zündfunk london special | 1983

heute krame ich einen cassetten-mitschnitt des BR-zündfunks vom 3. oktober 1983 heraus. rough trade war damals ein frisch gegründetes label mit sehr interessanter musik, punk und new wave waren auf höhenflügen. ich interviewte bands wie die smiths und sendete mit vielen reportagen das erste zündfunk-special über londons alternative musikszene. ich war damals wegen engen freunden so sechsmal pro jahr da. und bin’s heute noch öfter.

die sendungen waren damals viel steifer als später, u. a. wegen der wortgenau abgelesenen moderationen. was mich beim hören nach über 30 jahren wundert, ist die menge an – würde man heute sagen – feuilletonistischen moderationen. eigentlich mehr als moderationen: erlebnisberichte, trendnotizen. damals war zum beispiel das wort ghetto blaster neu; in deutschland kannte es kaum jemand. also erklärte ich, wie die dinger aussehen, dass ich sie überall in brixton sehe usw. ich habe damals angefangen, mit jingles zu arbeiten. dieser hier, den ich „London Spezial“ nannte, ist schwer verständlich. paar jahre später gab’s dann sehr gut verständliche, die ich heute noch gern höre…

hier einige ausschnitte aus der sendung vom oktober 1983 im „zündfunk club“, u. a. mit den smiths und den go betweens:


einige moderationsausschnitte

zündfunk bauchlyrik | 1988

sendungsmitschnitt auf cassette

wir moderatoren finden erst über die jahre zu uns selbst. in meinen frühen jahren im zündfunk, club 16, pop sunday, war ich zu leise zu nah am mikro. das war damals gängiger stil bei vielen. erst gegen 1990 fand ich meine stimme, wie sie ist. hier also noch nicht. mir nicht in erinnerung, diese viel zu tragisch vorgetragene vermutlich selbst geschriebene zeitgeist-wissenschaftslyrik. das war freeform radio par excellence, wir konnten machen, was wir wollten. es juckte keine quote, es zählte die echtheit. wir erzählten das, war wir dachten, wir spielten die musik, die wir kannten und toll fanden. das war keine bessere zeit, aber eine andere.

wenn ich es heute höre, fällt mir auf, dass ich, anders als das meiste in meinen 80-minuten-sendungen, diesen take nicht live gesprochen hatte. im vorlauf der spätnachmittagssendungen hatten wir „schneidetermine“ mit studio. diesen text, der zu atmosphärischem sound im stereopanorama hin und her fährt, musste eine toningenieurin/technikerin (praktisch ausschließlich frauen; nur in den hörspielen saßen männer am pult) quasi live gepegelt und auf band aufgezeichnet haben. da gab es kein undo. ich nahm dann das tonband, das mit 38 cm/s offen gewickelt lief, vom studio 4 im vierten mit in die sendung hoch in den siebten stock.


kurzer ausschnitt daraus

soooo viel | musik

musikWieSandAmMeer

musik wie sand am meer. grafik: ms

aus einem facebook-dialog: zündfunkkollege ralf vermeldete

  • Ich habe in 2015 vermutlich jeden Tag 3 Alben gehört. Das macht ca 1.000 Alben im Jahr bzw ca 10.000 Lieder. Gleich im NACHTMIX / Bayern 2 von 23h05 bis 24h spiele ich meine 15 Lieblinge aus ´15

ein anderer kollege, matt, kommentierte:

  • Welche Nebenwirkungen treten bei diesem Musikkonsum auf?

ich erlaubte mir zu kommentieren:

  • ich hab 2015 vermutlich jeden tag 3 stunden radio und neue bands auf Youtube gehört. das macht ca. 1.000 stunden im jahr bzw. ca 8.000 lieder und 200 stunden moderation/beiträge. nebenwirkung? 90% von dem, was heute auf „alben“ herauskommt, kann man knicken. die musik spielt längst woanders.

ralf kommentierte zurück:

  • Da hast du zu 50% recht. Diese Hälfte möchte ich nicht missen. Es gibt immer noch klasse Alben. Aber die Online-Only-Songs hab ich einfach mal nicht mit einberechnet, Max.

worauf ich dann ralf privat schrieb:

  • so seit ende meiner BR-zeit höre ich bei musikbedarf nur noch internetradio. wenn ich mal den zündfunk online einschalte, oder auch ein etwas anspruchsvolleres musikmagazin auf 1live abends, krieg ich kaum mehrwert gegenüber dem, was ich z.b. via youtube und WFMU höre. wenn ein musikmoderator sagt „seit vier jahren endlich wieder ein album von…“ oder „der hat schon damals da und da mitgespielt, und endlich kommt das neue album“, denke ich mir: hä? kommt mir vor wie auf einem sandstrand EIN sandkorn aufheben und sagen: super! deswegen knicke ich auch gern charts und bestenlisten. verstehst, was ich meine? es gibt nicht ZU viel musik in der welt, aber SO viel wie sand am meer. und das ist auch gut so. wenn man ein sandkorn in die muffathalle einlädt, bleibt es ein sandkorn. die tage, wo die promo-tanten LPs und CDs in unsere DJ-postfächer legten und alles einigermaßen übersichtlich war, sind, glaube ich, ewig lang vorbei. für mich seit mindestens 15 jahren.

was ich damit unterm strich und durchaus ernst meine (und schon lange meine): musikjournalismus ist beliebigkeitskommentierung. der berufszweig ist weitgehend tot. und zwar seit der digitalen erzeugung und verbreitung von musik.

in der filmindustrie ist es ähnlich, wenn auch anders: ein großer film kostet für einen laien zu viel geld. ein kurzfilm dagegen nicht. deswegen sind die besten kurzfilme (mit oder ohne plot, selbst koch- und unboxingvideos sind kurzfilme) heute inflationär, eben wie sand am meer, auf youtube zu sehen. und was die fotos und literatur angeht, können wir ein ähnliches lied singen. alles, was digitalisierbar ist, hat diese metamorphonse in die public domain der mediendemokratisierung vollzogen und gesamte genres und berufsstände verwandelt bzw. abgeschafft. in 10 jahren wird es niemanden mehr geben, der sich ernsthaft „musikjournalist“ nennt, allenfalls dezent „musikscout nach zufall“. oder eben plattenwechsler für gute stimmung, abgekürzt DJ.

helloween (speedmetal) | 1987 in chicago

Kai_Hansen_2005kai hansen, helloween, 2007. foto: → noriu, via wiki commons

mitte september 1987 unternahm die hamburger speed-/deathmetalband → helloween ihre erste USA-tournee. ich moderierte damals im bayerischen rundfunk eine insel des glücks, nämlich den zündfunk am montag, wo ich alles tun und lassen konnte, was ich wollte. weil ich keeper of the seven keys für eins der besten deutschen metal-alben hielt, lud ich die band zwei mal live in meine sendung ein, und als sie dann nach amerika aufbrach, sendete ich vier kurze ausschnitte aus telefoninterviews mit den vier bandmitgliedern. helloween-sänger und -gitarrist → kai hansen war der erste. vorhin zog ich die originalcassette mit dem interview von damals aus dem regal, digitalisierte sie, und deswegen könnt ihr hier die ungeschnitte version des gesprächs hören: das konzert in chicago, beklagte kai, fiel aus, dafür waren sie auf dem höchsten gebäude der welt, noch höher als das world trade center in new york. die obligatorische jugendfunkfrage, ob die „mädels“ denn auf der tournee dabei waren, verneinte kai. er sprach von einem rechtsruck in den USA und von dem trend, kleinere autos aus japan zu kaufen. die clubs, die die band bespielte, waren viel kleiner als die hallen in deutschland, und das publikum unterschied sich stark von stadt zu stadt.

ich nahm telefoninterviews damals mit dem → OKM-mikrofon auf, das man sich ins ohr steckte.


telefoninterview mit kai hansen von helloween, 16. oktober 1987

helloween-cassette_1987ja, auf der cassette ist neben helloween auch noch anderes interessantes zeug drauf…

zündfunk radiotop | faktor 5 rätsel

zündfunkRadiotopJuli1997_zuspielCDzündfunk „radiotop“ zuspiel-CD 14. juli 1997

mitte der 1990er habe ich im zündfunk „radiotop“ das faktor 5-rätsel eingeführt. es baute auf einer damals neuen technologie auf, nämlich eine audio-datei zeitlich zu verändern, ohne die tonhöhe zu verändern. der hauptzweck war natürlich, ein musikstück oder einen rundfunkbeitrag einen ticken kürzer oder länger zu machen, ohne dass es auffiel.

das war für mich uninteressant, denn ich hatte alle zeit der welt zum senden. ich wollte die grenze dieser neuen technik ausloten und experimentierte eine weile lang damit herum, wie stark man ein bekanntes rockmusikstück zeitlich stauchen muss, bis es nicht mehr eindeutig zu erkennen ist, und kam auf den faktor 5. angenommen, das stück ist im original 5 minuten, habe ich es auf eine minute komprimiert, ohne die tonhöhe zu ändern. bei einer stauchung um den faktor 3 wäre es kein rätsel gewesen, denn man hätte das stück sofort erkannt. ich habe das damals mit vielen bekannten titeln ausprobiert. creedence clearwater revival’s 1970er hit „stop the rain“ hörte sich, mit den damaligen technischen möglichkeiten auf ein fünftel der originallänge komprimiert, in der sendung vom 14. juli 1997 so an:


rätsel „faktor 5“: welcher song ist das, wenn man ihn fünfmal langsamer abspielen würde?

ich war der erste im BR, der seine zuspielungen für die sendungen nicht auf band mit ins sendestudio im 7. stock brachte, sondern ich brannte mir selbst auf einem 3000 DM teuren brenner meine CD und hatte damit alles selber in der hand. oben abgebildet die hülle der zuspiel-CD für diese sendung: das rätsel ist take 21, die auflösung, die ich zwei wochen später sendete, take 22 auf dieser CD.

windows-PCs waren damals untauglich für komplexe soundaufgaben, vor allem wegen ihrer unsauberen taktung. mein mac, ein centris 650, hatte eine eigene 2000 DM teure soundkarte von digidesign, mir der man in stundenlanger (warte)arbeit einen einigermaßen akzeptablen faktor 5 hinbekam. zum strecken hatte ich damals keine zeit. ich hätte mir gern mal angehört, was von dem original übrig ist, wenn man es nach der kompression wieder expandiert. heute ist das selbstverständlich kein thema mehr. hier habe ich das obige stück mal mit mittlerer qualitätseinstellung vierfach gestreckt. es ist also noch ein klein wenig schneller als das original, aber es hört sich ganz gut an. hier nur der refrain:


creedence clearwater revival, viermal zurückverlängert

das faktor 5-rätsel war bei den hörern beliebt und lief etwa zwei jahre. ich bekam so um die 30 richtige zuschriften pro rätsel. zu gewinnen war, glaube ich, ein stapel schrottiger schallplatten, die man uns radio-DJs ungefragt zugeschickt hatte. wir erstickten damals im plattenschrott.

hier gibt’s nochwas zum zündfunk.


so hört sich die sache heute an. ein beispiel mit janis joplin

der zündfunk | früher

heute in deutschlandfunk/markt und medien mein kleiner überblick über den zündfunk früher, als der mythos noch keiner war. hier unten jetzt die langfassung des gesendeten 4-minüters, mit, am ende, ein wenig weihrauch. da hört Ihr eine synthetische stimme, und das bemerkenswerte daran ist rückblickend, dass sie von 1984 stammt. ich hatte damals einen C64 heimcomputer, für den gab es steckmodule, und eins diente der sprachsynthese. es war komplex zu programmieren, vor allem das „Z“ von zündfunk, denn die software war amerikanisch. ich musste phoneme und pausen herumschieben, aus dem Z ein TS machen usw. relativ einfach war das ansteigen der tonhöhe, denn hier gab man jedem phonem eine frequenz. es passt überhaupt nicht zu takt und tonart der musik (owner of a lonely heart von YES), aber es klang in den 1980ern nicht nur für meine ohren „geil“, wie man damals sagte.

in der mitte ist eine kleine mogelei zu hören: der ausschnitt aus helmut kraussers erster rundfunksendung (pop sunday) stimmt nicht ganz. helmut kam als 16jähriger in die redaktionssitzung und las „13 pessimistische gedichte“ vor, eins toller als das andere. er durfte diese texte aber nicht selbst sprechen. thomas albus wurde dazu verdonnert, helmut kam abends in die produktion reingeschneit und ließ uns im studio seine schlechte laune spüren. ich konnte ihn gut verstehen. die nächste sendung jedenfalls sprach er selbst, und daraus ist der ausschnitt. ich glaube, da war er schon 17.

vom club 16 sind in dem beitrag zwei passagen zu hören. einmal moderiert ulrich paasche die beatles ab und die hollies an (1970). später moderiert jürgen herrmann den club 16 ab und den zündfunk an (1974). ulrich paasche wurde später pressesprecher des BR und ist seit langem in ruhestand. jürgen herrmann wanderte nach B3 ab; einige nette fotos, u. a. beim aussortieren von hörerpost mit thomas gottschalk hat der BR → hier archiviert.

ich erfuhr bei den recherchen nebenbei auch von einem peter kreglinger, den ich nie bewusst hörte, der aber auch den club 16 moderiert hat, bevor er nach stuttgart zum „südfunk“ ging.

peterKreglinger---autogrammkarteautogrammkarte von peter kreglinger, club 16. archiv des BR

zu den urgesteinen von club 16, die später in den zündfunk hinüberwuchsen, gehörten wolfgang stegers, raoul hoffmann, carl ludwig reichert, till obermayer, karl bruckmaier, berhard jugel, ingeborg schober. ingeborg ging, wie auch georg kostya, zu bayern 3. andere, wie michael hutter und hans-peter richter, hörten mit radio auf. raoul hoffmann, glaube ich, auch.

es gab eine kritik zu meinem beitrag, weil ich den zündfunk jetzt rückblickend „links“ nenne. wir hätten das damals nie offen gesagt, weil wir dann schwierigkeiten mit den hierarchen bekommen hätten. die redaktion hatte es eh schwer genug und musste sich laufend nach oben und gegen wutschnaubende hörer („drecksanarchisten, geht doch in die ostzone!“ und dgl.) rechtfertigen. jedenfalls gab es kaum einen konservativ, geschweige rechts denkenden kollegen im team der 1980er jahre. allerdings waren der oberpolitisch tickenden fraktion manche, die viel wert auf form (etwa aufwändigere produktionstechniken, hörspielcharakter etc.) legten, suspekt, und umgekehrt. es gab da durchaus animositäten. die „harten“ politik-zündfunk-moderatoren ließen auch öfter auf den redaktionssitzungen durchblicken, dass sie die musikjournalistischen sendungen nicht hörten; waren ihnen zu schöngeistig.

rückblickend interessant war auch die kontroverse um eine sendereihe, die sich „blind date“ nannte und tatsächlich partner vermittelte. die sendung wandte sich eindeutig an ein, sagen wir mal, weniger ambitioniertes publikum. sowohl der moderator, der später in die redaktionsriege aufstieg, als auch die redaktionsleitung hielten dies für eine öffnung des zündfunks für neue hörerkreise. ich weiß nicht, ob das gelang. ich spreche von den 1980er jahren.

es gab turbulenzen, als christoph lindenmeyer die redaktion verließ und dann das hörspiel leitete. seine beiden nachfolger hatten, milde gesprochen, keine ahnung und stießen auf eine sehr eingeschworene mannschaft, die ihnen den zugang sicher auch nicht gerade erleicherte. es kam in der zeit sogar zu einer geradezu unsittlichen sofortkündigung eines verdienten mitarbeiters, nur weil der interim-chefin etwas nicht passte. sie blieb nicht lange. der nächste interim-leiter des zündfunk war BR-korrespondent im ausland gewesen und fasste den zündfunk wie ein rohes eisen an. natürlich konnte er auch mit metal-musik nichts anfangen und wollte mir eine vorproduzierte death-metal-sendung aus dem programm nehmen, weil ihm die texte, die ich selbstverständlich zitierte und übersetzte, missfielen. glaube, ich hab sie dann doch gesendet, aber es herrschte in der phase eiseskälte. auch er ging bald. es dauerte jahre – und da war ich längst in köln und kam nur noch zum senden sozusagen zu besuch –, bis sich die redaktion unter der heutigen BR-feature-chefin ulrike ebenbeck konsolidierte.

lindenmeyer schreibt mir auch, dass der zündfunk quasi ab dem start medienpreise erhielt, etwa den robert geisendörfer-preis (gottfried stein und lindenmeyer), den tz-rosenstrauß des jahres, den medienpreis der heimatvertrieben (mit ulrich chaussy), deutsch-französische preise (DMS) u. a.

der club 16 war für mich ab ca. 1970 einschalt- und mitschneide-pflichttermin. passte zeitlich gut zwischen die hausaufgaben, eben werktags 16 uhr. freut mich, hier was altes von ca. 1970 jetzt, 44 jahre später, senden zu können.


zündfunk, revisited. deutschlandfunk 29.11.2014, langfassung

zum thema zündfunk heute gibt’s diesen film, jetzt in der BR-mediathek: zündfunk radio show.

ich werde manchmal gefragt, wie viele generationen von autoren/redakteuren es im zündfunk so gab. ich würde sagen vier: die gründer, von denen einige nicht mehr leben, die anderen in rente sind, gert heidenreich etwa. die nächste generation legte sich schon ins gemachte bett. karl bruckmaier und ich sind zwei vertreter dieser generation. die dritte generation kam mit techno und internet hoch, ralf summer, oliver buschek etwa. und die vierte generation sind die jungen von heute, franziska storz, caro matzke. die meisten liegen irgendwo dazwischen, sandra (maischberger) zwischen zwei und drei, klaus (kastan) zwischen eins und zwei usw.

schluss mit lustig | zündfunk-sendung 1989 über einen schweren autounfall

zündfunk---schluss-mit-lustig---cassettecassette mit dem mitschnitt der sendung und einem zeitungsschausschnitt aus der süddeutschen

im winter 1989 spielten im circus gammelsdorf nördlich von münchen zwei im wesentlichen unbekannte, uns zündfunk-autoren aber natürlich durchaus bekannte bands vor kleinem publikum: tad und nirvana. ich war mit stephanie gollert, einer jungen kollegin, da. als wir nach dem konzert zurück nach münchen fuhren, waren wir bester stimmung. tags darauf erfuhren wir, dass in der langen kolonne  von autos, die vor und hinter uns fuhren, ein wagen sehr schnell fuhr, andere überholte und dann gegen eine hauswand prallte. die fahrerin war eine in der alternativen clubszene münchens bekannte bedienung („pipsi“), 24 jahre alt.

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stephanie und ich nahmen uns der geschichte an und besuchten nicht nur die teilweise schwer verletzten vier insassen wenige tage nach dem unfall, sondern auch pipsis eltern, chirurgen, polizisten, die türkischen bewohner des hauses, das  pipsi nachts um 2 uhr mit voller wucht rammte.

das foto oben zeigt nicht das tatsächliche unfallauto, aber so ähnlich sah es aus. (quelle: wiki commons, user takkkk)

 


zündfunk vom 16. dezember 1989: schluss mit lustig. von stephanie gollert und maximilian schönherr

ich habe die 90-minuten-sendung von cassette digitalisiert, und kurz vorm ende von seite A riss das band. ich habe es geklebt; trotzdem gibt es etwa eine minute lang artefakte an der stelle zu hören. aus lizenzrechtlichen gründen musste ich die feine musik herausschneiden. viel spaß!

 

bit, byte, gebissen – das computermagazin im zündfunk (1989)

BitByteGebissenBandkarton

das bild oben ist ein 1987er-zuspielband, weiter unten – und darum geht es hier – ist ein mitschnitt der sendung „bit, byte, gebissen – das computermagazin im zündfunk“ vom 22. Mai 1989 zu hören: „computertalk II“. er ist aus mehreren gründen interessant. ich erläutere das später.

ich hatte drei junge männer im studio im 7. stockwerk des sendekomplexes von bayern 2, meinen computer über ein modem mit der telefonleitung verbunden, die nummer einer so genannten „mailbox“ angewählt und mich in ein chat-forum (das damals noch nicht so hieß) eingeloggt. mein deckname war dort „rost“.

während der sendung tauschten sich meine studiogäste live von rechner zu rechner mit den anderen computernerds aus; diese kommentierten die musik usw. das thema der sendung selbst war der übergang vom heimcomputer commodore 64 zu den windows-PCs sowie den „68000er„-rechnern amiga, atari ST und apple macintosh. dabei sprachen wir auch das btx und das monopol der deutschen bundespost auf jegliche form der datenkommunikation (auch fax!) an. und den frauenmangel unter den mailbox-usern.

alle drei studiogäste – zwischen 18 und ca. 21 jahre alt – hießen michael, zwei davon, insbesondere der heutige krimi-regisseur michael schneider, waren über einige jahre säulen der sendung, vor allem weil sie spiele testeten und mir anregungen aus der szene gaben.

 

ein großteil der sendung ist lockerer plausch. es ging wirklich ziemlich entspannt im studio zu, auch wenn sich manches, insbesondere meine  moderation, im rückblick etwas bemüht locker anhört. signifikant ist die sendung unter anderem deswegen, weil es damals das world wide web noch nicht gab (erst vier jahre später), die bundespost selbst die benutzung unseres 300-baud-modems eigentlich nicht erlaubte (die BR-hierarchen wussten nichts davon), es viele junge menschen massiv in die vernetzung trieb. alles lief damals noch über text, und die einwahl in die mailbox war von den telefongebühren abhängig, die damals happig waren. um von münchen aus in einer hamburger mailbox mit der langsamen datenrate einige nachrichten herunterzuladen, war man schnell einige mark los. deswegen schlossen sich damals einige der 300 mailbox-betreiber zusammen und tauschten nachts ihre datenbestände zu den billigeren telefontarifen nach 1 uhr aus.

auch wie hohl und wegen der kürzelsprache im rundfunk nicht elegant zitierbar die chats waren, ist interessant: da hat sich gegenüber icq und sms wenig geändert.

der mitschnitt befand sich auf einer tonbandcassette. aus rechtlichen gründen musste ich die musik entfernen. die sendung war im original exakt 30 minuten lang. die musik am ende war meine erste selbst komponierte fürs radio. ich wusste damals noch nicht, dass man sie bei der gema hätte anmelden können. auch der jingle zur überleitung zu den zündfunk-nachrichten war von mir; es spricht das wort „nachrichten“ der schriftsteller helmut kraußer. helmuts stimme setzte ich gern ein, er selber wollte aber lieber seine eigenen texte lesen. damals schon.