drohnen | zeitraffer

war nicht ganz so dunkel, wie’s aussieht ….

zeitraffersteuerung

köln am abend. foto: ms/dpa

severinstraße, köln südstadt. HDR image. foto: ms/dpa

detail aus dem foto oben. menschen, fahrräder, schienen – und nur drei autos

stilisiertes foto, blick nach westen. das rot ist nicht übertrieben.

alles gut | ist

kann schon sein. foto: ms/dpa

wenn ich scheiße lese oder höre, denke ich meist an ein gedicht von hans magnus enzensberger aus dem jahr 1964. enzensberger wird es mir nachsehen, dass ich ihn ihr ungefragt ehre. hab ihn zuletzt auf einer party im herbst 2018 gesehen. also: Die Scheiße…

Immerzu höre ich von ihr reden
Als wäre sie an allem Schuld.
Seht nur, wie sanft und bescheiden
sie unter uns Platz nimmt!
Warum besudeln wir denn
ihren guten Namen
und leihen ihn
dem Präsidenten der USA,
den Bullen, dem Krieg
und dem Kapitalismus?

Wie vergänglich sie ist,
und das, was wir nach ihr nennen,
wie dauerhaft!
Sie, die Nachgiebige
führen wir auf der Zunge
und meinen die Ausbeuter.
Sie, die wir ausgedrückt haben,
soll nun auch noch ausdrücken
unsere Wut?

Hat sie uns nicht erleichtert?
Von weicher Beschaffenheit
und eigentümlich gewaltlos
ist sie von allen Werken des Menschen
vermutlich das friedlichste.
Was hat sie uns nur getan?

Bildergebnis für enzensberger gedichte 1955-1970

trotzky 1934 über | hitler

“Hitler ist für die nächsten zehn Jahre bereit, weder gegen Frankreich, noch gegen Polen militärische Aktionen einzuleiten. In der Erklärung legte er fünf Jahre als Frist fest, in der eine echte Gleichheit der Rechte Deutschlands in Bezug auf die Streitkräfte erreicht werden muss. Diese Begriffe müssen natürlich nicht mit einer heiligen Bedeutung versehen werden. Sie umreißen jedoch die zeitlichen Grenzen, innerhalb derer die führenden Kreise des Faschismus ihre Rachepläne einschränken.” →

tolle illegale | drohnenaufnahmen

posting auf facebook: der kölner dom nachts, von oben

heute postete eine gute bekannte ein foto auf facebook, das sie offenbar auf instagram gesehen hatte. es ist eine sehr feine drohnen-aufnahme der neusser straße mitten in köln, im vordergrund die agneskirche. der kirchturm ist 61 m hoch. die drohne war der perspektive nach zu urteilen unweit nördlich der kirche in etwa 100 m höhe. die aufnahme stammt von einem kölner DJ, den ich nicht kenne, und der in instagram unter @saman_sebastian viele ästhetisch ansprechende fotos postet. darunter sind einige wenige, wenn auch spektakuläre, die er mit seiner fotodrohne aufnahm.

ich kenne die drohnenregeln und, so schwer es mir fällt, beachte sie weitgehend. es juckt mich in den fingern, die stadt nachts zu befliegen, eine tolle zeitrafferaufnahme der ausfallstraßen zu machen, mal die altstadt von oben zu fotograrieren. darf ich nicht. die vielen drohnenbeobachtungen in der nähe von flughäfen in jüngster zeit (gatwick, heathrow, hamburg) haben dem image der ganzen sache geschadet. drohnenvandalismus = fliegen, ohne regeln zu beachten.

saman_sebastian nahm den kölner dom nachts während des weihnachtsmarkts auf, und dann noch einmal tagsüber, direkt von einem punkt über der innenstadt aus. weil der dom 157 m hoch ist, muss die drohne jeweils gut 200 m hoch gewesen sein. saman_sebastian beflog auch autobahnen, fotografierte autobahnkreuze aus ordentlicher höhe, flog am von autobahnen umgebenen herkuleshochhaus hoch usw.

ich gehe davon aus, dass er keine erlaubnis für diese flüge hatte. vermutlich weiß er nicht, dass es gibt zwei ansprechstellen für solche freigaben gibt: eine in köln bei der stadt, eine bei der bezirksregierung in düsseldorf. es ist mit viel aufwand und auch kosten verbunden, selbst wenn man, wie ich das meistens tue, für die wikipedia fliege, also ohne einen cent daran zu verdienen.

ohne genehmigung aber verstieß saman_sebastian bei den fotos gegen mehrere, jedem (semi)professionellen drohnenpiloten bekannte regeln. abgesehen vom nachtflugverbot, der nähe zu bahnen und bundesstraßen sind die flughöhen besonders kritisch.

in köln sind die meisten orte für drohnenaufstieg völlig tabu, mancherorts (etwa über dem friedenspark, südstadt) kann man 50 m hoch fliegen, erst weit außerhalb (kalscheurer weiher) gibt es stellen für 100 m – die in deutschland maximal erlaubte höhe. mit den flughöhen ist nicht zu spaßen. ich habe schon öfter rettungshubschrauber blitzschnell auftauchen sehen. die hohen flüge von saman_sebastians drohne gefährden den personenflugbetrieb. der aufstieg bei der agneskirche befindet sich in einem absoluten tabubereich wegen des nahegelegenen krankenhauses und heliports. es gibt cessnas, die mit ordentlicher freigabe der flugleitstelle die innenstadt in teilweise unter 200 m überfliegen. beim zusammenstoß mit der drohne stürzt die maschine – mit zwei oder vier personen drin – ab.

weil es mir fern liegt, jemanden anzuschwärzen. also fragte ich saman_sebastian am abend auf instagram, ob er denn die genehmigung für diese flüge hatte. nachdem er nicht antwortete, zeigte ich ihm (via instagram) screenshots der app der deutschen flugsicherung, wo die flugverbote für seine drohnenpositionen exakt zu sehen waren. statt zu antworten sperrte er mich aus, sodass ich sein instagram-account nicht mehr sehen konnte. finde ich bisschen uncool von ihm.

die grafik zeigt den vorgang: das posting auf facebook, das ich am samstag abend sah, oben links. und unten rechts der auf instagram nicht mehr gefundene user @saman_sebastian.

verbotene aufnahmen (bild durch klick vergrößern!)

schein | wissenschaft

vorbemerkung: ich bin ein verfechter harten wissenschaftsjournalismus. auch als ich in den 1980er und 90er jahre wissenschaft in rock/metal-sendungen unterbrachte, ich habe nie gesagt, quantenphysik ist eben mal erklärt. 1990 fand ich mein wissenschaftsjournalistisches zuhause in → forschung aktuell im deutschlandfunk. damals hatte der WDR auch eine starke wissenschaftssendung, wo ich zum beispiel über radiosity berichten konnte – schweres thema, aber ich hatte luxuriöse 10 minuten zeit dafür. die WDR 5-wissenschaft hieß später leonardo (inzwischen quarks), und in den kreisen seriösen wissenschaftsjournalismus breitete sich der begriff der “leonardisierung” aus, womit eine aufweichung des programms gemeint war. denn leonardo wuchs sich zu einer art sendung für die maus für erwachsene aus, und harte, aktuelle wissenschaftsberichterstattung war diesem „hörerfreundlichen“ – böse zungen sprachen vom anbiedernden – kanal weitgehend fremd. dahinter steckte und steckt jetzt mehr noch die angst, hörer zu verprellen, denen der stoff “zu schwer” oder was auch immer ist.

schwerer stoff ist schwer, und unser handwerk ist es, ihn so zu vermitteln, dass es die hörer interessiert. guten wissenschaftsjournalismus macht genau das aus. und es macht ihn auch aus, nicht zu sagen: das ist ganz leicht, das verstehen wir gleich alle. wissenschaft „lite“.

wir kennen die hörer nicht, ich weiß aber von meiner → computersendung im BR, die 1983 startete, dass wir zahllose hörer hatten, die regelmäßig einschalteten, weil sie es spannend fanden, ohne wirklich viel zu verstehen. es muss so gewesen sein, wie es mir heute geht, wenn ich forschung aktuell höre: vieles ist mir thematisch so fremd, dass ich es wie von einem anderen planeten aus wahrnehme. aber es bleibt spannend. ob und wie sich das wissen aus diesen vielen schwer verständlichen beiträgen zusammenbaut, keine ahnung, aber es ist nicht abschreckend.

damit komme ich zu youtube, und hier fasse ich mich kurz. es wimmelt da von seriöser wissenschaft. das beste beispiel ist die → khan-academy, die von astrophysik über artithmetik bis griechische geschichte sehr viel abdeckt. stets interessanter, tiefgehender stoff, exzellent vermittelt. und nie mit dem anspruch, dem zuschauer etwas leicht zu machen:

die khan academy auf youtube

das nächste beispiel ist der youtube-kanal → Urknall, Weltall und das Leben. dahinter steckt der astronom, mathematiker und sachbuchautor → josef graßner. dass er weiß, wovon er spricht, erkennt man auch an seinem guten händchen, gäste auszusuchen. im aktuellen video ist der gastbeitrag ein mitschnitt des auftritts der max-planck-physikerin → susanne mertens, die eine halbe stunde lang durchaus unterhaltsam und anstrengend über das „wiegen“ von neutrinos referiert.

susanne merten im video von “urknall, weltall und das leben”

abschreckende beispiele sind selten, weil man bei youtube, wenn schon wissenschaft, dann auch von wissenschaft ausgeht. es gibt ja keine redaktion, die einem reinredet, also kann man so komplex und langatmig sein, wie es einem passt.

ein beispiel, wie wissenschaft anbiedernd, reißerisch und in der kürze oft völlig falsch präsentiert wird, ist clixoom, der kanal von christoph krachten, einem ehemaligen WDR-journalisten. ich kenne christoph von früher und kann mich nur wundern. wenn er sein aktuelles video mit → “beamen ist möglich” betitelt, denke ich sofort an die BILD-zeitung. geht es ihm, der er kein wissenschaftler und auch kein wissenschaftsjournalist ist, vielleicht nicht um den inhalt, sondern um die vermarktung?

zur vermarktung, gegen die prinzipiell nichts einzuweden ist, solange sie sich dem inhalt gebührlich unterordnet, passt die impertinente werbung, man möge den kanal clixoom unbedingt abonnieren. christoph krachten war in der geschäftsführung der youtube-vermarktungsfirma mediacraft, wo es vordergründig darum ging, aufstrebenden youtubern tipps zu geben, wie sie sich besser vermarkten. in wirklich ging es natürlich darum, aufstrebende youtuber ausfindig zu machen, sie vertraglich zu binden und mit deren erfolg geld zu machen. clixoom jedenfalls ist die bild-zeitung der youtube-„wissenschaft“, also für die tonne, aber immerhin mit einer halbe million abonnenten:

christoph krachten, täglich in clixoom

nachbemerkung: in der presse (und auch in podcasts, vlogs etc.) ist die titelfindung ein kernthema. “Beamen ist möglich!” (sogar mit ausrufezeichen) ist ein beispiel, wie man’s nicht machen sollte. korrekt, aber eben weniger griffig, hätte es heißen können: “Quanten können überall sein” oder so ähnlich. unten ein beispiel aus der heutigen süddeutschen zeitung, wie eine schlagzeile gut gesetzt wird. es ist ein buch erschienen, welches die these vertritt, dass jesus bei der kreuzigung mit einem lungenflügel überlebte. die BILD-zeitung hätte dazu die schlagzeile “Jesus hat überlebt!” gedichtet, die SZ bleibt bei einem seriösen “Atmen kann man auch mit einem Lungenflügel” und einem ebenso soliden untertitel:

oben fake-schlagzeile, unten reale schlagzeile (süddeutsche zeitung)


computerhappening | 1988

vorskizze zur studiobelegung

beim herumkramen in alten aktenordnern fand ich ein paar papiere zu einer sehr lebendigen samstag-sondersendung im zündfunk auf bayern 2: das zündfunk computerhappening 1988.

“bit, byte, gebissen”, das computermagazin, lief erfolgreich halbstündig seit gut 3 jahren. um die IT-entwicklungen im größeren rahmen einzufangen und abzubilden, haben wir (wir, das waren außer mir → nikolai von koslowski und der redaktionsleiter christoph lindenmeyer) ab und an, vermutlich nur zwei, dreimal, den langen samstags-zündfunk-termin dafür frei gemacht. uns stand im studio 4 im funkhaus ein extrem motiviertes team an technikerinnen (nur frauen) zur verfügung. durch meine vielen computersendungen zuvor hatte ich gute kontakte zur → bayerischen hackerpost, dem ersten bayerischen datenschutzbeauftragten, den sysops (system operators) diverser mailboxen (vorgänger von email, chat etc.). mein damals absoluter favorit bei den arcade games war gauntlet. auch dieser riesige automat kam ins studio und tönte live seine herrlichen sounds.

es waren teilweise sehr junge gäste dabei, die zu regelmäßigen hörern des computermagazins gehörten und in der sendung computerspiele spielten und in mailboxen chatteten. norman, freak, alex. ob chris hülsbeck kam, der schon vier jahre zuvor bei mir zu gast war, weiß ich nicht mehr. in meiner skizze ist er im linken studiobereich vorgesehen.

zu jeder sendung dieses kalibers gab es einen so genannten bandpass. damit bekam das band (in dem fall zwei bänder, die zusammen abgelegt wurden) eine nummer, die vermutlich im archiv auch heute noch auffindbar ist. muss mal nachfragen.

bandpass der sendung, jetzt auch in → wikimedia commons

unser adressbuch | für twitter

facebook tat es, linkedIn tut es, whatsApp funktioniert nur so, jetzt ist auch der an sich so integre twitter-dienst mit von der feinen gesellschaft. die feine gesellschaft kennt so vieles von uns, aber möchte noch mehr, nämlich unser adressbuch. das ist aus mehreren gründen dreist bis bösartig, unter anderem, weil sich in jedem unserer adressbücher personen befinden, die garantiert nicht ihre adressen irgendwohin geben wollen. genau genommen müssten wir, wenn wir einer app genehmigen, unser adressbuch auszulesen, vorher alle 20 oder 200 oder 2000 leute in dem adressbuch um erlaubnis fragen. unzählige meiner freunde und bekannten nutzen whatsApp und haben damit ohne meine zustimmung auch meine adresse an den US-konzern (facebook) geliefert.

soweit, so schlecht. was bei twitter auffällt, ist die formulierung:

die frage, ob ich sehen möchte, wen ich auf twitter kenne, ist frech. klar möchte ich das sehen; aber wie willst du, twitter, sie mir zeigen können?

natürlich nur durch das, was im zweiten satz steht: mit blick auf meine eigenen kontakte. ich soll einen blick auf meine kontakte werfen, also eben mal mein adressverzeichnis öffnen? was hat das mit der ersten frage zu tun?

die dritte zeile schießt in sachen dreistigkeit den vogel ab. statt mir einen knopf anzubieten “frag mich nie wieder einen solchen scheiß, sonst setzt’s was!”, bekomme ich die alternative “nicht jetzt” (also später??) oder klein beigeben.

also, leute, hier auf jeden fall “nicht jetzt” klicken, denn anders kommt man aus diesem fiesen menü nicht heraus.

productionpartner | walter

dieser cartoon schmückt das intro der aktuellen ausgabe der fachzeitschrift → production partner. gezeichnet hat ihn → denis metz. es ist eine von der reaktion initiierte hommage an ihren langjährigen chefredakteur walter wehrhan, der jetzt in den ruhestand ging.

walter wehrhan, von denis metz

ich lernte walter – der genauso aussah wie in dem cartoon – um das jahr 1993 herum kennen. damals war die zeitschrift nicht auf professionelle beleuchtung konzentriert, sondern viel breiter aufgestellt. ich las da mikrofon-tests mit exakten frequenzkurven. eine sehr technische zeitschrift, die mir gefiel. randvoll mit werbeanzeigen, jedoch nie die werbeanzeige nah an einem dazu passenden redaktionellen beitrag. ich rief die redaktion damals an, weil ich ein thema hatte (weiß nicht mehr welches), das für den rundfunk zu speziell gewesen wäre, und walter sagte: prima, und komm doch mal in rodenkirchen beim musik-media-verlag vorbei.

es entstand eine fast bilderbuchmäßige zusammenarbeit. ich konnte in dem magazin themen über computeranimation, berichte vom trickfilmfestival, der siggraph, rezensionen von CD-ROMS und musiksoftware und vieles mehr unterbringen. die zeitschrift war finanziell gut ausgestattet, finanzierte die reisen mit, zahlte ordentliche zeilenhonorare. das blatt war in der szene eine solche autorität, dass mich PR-personen von zum beispiel silicon graphics anriefen, ob ich nicht gegen extra-bezahlung, luxusübernachtungen, freie kost studios portraitieren wolle, wo die SGI-maschinen herumstanden. ich war in dieser sache naiv und schockiert und erzählte das walter, der meinte, das sei leider branchenüblich.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d8/Harm_Lagaay_2004.jpg/1024px-Harm_Lagaay_2004.jpg
harm lagaay. foto: ms/wikimedia commons

weil mich irgendwann die NURBS-kurve im damals neuen porsche mit den “spiegelei”-scheinwerfern faszinierte, besuchte ich für den production partner 2004 die designabteilung von porsche und interviewte ihren chef, harm lagaay. es wurde ein großartiger artikel, der so vieles umfasste, unter anderem frühere designsünden, die lagaay einräumte, die probleme mit den spaltmaßen bei der fertigung, den mischbetrieb von zeichnern, modellbauern und 3D-grafikern usw.

etwa um die zeit strukturierte sich der verlag und damit auch die zeitschrift um. der markt für fachzeitschriften wurden wegen wegbrechenden werbekunden und vor allem wegen des internets sehr schwierig. man fragte mich, ob ich redaktionell fest einsteigen wolle, was mir aber nicht lag. man bat mich, mich intensiv an der aufbauphase eines neuen musiksoft- und hardware-magazin namens → sound & recording zu beteiligen, was ich gern zusagte. für die erste ausgabe fuhr ich nach brighton und portraitierte mit zahlreichen fotos auf ca. fünf seiten text den DJ → tim exile. ich besuchte den programmierer des sehr ungewöhnlichen software-synthesizers → absynth brian clevinger in einem dorf bei paris, ich schrieb einen langen artikel anlässlich des 15-jährigen bestehens von native instruments in berlin. und einiges mehr.

der production partner mit detlef hoepfner als stellvertretendem chefredakteur konzentrierte sich auf licht- und veranstaltungstechnik – das blaue heft, während die rote ausgabe eingestellt wurde. eine plattform für z. b. meine computeranimations-themen gab es in diesem verlag nicht mehr. mein redakteur bei sound & recording war ein neu eingestellter kollege, mit dem es ca. 2007 zum zerwürfnis kam: ich hatte eine neue musiksoftware rezensiert, der pressemann der vertriebsfirma beschwerte sich bei der redaktion über meine kritischen anmerkungen zu dem programm und drohte angeblich, die werbeanzeigen auf eis zu legen. statt sich nun hinter mich, den autor zu stellen, knickte der redakteur vor der industrie ein und bot dem software-unternehmen an, im nächsten heft einen wiedergutmachungsartikel zu veröffentlichen. den habe selbstverständlich nicht ich geschrieben. für mich war die zusammenarbeit damit beendet, denn die weitgehende unabhängigkeit von der industrie und die freie, auch kritische berichterstattung waren ja genau meine gründe gewesen, so viel und so gern für den verlag zu schreiben.

walter wehrhan war, als ich ging, in einer zwickmühle, weil er natürlich den neuen – und durchaus kompetenten – redakteur verteidigen musste und sich sozusagen aus der sache heraushielt. das war das letzte mal, dass ich mit ihm sprach, diesem sehr feinen menschen, der jetzt seinen schreibtisch in der redaktion geräumt hat, um in rente zu gehen. mit VW-bus.

don’t let me | down

dieses video habe ich erst nach der ermordung john lennons 1980 gesehen. don’t let me down war einer von nur zwei lennon-songs auf dem let it be-album.

heute fällt mir auf, dass das so authentisch live wirkende video natürlich als playback eingespielt wurde, denn es befindet sich u. a. nicht → billy preston mit seinem den sound mitbestimmenden fender rhodes-piano auf der bühne. vor allem aber ist es klanglich nicht von der version auf der langspielplatte zu unterscheiden.

eric koch: bed-in von john und yoko 1969. wikimedia commons

der song setzt sich mit lennons abgrundtiefer liebe zu yoko ono auseinander, der frau, die letztendlich die band platzen ließ.

bemerkenswert der kameramann, der vor den vieren auf dem boden liegt und dessen einstellungen den film prägen. und dass john lennon so viel amalgam im mund hatte, wusste ich auch nicht.

car2go | datenschutz

der carsharing-dienst car2go ändert sein bezahlsystem und möchte von lastschrift auf kreditkarte gehen. so jedenfalls eine email von heute, die laut einem mitarbeiter bei car2go in der hotline kein spam ist.

bei der gelegenheit mein rat: am PC (oder mac) in die privatsphären-einstellungen gehen und nachgucken, wie sie aussehen. so sollen sie aussehen:


das infame dabei ist, dass man bewusst im unklaren darüber gelassen wird, wo die haken nun sitzen sollen:

wenn man das feld links neben “Nicht akzeptiert” anklickt, passiert das gegenteil: man akzeptiert die klausel.

car2go ist nicht böse, aber man muss das datensammeln hier besonders rigide einschränken, weil der konzern ja vom system her sehr viel über uns weiß. er weiß, wann wir nach autos gucken, und wo wir da gerade sind. er kennt die wege, die wir gehen, um zum auto zu gehen, weiß, wie lange wir brauchen, um endlich loszufahren und sieht, wenn wir x mal um den block im zielgebiet fahren, ohne einen parkplatz zu finden.

DLF | roses are red

grafik: ms

… in der reihe “Das Digitale Logbuch” in → “Computer und Kommunikation” im Deutschlandfunk. hier die etwas längere fassung der am 26. januar 2019 gesendeten bayerischen glosse. nebenbemerkung: ich schrieb unzählig viele glossen, nicht nur für den DLF. eine unter pseudonym publizierte glosse in der damals gerade gestartete computerzeitschrift c‘t führte zu einem anzeigenboykott durch apple deutschland. die bayerischen glossen für den DLF entstehen anders als alle anderen, weil ich sie nicht direkt aufschreibe, sondern weil sie sozusagen aus meinem hinterhirn durch meinen mund ins mikro fallen. ich spreche planlos drauf los, fange oft x-mal von vorne an, bis sich die 2-minuten-story langsam konsolidiert und verfestigt und dann – oft nach einer stunde – fertig ist. lästig ist das abschreiben.

mein hausdialekt ist nicht das ober-nieder-münchen-zugereisten-bayerisch dieser glossen, sondern unterfränkisch. aber – ich hab‘s schon probiert – auf fränkisch kann ich nicht komisch sein. mit 15 jahren leben mitten in münchen kam das richtige bayerisch irgendwie in meine adern, und hier plumpst es wieder einmal heraus, mit, im hinterkopf, wegen künstlicher intelligenz kauzig werdenden robotern.

das digitale logbuch – roses are red

köln | gepudert

und mal wieder ein trauriges bild. 2009 ist (bildmitte) das historische archiv der stadt köln eingestürzt. die steuerzahler blieben, weil sich kein schuldiger fand (haha), die opfer. und wir büßen es heute noch und noch lange, weil die großkotzig geplante nord-süd-bahn just da unterbrochen ist. sprich: ins zentrum muss man von dort aus mit dem bus fahren oder zu fuß gehen.

180°-kugelpanorama, köln. der dom in der mitte. foto: ms/dpa

das bild oben ist ein ausschnitt aus einem 360°-panorama, das man über diesen link in den wikimedia commons findet. etwas weiter unten auf der wiki-seite ist der 360°-link, mit dem sich das bild interaktiv drehen lässt.

das foto in der bilddatenbank der dpa/pictureAlliance