarer heraus. von chun, dem loch, kam nur depressiv-gutes, während die ums untere drittel des hochhauses herumschwirrenden t-träger stets bedrohlich waren. ins ebenfalls hier anklingende ferne tal der würmer gab es immer wieder kurze ausflüge, schließlich konnte ilona fliegen. und über allem erhaben war der windprofessor, der dieser episode ihren titel gab. es war die vermutlich fünfte episode (von ca. 20, als das radiotop 1997 zu ende ging).


*musik: schuberts 9. symphonie in C-Dur (arturo toscanini, NBC symphony orchestra) und aphex twin, #26 aus dem album aphex twin.

aggressive | taxifahrer

in london, wo ich öfter bin, haben die black cab driver keinen guten ruf. ihnen wird zwar kein aggressives fahren unterstellt, aber eine impertinente unfreundlichkeit. der rasende erfolg von uber in london hängt direkt damit zusammen. als ich mit einer freundin ihren neuen flachbildschirm vom geschäft zu ihr nach hause transportieren wollte, winkten wir ein taxi heran. der fahrer (übrigens, falls das jemanden interessiert, ein sehr britisch aussehender brite) beschwerte sich als allererstes darüber, dass wir ein großes gerät dabei hatten. und er maulte herum, dass er uns jetzt transportieren musste. wir dachten uns, sorry, aber leider typisch.

mit kölner taxifahrern habe ich gemischte erfahrung. auffällig in den letzten monaten ist aber ein aggressives verhalten gegenüber radfahrern. beispiel gestern in der abenddämmerung: ich, gut beleuchtet, auf dem gerade verlaufenden radweg (rot eingezeichnet); ein taxi muss, um rechts abzubiegen, den radweg schneiden (gelb):

köln, blaubach. google maps

das taxi bog unmittelbar hinter mir ab, sehr dicht, vielleicht 1 meter, und hupte dabei. wenn jemand auf einem fahrrad sitzt und eine autohupe kommt direkt von hinten, kann er leicht das gleichgewicht verlieren. verlor ich aber nicht. drehte meinen kopf nach rechts, worauf der taxler sein fenster herunterfuhr und mich beim abbiegen anfluchte. keine ahnung, warum. er hatte es auf jeden fall eilig. und er hatte mich gefährdet.

einige monate zuvor war ich, wie praktisch jeden tag, auf einer anderen straße unterwegs. diese ist 2x dreispurig, ohne radweg. auch hier war die einzig aggressive konfrontation in all den jahren mit einem taxifahrer, der mich auf der rechten spur sehr dicht überholte, beim einscheren schnitt, und fluchte. ich musste scharf bremsen. an der nächsten ampel überholte er mich wieder, zeigte mir den stinkefunger und verwies mich, stark gestikulierend, nach rechts – auf den bürgersteig – wo ein fahrrad selbstverständlich nichts zu suchen hat.

weil ich das verhalten krass fand und mir das kennzeichen des taxis notiert hatte, meldete ich diesen vorfall der taxi-gesellschaft, bekam aber nur die unten angeführte pauschale antwort, dass man vermutlich nicht zuständig sei, weil viele taxifahrer gar nicht in der genossenschaft sind. ich habe die angedeutete “einige Zeit” gewartet, aber nie mehr etwas gehört. ein erbärmlicher vorgang. auch vom ordnungsamt, an das ich die beschwerde weiterschicken sollte (und weiterschickte), hörte ich nichts.

heute radelte ich durch die straße, wo das historische archiv der stadt köln vor 10 jahren wegen pfusch am bau eingestürzt war. der “waidmarkt” ist, auch wegen des direkt angrenzenden gymnasiums, auf 20 km/h verkehrsberuhigt. es war genau 10 uhr, als hinter mir ein taxi hörbar schnell ankam, sehr dicht an mir vorbeizog, einen fußgänger auf dem zebrastreifen schnitt und dann rasend schnell in die löwengasse nach links abbog. ich habe mir das kennzeichen notiert: K-TX 1043. und bin gespannt, ob jemand das liest, der/die dafür zuständig ist.

weizen ge | faltet

ich komme vom → roggensauerteig-brotbacken und habe weizensauerteig meist nur in mischung mit roggen gebacken, selten allein für sich. weil ich mal ein richtig luftiges weizenbrot backen wollte, half ich mit frischhefe nach, aber es wurde wieder ein zwar gut schmeckendes, aber relativ flaches, dichtes brot daraus.

weizensauerteigbrot

seit dem letzten weizenbrot vor paar tagen ist alles anders: ich lege viel mehr wert auf das falten des teigs, einige zeit bevor er in die letzte phase geht und gebacken wird. was beim falten genau passiert, ist mir unklar. ich merke nur, dass der teig, wenn ich ihn alle halbe stunde in der schüssel anhebe, strecke, umlege, und das ein paarmal, zwei stunden lang, also ingesamt so 4 mal, sich verändert, und zwar erheblich. er klebt anfangs noch am rand der schüssel, nach dem zweiten falten aber schon nicht mehr. dann klebt auch kaum mehr teig an den händen, weil das gluten alles schön zusammen hält. nach zwei stunden scheint der teig absolut keinen bock mehr aufs drehen und ziehen und wenden zu haben. ich falte ihn dann auf der arbeitsfläche noch einmal in sich zusammen, ohne zu stark zu drücken. dann ab ins gärkörbchen, letzte gar-phase, und mit viel dampf am anfang backen.

das brot oben ging für meine verhältnisse gigantisch auf. ich habe, weil mein weizen-anstellgut die letzten tage bisschen träge ist, zur sicherheit mit bisschen trockenhefe nachgeholfen. wäre vermutlich nicht nötig gewesen. das brot vor einigen tagen, also ich erstmals diesen falt-aufwand trieb, sah ihm anschnitt prima aus, und es war reiner weizensauerteig.

anschnitt

roggen verhält sich völlig anders. dem roggenteig ist das falten egal. er lässt sich gern rund formen, aber das war’s dann auch schon. er klebt wie verrückt, braucht viel mehl beim verarbeiten, und geht auch mit noch so viel mühe nicht richtig hoch. roggensauerteigbrote sind per se flach. aber lecker!

“enzyklopädie” | seit 1752

Die Times von 1768

Mit unseren stetig wachsenden digitalen Datenbanken mache ich mir immer wieder mal ein Bild über die Historie bestimmter Begriffe. Für „Enzyklopädie“ ging auch auf die Reise in zwei deutschsprachige und drei englischsprachige Zeitungsarchive.

Der Begriff der “Enzyklopädie” kommt in der Datenbank der DDR-Zeitungen (Staatsbibliothek Berlin) erstmals kurz nach Kriegsende vor, nämlich am 16. Oktober 1945 in der Berliner Zeitung unter den Kleinanzeigen:

  • Enzyklopädie der techn. Chemie von Prof. Ullmann (10 Bände und Sachreg.) in Halbleder neu gegen Höchstgebot zu verkaufen. Angeb. Erb. Felixberger, Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 79

In der Zeitungsbibiliothek Anno der Österreichischen Nationalbibliothek taucht Enzyklopädie schon am 14. August 1784 auf, nämlich in den Provinzialnachrichten aus den kaiserl. Königl. Staaten und Erbländern. Der Text beginnt so:

  • XI: Gelehrte Nachrichten. Oekonomische Enzyklopädie oder allgemeines System der Staats-Stadt-Haus und Landwirthschaft in alphabetischer Ordnung, von D. Jo. Gr. Krüntz, 29ter Theil, von Jan bis Inf. Nebst 4 Bog. Kupf. Berlin 1783, gr. 8. 2 Alph. 3 Bog. Mit dem Bildniße des Verfasssers der Hausmutter und des Hausvaters Hrn. Pst. Germershausen. Auch in den Artikeln dieses Theiles wird niemand den gelehrten und ermüdeten Mann von Belesenheit und eigenen Einsichten verkennen.

In der Londoner Times kommt das Wort Encyclopedia erstmals am 16. November 1786 vor:

  • A letter from Constantinople says, the Divan persist more and more in the design of liberally encouraging the arts and sciences; they have given orders for an immediate translation to be made in the Turkish language of the Dictionary Encyclopedia ; and the better to facilitate this work, for the benefit and intelligence of such Mussulmen as are lovers of Belles Letters, they have ordered all the engravings in the Paris edition to be copied therein; and to effect this they have bought all the plates they could procure both in France and Italy.

In der US-Presse tritt das Wort schon früher auf, erstmals um 1750, konkret etwa in der Zeitung Boston News vom 21. Mai 1752:

  • Paris, February 25. The Abbes de Prades and Yvon, whose Theses lately made such a Noise, are withdrawn into England, where Liberty of Speech and Printing is almost unlimited; their Drift, besides the Security of ther Persons, is to treat with the Booksellers of the Country, for a Continuation of the Encyclopedia ; several Articles in the Second Volume of that Work being ? to the late Duke of Orleans, he declared, such a Book ought to be suppressed.

Am 5. November 1851 zitiert die NYT den Scientific American vom 4. Oktober. Auch hier das erste Vorkommen des Begriffs:

  • Encyclopedia of Science –We have a number of dictionaries relating to Science and Art, and we have glossaries of scientific terms, and those relating to the operations and particular parts of machinery, & c., and we must pay this compliment to Webster’s Quarto Dictionary. […] It is a real Encyclopedia of Science, for it not only gives the definition of scientific terms, but describes the nature of many chemical actions and the operations of many machines. […] We are proud of this work as an American production; it is certainly gratifying to know and feel that England looks to America as having now produced the standard work of the English language.