oben hui, unten | pfui

drohnenflug voller ruhe. video: ms

dieser einfach nur meditative film von 4 minuten, aufgenommen aus 40 m, am ende etwa 60 m höhe, hat einen soundtrack. man hört den kühlungsventilator für die drohnenfernsteuerung unten in meiner hand. und einen kurzen dialog mit zwei passanten. der ist nur mit dieser info zu verstehen: mich nervte beim drohnensteuern ein schwan, der sein territorium verteidigte und mir dauernd nachlief, wenn ich mich paar schritte entfernte, wo mein fahhrad (mit dem rucksack) stand. er kam mir sehr nah, und ich hatte mühe, ihm zu versichern, dass ich wichtigeres zu tun hatte und mich konzentrieren musste. 😉

servicewüste | deutschland

eigentlich ein unfairer titel dieses eintrags, weil die servicewüste selbst in den östlichen gefielden der republik spürbar zurückgeht. aber es halten sich, gerade in gut eingeführten dienstleistungsbetrieben des westens, defizite, die umso mehr auffallen, je anständiger kunden anderswo bedient werden.

also: gestern in der hemdenabteilung eines bekleidungshauses.* ein mann sucht sich ein hemd heraus, das ihm gefällt, wartet 10 minuten, bis eine bedienung frei wird, fragt sie, ob es das in seiner größe gäbe.

verkäuferin (v): wenn Sie es da vorne herausgeholt haben und nichts in anderer größe finden, haben wir es nicht. [statt zu sagen, schauen wir mal zusammen, ich hätte da eine idee.]

weil kein input wie zum beispiel „da hätten wir etwas ähnliches…“ kommt, geht der kunde (k) zu einem anderen regal, sie schweigend hinterher.

k: wie wäre es mit diesem hemd?

v: Sie sehen doch, das ist zu groß. wir haben die ja nach größen geordnet, Ihre größe ist auch hier nicht dabei. [belehrung über die interne ordnung des bekleidungshauses]

k: ach, so ist das geordnet.

v schweigt.

k: könnte ich mal ein weißes hemd in meiner größe probieren?

v: die weißen hemden öffnen wir nicht, die sind dann nämlich sehr schnell nicht mehr weiß. [dem kunden wird vermittelt: wie bei anderen kunden könnte auch Ihr hals nicht gewaschen sein.]

k: also?

v: dann probieren Sie mal das blaue hier, wegen dem schnitt.

k probiert das blaue hemd, es passt, nur sind die ärmel etwas zu lang.

k: die ärmel sind bisschen lang. fallen die vielleicht verschieden aus? denn ich hatte noch nie ärmelprobleme bei hemden und habe auch hier schon einige gekauft, die rundum gut passten.

v: die fallen immer gleich aus. kürzen lohnt sich nicht bei diesen paar zentimetern. entweder Sie leben damit, oder das ist kein schnitt für Sie. [oder, zu ende gedacht: gehen Sie doch!]

k: was wäre denn dann ein schnitt für mich? gibt es keine mit kürzeren ärmeln?

v: nur mit extra kurzen ärmeln, die wären Ihnen aber zu kurz.

lange pause. k geht auf ein dunkles hemd zu, fragt:

k: würde das passen, gäbe es das in meiner größe?

v: ich habe Ihnen doch gesagt, dass comfort fit nicht Ihre größe ist. schauen Sie sich um, was es in Ihrer größe gibt. [begriffe, die ihr alltäglich sind, werden dem kunden so vermittelt, als habe er nicht alle tassen im schrank, dass er die nicht auseinander halten kann.]

pause. auch nach den drei, vier vorstößen des kunden macht die verkäuferin keinen vorschlag. jetzt wird der kunde kurz grundsätzlich:

k: wissen Sie, ich wähle seit ewigkeiten – und auch hier – hemden nach gefallen aus, nicht nach größe. erst muss mich ein hemd ansprechen, die größe kommt anschließend.

v: das muss jeder für sich entscheiden, ich will Ihnen da nicht reinreden.

dann ging der mann, ohne hemd.


*es lag mir fern, das bekleidungshaus an den pranger zu stellen, aber trotz zweier anschreiben von mir an das geschäft kam keinerlei reaktion. das sagt für mich: beratungsresistent. deswegen hier ganz offen: http://www.modeweingarten.de

panorama in adobe | lightroom

panorama köln nord-ost-süd. foto: ms/dpa

panoramen aus mehreren einzelbildern zusammensetzen konnte software schon lange. vor ca. 15 jahren klappte das mit der geometriezusammensetzung schon ganz gut, aber der knackpunkt war, den einzelbildern eine farb- und belichtungscharakteristik zu geben, dass die übergänge nicht mehr sichtbar waren. im beispiel hier oben, aufgenommen heute nachmittag aus 60 metern höhe mit meiner drohne, waren im original die fotos im rechten bereich (also nach süden) viel dunkler als die richtung dom (norden).

ich habe hier erstmals die automatische zusammensetzung der fünf einzelaufnahmen zu einem panorama von adobe photoshop lightroom CC erledigen lassen, und das ergebnis, was nach ca. 3 sekunden so dastand, lässt sich sehen. 11.000 pixel breit. durch rechten mausklick auf das bild oben lässt sich eine verkleinerte, aber immerhin 2000 pixel breite version lokal speichern.

entscheidend dafür, dass die belichtungs- und farbübergänge so perfekt sind, ist das originalformat der aufnahmen: die drohnenkamera nimmt nämlich auf wunsch RAW auf, also nicht nur jpeg. im RAW-format sind zahlreiche informationen enthalten, die man nicht direkt sieht, während in jpeg alles festgelegt ist. eine stärke von lightroom ist, dass sich das programm immer im RAW-bereich bewegt, also auch das berechnete panorama noch RAW ist. ich habe es erheblich aufgehellt und ein wenig das weiß abgesenkt.

kvb | schreddert sich selbst

schon als student in münchen fiel mir auf, wie schlecht die dortigen verkehrsbetriebe (damals MVV) warben. meist erbärmliche grafiken, die lustig sein sollten, aber inhaltlich völlig daneben waren. die berliner verkehrsbetriebe BVG sind auch nicht gerade die großen leuchten, was vernünftige, ansprechende werbung für ein an sich ja gutes produkt angeht. den abschuss aber machen die kölner verkehrsbetriebe, deren werbung zurzeit in den u-bahnen und bussen hängt.

hier links das originalfoto von heutemorgen, dann immer stärker herausvergrößert:

kvbMixtKVB-werbung: geschredderte beförderungsmittel

mit dem claim „Wer mixt ist klar im Vorteil! Flexibel mit Bus, Bahn, Rad & Carsharing.“ zeigt das unternehmen einen küchenmixer, in den von oben alle möglichen beförderungsmittel, von der u-bahn über den bus bis zum driveNow-mini und, ganz oben rechts, das kvb-fahrrad fallen.

die werbung soll sich lesen:

alles zusammen genutzt macht das leben lecker und leicht.

sie liest sich aber so:

bus und kvb-fahrrad müssen kaputt gemacht werden und verwandeln sich dann mit bahnen und bussen in einen grünen brei.

es gehört schon viel mut und eine große menge ignoranz dazu, so platt zu denken. ich kann’s mir vorstellen, wie das meeting war, das zu dieser entscheidung führte. sagt einer: „wir brauchen was zum verkehrsmix!“ sagt der andere: „mix? da denk ich an den küchenmixer.“ alle: „küchenmixer, super idee!“

und deswegen werden wir jetzt lauter KVB-räder anmieten, bis sie so lieblos geschreddert werden.

Trömmelsche

Drolling,_Michel_Martin_-_Portrait_of_the_Artist's_Son_as_a_Drummererst das trömmelsche (hier: michael drolling portraitiert seinen sohn martin; ca. 1795)

viele dinge in köln machen das leben leichter. heutemorgen dieser dialog an der u-bahn-haltestelle. eine frau, die drei kleine kinder betreut. eins der kinder skandiert: „oh tannenbaum, oh tannenbaum.“

die frau sagt: „der tannenbaum ist vorbei!“

da sage ich von schräg hinten: „kommt aber bald wieder.“

sagt die frau ohne nachzudenken – und das ist kölsch daran: „jetzt kommt erst einmal das trömmelsche.“

etwas später im bus, hinten…

Athens_bus_interior_in_2013kniegespräche im bus (nicht ganz – aber fast –  passendes foto von wikicommons-user cogiati)

…mir gegenüber sitzt ein ca. 17jähriger schüler, der seine neben mir sitzende mitschülerin fragt, ob sie hier noch schmerzen hat – zeigt dabei auf sein brustbein. die freundin sagt, er spinnt. ich frage: also keine schmerzen? sie schüttelt den kopf. der schüler und ich lächeln uns an. und jetzt wieder typisch köln: er spricht mich an und fragt:

„wie geht es Ihnen?“

„danke, bestens. und Ihnen?“

„sehr gut“, sagt der schüler.

„auch Ihren knien?“ frage ich, ohne hintergedanken.

„oh, da gibt es probleme. vor allem mit dem rechten.“

das mädchen neben mir feixt. der mann neben ihr, ein älterer herr, liest ein flugblatt.

„was ist das für ein problem mit dem rechten knie?“

„kann schlecht laufen, habe es mir verdreht“, sagt der junge mann.

„wie ist das passiert?“

„blöd gelaufen, wollte einen ronaldino-trick anwenden beim fußball.“

seine mitschülerin grinst. ich frage sie: „alles klar?“ sie sagt: „der spinnt.“

jetzt reicht mir der ältere herr, der die ganze konversation mitverfolgt hat, seinen handzettel herüber:

„dahin gehe ich jetzt.“

eine fortbildung für pädagogen zum thema „persönlichkeitsstörungen“. der schüler schaut mich fragend an.

„geht um persönlichkeitsstörungen“, erkläre ich.

„hält der mich für persönlichkeitsgestört?“ fragt er mich, leicht ungehalten, mit blick auf den (vermutlich) lehrer.

„nein“, sage ich. „bei einem fußballer ist das knie die persönlichkeit. und ein verletztes knie hat dann eben eine persönlichkeitsstörung.“

„mit persönlichkeitsstörungen“, so der lehrer, „kann man nicht früh genug anfangen.“

ich lache, die schüler wissen nicht genau, was sie davon halten sollen. jedenfalls steigen wir (waren eh nur zwei stationen, 4 minuten oder so) jetzt alle aus und verabschieden uns bester stimmung.

doppel-8-filme meines vaters

mein vater fing mit genau 30 jahren an, zu filmen. dies sind einige seiner frühen doppel-8-filme.

Filmdosen

ich lasse immer wieder mal welche scannen, zuletzt die oben abgebildeten, insgesamt etwa 90 minuten spieldauer, in exzellenter qualität von einem kölner servicedienstleister namens „belichtungszeit“. die kosten für die digitalisierung: knapp 200 €.

zum konvertieren der in der regel über 1 GB großen roh-avi-clips nutze ich die konvertieren-funktion im VLC-media player. sie schrumpfen als mp4 dann auf einen bruchteil (50 MB sind keine seltenheit) und sehen immernoch exzellent aus, z. b. in youtube, „ungelistet“, wo sie die ganze familie dann sehen kann, wenn sie den link kennt, der rest aber nicht.