amazing voice | repairs

iZotope’s RX6 does amazing things to recorded audio, especially voices. there are three versions of the recently released software. here i demonstrate the middle one, called standard edition.
iZotopes RX6 ist ein erstaunliches neues software-werkzeug zum reparieren von aufnahmen, vor allem von sprachaufnahmen. von den kürzlich erschienenen drei versionen stelle ich die features der mittleren („standard“) vor.

the presets for voice control

let’s for a start check the list. there’s an audio example in german below.
sehen wir uns zunächst die liste der möglichkeiten an.

  • breath control senkt die lautstärker von atmern zwischen den worten/sätzen heraus.
  • de-bleed rechnet die dezenten rückkopplungen weg, die wir bekommen, wenn wir über kopfhörer aufnehmen. der sound des kopfhörers, besonders wenn er nicht ganz dicht am ohr sitzt und man sehr laut abhört, „blutet“ in den raum und wird dann übers mikro mit aufgenommen.
  • de-click rechnet das klicken heraus, das bei musikaufnahmen entsteht, wenn die band nach einem klick spielt.
  • de-clip versucht, übersteuertes audiomaterial erträglich anhörbar zu machen. normalerweise klingen digitale übersteuerungen schrecklich.
  • de-crackle holt das für schallplatten typische knistern heraus.
  • de-ess ist ein de-esser. davon gibt es viele am markt (und kostenlos). de-ess senkt die scharfen s- und sch-laute in der lautstärke ab.
  • de-hum bezieht sich vor allem auf elektrogitarren, die gern ihr brummen mit in die aufnahmen übertragen.
  • de-plose senkt die plopps ab, wenn wir trotz plopp-schutz mit unseren explosiv-vokalen p und t die mikromembran überreizen.
  • de-reverb versucht, hallig oder mit viel raum aufgenommene o-töne trocken zu legen. siehe das beispiel unten.
  • interpolate ersetzt unregelmäßig auftretende klicks, die unter stimmen liegen, durch benachbarte sounds.
  • mouth de-click nimmt die schmatzgeräusche bei zu trockenem mund beim sprechen weg.
  • spectral denoise ist ein anspruchsvolles werkzeug, um aufnahmen zu ent-rauschen.
  • spectral repair ersetzt kurze störgeräusche wie sich bei der aufnahme öffnende türen durch benachbartes material.
  • voice de-noise ist ein enthaucher. das tool nimmt der stimme den rauchig-kratzigen ausklang.

RX 6 de-reverb

the screenshot above shows you the de-reverb at work. i use it as a plug-in (1), but you may launch RX 6 as a standalone application as well. (2) is the original audio, and (3) the processing window. orange: the dynamic reduction of certain frequencies after a brief learning phase.
im screenshot oben ist die arbeit des moduls zu sehen, das versucht, den hall herauszurechnen. (1) zeigt, dass ich RX6 als plug-in geladen habe. es funktioniert aber auch standalone. (2) ist der originalsound, eine reportage in einem großen, halligen raum. (3) zeigt, wie de-reverb arbeitet. nach einem lernvorgang zieht es dynamisch (also icht an jeder stelle gleich) bestimmte frequenzanteile ab (orange farbe).

 

iZotope RX 6 standard, de-reverb test (german)

 

the next test is about de-plopping, here named „de-plosive“ (german)
im nächsten take entferne ich mit „de-plosive“ zwei mikroplopps im wort „armaTurenBrett“. ich lasse das werkzeug nicht lokal auf diese stelle zureifen, sondern sie selbst finden.

 

de-plosive test (german)

 

i think the next feature is only available in RX6 advanced. it’s called voice denoise. it extracts (up to a certain degree) unwanted background noise. after processing the audio in (first) adaptive and then learned mode, i finalize the audio with NEUTRON in the small version (elements) which works as an adaptive realtime selective equalizer. (audio in german)
jetzt geht es an ein feature, das, glaube ich, nur in der RX6 advanced ausgabe drin ist, auch in der demo-version: voice denoise. es dient dazu, hintergrundgeräusche wegzunehmen, um die vorderen stimmen präsenter zu machen. am schluss dieses tests setzte ich NEUTRON elements ein, um die stimme noch präsenter zu machen.

 

voice-denoise (german)

zufällige gärten | debussys

claude debussy spielt vor (1893)

1903 stellte claude debussy seine estampes fertig. der dritte satz sind die berühmten gärten im regen. mir war nach regenmusik zumute, aber der gassenhauer ist in seinem original nur noch schwer auszuhalten. also nahm ich mir vor, debussy etwas stärker zu verregnen und lud die jardins sous la pluie als midi-datei herunter – eine durchaus akzeptable interpretation von katsuhiro oguri. dann schob ich die winzige datei in meine kompositionssoftware cubase. midi-dateien kommen meist mit einem ballast an zusatzinformationen wie zum beispiel kanaleinstellungen. um die los zu werden, rief ich den logical editor auf. der logical editor automatisiert bestimmte aufgaben sehr logisch; wegen dieser logik schreckt er viele ab.

im ersten job habe ich dem logical editor aufgetragen, alle kontrolldaten, die mit der midi-datei kamen, zu löschen. das ging incl. der programmierung innerhalb einer halben minute. damit hatte ich die spur pur. als nächstes tauschte ich das general midi-klavier gegen ein viel besser klingendes aus, nämlich native instruments‘ „gentleman“, öffnete den deckel, ging nah an den korpus heran und senkte die bässe etwas ab. im dritten schritt – und deswegen poste ich das hier – ließ ich den logical editor die musik verändern. und zwar trennte ich die ganz tiefen noten ab und ließ sie unverändert. die mittleren und höheren noten aber spreizte ich nach oben, und zwar nach einem zufallsverfahren. im screenshot ist oben das original zu sehen, darunter meine „logische“ bearbeitung. die tiefen noten sind unverändert, die hohen noten, die im original im eingekringelten bereich monoton spielen, werden aufgespreizt und spielen ziemlich wild herum:

oben das original, darunter die bearbeitung

die prozedur, die das quasi automatisch tat, sieht im logical editor so aus:

der logical editor filtert noten heraus und macht was mit ihnen.

in der oberen sektion sage ich dem editor, was er auswählen soll, nämlich alle noten höher als das zweigestrichene G. die zeile liest sich so: „wenn die tonhöhe größer als G2 ist, dann …“ ja, was dann? dann tritt die untere sektion in aktion: „gib dem wert 1 (wert 1 ist immer die tonhöhe) relative zufällige neue werte zwischen 0 (das ist die original-tonhöhe) und 30.“ dann nur noch unten rechts „übernehmen“ anklicken, and the job is done. hier der anfang dieser variante:

getting audio ready for | broadcast

tieline’s reportIT app

i did an interview the other day for national public radio here in cologne, germany, with a scientist 400 km away, in hamburg. like other high quality radio stations we more and more move from telephone acoustics to better means of audio quality.

so i asked → microbiologist cornelia gessner if she could install a radio compatible app (reportIT enterprise) on her smartphone, so that we could do the interview via that app. the app is based on a tieline codec for live compression. the audio quality live is good*, and i recorded that stream last night locally when i interviewed conny. we encountered some glitches during streaming. but the locally stored wav on conny’s phone was perfect – not as good as if i had visted hamburg with my marvellous sennheiser stereo mike, but a really good quality.

ich habe gestern abend ein interview für den deutschlandfunk mit einer wissenschaftlerin 400 km weit weg in hamburg geführt. weil der DLF wie auch die BBC radio 4 und andere hochwertige sender nicht mehr so gern telefon-o-ton senden, bat ich → cornelia geßner (so heißt die mikrobiologin), sich eine app auf ihrem smartphone zu installieren, mit der sie in guter tonqualität über den schaltraum zu mir ins studio kommt – ohne zum beispiel in den NDR gehen zu müssen, wo ad hoc eh kein studio frei gewesen wäre.

ich schnitt das interview lokal mit, wobei ich mal wieder die streaming-qualitäten von reportIT testen konnte. es ging über weite strecken gut, aber es gab auch paar herbe aussetzer*. natürlich war die datei auf connys phone lokal als wav gespeichert und wanderte via ftp-transfer zum DLF, wo ich sie mir vorgenommen habe.

RX6 de-click

in the audio examples below you first hear two examples of the compressed audio versus the uncompressed wav in conny’s phone. then you hear some postproduction, first using iZotope’s RX6 de-clicker (without modification; worked brilliantly) and finally doing some intelligent EQing with iZotope’s neutron. it has a preset called „female dialogue“ – wonderful.

the differences are certainly barely audible for non professionals. but for us radio pros the do make a bit difference.

in dem audiobeispiel unten beginne ich mit zwei beispielen der live (also mit codec) übertragenen vs. die als wav lokal abgespeicherten dateien. dann wende ich, weil sich clicks, vermutlich von einem ring an connys finger, durch das ganze interview ziehen, den de-clicker von iZotope’s RX6 an. funktionierte sofort, keinerlei finetuning nötig. schließlich wärmte ich connys stimme noch etwas mit neutron, ebenfalls von iZotope, an. neutron besteht aus einem sagen wir mal intelligenten equalizer, der hier mit einem preset „female dialogue“ schon gut funktionierte, aber mit der lernfunktion noch besser.

die unterschiede sind für laien kaum zu hören, aber für uns rundfunkprofis ganz erheblich. enjoy.

iZotope’s neutron elements

tieline codec, RX6 de-click und neutron EQ (deutsch)

tieline codec, RX6 de-click and neutron EQ (english)

 

cornelia gessner in her laboratory in new zealand. photo: gemmell lab


*typical tieline codec glitch, although we had good wifi connection

 

fremdmonitarisiert auf | youtube

ich nahm gestern abend dieses video auf und schob es, etwas beschleunigt und mit musik aus meiner bibliothek versehen, zu youtube hoch:

drohnenaufnahme mit schostakowitsch

youtube meldete mir (zurecht), dass der einminutenclip „urheberrechtlich geschützte inhalte enthält“ – nämlich die musik. warum bleibt das video dann trotzdem abspielbar? weil, und das war mir neu, jetzt jemand anderes an dem film verdient, nämlich der verlag (und hoffentlich auch → der interpret) dieses schostakowitsch-präludiums. die infoseite von youtube zu diesem urheberrechtsthema ist hier zu sehen. sie spricht, wie bei youtube üblich, von „monitarisierung“. es monitarisiert (sich?) in diesem fall, ohne dass ich eine ahnung davon hatte, der rechtewahrnehmer → sodrac.

screenshot fremdmonitarisierung

 

uli baronowskys | THRILL

THRILL screenshot

THRILL ist ein außergewöhnliches softwareinstrument. man erzeugt damit vorwiegend dunkle klangflächen, die sich interaktiv dramatisch ändern lassen, indem man im XY-feld hin und her fährt. ich habe die software mitte juli 2017 für WDR3/tonArt rezensiert und dazu uli baronowsky in seinem studio in köln besucht.


THRILL rezension in WDR3 „tonArt“

richard nixon | 1952

richard nixon was known as an unpolite press-hating boor. i’m doing some research about how his behaviour compares to the current US president and found this article from sept., 5, 1952 in the new york times, when nixon was republican candidate for vice-president. he does use „bad“ words against the competing candidates like „cynical swindles“, but he surprises with an almost intelligent musical metaphore. this certainly puts mr. trump into the last row of presidential boors. (no worries, we had some boors recently in european politics as well, berlusconi was one of them.)
richard nixon gilt als großer rüpel unter den US-präsidenten. ich guckte heute mal nach, ob er mit trump gleichzog und stieß auf diesen artikel in der new york times vom 5. september 1952:

nixon, der damals vizepräsidentschaftskandidat der republikaner war, griff seine konkurrenten bei den demokraten mit dem satz an, sie hätten die „zynischsten schwindel“ am laufen. ich habe meine zweifel, ob donald trump das wortpaar cynical swindle überhaupt kenne. nixon meinte damals damit die unterschiedlichen ansichten zweier demokraten über bürgerrechte.

weiter unten führt der damals junge nixon allerdings dinge aus, zu denen trump auch in seinem hohen alter nie und nimmer fähig wäre, nämlich:

„sie möchten gern, dass sie glauben, ihre süße musik bedeutet harmonie in dieser komplexen, schwierigen, fundamentalen sache“.

off-topic: nixon, of course, knew something about music and in → this 1961 talkshow performs quite well. even more interesting about this clip is his statement just before he moves over to the steinway piano. he says the white house will have a piano playing president soon. that was actually quite funny. mr. trump has never made jokes, or did i miss something?
klar, nixon hat hier einen standortvorteil, weil ihn seine eltern zum klavierunterricht geschickt hatten. interessanter aber ist in dem → clip von 1961, dass er humor beweist und sagt, demnächst wird im weißen haus ein klavierspieler hausen. von herrn trump ist mir kein einziger unpeinlicher witz bekannt.

nixon playing his own composition, 1961

two weeks later, sept. 20, 1952, nixon starts to tweet (sorry, to shout in brief snippets):

„ever since i have done that work, the communists, the left-wingers, have been fighting me with every smear that they have been able to do. bad.“ („bad“ was edited in by the editor)

further reading, with the following and several other delicious quotes:

“The press is the enemy. Write that on the blackboard 100 times and never forget it.”

touchOSC für | THRILL

ich teste gerade native instruments‘ THRILL und musste einiges nachlesen, um das tolle instrument von uli baronowsky mit dem iPad steuern zu können. diese kryptische anleitung ist mehr oder weniger für mich selbst, weil man solche details leicht vergisst, die einen zuvor stunden arbeit gekostet haben.

Bildergebnis für touchosc

  • touchOSC app im appstore/playstore kaufen. knapp 6 €
  • touchOSC bridge bei hexler.net herunterladen, installieren, starten (die windows-app hat kein bedienfeld, sie muss nur laufen → icon im tray)
  • in der touchOSC app die lokale netzwerkadresse eingeben
  • dann sollte bei den connections die touchOSC bridge auftauchen.
  • dort den PC auswählen. der sollte im selben WiFi netz sein.
  • ein einfaches setup in der app wählen, z. b. „simple“
  • cubase starten.
  • in cubase bei geräte konfigurieren mit dem pluszeichen einen generischen controller zufügen:

  • dort oben die touchOSC bridge auswählen, mit okay speichern.
  • über kontakt THRILL laden.
  • die beiden rechten schieberegler auf dem iPad im simple layout von touchOSC ermöglichen dann die bewegung des cursors in THRILL in beide achsen.

 

helli, der | DJ

dj hell, portraitiert von greg gorman, → wiki commons

an DJ hell kann ich mich gut erinnern. wir hatten aber nur eine punktuelle begegnung, die in der heute in der SZ erschienenen → liebevollen hommage von johanna adorján nicht erwähnt und deswegen hier nachgeliefert wird.

wir nannten den helmut damals helli und luden ihn um 1990, vielleicht war’s auch 1992, in den zündfunk ein. ich hatte wegen meiner häufigen englandbesuche drauf gedrängt, die endlich auch in deutschland aufkommende DJ-kultur irgendwie in die sendungen zu bringen, also statt des durchmoderierten musikjournalistischen gescheitDaherredens raum für DJing zu schaffen.

das führte dann zu einer (später meines wissens nach nicht fortgesetzten) kleinserie von einstundensendungen, in der jeweils ein DJ „auflegte“. ich weiß noch, wie ich herumreiste und in england von einem damals bekannten DJ, dessen namen ich heute nicht mehr weiß, einen kompletten mix für den zündfunk schneidern ließ, den wir dann 1:1 sendeten. ich glaube, helli war unsere nummer 2. es war eine seltsame studiobegegnung im BR mit ihm. seine beiden turntables passten überhaupt nicht ins ambiente des studio X (ich weiß noch, es war nicht das klassische studio 4). ich glaube, der damals nicht mehr ganz junge helli fühlte sich nicht wohl und sprach kaum was. wir, die wir ihn eingeladen hatten, vermutlich über den kontakt durch stephanie gollert, und die techniker wussten nicht, wohin wir ihn stellen sollten: ins studio, in den regieraum? als die stunde im kasten war, gingen wir alle nach hause und wussten nur eins: hier stimmte irgendwas grundsätzlich nicht. die heiligen hallen des damals noch sehr hochnäsigen und lange nicht verarmten BR und die rauheit der clubs passten einfach nicht zusammen. der englische DJ, den ich sendete, nahm seinen mix zuhause auf. wäre auch für helli besser gewesen. und der unten erwähnte nikolai schrieb mir vorhin:

„In Berlin mixte Paul van Dyk im Schlafzimmer seiner Oma in Berlin Tempelhof seine Zündfunkstunde zusammen. Der war mächtig stolz darauf.“

die kleine reihe war damals in mancher hinsicht ungewöhnlich – und in der redaktion umstritten. zum beispiel mahnten einige freie moderatoren zu recht an, dass sie sich ihre sendeplätze nicht wegnehmen lassen sollen. das ging dann gerade so gut, weil es sich um ausnahmen handelte, die dann vermutlich auch mit dem urlaub des ein oder anderen moderators korreliert wurde. ein anderes gegenargument gegen helli & co. war, dass sie sich eben nicht als musikjournalisten gebärdeten, sondern „nur“ platten abspielten. dass im plattenabspielen eine hohe kunst lag, war gerade den älteren in der redaktion nicht klar.

ein förderer der idee war → nikolai (von koslowski), der damals schon in berlin lebte und nie fest im zündfunk moderiert hatte. und weil ich in der zeit langsam meinen absprung nach london und später köln vorbereitete, weiß ich nicht, wie’s weiterging. weiß nur, dass sich einige jüngere kollegInnen der techno-musik annahmen und diese dann brav moderiert in ihren sendungen spielten. uns (nikolai und mir) kam das nicht adäquat vor, weil eine dance-nummer, eingerahmt von gescheiten worten, einfach ein nullinger ist.

gimme iggy | pop

in einem monat kommt gimme danger von → jim jarmusch ins kino. ich habe den film heute im presse-preview gesehen. ein dokumentarfilm, getragen von → iggy pop, der mit realem namen james osterberg heißt. der film ist über weite strecken komisch, weil osterberg einen schön trockenen humor und seine storys schon tausendmal mit immer guten pointen erzählt hat. also nicht viel neues: zum beispiel, dass er es als schlagzeuger leid war, immer nur die ärsche seiner mitspieler zu sehen und deswegen ans gesangsmikro wechselte. oder die geschichte des ausgeschlagenen schneidezahns beim stagediving, weil niemand im publikum ihn damals, gefühlt 1969, auffing, und er auf den boden knallte.

jarmusch arbeitet mit vielen fernsehzitaten aus den 19560er und -60er jahren, die optisch nichts mit iggy pop oder seiner band, den stooges, zu tun haben, aber das illustrieren, was gerade im interview angesprochen wird. wo es an solchem material fehlt, hilft er mit kleinen, selbstgemachten 2D-animationen nach, die zu den lustigsten elementen von gimme danger gehören.

nach etwa einer stunde ist die luft raus, der film geht quasi zu ende und fängt dann wieder und nochmal wieder an, bis dann am schluss das unvermeidliche comeback der band folgt – vier alte männer vor einem riesigen, handzahmen publikum.

die stooges waren nie eine wirklich erfolgreiche band, es gab dafür viel zu viele brüche (drogen, bühnenchaos, stilfindung etc.). was sie auch nicht waren, in diesem film aber als solche verkauft werden: die urväter des punks. das ist quatsch, denn die urväter kommen aus england, wo der punk mehr mit alkohol als mit kiffen, mehr mit thatcher und der queen als mit dem nachdenken über gute riffs und nachte oberkörper zu tun hatte. die sex pistols kommen nur einmal ganz kurz vor, wo sie einen stooges-song covern. die ramones werden mehrmals am rande angesprochen. im grunde waren sie die band, die die form fand, die die stooges nie fanden. die ramones waren amerikanischer punk, ohne sich so zu nennen. in meinen interviews mit joey ramone sprach er immer nur von rock and roll, nie von punk, warum auch.

interessant fand ich osterbergs begegnung mit david robert jones alias „bowie“. die beiden werden popgeschichtlich immer wieder miteinander verglichen, wohl wegen ihrer androgynen schlangenartigen haltung auf der bühne. dabei trennen beide welten. bowie ist als gesamtkunstwerk, der nie so richtig in einer rockband spielen konnte, etwas völlig anderes als iggy pop, der in detroit in einer „kommunistischen“ WG mit seinen mitmusikern lebte. bowie und iggy hatten kaum miteinander zu tun. iggy pop sagt in dem film über david bowie nur „ja, er war schon cool“, und er deutet an, dass bowie auf den US-punk abfuhr und sich davon input versprach. dabei verstanden die stooges im tiefsten inneren den punk nicht, weil der punk nicht in den weiten des mittleren westens der USA zu hause war, sondern auf den verregneten straßen englischer großstädte.

jim osterberg ist ein sehr sympathischer zeitgenosse; und tausend kreuze, dass er nach seinen jahrzehntelangen drogenerlebnissen so eloquent und klar und mit einem phänomenalen gedächtnis erzählen kann. ich habe → diesen BBC-vortrag (john peel lecture) von ihm sehr gern gehört. jarmuschs liebevolle hommage gimme danger ergänzt das ganz gut.

feiner streicher | abend

plush music poster

martin entführte mich gestern ins kölner → loft, wo zum siebten mal der saxofonist → hayden chisholm sein plush music festival präsentiert. chisholm kommt aus neuseeland und hat in köln musik studiert. der gestrige abend war einer mit vorwiegend streichern, begann mit claudio bohórquez, der sehr schnell und emotional bachs partita nr. 3 für violoncello spielte. feiner auftakt.

claudio bohórquez spielt bach

es folgte tschaikowskys Souvenir de Florence für streichsextett, wo bohórquez eins der celli spielte, abel selaocoe aus südafrika das zweite.

streichsextett spielt tschaikowsky

eine stunde später spielte abel selaocoe ein verblüffendes cello-solo mit gesang. von ihm gibt es zahlreiche videos, unter anderem → dieses, mit einem kurzen ausschnitt aus dem stück gestern: → giovanni sollimas lamentatio:

 abel selaocoe spielt sollima

der abend endete auf experimentelle art, mit dem trio DOHA, hayden chisholm, gareth lubbe und claudio bohórquez. sehr berührendes stück, wo sich die streicher und die obertongesänge exzellent ergänzen und zusammenfügen.

DOHA-trio: gareth lubbe (mitte) mit obertongesang

von lubbe gibt es ein → kleines obertongesangsvideo. und hier ist er mit südafrikanischen kindern beim → kichern mit viola.

damit ging eine runde, sehr professionelle veranstaltung zu ende. für 12 € geschenkt.

charitè serie | erbarmlich

weil charité = erbarmen heißt, nenne ich die serie mal erbarmlich. ich habe die ersten beiden folgen gesehen und musste schon für diese eineinhalb stunden viel erbarmen mitbringen. die bildästhetik (closeups mit großer objektivblende, farbkorrektur richtung braun und blau, enge bildführung wegen des engen historischen sets usw.) hat regisseur sönke wortmann von vor allem englischen vorbildern übernommen, downton abbey, call the midwife etwa. die allererste szene hätte 1:1 aus call the midwife kopiert werden können, weil da auch die ordensschwestern aufgestellt stehen und ihre strengen und streng-gläubigen instruktionen von der oberin empfangen.

das drehbuch von dorothee schön und sabine thor-wiedemann ist – typisch für eine MDR/UFA-produktion – so gestrickt, dass der zuschauer immer ausrufezeichen sieht, statt handlungen. während im großen vorbild der serie, der US-produktion the knick, die zentralen themen (betäubungs- und aufputschmittel, emanzipation der schwarzen und der frauen, sterilität im OP etc.) wie beiläufig gesetzt werden und sich allmählich herauskristallisieren, ist bei charité jede zweite einstellung so platt zielführend, dass man schon weiß, wohin der hase läuft und nicht mehr weitergucken muss. eins von zahllosen beispielen: eine blinddarm-patientin interessiert sich auffällig für ihre OP; da weiß man, dass sie einmal in der klinik arbeiten und dort wertvoll sein wird. oder doch noch eins: ein portraitmaler portraitiert eine schauspielerin; die sieht im atelier ein bild von robert koch und kennt sich plötzlich auffällig mit bakteriologie aus; klar wird daraus die viel beschriebene liebesbeziehung, MDR-mäßig natürlich ausgeweidet bis ins letzte schmonzettentröpfchen, bis zum erbrechen. von den ganzen kaiser-einlagen mit und ohne halsschnitt ganz zu schweigen: da bringen wir dem zuschauer mal bisschen politik 19. jahrhundert bei, aber nicht zu heftig, nicht zu kompliziert … ich höre die redaktion vor angst schlottern.

weil ich aber kein film-, dafür ein ton-experte bin, hier das, was für mich das ausschlusskriterium überhaupt ist: der sound. das hier ist das erste, was man an gesprochenem wort hört, anfang der ersten folge der staffel:


charité-serie anfang: was bitte sagt die frau?

ich verstehe nichts. „Mistschwestern und Wärterinnen?“ keine ahnung. jeder in film und rundfunk weiß, um sich einzuhören, muss man dem konsumenten den ton besonders deutlich machen. er soll nicht fragen: hä, was hat die gesagt? und den fernseher lauter drehen, sondern er muss das ganz selbstverständlich verstehen.

paar sätze später sagt die schwester oberin „mit guter Pflege“. sie spricht es aber aus wie „mit butta flege“. ich habe es dreimal anhören müssen, um es zu verstehen:


charité: mit butta flege

etwas später: was soll das heißen? „Hartmut kann die Lücken“?


charitè: hartmut kann lücken

hier die soundwelle dazu:

die silben müssten viel deutlicher herausstechen

selbst bei akustisch weniger problematischen stellen wie in der folgenden szene stellt sich die frage, warum der hauptdarsteller in einem akustisch wunderbar trockenen raum so einen hall drauf hat:


charité: ernst stötzner alias virchow

die ton-behandlung in der serie charité ist, wie in vielen tatort-produktionen auch, eine katastrophe. es muss, wie oft im deutschen fernsehen, so gewesen sein, dass redakteure die staffel abnahmen und dabei das drehbuch lasen. sorry, kollegInnen, wir leben im 21. jahrhundert, und seit „Der Pate“ gelten andere regeln für ton im film!

ich will nur mal als beispiel den ton in einer beliebigen aktuellen angelsächsischen produktion zeigen, dem gerade zu ende gegangenen BBC-dreiteiler → the replacement. zwei leute in einer wohnung, der raum mit viel weniger teppich und büchern voll als beim obigen ausschnitt, beide völlig klar verständlich:


BBC: the replacement

the replacement: selbst leise worte sind deutlich

zum vergleich, beide „trockenen“ räume hintereinander: charité und the replacement:


ARD charité vs. BBC the replacement

und schließlich, ganz wichtig: auch in akustisch komplexerem umfeld, wo bei charité, wie auch bei vielen deutschen produktionen praktisch nur noch lippenlesen hilft, ist hier alles glasklar, sehr mikrofon-präsent verständlich:


the replacement, komplexer hintergrund

skelettiertes erbarmen nach | BWV 721

xaver varnus spielt BWV 721

die aria „erbarme dich“ aus der matthäus-passion ist ein gassenhauer und von zeitloser schönheit. der ungarische organist → xaver varnus hat jetzt eine völlig skelettierte version der orgelversion davon eingespielt, auf einer kleinen, fast 300 jahre alten orgel in einer kleinen kirche von → felsőörs. felsőörs liegt mitten in ungarn. die orgel ist weitgehend intakt, die tasten sind uneben, es gibt nur ein manual, einige pfeifen klingen unsauber. xaver varnus spielt das um 1704 komponierte stück für orgel „erbarme dich, o herre gott“ mit einem hackenden stakkato der linken hand, sehr ungewöhnlich für das, auch in orgel-transkription meist süßlich vorgetragene werk.

weil die orgel bekanntlich keine anschlagsdynamik der tasten kennt, nutzt varnus den hauchigen an- und schnellen ausklang der pfeifen, indem er die tasten der linken hand immer nur kurz anschlägt, sodass die pfeifen gar nicht groß durchgeblasen werden. damit wird er dem instrument gerecht und liefert eine der bemerkenswertesten interpretationen von BWV 721. auch → philip glass, dem minimalisten, würde das gefallen. aber das ist eine andere geschichte und führt zu weit.

siehe (und höre) dazu auch „erbarme dich“ aus der viel berühmteren matthäus-passion in einer → relativ aktuellen (mit countertenor) und einer → sehr alten aufnahme mit → marian anderson. beide werke haben etwa die gleiche länge, ähnliche bassfiguren, und sind in h-moll angelegt.

zündfunk london special | 1983

heute krame ich einen cassetten-mitschnitt des BR-zündfunks vom 3. oktober 1983 heraus. rough trade war damals ein frisch gegründetes label mit sehr interessanter musik, punk und new wave waren auf höhenflügen. ich interviewte bands wie die smiths und sendete mit vielen reportagen das erste zündfunk-special über londons alternative musikszene. ich war damals wegen engen freunden so sechsmal pro jahr da. und bin’s heute noch öfter.

die sendungen waren damals viel steifer als später, u. a. wegen der wortgenau abgelesenen moderationen. was mich beim hören nach über 30 jahren wundert, ist die menge an – würde man heute sagen – feuilletonistischen moderationen. eigentlich mehr als moderationen: erlebnisberichte, trendnotizen. damals war zum beispiel das wort ghetto blaster neu; in deutschland kannte es kaum jemand. also erklärte ich, wie die dinger aussehen, dass ich sie überall in brixton sehe usw. ich habe damals angefangen, mit jingles zu arbeiten. dieser hier, den ich „London Spezial“ nannte, ist schwer verständlich. paar jahre später gab’s dann sehr gut verständliche, die ich heute noch gern höre…

hier einige ausschnitte aus der sendung vom oktober 1983 im „zündfunk club“, u. a. mit den smiths und den go betweens:


einige moderationsausschnitte

zündfunk bauchlyrik | 1988

sendungsmitschnitt auf cassette

wir moderatoren finden erst über die jahre zu uns selbst. in meinen frühen jahren im zündfunk, club 16, pop sunday, war ich zu leise zu nah am mikro. das war damals gängiger stil bei vielen. erst gegen 1990 fand ich meine stimme, wie sie ist. hier also noch nicht. mir nicht in erinnerung, diese viel zu tragisch vorgetragene vermutlich selbst geschriebene zeitgeist-wissenschaftslyrik. das war freeform radio par excellence, wir konnten machen, was wir wollten. es juckte keine quote, es zählte die echtheit. wir erzählten das, war wir dachten, wir spielten die musik, die wir kannten und toll fanden. das war keine bessere zeit, aber eine andere.

wenn ich es heute höre, fällt mir auf, dass ich, anders als das meiste in meinen 80-minuten-sendungen, diesen take nicht live gesprochen hatte. im vorlauf der spätnachmittagssendungen hatten wir „schneidetermine“ mit studio. diesen text, der zu atmosphärischem sound im stereopanorama hin und her fährt, musste eine toningenieurin/technikerin (praktisch ausschließlich frauen; nur in den hörspielen saßen männer am pult) quasi live gepegelt und auf band aufgezeichnet haben. da gab es kein undo. ich nahm dann das tonband, das mit 38 cm/s offen gewickelt lief, vom studio 4 im vierten mit in die sendung hoch in den siebten stock.


kurzer ausschnitt daraus

wunschkonzert | für ewig gestrige

als ich in den 1980ern im BR meine sendungen vorbereitete, gab es tage, an denen alle vorgänge im archiv zehn mal schneller abliefen als üblich. es war → wunschkonzert-zeit: hörer riefen an, einer wollte das zweite brandenburgische konzert hören, also fetzte ein assi nach hinten zum „B“ (bach) und fischte irgend eine schallplatte mit dem zweiten brandenburgischen heraus. ein anderer „schallarchiv“-mensch raste dann hoch in den 7. stock, wo die sendung lief, reichte die scheibe ins studio, der moderator war erleichtert, es konnte weitergehen.

die nazis hatten im großdeutschen rundfunk ein → wunschkonzert eingerichtet, das den krieg und die wehrmacht unterstützen sollte. dieses wunschkonzert gehörte zu den erfolgreichsten und meist gehörten sendungen der frühen deutschen rundfunkgeschichte.

UFA_wunschkonzert

wunschkonzert 1940: leichte unterhaltung zum startenden weltkrieg

einige sender haben auch heute noch wunschkonzerte, der WDR aber meines wissens nach nie. weil für den sender eine reihe kompetenter musikjournalisten arbeiteten, war die sendezeit viel zu kostbar, die meist leichte unterhaltung, die den hörern so in die kopf schoss, zu senden. das war gut so, und es zeigte die kompetenz der musikredaktionen. quasi: wir spielen das, was relevant ist, und nicht das, was du sowieso schon kennst und „nur“ mit anderen teilen willst.

jetzt hat sich das geändert. während andere sender aufhören, startet der der WDR zur guten sonntagmorgenzeit sein wunschkonzert und nennt es »lieblingsstücke«. es ist ein anachronismus. in zeiten, wo mit facebook musik geteilt wird, mit youtube und spotify und internetradio jeder sein programm zusammenstellen kann und es auf jeder party zu spotify- oder youtube-sharing kommt, musik also überall in gigantischen mengen zur verfügung steht – da führt der größte sender der ARD eine mehrstündige sendung ein, die die gassenhauer der hörer (nichts gegen die hörer und ihren geschmack!) runternudelt, mit ein paar persönlichen geschichten, gershwin’s rhapsody in blue zum beispiel heute morgen. verbrannte sendezeit? nein: sehr billige sendezeit, denn die GEMA rechnen die sender eh pauschal ab, und beiträge von freien autoren muss man nicht einkaufen. stattdessen moderiert ein freier autor die ganze zeit einigermaßen klug durch, muss kein interview mit einem experten führen, sich also nicht weiter vorbereiten. bei der anmoderation des gershwin zitierte er halt schönberg. kann man schon machen.

die wellenleitungen und hörfunkdirektionen wissen angesichts des sparkurses nicht, was sie machen sollen. und so greifen viele auf das zurück, was eben am gefälligsten ist.

cubase | notizen

die UHR ist weitgehend meine eigene gedächtnisstütze, aber manches scheint auch anderen zu helfen. hier einige notizen zu cubase, meinem musikkompositions-arbeitspferd seit vielen jahren. ich vergesse das ein oder andere, und wenn ich’s brauche, gucke ich halt hier nach. fängt an mit sidechain, einem effekt, den ich anders nutze als die leute im dance-bereich. aber im prinzip funktioniert er immer gleich.

 

Sidechain in Cubase 8.5 (und früher)

Audio in Spur 1 soll manipuliert werden.

  • Also bekommt es den Effekt, zum Beispiel einen Kompressor.
  • Diesen Effekt auf Sidechain stellen; das kleine Quadrat mit dem horizontalen Strich (so vorhanden; ist in vielen VST-plug-ins nicht vorhanden)

Spur 2 soll Spur 1 manipulieren.

  • Also zum Beispiel Midi-Bassdrum auf Spur 2
  • Im Routing den Output von Spur 2 in den Input von Spur 1 leiten. das geht z. b. so: taste F3, Send aufklappen, den Effekt aktivieren)
  • Am Effekt spielen, bis er greift.

kiss IT better | baby

rihanna_anti_scribble

flugzeug-gekritzel beim sehr laut hören von ANTI

eins meiner liebsten alben (→ musikjournalisten würden, weil sie meinen, für geschmack gibt es schubläden, sagen: eins der besten alben) der letzten wochen ist rihannas → ANTI. ohne gute bässe im ohr oder am lautsprecher ist ANTI fast wertlos, was es aber nicht schlechter macht.

fast jedes stück hat einen super sparsamen, aber hammer- bis gummihaften unterbau, der bei 40 hertz oder drunter liegt, plus eine schneidende snare-drum, die gern auf der 3 oder der 3_und sitzt. dieser unterbau ist so fein arrangiert und funktioniert mit → rihannas stimme hervorragend. es gibt kaum einen song, der zu voll ist. komprimiert ist allerdings alles, bis ans limit. mit jeder menge sidechains.

ANTI besteht vorwiegend aus skizzen, oft rhythmische skizzen mit kinderblabla-texten, die schnell vorbei sind, oder textskizzen, wo das lalala-plappern mit tieferen gedanken verwoben ist, etwa „you’re just another nigger on the hitlist“ oder „kiss IT better baby“. wenn rihanna beim song james joint ihren joint dreht, dreht sich alles, und bei goodnight gotham stolpert sich das arrangement instrumental düster an den abgrund. macht nichts, denn es geht munter, kurz und knackig weiter: „sex with me (is) so amazing“ – eine art ernste lachnummer; „when i look out of my window / i can get no peace of mind“ – ein kinderlied. bei jedem nächsten song freue ich mich auf die synkopen und den bass, und schließlich auf die fade-outs, wenn rihanna (vermutlich mit → melodyne) nochmal quasi für die tonne mehrstimmig loslegt, halbe sekunde lang, vor der stille, zum nächsten bass.

die schwächsten titel (von denen es meinem geschmack nach vielleicht vier gibt) sind die am stärksten durchkomponierten. mit einer ausnahme: → work work work work work work. und schön, dass der kanadische rapper → drake seinen rap eine oktave über rihannas letztem ton beginnt – ein ungewöhnlicher und hier sehr liebevoller einstieg in den rap mit wunderbaren sätzen wie „we need a face 2 face / you can pick the time and the place“.

soooo viel | musik

musikWieSandAmMeer

musik wie sand am meer. grafik: ms

aus einem facebook-dialog: zündfunkkollege ralf vermeldete

  • Ich habe in 2015 vermutlich jeden Tag 3 Alben gehört. Das macht ca 1.000 Alben im Jahr bzw ca 10.000 Lieder. Gleich im NACHTMIX / Bayern 2 von 23h05 bis 24h spiele ich meine 15 Lieblinge aus ´15

ein anderer kollege, matt, kommentierte:

  • Welche Nebenwirkungen treten bei diesem Musikkonsum auf?

ich erlaubte mir zu kommentieren:

  • ich hab 2015 vermutlich jeden tag 3 stunden radio und neue bands auf Youtube gehört. das macht ca. 1.000 stunden im jahr bzw. ca 8.000 lieder und 200 stunden moderation/beiträge. nebenwirkung? 90% von dem, was heute auf „alben“ herauskommt, kann man knicken. die musik spielt längst woanders.

ralf kommentierte zurück:

  • Da hast du zu 50% recht. Diese Hälfte möchte ich nicht missen. Es gibt immer noch klasse Alben. Aber die Online-Only-Songs hab ich einfach mal nicht mit einberechnet, Max.

worauf ich dann ralf privat schrieb:

  • so seit ende meiner BR-zeit höre ich bei musikbedarf nur noch internetradio. wenn ich mal den zündfunk online einschalte, oder auch ein etwas anspruchsvolleres musikmagazin auf 1live abends, krieg ich kaum mehrwert gegenüber dem, was ich z.b. via youtube und WFMU höre. wenn ein musikmoderator sagt „seit vier jahren endlich wieder ein album von…“ oder „der hat schon damals da und da mitgespielt, und endlich kommt das neue album“, denke ich mir: hä? kommt mir vor wie auf einem sandstrand EIN sandkorn aufheben und sagen: super! deswegen knicke ich auch gern charts und bestenlisten. verstehst, was ich meine? es gibt nicht ZU viel musik in der welt, aber SO viel wie sand am meer. und das ist auch gut so. wenn man ein sandkorn in die muffathalle einlädt, bleibt es ein sandkorn. die tage, wo die promo-tanten LPs und CDs in unsere DJ-postfächer legten und alles einigermaßen übersichtlich war, sind, glaube ich, ewig lang vorbei. für mich seit mindestens 15 jahren.

was ich damit unterm strich und durchaus ernst meine (und schon lange meine): musikjournalismus ist beliebigkeitskommentierung. der berufszweig ist weitgehend tot. und zwar seit der digitalen erzeugung und verbreitung von musik.

in der filmindustrie ist es ähnlich, wenn auch anders: ein großer film kostet für einen laien zu viel geld. ein kurzfilm dagegen nicht. deswegen sind die besten kurzfilme (mit oder ohne plot, selbst koch- und unboxingvideos sind kurzfilme) heute inflationär, eben wie sand am meer, auf youtube zu sehen. und was die fotos und literatur angeht, können wir ein ähnliches lied singen. alles, was digitalisierbar ist, hat diese metamorphonse in die public domain der mediendemokratisierung vollzogen und gesamte genres und berufsstände verwandelt bzw. abgeschafft. in 10 jahren wird es niemanden mehr geben, der sich ernsthaft „musikjournalist“ nennt, allenfalls dezent „musikscout nach zufall“. oder eben plattenwechsler für gute stimmung, abgekürzt DJ.