{"id":2291,"date":"2014-07-02T14:14:50","date_gmt":"2014-07-02T12:14:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maxschoenherr.de\/clock\/?p=2291"},"modified":"2014-07-02T22:01:05","modified_gmt":"2014-07-02T20:01:05","slug":"einzelzellenterror-nach-dem-20-juli-1944","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maxschoenherr.de\/clock\/einzelzellenterror-nach-dem-20-juli-1944\/","title":{"rendered":"isolationshaft-terror | nach dem 20. juli 1944"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.maxschoenherr.de\/clock\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/image1.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-2293\" src=\"http:\/\/www.maxschoenherr.de\/clock\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/image1.jpg\" alt=\"image\" width=\"0.5\" height=\"0.5\" \/><\/a><i><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i>grundriss um 1896. das geb\u00e4ude wurde 1955 komplett abgerissen.<\/i><\/p>\n<p>weil ich gerade das hier lese:<\/p>\n<p><i>Johannes Tuchel: \u201a&#8230;und ihrer aller wartete der Strick\u2018. Das Zellengef\u00e4ngnis Lehrter Stra\u00dfe 3 nach dem 20. Juli 1944, Lukas Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-86732-178-5<\/i><\/p>\n<p>&#8230;schrieb ich in die wikipedia: die rolle des &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zellengef%C3%A4ngnis_Lehrter_Stra%C3%9Fe\">zellengef\u00e4ngnisses lehrter stra\u00dfe 3<\/a>&#8220; in berlin nach dem attentat auf hitler vom 20. juli 1944:<\/p>\n<p>Unmittelbar nach dem Attentat gr\u00fcndete am 21. Juli 1944 der Leiter des Amts IV des Reichssicherheitshauptamts Heinrich M\u00fcller die \u201eSonderkommission 20. Juli\u201c. Von den etwa 400 Mitarbeitern dieser Gestapo-Sonderabteilung waren einige Dutzend im Zellengef\u00e4ngnis Lehrter Stra\u00dfe abgestellt. Die zun\u00e4chst als Provisorium gedachte Aktion blieb bis Kriegsende als fester Teil des Gef\u00e4ngnisses erhalten. Die Gestapo sorgte unter anderem f\u00fcr versch\u00e4rfte Haftbedingungen f\u00fcr Sympathisanten des Attentats und erledigte den Transfer der Gefangenen zwischen anderen Gef\u00e4ngnissen und Konzentrationslagern sowie zu den h\u00e4ufig mit Folter verbundenen Verh\u00f6ren im \u201eHausgef\u00e4ngnis\u201c der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Stra\u00dfe 8. Zahlreiche im Volksgerichtshof zu hohen Haftstrafen oder zum Tod verurteilte direkt oder indirekt am Umsturzversuch beteiligte M\u00e4nner verbrachten Zeit im Zellengef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Zu den von der Sonderabteilung durchgef\u00fchrten Haftversch\u00e4rfungsma\u00dfnahmen geh\u00f6rte das Fesseln der H\u00e4nde vor dem Bauch tags\u00fcber und hinter dem R\u00fccken \u00fcber Nacht. Zudem wurden die Beine der Gefangenen nachts mit Ketten an der Wand neben dem Bett fixiert. Nachts blieb eine Lampe an. Sie wurde nur bei Fliegeralarm mit einem Tuch abgedeckt. Dies traf auch auf die Zellen mit H\u00e4ftlingen zu, die nicht mit dem Attentat in Verbindung standen. Diese durften beim Schlafen die H\u00e4nde nicht unter die Decke nehmen; die W\u00e4rter wollten damit Selbstmordversuche vermeiden. Die Ern\u00e4hrung aller Gefangener in dieser Zeit war katastrophal; manche nahmen innerhalb weniger Monate Haft bis zu 30 Kilogramm ab. Auch die medizinische Versorgung war nicht gew\u00e4hrleistet. Zahlreiche Insassen erkrankten schwer. Der am 20. Juni konspirativ beteiligte Pr\u00e4lat Otto M\u00fcller erlitt im Zellengef\u00e4ngnis einen Durchbruch eines Magengeschw\u00fcrs und verstarb am 12. Oktober 1944 im nahegelegenen Polizeikrankenhaus.<\/p>\n<p>Viele H\u00e4ftlinge \u00fcberlebten die Haft nur durch Geschenke von Verwandten und Bekannten. Um die Gefangenen herum bildeten sich Netzwerke von vor allem Frauen, die versuchten, meist \u00fcber die Bestechung des Wachpersonals, Nahrungsmittel, Medikamente und B\u00fccher zu \u00fcberbringen.[3]<\/p>\n<p>Unter den im Zellengef\u00e4ngnis Inhaftierten befanden sich mehrere Geistliche aus dem Widerstand wie der Jesuit Augustin R\u00f6sch. Eingeliefert am 13. Januar 1945 richtete er, von den W\u00e4rtern unentdeckte Beichten und t\u00e4glich heilige Messen ein. Die in der Haftanstalt t\u00e4tigen Kalfaktoren [4] deckten die illegalen katholischen Aktionen. Die Hostien f\u00fcr die Kommunion wurden von zwei Frauen in eigens daf\u00fcr geschneiderten Leinent\u00e4schchen in das Gef\u00e4ngnis geschmuggelt.<\/p>\n<p>Die meisten Sympathisanten des Widerstands warteten im Zellengef\u00e4ngnis auf ihren Prozess vor dem sogenannten Volksgerichtshof, sie waren also in Untersuchungshaft und wurden zu ihren vermeintlichen Verbrechen vernommen. Daf\u00fcr waren zwei R\u00e4ume in der N\u00e4he des Eingangs vorgesehen, jedoch selten genutzt, denn man transportierte die H\u00e4ftlinge zur Vernehmung fast immer ins 3 km entfernte Gestapo-Gef\u00e4ngnis. Dort war Folter die Regel, meist durch Schl\u00e4ge, Auspeitschungen, aber auch das Ziehen von Z\u00e4hnen und Fingern\u00e4geln. Der ehemalige Polizeidirektor Paul Hahn berichtete \u00fcber seine R\u00fcckkehr ins Zellengef\u00e4ngnis nach Stunden der Folter:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201eIch wurde per Auto, nat\u00fcrlich gefesselt und unter Bedeckung von zwei SD-Schergen nach der Lehrter Stra\u00dfe gebracht. Als ich dort ankam, sah ich aus den Mienen der mich in Empfang nehmenden Beamten, da\u00df mein Aussehen auffallend war. Mein Gesicht war geschwollen und blutbeschmiert, meine Lippen blutr\u00fcnstig und aufgeschlagen. Nach der Fesselung f\u00fcr die Nacht, H\u00e4nde auf dem R\u00fccken, F\u00fc\u00dfe an die Wand angeschlossen, sank ich auf die Pritsche.\u201c[5]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>grundriss um 1896. das geb\u00e4ude wurde 1955 komplett abgerissen. weil ich gerade das hier lese: Johannes Tuchel: \u201a&#8230;und ihrer aller wartete der Strick\u2018. Das Zellengef\u00e4ngnis Lehrter Stra\u00dfe 3 nach dem 20. 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