der zündfunk | früher

heute in deutschlandfunk/markt und medien mein kleiner überblick über den zündfunk früher, als der mythos noch keiner war. hier unten jetzt die langfassung des gesendeten 4-minüters, mit, am ende, ein wenig weihrauch. da hört Ihr eine synthetische stimme, und das bemerkenswerte daran ist rückblickend, dass sie von 1984 stammt. ich hatte damals einen C64 heimcomputer, für den gab es steckmodule, und eins diente der sprachsynthese. es war komplex zu programmieren, vor allem das “Z” von zündfunk, denn die software war amerikanisch. ich musste phoneme und pausen herumschieben, aus dem Z ein TS machen usw. relativ einfach war das ansteigen der tonhöhe, denn hier gab man jedem phonem eine frequenz. es passt überhaupt nicht zu takt und tonart der musik (owner of a lonely heart von YES), aber es klang in den 1980ern nicht nur für meine ohren “geil”, wie man damals sagte.

in der mitte ist eine kleine mogelei zu hören: der ausschnitt aus helmut kraussers erster rundfunksendung (pop sunday) stimmt nicht ganz. helmut kam als 16jähriger in die redaktionssitzung und las “13 pessimistische gedichte” vor, eins toller als das andere. er durfte diese texte aber nicht selbst sprechen. thomas albus wurde dazu verdonnert, helmut kam abends in die produktion reingeschneit und ließ uns im studio seine schlechte laune spüren. ich konnte ihn gut verstehen. die nächste sendung jedenfalls sprach er selbst, und daraus ist der ausschnitt. ich glaube, da war er schon 17.

vom club 16 sind in dem beitrag zwei passagen zu hören. einmal moderiert ulrich paasche die beatles ab und die hollies an (1970). später moderiert jürgen herrmann den club 16 ab und den zündfunk an (1974). ulrich paasche wurde später pressesprecher des BR und ist seit langem in ruhestand. jürgen herrmann wanderte nach B3 ab; einige nette fotos, u. a. beim aussortieren von hörerpost mit thomas gottschalk hat der BR → hier archiviert.

ich erfuhr bei den recherchen nebenbei auch von einem peter kreglinger, den ich nie bewusst hörte, der aber auch den club 16 moderiert hat, bevor er nach stuttgart zum “südfunk” ging.

peterKreglinger---autogrammkarteautogrammkarte von peter kreglinger, club 16. archiv des BR

zu den urgesteinen von club 16, die später in den zündfunk hinüberwuchsen, gehörten wolfgang stegers, raoul hoffmann, carl ludwig reichert, till obermayer, karl bruckmaier, berhard jugel, ingeborg schober. ingeborg ging, wie auch georg kostya, zu bayern 3. andere, wie michael hutter und hans-peter richter, hörten mit radio auf. raoul hoffmann, glaube ich, auch.

es gab eine kritik zu meinem beitrag, weil ich den zündfunk jetzt rückblickend “links” nenne. wir hätten das damals nie offen gesagt, weil wir dann schwierigkeiten mit den hierarchen bekommen hätten. die redaktion hatte es eh schwer genug und musste sich laufend nach oben und gegen wutschnaubende hörer (“drecksanarchisten, geht doch in die ostzone!” und dgl.) rechtfertigen. jedenfalls gab es kaum einen konservativ, geschweige rechts denkenden kollegen im team der 1980er jahre. allerdings waren der oberpolitisch tickenden fraktion manche, die viel wert auf form (etwa aufwändigere produktionstechniken, hörspielcharakter etc.) legten, suspekt, und umgekehrt. es gab da durchaus animositäten. die “harten” politik-zündfunk-moderatoren ließen auch öfter auf den redaktionssitzungen durchblicken, dass sie die musikjournalistischen sendungen nicht hörten; waren ihnen zu schöngeistig.

rückblickend interessant war auch die kontroverse um eine sendereihe, die sich “blind date” nannte und tatsächlich partner vermittelte. die sendung wandte sich eindeutig an ein, sagen wir mal, weniger ambitioniertes publikum. sowohl der moderator, der später in die redaktionsriege aufstieg, als auch die redaktionsleitung hielten dies für eine öffnung des zündfunks für neue hörerkreise. ich weiß nicht, ob das gelang. ich spreche von den 1980er jahren.

es gab turbulenzen, als christoph lindenmeyer die redaktion verließ und dann das hörspiel leitete. seine beiden nachfolger hatten, milde gesprochen, keine ahnung und stießen auf eine sehr eingeschworene mannschaft, die ihnen den zugang sicher auch nicht gerade erleicherte. es kam in der zeit sogar zu einer geradezu unsittlichen sofortkündigung eines verdienten mitarbeiters, nur weil der interim-chefin etwas nicht passte. sie blieb nicht lange. der nächste interim-leiter des zündfunk war BR-korrespondent im ausland gewesen und fasste den zündfunk wie ein rohes eisen an. natürlich konnte er auch mit metal-musik nichts anfangen und wollte mir eine vorproduzierte death-metal-sendung aus dem programm nehmen, weil ihm die texte, die ich selbstverständlich zitierte und übersetzte, missfielen. glaube, ich hab sie dann doch gesendet, aber es herrschte in der phase eiseskälte. auch er ging bald. es dauerte jahre – und da war ich längst in köln und kam nur noch zum senden sozusagen zu besuch –, bis sich die redaktion unter der heutigen BR-feature-chefin ulrike ebenbeck konsolidierte.

lindenmeyer schreibt mir auch, dass der zündfunk quasi ab dem start medienpreise erhielt, etwa den robert geisendörfer-preis (gottfried stein und lindenmeyer), den tz-rosenstrauß des jahres, den medienpreis der heimatvertrieben (mit ulrich chaussy), deutsch-französische preise (DMS) u. a.

der club 16 war für mich ab ca. 1970 einschalt- und mitschneide-pflichttermin. passte zeitlich gut zwischen die hausaufgaben, eben werktags 16 uhr. freut mich, hier was altes von ca. 1970 jetzt, 44 jahre später, senden zu können.


zündfunk, revisited. deutschlandfunk 29.11.2014, langfassung

zum thema zündfunk heute gibt’s diesen film, jetzt in der BR-mediathek: zündfunk radio show.

ich werde manchmal gefragt, wie viele generationen von autoren/redakteuren es im zündfunk so gab. ich würde sagen vier: die gründer, von denen einige nicht mehr leben, die anderen in rente sind, gert heidenreich etwa. die nächste generation legte sich schon ins gemachte bett. karl bruckmaier und ich sind zwei vertreter dieser generation. die dritte generation kam mit techno und internet hoch, ralf summer, oliver buschek etwa. und die vierte generation sind die jungen von heute, franziska storz, caro matzke. die meisten liegen irgendwo dazwischen, sandra (maischberger) zwischen zwei und drei, klaus (kastan) zwischen eins und zwei usw.

tracker | woher wir kommen, wohin wir…

eine tracking-software verfolgt unsere wege im internet nach, in der regel ohne uns persönlich zu kennen, in der regel, um der besuchten seite zu sagen: der/die person kommt von daher, und sie geht dahin. nichts besonders schlimmes also, aber man sollte es im auge behalten, und das tue ich mit ghostery, einem kostenlosen plug-in für firefox.

ghostery ist eine kommerzielle firma, deren einnahmequelle mir nicht ganz klar ist. jedenfalls fordert sie den nutzer auf, anonymisierte daten an ghostery zu schicken. das bedeutet, dort betreibt man eine art meta-tracking: statt, wie der normale tracker das tut, zu gucken, wer besucht meine seite und woher kommt er, liefert der nutzer ghostery daten ab, die besagen: soundsoviele sind von da und daher zu dieser seite gekommen.

mir als statistik-fan gefällt sowas, aber als datenschutzfan natürlich eher weniger.

trackerBeiFocusUndSüddeutscher

tracker: links focus, mitte süddeutsche, rechts süddeutsche

 jedenfalls war ich vorhin bisschen verwundert als mich eine google-suche zu einer seite von focus.de schickte und mir ghostery fette 18 tracker zeigte, die meinen weg verfolgen. (siehe linke liste oben.)

ich ging danach zur süddeutschen, um die zahl der tracker, die die SZ setzt, mit der von focus zu vergleichen: es waren nur 4 (mitte). dabei hatte ich aber übersehen, dass ich zu focus nicht direkt ging, sondern einem link folgte. zurück zu google, dort “nachrichten” aufrufen, dann die süddeutsche klicken führt zu den trackern rechts im bild: 17 an der zahl. mit anderen worten: es macht einen großen unterschied, ob ich einem link folge oder ein ziel direkt ansteuere.

sie reichen von der VG-Wort (die dies als nachweis braucht, wenn die seite texte bei der verwertungsgesellschaft gemeldet hat) über den burda-konzern bis zu google. google liefert, wie es aussieht, 3 tracker (adsense, tag manager, google+), aber doubleclick ist eine google-firma, damit sind’s 4. amazon, facebook, twitter und adobe (warum denn adobe?) sind auch vertreten. die anderen treten sich, wenn man sich ihre webseiten ansieht, gegenseitig auf die füße.

optimizely (san francisco) schreibt über sich selbst:

Jeder Besucher zählt /

Optimizely ist die #1 Plattform für Webseitenoptimierung weltweit

Eine einzige Optimierungsplattform für Webseiten und mobile Apps

und krux digital (san francisco):

Unlock Data From 1.6B Uniques

Krux is the only company offering a true cross-screen Data Management Platform (DMP) that captures data from any device – smartphones, tablets, desktops, laptops and connected TVs

yieldlab (hamburg; webseite heute nicht erreichbar):

Monetarisierung von Werbeplätzen

Wir sind der Spezialist für die Steigerung von Werbeeinnahmen in digitalen Kanälen.

was aber, wenn man in der suchmaschine einen link sieht und, statt ihn direkt anzuklicken, den link mit der rechten maustaste kopiert und dann in ein neues browserfenster einsetzt? angenommen, der link führt zu (gibt es nicht, frei erfunden:) humpelpumpel.com, dann hätte man früher den link humpelpumpel.com kopiert. heute kopierte man einen ganzen blumenstrauß, wo humpelpumpel mittendrin versteckt ist:

www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=0CCwQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.humpelpumpel.com%2F&ei=W_15VNnWPMG5OMPEgdAH&usg=AFQjCNErlf3Wsf54tUCCNlgqCgL8_6nAUw&bvm=bv.80642063,d.ZWU

auch das ist tracking-strategie. google lässt es sich nämlich heute nicht mehr aus der hand nehmen, jedem zu sagen: der kommt nicht einfach so zu dir, der kommt über mich, google zu dir! das hebt den preis.

um den trackern etwas weniger futter zu geben, muss man in den sauren apfel beißen und den link in google händisch eingeben. beispiel (siehe screenshot unten): wir suchen in google nach dem stichwort “zucker”. im moment wird da nach dem wikipedia-artikel als zweiter eintrag eine vermeintlich offizielle organisiation aufgeführt, nämlich das zentrum für gesundheit. (was für ein name für eine werbeagentur in der schweiz!) wollen wir diesem link folgen (ich wüsste nicht, warum), dann können wir auf ihn klicken, und google kreiert einen fetten link wie den oben. um das zu vermeiden, können wir aber im snippet-text die webadresse selbst markieren und kopieren. danach in die titelzeile des browsers eingesetzt, weiß das ziel (die firma in zürich) nicht, woher wir kommen, und google weiß nicht, wohin wir gingen.

diesenLinkKopierenstatt auf die große zeile zu klicken, den link darunter kopieren

eine visuellere form des trackings, die einem nämlich zeigt, wohin die besucher einer webseite gucken und klicken, habe ich vor längerem mal analysiert, und zwar → hier.