spotify | spinnt wohl

spotifyFakeAnmeldungfake-anmeldung bei spotify zur umgehung des datenschutzbruchs

der größte musikstreamingdienst aller zeiten hat seine AGB dahingehend umgeschrieben, dass man bei der anmeldung (kostenlos oder bezahlt) sein komplettes adressbuch am rechner oder tablet oder smartphone auslesen und an werbefirmen weitergeben lässt. außerdem greift spotify ab sofort positions- und bewegungsdaten ab, letzteres natürlich mit dem scheinargument, die richtige musik zum gehen und zum joggen zu liefern.

einen tag nach veröffentlichung dieser ungeheurlichkeit ruderte wegen massivem protest spotify ein klein wenig zurück, aber viel zu wenig: siehe → heise.de.

ab hier betrifft alles spotify-user, die kein bezahlaccount haben.

ich habe mich jetzt mal testweise mit einem scheinaccount anmeldet, und es funktioniert. man gehe also zunächst zu spotify.com und registriere sich neu. wer schon ein kostenloses konto hat, logge sich auf der seite oben rechts bitte aus. nun gibt es eine blaue schaltfläche, die gift ist. im screeshot oben: A. auf keinen fall anklicken: “Mit Facebook registrieren”. wer (nicht nur bei spotify, auch anderswo) das tut, gibt seine facebook-identität kostenlos dem aktuellen portal, hier also spotify preis. es ist bequem (ein name, ein passwort), aber ein absolutes no go.

stattdessen habe ich den zweiten bereich der registrierung genutzt, mir den benutzernamen “volltorpfosten” gegeben, als email-adresse eine fantasieadresse (volltorpfosten@datenschmutz.it), als geburtsdatum ein exorbitant seltsames (11.11.1911), ich gab mich als weiblich aus und konnte nun guten herzens den abgründigen nutzungsbedingungen zustimmen. (B) die ganze webseite ist übrigens viel heller als in meinem screenshot, nämlich so blass grau, dass man gar nicht auf die idee kommen soll, den nutzungsbedingungshinweis “Ich willige in die Erhebung, Verabeitung und Nutzung meiner personenbezogenen Daten ein.” ich glaub, es hakt. als volltorpfosten gehe ich aber mal brav geduckt durch.

im nächsten schritt lädt die webseite ungefragt eine app, also ein programm herunter, und dieses wird ausgeführt. ich bin, wie man in den screenshots unten sieht, sowohl auf der webseite (C) als auch in der app als volltorpfosten angemeldet. (D) es gab keine aufforderung, die email abzurufen und darüber den volltorpfosten zu bestätigen. wenn das verlangt wäre, rate ich zu einer wegwerf-email-adresse.

spotifyFakeAnmeldung2nun auch in der spotify app als volltorpfosten angemeldet

falls man sich in der spotify-app auf dem smartphone irgendwann schon mal registriert hat, präsentiert diese beim start nun die AGB-nachricht; wenn man sie akzeptiert, geht der datenklau los.

image

in dem fall sollte man die app deinstallieren und neu herunterladen. dann meldet man sich mit dem frei erfundenen nutzernamen und passwort an.

image

der volltorpfosten nun auch in der smartphone-app

call a bike | an abzocke grenzende verschleierung

wer am straßenrand ein mietfahrrad der deutschen bahn sieht (call a bike), denkt: das kann ich mieten, für 8 cent die minute. über die call a bike-app am smartphone holt er sich den öffnungscode, tippt ihn in das display hinten am rad ein, das schloss öffnet sich, los geht die fahrt. am ende der fahrt tippt er am display auf “fahrtende”, und das rad steht anderen zur verfügung. bei diesem vorgang können locker 10 € anfallen, ohne dass man es dem rad und der app ansieht. hier meine soeben gemachte erfahrung. fünf minuten fahren für 20 €!

mit car- und bike-sharing habe ich reichlich erfahrung. ich nutze die fahrräder der deutschen bahn (call a bike) immer wieder, besonders wenn ich in anderen städten unterwegs bin. jetzt ist mir in münchen etwas passiert, was von öffentlichem interesse sein dürfte: ich zahlte statt 88 cent 20,38 €, das entspricht 2300% oder dem 23-fachen.

call-a-bike-rechnungrechnung für drei fahrradmieten: 2300% zu viel

in der rechnung oben (sie vergrößert sich bei klick) sind hellgrün die beiden problematischen fahrten markiert; das sind die korrekten zeiten und beträge. die rechnung weist ganz richtig aus, dass ich das eine rad von 10.22 bis 10.25 uhr gefahren habe, also 3 minuten, das andere einen tag später von 10.20 bis 10.21 uhr, also eine minute. beide räder habe ich nur kaum bewegt und ganz in der nähe des abholorts wieder abgestellt. beim abstellen bekam ich über das display die quittierung “danke für die fahrt”, und wenige sekunden später sprang das grüne licht an, als zeichen, dass das rad frei ist, also wieder von jemandem anderen angemietet werden kann.

wie also kommt die hohe gebühr “Sonstiges: außerhalb Standort” zustande – einmal 10,24 €, einmal 10,08 €? (blau unterlegt) was überhaupt ist ein “standort”, wie kann mein ein fahrrad “außerhalb” eines “standorts” parken?

ich rief heute gegen 19 uhr den kundenservice an, sprach mit einer frau steiger, die den vorgang schnell nachvollzog und mir erklärte: außerhalb standort = außerhalb des geschäftsgebiets. ob ich den unterschied zwischen geschäftsgebiet und nicht geschäftsgebiet kenne? nun, ich habe das schon am eigenen leib erfahren, als ich einmal einen driveNow-mini in einer straße am englischen garten in münchen abstellen wollte, mir das display aber mitteilte, das ging hier nicht.

auf meine frage, wie es denn kommt, dass ein rad, das ich anmiete und 100 m weiter wieder abstelle, plötzlich außerhalb des geschäftsgebiets stehen soll, antwortete frau steiger, das rad, das ich angemietet hätte, sei vermutlich schon außerhalb des geschäftsgebiets gestanden, ich hätte das vor der anmietung überprüfen müssen. es sei gut möglich, dass auch mein mietvorgänger 10 € strafe habe zahlen müssen. meiner einschätzung, das könne man als falle bezeichnen, widersprach die sachbearbeiterin. ich könne mir schließlich die AGB durchlesen, vor dem anmieten auf dem smartphone das geschäftsgebiet zeigen lassen oder die hotline anrufen. außerdem meinte sie, die meisten kunden, die sich über solche rechnungen wundern, würden sich nur einmal wundern und später besser aufpassen.

ich sah mir während des telefonats auf der app das gebiet an, worum es in meinem fall ging (blau meine position damals). in dem gebiet befanden und befinden sich zahlreiche räder:

call-a-bike_münchenjede menge freie fahrräder, viele im 10 €-strafbereich

die grüne fläche rechts ist der englische garten, die viel schwächer, ebenfalls grün schattierte fläche im unteren linken bereich der karte, ist das geschäftsgebiet. das hatte ich vorher wahrgenommen. wenn ich an das gebiet, das mir die hohen kosten verursachte, etwas heranzoome (siehe unten), sehe ich ein fahrrad, das während des support-telefonats genau an der stelle steht, wo ich meins vor gut einer woche abgestellt hatte und dafür 10 € zahlen musste, nämlich an der u-bahnstation studentenstadt:

call-a-bike_münchen_detailein rad steht frei zur anmiete genau an dem punkt, wo ich meins für 10 € abstellte.

die frau im call a bike-kunden-callcenter bot mir an, eine kulanzerstattungsanfrage zu starten, mit der begründung, der kunde (also ich) hätte nicht gewusst, dass es ein geschäftsgebiet gibt und räder nicht außerhalb des geschäftsgebiets abgestellt werden dürfen.

unterm strich zeigt dieser fall zwei defekte im an sich ziemlich gelungenen call a bike-anmietsystem:

  1. die räder, die außerhalb des geschäftsbereichs stehen, sind weder selbst, noch in der app als räder gekennzeichnet, die mit vorsicht zu genießen sind. an sich sollte ein rad, das einem die app zeigt oder das man am straßenrand stehen sieht, den kunden einladen, damit zu fahren. stattdessen verbrennt man sich leichter die finger als man glaubt. jedes rad außerhalb des stadtkerns ist 10 €-gefährlich! auch wenn fünf call a bike-räder darum herum geparkt sind!
  2. spätestens wenn man das unwissentlich außerhalb des “bereichs” angemietete rad wieder abstellt, sollte es einen hinweis geben, dass hier ein problem vorliegt. so aber lässt einen das rad aus-checken, quittiert mit okay und ist vom nächsten kunden wieder anmietbar, der dann vermutlich wieder 10 € zahlt, es sei denn, er fährt das rad ins geschäftsgebiet zurück.

bei so demonstrativ wenig transparenz und so vielen außerhalb des geschäftsgebiets parkenden rädern liegt eine unterstellung nahe, nämlich die, dass die firma damit den größten umsatz macht – also durch absichtliche verschleierung.