productionpartner | walter

dieser cartoon schmückt das intro der aktuellen ausgabe der fachzeitschrift → production partner. gezeichnet hat ihn → denis metz. es ist eine von der reaktion initiierte hommage an ihren langjährigen chefredakteur walter wehrhan, der jetzt in den ruhestand ging.

walter wehrhan, von denis metz

ich lernte walter – der genauso aussah wie in dem cartoon – um das jahr 1993 herum kennen. damals war die zeitschrift nicht auf professionelle beleuchtung konzentriert, sondern viel breiter aufgestellt. ich las da mikrofon-tests mit exakten frequenzkurven. eine sehr technische zeitschrift, die mir gefiel. randvoll mit werbeanzeigen, jedoch nie die werbeanzeige nah an einem dazu passenden redaktionellen beitrag. ich rief die redaktion damals an, weil ich ein thema hatte (weiß nicht mehr welches), das für den rundfunk zu speziell gewesen wäre, und walter sagte: prima, und komm doch mal in rodenkirchen beim musik-media-verlag vorbei.

es entstand eine fast bilderbuchmäßige zusammenarbeit. ich konnte in dem magazin themen über computeranimation, berichte vom trickfilmfestival, der siggraph, rezensionen von CD-ROMS und musiksoftware und vieles mehr unterbringen. die zeitschrift war finanziell gut ausgestattet, finanzierte die reisen mit, zahlte ordentliche zeilenhonorare. das blatt war in der szene eine solche autorität, dass mich PR-personen von zum beispiel silicon graphics anriefen, ob ich nicht gegen extra-bezahlung, luxusübernachtungen, freie kost studios portraitieren wolle, wo die SGI-maschinen herumstanden. ich war in dieser sache naiv und schockiert und erzählte das walter, der meinte, das sei leider branchenüblich.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d8/Harm_Lagaay_2004.jpg/1024px-Harm_Lagaay_2004.jpg
harm lagaay. foto: ms/wikimedia commons

weil mich irgendwann die NURBS-kurve im damals neuen porsche mit den “spiegelei”-scheinwerfern faszinierte, besuchte ich für den production partner 2004 die designabteilung von porsche und interviewte ihren chef, harm lagaay. es wurde ein großartiger artikel, der so vieles umfasste, unter anderem frühere designsünden, die lagaay einräumte, die probleme mit den spaltmaßen bei der fertigung, den mischbetrieb von zeichnern, modellbauern und 3D-grafikern usw.

etwa um die zeit strukturierte sich der verlag und damit auch die zeitschrift um. der markt für fachzeitschriften wurden wegen wegbrechenden werbekunden und vor allem wegen des internets sehr schwierig. man fragte mich, ob ich redaktionell fest einsteigen wolle, was mir aber nicht lag. man bat mich, mich intensiv an der aufbauphase eines neuen musiksoft- und hardware-magazin namens → sound & recording zu beteiligen, was ich gern zusagte. für die erste ausgabe fuhr ich nach brighton und portraitierte mit zahlreichen fotos auf ca. fünf seiten text den DJ → tim exile. ich besuchte den programmierer des sehr ungewöhnlichen software-synthesizers → absynth brian clevinger in einem dorf bei paris, ich schrieb einen langen artikel anlässlich des 15-jährigen bestehens von native instruments in berlin. und einiges mehr.

der production partner mit detlef hoepfner als stellvertretendem chefredakteur konzentrierte sich auf licht- und veranstaltungstechnik – das blaue heft, während die rote ausgabe eingestellt wurde. eine plattform für z. b. meine computeranimations-themen gab es in diesem verlag nicht mehr. mein redakteur bei sound & recording war ein neu eingestellter kollege, mit dem es ca. 2007 zum zerwürfnis kam: ich hatte eine neue musiksoftware rezensiert, der pressemann der vertriebsfirma beschwerte sich bei der redaktion über meine kritischen anmerkungen zu dem programm und drohte angeblich, die werbeanzeigen auf eis zu legen. statt sich nun hinter mich, den autor zu stellen, knickte der redakteur vor der industrie ein und bot dem software-unternehmen an, im nächsten heft einen wiedergutmachungsartikel zu veröffentlichen. den habe selbstverständlich nicht ich geschrieben. für mich war die zusammenarbeit damit beendet, denn die weitgehende unabhängigkeit von der industrie und die freie, auch kritische berichterstattung waren ja genau meine gründe gewesen, so viel und so gern für den verlag zu schreiben.

walter wehrhan war, als ich ging, in einer zwickmühle, weil er natürlich den neuen – und durchaus kompetenten – redakteur verteidigen musste und sich sozusagen aus der sache heraushielt. das war das letzte mal, dass ich mit ihm sprach, diesem sehr feinen menschen, der jetzt seinen schreibtisch in der redaktion geräumt hat, um in rente zu gehen. mit VW-bus.