infosec | öffentlich-rechtlich

recherche vor ort – das ist das eigentlich das übliche für ein seriöses medium wie einen öffentlich-rechtlichen rundfunksender. früher flog ich für halbstundenfeatures zur siggraph-konferenz nach los angeles, immer mit billigflügen und übernachtungen in motels, aber eben vor ort. heute ist das selten geworden, weil viele sender und redaktionen a) an der falschen stelle (eben an der vor ort recherche) sparen und/oder b) nur noch lokalinteresse bedienen, weil „der hörer“ das „am liebsten“ hört.

diesen zweitägigen kurztrip mit billigflieger und billighotel finanzierte mir die redaktion forschung aktuell im deutschlandfunk. ich berichte dafür zweimal im programm. im SWR und WDR geht das nur noch für große sendungen, beim BR schon lange nicht mehr, und vom rest schweigen wir lieber. stattdessen läuft in diesen programmen (aber eben nicht im DLF, der auch kräftig einspart) immer mehr von der ware, die am billigsten ist: musik. das wiederum setzt die moderatoren in zweifacher weise unter stress: sie müssen a) peinliche brückenmoderationen schreiben („und nach der übernächsten musik hören Sie dann endlich unseren bericht über…“) und b) selbst immer mehr interviews machen, ohne dass sich dafür ihr tageshonorar erhöht.

arbeitsverdichtung ohne aufpreis, hörte ich auf der infosec in london immer wieder, ist in der IT-sicherheitsbranche ein no go. die angestellten fordern hohes gehalt, großzügige arbeitsbedingungen, reichlich urlaub und: eine perspektive. mir ist kein freier rundfunkautor oder -moderator, dem/der in den letzten jahren eine verlockende perspektive von ihren funkhäusern aufgemacht wurde.

damit kickt sich der öffentlich-rechtliche rundfunk sein standbein weg. er wurde laut rundfunkstaatsvertrag dafür gegründet, inhalt zu präsentieren (das hieß früher „belehrung“), und nur sekundär zu unterhalten. ARD sportfernsehen, krimis und schmonzetten, und die rundfunkwellen WDR 1(live), 2 und 4 sind reine unterhaltungskanäle.

siehe auch dieses posting.

vocal synth | 2

vocal synth 2 ist ein von www.izotope.com entwickelter digitaler stimm-prozessor. als musiker mit bisschen historie wird man → vocoder denken, und das ist auch gut so, denn vocal synth ist ein vocoder. aber die neue version kann viel mehr, auch viel mehr als die länger zurückliegende vorgängerversion. das animierte bunte in der mitte des fensters ist mehr oder weniger optische spielerei, macht aber sinn und spaß, anzugucken und daran live herumzuzupfen. man regelt damit die stärken der einzelnen fünf effektmodule.

ein schnell gestrickter song mit paar vocal synth 2-stimmeffekten

altmännerlicher | feuilleton-duktus

es gibt eine bestimmte art der kulturrezension, die intellektuell tut, es vielleicht auch ist, es aber schräg und billig herüberbringt. schwer zu beschreiben.

SZ vom 15. mai 2018

fangen wir anders an: ich las heute in der süddeutschen zeitung die kritik einer alois-zimmermann-aufführung in der kölner ausweichoper. in der mitte blieb ich bei folgendem satz stecken, vielmehr, hier hielt ich kurz inne, weil mir was aufstieß:

“Marie ist ein grotesk aufgeputzes Girlie des 18. Jahrhunders mit kokett wippendem Reifrock und einer Trikolore vor der Scham.”

mein unwohlsein kam nicht von der beschriebenen szene, sondern von der art des ausdrucks. aufgeputzt und girlie, kokett wippender rock und vor allem vor der scham – was ist das für ein altes wortgebälk, scham, kokett und aufgeputzt, girlie von vielleicht 1980. ich las einen satz weiter:

“Sie lässt sich flachlegen, um nach oben zu kommen.”

damit lief das fass über. ich dachte mir, das muss ein alter mann geschrieben haben, der schreiben und denken kann, der aber in mancher hinsicht aus der zeit gefallen ist und hier sogar chauvinistisch wirkt. ich konnte das altmännerliche fast in der zeile riechen und dachte: das kann nie im leben eine frau geschrieben haben. mein blick schwenkte auf die letzte zeile: ja, es war ein mann, der WDR-kollege → michael struck-schloen.

später, beim lunch mit einem freund sprach ich die irritation an. bin ich überempfindlich? vermutlich, so kamen wir überein, hätten wir vor ein paar jahren über den satz hinweggelesen, heutzutage aber fällt er unangenehmst auf. ja, nie im leben könnte eine frau so etwas schreiben. joachim kaiser übrigens auch nicht, chauvinist ganz alter schule, aber viel zu sensibel, solche kamellen fallen zu lassen. und bei kaiser sprechen wir von den 1960er bis 1980er jahren, nicht von 2018.


ps.: hab das stück gesehen. keine trikolore „vor der scham“, sondern als unterhose, also auch am po. nennt man selektive wahrnehmung, der der kritiker da nachlüstert. und kokett von jedem flachlegen lässt sich kein girlie. die hauptdarstellerin spielt eine traurige figur, wie beim lenz halt.

fotodrohnenethik für | journalisten

der amerikanische fotojournalisten-verband NPPA hat sich über die verwendung von drohnen in diesem berufsfeld gedanken gemacht. neben selbstverständlichkeiten wie sicherheit und privatheit sind zwei punkte interessant:

  1. man sollte als nachrichtenmedium drohnenmaterial ablehnen, das nicht legal gewonnen wurde (oder die wirklichkeit verzerrt). ein youtube-star wie casey neistat nennt sich selbst journalist und fliegt seine drohnen überall – mitten über amsterdam, niedrig, durch die kölner kranhäuser und über den rhein usw. er hat eine sehr eigene foto/film-ästhetik entwickelt, das steht aber auf einem anderen blatt. ein weniger bekannter amerikanischer youtube-„creator“ namens kraig adams fliegt hemmungslos über paris und andere europäische städte. die reglementierungen für drohnenpiloten in deutschland (und sicher anderswo auch) sind nicht ideal und zu streng gefasst, behörden sind zu starr, um besondere fluggenehmigungen zu erteilen, selbst wenn man ordentlich und als fotojournalist anfragt. aber die ansage von neistat und anderen touristen, man fährt ins ausland und fliegt einfach drauf los, weil man die regeln nicht kennt, ist natürlich unterirdisch. casey neistat hat mit seinen 1,5 millionen abonnenten drohnenpiloten positiv beflügelt, aber auch schamlos in die irre geleitet.
  2. der zweite punkt hängt mit der nachbearbeitung zusammen. raymond, robert und ich hatten diese diskussion, als wir den abriss des immerather doms für die wikipedia dokumentierten: sollen wir unter das (stille) drohnenvideo atmo von unten oder gar musik legen? der drohnenethik von NPPA zufolge ist auch das beschleunigen und verlangsamen von drohenvideos problematisch, weil es eine dramatisierung erzeugen kann, die dem material seine neutralität nimmt.

 

es stellt sich eine zentale frage, die hier nicht angesprochen wird: worin unterscheidet sich drohnenvideografie grundsätzlich von fotografie auf dem boden? technisch auf jeden fall, wegen der gefahr des absturzes und der verletzung von menschen. sonst aber nicht. man könnte auch über eine ethik der 360°-fotografie und VR-journalismus nachdenken. oder über die verzerrung der so genannten wirklichkeit durch tele- oder makrofotografie…

roland R-07 | audio recorder

sony PCM-M10 and roland R-07

around 2010 i heard of a small new professional audio recorder by sony – the first decent alternative to my much larger mp3/wav-recorder then. i bought the sony PCM-M10 new for around 220 € and recorded hundreds of sounds and music and interviews for radio with it. the device is as small as a cigarette pack and resides always in my backpack. i rarely use the excellent internal mikes, because for the interviews i need a mike which i can hold close to my guests and which is more or less plop- and wind resistant. the PCM became so popular that, when sony replaced it by a much bigger and more expensive recorder, it was hard to get it second hand, and if you found it on ebay, it cost double the original price. i was looking for a replacement because one of the push buttons does not work any more. not a major problem because it’s the folder button, not the menu button. i can manage the file/folder system via USB on my PC. a key reason why i did not find a proper alternative was that all follow-up recorders from all brands were bigger and had a horrible design, with microphones sticking out etc. in the screenshot below a sales website informs us that the sony recorder is not available any more. the “alternatives” are all clumsy or ugly.

thomann.de offers no real alternatives to the outdated sony recorder

this year, early 2018, roland released the first real alternative to the small sony recorder, the R-07. i thought the price was right, and it was about time to replace my 8 year old sony. so i ordered it from thomann, germany’s largest and very friendly online sales company for musicians. the R-07 turned out to be a really nice machine with two major advantages over the sony: bluetooth and size.

i returned the roland to thomann.de today after three days of testing. three reasons:

a) during the 8 years between the two devices nothing seems to have changed significantly. the screen is as dim as before, the UI in the menus is as lousy as before, the buttons look cheap and fragile compared to the ones in the old recorder.

b) bluetooth does not really help at all. the main reason we use monitoring here is while we record music, sound or an interview. the latency is typical for bluetooth and not acceptable for monitoring. the audio in the earphones lags behind, you cannot concentrate on what you record – unless the recorder is in a separate room/studio. but this is not my routine as a journalist and musician.

c) when connecting the R-07 to my PC via USB it took some time until the recorder showed up in the explorer/finder. plus: more than once when i disconnected it from USB the display froze. i had to remove the battery for a total reset. a firmware update hopefully fixes this quite drastic bug.

the R-07 has a nice feature which is maybe practical for people who record a lot of ambient sounds or live music: the recorder saves two files of the same recording, one with a much lower input gain. when clipping appears (due to very loud signal peaks), the R-07 blends the two recordings together, so that the clipping disappears.

and, just like the old sony, it has a good preamp for external mikes.

bottom line: from a new generation of audio recorders i expect significant advances, especially in terms of UI and display. why not a touchscreen? after all we use these kind of recorders because our UI-friendly smartphones are not robust enough for the daily field recording routine, they don’t handle external mikes well, and we want to rather press a button to start professional recording than to unlock the smartphone, locate and launch a recording app and always be unsure if it’s active and has the proper settings etc.

peter | grünberg

peter grünberg 2010. foto: ms/dpa

ich hab ihn, glaube ich, zweimal getroffen, zuletzt im dezember 2010. peter grünberg war einer unserer vier masterminds im deutschlandfunk. nobelpreisträger für physik. ihm ist zu verdanken, dass unsere festplatten nicht mehr bei gigabytes herumdpmpeln, sondern paar hundert mal mehr speichern.

auf der ➡ webseite ist der bescheidene mann ganz unten zu hören. ich habe damals das foto von ihm gemacht. er war schon ziemlich krank, aber guter dinge. jetzt ist peter grünberg gestorben.

5 pop sunday | mitschnitte

ich habe ungefähr 20 cassetten mit pop sunday-mitschnitten, meist, wie auch bei diesen fünf, mit sendungen, die ich produziert habe. hier abgebildet thomas meineckes “Politische Sendung” (thomas war damals der unpolitischste von uns allen ;-), “13 pessimistische Gedichte” – die erste veröffentlichung von helmut kraußer (er war damals 16), “Urwaldprotokolle” von ulrich klenner (heute hörspielredakteur im BR), “Ein Zweikampf” von thomas brasch, und “Paris” von thomas palzer vom oktober 1983.

fünf mitschnitte von pop sunday-sendungen, späte 1970er, frühe 1980er jahre

„russenschwein“ im | allgäu

ich musste dieser tage an ein interview mit helene hofmann zurückdenken, das ich 2013 in steinbach (manitoba, kanada) aufnahm.

helene hofmann, 2013

frau hofmann beschreibt ihren weg von russland über deutschland nach kanada. in russland wurde sie als „deutsche“ beschimpft, im allgäu nannten mitschüler ihre tochter „russenschwein“. erst in kanada, in der mennonitischen gemeinde steinbach, respektierte man sie und ihre familie als die, die sie sind. hoch erwünschte personen.

royden loewen, 2013

im rahmen meiner sendung, die primär von gelungener kanadischer immigrationspolitik handelte, traf ich u. a. royden loewen, geschichtsprofessor an der universität von winnipeg. und ich sprach mit dem weit und breit erfolgreichsten immobilienhändler in steinbach, viktor schaefer. alle drei interviews sind auf meiner (nicht mehr technisch auf dem aktuellen stand) webseite ungeschnitten nachzuhören. das feature lief im deuschlandfunk und wurde vom BR coproduziert. übrigens schon damals, als im DLF das sparen noch nicht so hoch auf der agenda stand, krass unterfinanziert. ich bekam für die reise 300 € zuschuss vom sender. sie kostete natürlich ein vielfaches davon. flug, mietwagen, übernachtungen… wäre ich auf diesen deal nicht eingegangen, hätte die sendung eben nicht stattgefunden.

mein inzwischen verstorbener redakteur hermann theißen setzte mir wider meinen willen einen regisseur vor. so klang das endprodukt verhältnismäßig brav, aber akzeptabel. hier also die webseite, die ich damals dafür anfertigte:

phonograph und | euphonia

the times, 21. januar 1888, s. 5

in diesem artikel von vor 130 jahren beschreibt die times eine neue erfindung des thomas alva edison, seinen neuen phonographen. der alte war für edison nur eine schnapsidee gewesen, lässt der artikel anklingen, jetzt wird es ernst. sein erster phonograph wurde genau 10 jahre zuvor vorgestellt und basierte auf rotierenden zylinderfolien, währen die neue maschine wachszylinder nutzte, von denen noch viele in archiven wie dem DRA erhalten sind. auch im WDR fand ich vor 10 jahren an der sprichwörtlich tiefsten stelle des ton-archivs edisonwalzen für den phonograph II herumliegen. es stand damals die frage im raum, ob man die walzen ans DRA zum digitalisieren schicken sollte. sie waren weitgehend unbeschriftet.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f0/Euphonia.London.Journal.1870.png

fabers euphonia

in dem artikel der times wird konkurrenz genannt, allen voran ein “faber”. der war gar nicht leicht zu recherchieren, denn in den wikipedien fehlen artikel über ihn. es handelt sich um den in freiburg geborenen joseph faber, der am polytechnikum in wien mathematik studierte und 1840 die sprechmaschine → euphonia vorstellte. das heimorgelgroße gerät mit 16 tasten und blasebalg war ein flop. auch in den USA kam er damit nicht an. ein hinweis, dass die zeit noch nicht reif war. faber nahm sich 1850 das leben, nachdem er angeblich seine euphonia zerstört hatte.

in den wikipedia-artikel über den→ phonographen habe ich jetzt faber reingeschrieben. um einen eigenen artikel über ihn zu starten, brauche ich noch mehr biographische informationen und eine zweite quelle. [edit: die infos fand ich, zwar nicht reichlich, aber genügend. jetzt gibt es einen → artikel über faber in der wikipedia.]

die jahre zwischen 1877 und 1888 waren für edison und den rest der welt spannend, weil er zwei viel wesentlichere dinge erfand und gnadenlos vermarktete: die glühbirne und das elektrokraftwerk. er wusste, ohne elektrizität keine glühlampen, und weil er sich bis zuletzt seine karten nicht aus der hand nehmen ließ, baute er gleich beides. die tonreproduktion war nur ein netter zugewinn.

mobile | nachsitzen

jour fixe für feste und freie mitarbeiter des WDR

der WDR steckt, wie viele sender, in einer tiefen umstrukturierung. früher gab es (nicht nur im WDR, ich kenne das auch aus dem SWR, BR und anderen öffentlich-rechtlichen anstalten) in kleinen häppchen so genannte programmstrukturreformen, durch die im wesentlichen das programm musikreicher und wortärmer wurde. gegen diese reformen gab es mehr oder weniger starke proteste von festen und freien mitarbeitern, unter anderem weil der schwund an wort zu einem schwund an inhalt und beschäftigung führte. wenn bestimmte sendungen vor einigen jahren 6, heute aber nur noch 2 beiträge senden, ist das das ergebnis mehrerer strukturreformen, die manche freie kollegen an den rand der privatinsolvenz führten.

jetzt führt die leitung des WDR den/das so genannte newsroom ein, quasi als symbol für eine zentrale umstrukturierung, und stellt ganz oben den claim hin: „mobile first“. dies war das zentrale thema des heutigen jour fixe, zu dem die hörfunkdirektion des WDR feste und freie mitarbeiter in den kleinen sendesaal am wallraffplatz einlud.

im eigentlichen scheint es bei diesem zukünftigen newsroom darum zu gehen, prozesse innerhalb der redaktionen zu bündeln; diktion heute: „um doppelte arbeit zu vermeiden“. für die redaktionen heißt das: weniger eigenkompetenz. bestimmte kernentscheidungen, die dann für alle sendungen und wellen verbindlich sind, werden ab 2018 aus diesem newsroom kommen, also nicht mehr aus den redaktionen, erst recht nicht von den autoren, die auf bestimmte themen stoßen und sie anbieten wollen. einige redakteure fragten auf dem jour fixe in eigener sache an, ob sie denn im newsroom vorkämen? WDR-hörfunkdirektorin → valerie weber antwortete, die bisherigen organisationsstukturen (aktuelle kultur, zeitfunk/politik, sport etc.) dürften sich nicht 1:1 im newsroom wiederspiegeln, also habe sie, weber, gedanklich einen „joker“ eingeführt, einen platzhalter für redaktionen, an die man vielleicht gar nicht gedacht hatte, die aber plötzlich newsroom-relevant werden könnten. etwa die verkehrsredaktion, die unter umständen näher an manchem aktuellen geschehen in NRW sei als andere.

warum sich die organisationsstrukturen nicht 1:1 in diesem neuen modell abbilden sollen, hängt nicht nur mit einem sehr alten, vielleicht veralteten system zusammen, sondern, so kam es mir bei der veranstaltung vor, weil der sender gegen zwei windmühlen kämpft:

  • den verlust junger hörer (von zuschauern des 3. programms ganz zu schweigen) und
  • angriffe durch die für die rundfunkstaatsverträge verantwortlichen ministerpräsidenten.

weber begann ihre einleitende rede mit der rhetorischen frage, was wäre, wenn man dem WDR seine unterhaltungwellen wegnähme, wie es von der politik jüngst gefordert wurde? die unterhaltungwellen, nämlich 1live, WDR 2 und WDR 4, seien schließlich die reichweitenstärksten wellen in NRW. mit 70% musik.

um die jungen hörer zu gewinnen, setzt der WDR auf seine an den newsroom angedockte „steuerungsgruppe digitaler wandel“. es sollen dort, so war auf dem jour fixe zu hören, „neue digitale produkte“ entstehen. eines ist schon entstanden, nämlich eine whatsApp-gruppe (offenbar war das mit mobile first gemeint). 1live habe den 1live bot eingeführt – aber woher, so die hörfunkdirektorin, die redakteure nehmen, die den bot redaktionell betreuen? audible mache angeblich erfolgreiche podcasts „mit leuten, die wir aufgebaut haben“. warum, so weber, kam der WDR nicht selbst auf diese idee? das newsroom soll es nun schaffen, pro-aktiv zu werden und nicht nur zu re-agieren. von kurzen wegen zwischen den „leuchttürmen“ des WDR war mehrfach zu hören. das war auch wörtlich gemeint, räumlich.

mobile first ist ein medienpolitisch verständlicher claim. radio first wäre, da junge leute kaum mehr radio hören, veraltet, würde sich aber auf den kern-ausspielweg des hörfunks beziehen. wir zahlen die rundfunkgebühren ja auch für eine komplette netzabdeckung mit UKW und DAB+. richtig modern wäre content first. oder wegen weniger trump, und wie es eigentlich schon immer hieß: content is king.

ich musste nach einer stunde gehen. die an sich für einen dialog gedachte veranstaltung (weber: „Ihr freien mitarbeiter, sagt was, das ist Eure veranstaltung!“) war bis dahin jedenfalls eine, in der die freien nicht vorkamen. was auch hätten sie zu einem newsroom zu sagen…

wikicon | leipzig

persönliche mitschrift von zwei vorträgen

 

dieser quasi-live-bericht im → deutschlandfunk handelt (im gespräch mit meinem kollegen manfred kloiber) von der arbeit des wikipedia-schiedsgerichts (aufarbeitung des falls “magister”), vom autorenschwund, der diskussionskultur auf der konferenz, problemen und freuden mit wikidata, den stolpersteinlisten, frauenthemen und einigem mehr. was aus zeitgründen nicht mehr zur sprache kam, war die 360°-fotografie: es steht hoch auf der agenda der wikipedia-programmierer, die rundumfotografie einzubinden.

diese initiative bezieht sich auf fehlende biografische artikel über frauen in der wikipedia.

roger ekirch’s biphasic | sleep

 

roger ekirch. foto: virginia tech

 

 

tonight (central european time german 8.10 pm) national public radio → deutschlandfunk will air my interview with the discoverer of the »first and second sleep«, a common sleep pattern before the industrial revolution. → roger ekirch, history professor at virginia tech, became well known in the community of sleep scientists when in 2001 he published his findings in the American Historical Review under the title “Sleep We Have Lost: Pre-Industrial Slumber in the British Isles”, followed by the book “At Day’s Close: Night in Times Past”.

basically all he did was explore hundreds of documents, ranging back from medieaval days to the 19th century, which contained the long forgotten term “first sleep”. thomas wehr, a washington DC based neuroscientist, proved ekirch’s purely historic findings, when he conducted an experiment where the participants developed a segmented sleep pattern after a couple of weeks without electric lighting. the reason for me conducting the interview are ekrichs most recent findings (first sleep in russian texts) and his talk at the royal society of medicine in london.

there are people who think his theory of the biphasic sleep are too good to be true and ask questions about whether the climate or distance from the equator contributed to different sleep patterns. ekirch indicated most recently that the segmented sleep was more or less independent from regional influences.

heute abend in der deutschlandfunk-sendung → aus kultur und sozialwissenschaften läuft mein beitrag über den entdecker des „ersten und zweiten schlafs“. → roger ekirch 67jähriger geschichtsprofessor an der technischen universität von virginia, fand vor etwa 20 jahren heraus, dass die meisten menschen vor der industriellen revolution nach dem abendessen zu bett gingen und einschliefen, dann um mitternacht wach wurden, eine weile wach blieben und schließlich in den zweiten schlaf übertraten, der bis zum morgen dauerte. anlass für das aktuelle interview mit ihm war, dass ekirch jüngst in weiteren sprachen das längst vergessene wort des “ersten schlafs” fand und gerade vor der royal socienty of medicine in london darüber referierte. wenn das stück gesendet ist, wird es nachhörbar sein, auch hier.

es gibt wissenschaftler, die ekirchs verdächtig einfache these infrage stellen und zum beispiel die vermutung aufstellten, das schlafverhalten hinge weniger mit dem elektrischen licht als mit der ferne zum äquator zusammen. roger ekirch fand aber auch in zentralafrika und finnland, wo heute das durchschlafen üblich ist oder zumindest als erstrebenswert gilt, historische texte, die vom ersten und zweiten schlaf erzählen. außerdem belegte vor längerem der amerikanische psychiater thomas wehr in einem experiment ekirchs erkenntnisse. er ließ probanten vier wochen lang schlafen, wann und wie sie wollten, entzog ihnen aber das elektrische licht. mehr dazu heute abend um 20.10 uhr.

amazing voice | repairs

iZotope’s RX6 does amazing things to recorded audio, especially voices. there are three versions of the recently released software. here i demonstrate the middle one, called standard edition.
iZotopes RX6 ist ein erstaunliches neues software-werkzeug zum reparieren von aufnahmen, vor allem von sprachaufnahmen. von den kürzlich erschienenen drei versionen stelle ich die features der mittleren (“standard”) vor.

the presets for voice control

let’s for a start check the list. there’s an audio example in german below.
sehen wir uns zunächst die liste der möglichkeiten an.

  • breath control senkt die lautstärker von atmern zwischen den worten/sätzen heraus.
  • de-bleed rechnet die dezenten rückkopplungen weg, die wir bekommen, wenn wir über kopfhörer aufnehmen. der sound des kopfhörers, besonders wenn er nicht ganz dicht am ohr sitzt und man sehr laut abhört, “blutet” in den raum und wird dann übers mikro mit aufgenommen.
  • de-click rechnet das klicken heraus, das bei musikaufnahmen entsteht, wenn die band nach einem klick spielt.
  • de-clip versucht, übersteuertes audiomaterial erträglich anhörbar zu machen. normalerweise klingen digitale übersteuerungen schrecklich.
  • de-crackle holt das für schallplatten typische knistern heraus.
  • de-ess ist ein de-esser. davon gibt es viele am markt (und kostenlos). de-ess senkt die scharfen s- und sch-laute in der lautstärke ab.
  • de-hum bezieht sich vor allem auf elektrogitarren, die gern ihr brummen mit in die aufnahmen übertragen.
  • de-plose senkt die plopps ab, wenn wir trotz plopp-schutz mit unseren explosiv-vokalen p und t die mikromembran überreizen.
  • de-reverb versucht, hallig oder mit viel raum aufgenommene o-töne trocken zu legen. siehe das beispiel unten.
  • interpolate ersetzt unregelmäßig auftretende klicks, die unter stimmen liegen, durch benachbarte sounds.
  • mouth de-click nimmt die schmatzgeräusche bei zu trockenem mund beim sprechen weg.
  • spectral denoise ist ein anspruchsvolles werkzeug, um aufnahmen zu ent-rauschen.
  • spectral repair ersetzt kurze störgeräusche wie sich bei der aufnahme öffnende türen durch benachbartes material.
  • voice de-noise ist ein enthaucher. das tool nimmt der stimme den rauchig-kratzigen ausklang.

RX 6 de-reverb

the screenshot above shows you the de-reverb at work. i use it as a plug-in (1), but you may launch RX 6 as a standalone application as well. (2) is the original audio, and (3) the processing window. orange: the dynamic reduction of certain frequencies after a brief learning phase.
im screenshot oben ist die arbeit des moduls zu sehen, das versucht, den hall herauszurechnen. (1) zeigt, dass ich RX6 als plug-in geladen habe. es funktioniert aber auch standalone. (2) ist der originalsound, eine reportage in einem großen, halligen raum. (3) zeigt, wie de-reverb arbeitet. nach einem lernvorgang zieht es dynamisch (also icht an jeder stelle gleich) bestimmte frequenzanteile ab (orange farbe).

 

iZotope RX 6 standard, de-reverb test (german)

 

the next test is about de-plopping, here named “de-plosive” (german)
im nächsten take entferne ich mit “de-plosive” zwei mikroplopps im wort “armaTurenBrett”. ich lasse das werkzeug nicht lokal auf diese stelle zureifen, sondern sie selbst finden.

 

de-plosive test (german)

 

i think the next feature is only available in RX6 advanced. it’s called voice denoise. it extracts (up to a certain degree) unwanted background noise. after processing the audio in (first) adaptive and then learned mode, i finalize the audio with NEUTRON in the small version (elements) which works as an adaptive realtime selective equalizer. (audio in german)
jetzt geht es an ein feature, das, glaube ich, nur in der RX6 advanced ausgabe drin ist, auch in der demo-version: voice denoise. es dient dazu, hintergrundgeräusche wegzunehmen, um die vorderen stimmen präsenter zu machen. am schluss dieses tests setzte ich NEUTRON elements ein, um die stimme noch präsenter zu machen.

 

voice-denoise (german)

getting audio ready for | broadcast

tieline’s reportIT app

i did an interview the other day for national public radio here in cologne, germany, with a scientist 400 km away, in hamburg. like other high quality radio stations we more and more move from telephone acoustics to better means of audio quality.

so i asked → microbiologist cornelia gessner if she could install a radio compatible app (reportIT enterprise) on her smartphone, so that we could do the interview via that app. the app is based on a tieline codec for live compression. the audio quality live is good*, and i recorded that stream last night locally when i interviewed conny. we encountered some glitches during streaming. but the locally stored wav on conny’s phone was perfect – not as good as if i had visted hamburg with my marvellous sennheiser stereo mike, but a really good quality.

ich habe gestern abend ein interview für den deutschlandfunk mit einer wissenschaftlerin 400 km weit weg in hamburg geführt. weil der DLF wie auch die BBC radio 4 und andere hochwertige sender nicht mehr so gern telefon-o-ton senden, bat ich → cornelia geßner (so heißt die mikrobiologin), sich eine app auf ihrem smartphone zu installieren, mit der sie in guter tonqualität über den schaltraum zu mir ins studio kommt – ohne zum beispiel in den NDR gehen zu müssen, wo ad hoc eh kein studio frei gewesen wäre.

ich schnitt das interview lokal mit, wobei ich mal wieder die streaming-qualitäten von reportIT testen konnte. es ging über weite strecken gut, aber es gab auch paar herbe aussetzer*. natürlich war die datei auf connys phone lokal als wav gespeichert und wanderte via ftp-transfer zum DLF, wo ich sie mir vorgenommen habe.

RX6 de-click

in the audio examples below you first hear two examples of the compressed audio versus the uncompressed wav in conny’s phone. then you hear some postproduction, first using iZotope’s RX6 de-clicker (without modification; worked brilliantly) and finally doing some intelligent EQing with iZotope’s neutron. it has a preset called “female dialogue” – wonderful.

the differences are certainly barely audible for non professionals. but for us radio pros the do make a bit difference.

in dem audiobeispiel unten beginne ich mit zwei beispielen der live (also mit codec) übertragenen vs. die als wav lokal abgespeicherten dateien. dann wende ich, weil sich clicks, vermutlich von einem ring an connys finger, durch das ganze interview ziehen, den de-clicker von iZotope’s RX6 an. funktionierte sofort, keinerlei finetuning nötig. schließlich wärmte ich connys stimme noch etwas mit neutron, ebenfalls von iZotope, an. neutron besteht aus einem sagen wir mal intelligenten equalizer, der hier mit einem preset “female dialogue” schon gut funktionierte, aber mit der lernfunktion noch besser.

die unterschiede sind für laien kaum zu hören, aber für uns rundfunkprofis ganz erheblich. enjoy.

iZotope’s neutron elements

tieline codec, RX6 de-click und neutron EQ (deutsch)

tieline codec, RX6 de-click and neutron EQ (english)

 

cornelia gessner in her laboratory in new zealand. photo: gemmell lab


*typical tieline codec glitch, although we had good wifi connection