luftiges enter | tainment

eurowings online beim flug

internet gibt’s nur im A330, aber im A319 immerhin home entertainment, selbst beim kurzstreckenflug nach london. dafür zahlt man knapp 4 € pro flug, keine ahnung, wie. die filmauswahl ist durchaus okay, die TV-serien etwas dürftig bestückt. kostenlos ist das audioangebot, aber nur, wenn man sich bei napster registriert. weil das offline geschieht, reicht jede beliebige fantasieadresse. die musikauswahl ist stark pop-lastig, kein jazz und keine e-musik. aber ein audiobuch (was ich mir nicht antue) von stuckrad barre.

kostenlose fluginfos. unten: der musikplayer

skelettiertes erbarmen nach | BWV 721

xaver varnus spielt BWV 721

die aria „erbarme dich“ aus der matthäus-passion ist ein gassenhauer und von zeitloser schönheit. der ungarische organist → xaver varnus hat jetzt eine völlig skelettierte version der orgelversion davon eingespielt, auf einer kleinen, fast 300 jahre alten orgel in einer kleinen kirche von → felsőörs. felsőörs liegt mitten in ungarn. die orgel ist weitgehend intakt, die tasten sind uneben, es gibt nur ein manual, einige pfeifen klingen unsauber. xaver varnus spielt das um 1704 komponierte stück für orgel „erbarme dich, o herre gott“ mit einem hackenden stakkato der linken hand, sehr ungewöhnlich für das, auch in orgel-transkription meist süßlich vorgetragene werk.

weil die orgel bekanntlich keine anschlagsdynamik der tasten kennt, nutzt varnus den hauchigen an- und schnellen ausklang der pfeifen, indem er die tasten der linken hand immer nur kurz anschlägt, sodass die pfeifen gar nicht groß durchgeblasen werden. damit wird er dem instrument gerecht und liefert eine der bemerkenswertesten interpretationen von BWV 721. auch → philip glass, dem minimalisten, würde das gefallen. aber das ist eine andere geschichte und führt zu weit.

siehe (und höre) dazu auch „erbarme dich“ aus der viel berühmteren matthäus-passion in einer → relativ aktuellen (mit countertenor) und einer → sehr alten aufnahme mit → marian anderson. beide werke haben etwa die gleiche länge, ähnliche bassfiguren, und sind in h-moll angelegt.

C & A übernimmt Adler | 1938

in bremens zentrum waren bis 1938 zwei bekleidungsgeschäfte unmittelbar nebeneinander: Adler und C & A. Adler gehörte der jüdischen familie bialystock. C & A, katholisch und „arisch“, übernahm zu einem spottpreis das nachbargeschäft. nach dem krieg arbeitete das unternehmen diese dunkle zeit auf. im foto unten (der fotograf war für mich nicht herauszufinden) ist das jüdische geschäft 1937 zu sehen. ganz links, nur im anschnitt, das logo von C &A.

familie bialystock gibt gegen die nazis auf.

zündfunk london special | 1983

heute krame ich einen cassetten-mitschnitt des BR-zündfunks vom 3. oktober 1983 heraus. rough trade war damals ein frisch gegründetes label mit sehr interessanter musik, punk und new wave waren auf höhenflügen. ich interviewte bands wie die smiths und sendete mit vielen reportagen das erste zündfunk-special über londons alternative musikszene. ich war damals wegen engen freunden so sechsmal pro jahr da. und bin’s heute noch öfter.

die sendungen waren damals viel steifer als später, u. a. wegen der wortgenau abgelesenen moderationen. was mich beim hören nach über 30 jahren wundert, ist die menge an – würde man heute sagen – feuilletonistischen moderationen. eigentlich mehr als moderationen: erlebnisberichte, trendnotizen. damals war zum beispiel das wort ghetto blaster neu; in deutschland kannte es kaum jemand. also erklärte ich, wie die dinger aussehen, dass ich sie überall in brixton sehe usw. ich habe damals angefangen, mit jingles zu arbeiten. dieser hier, den ich „London Spezial“ nannte, ist schwer verständlich. paar jahre später gab’s dann sehr gut verständliche, die ich heute noch gern höre…

hier einige ausschnitte aus der sendung vom oktober 1983 im „zündfunk club“, u. a. mit den smiths und den go betweens:


einige moderationsausschnitte

the replacement | BBC

neue miniserie auf BBC 1. eine brilliante architektin zieht einen riesen-deal zum bau einer modernen bibliothek an land – und wird just dann schwanger. ab da wird sie schlagartig anders von ihren kollegen behandelt, obwohl diese progressiv und ihr sehr zugewandt sind. für ihre eltern-auszeit sucht sich die büroleitung eine hoch ambitionierte architektin (oben rechts im bild), und dann schält sich etwas lamgsam und zäh heraus, dass die neue gar nicht gut ist, wie sie tut.

der guardian sieht in dem psychothriller hitchcock-elemente. ja, das ende der gestern ausgestrahlten ersten episode hatte sowas. mal gucken, wie’s weitergeht.

trump groß | zügig

ein geschäftsmann bleibt bei geschäftsverhandlungen hart, also da, wo es um geld und ruhm geht. bei minder wichtigen dingen, wo der geschäftsmann weder finanzen, noch eitelkeit verletzt sieht, spielt er den großzügigen. das fing kurz nach amtsantritt an mit trumps bemerkung, folter sei prima, aber wenn die parlamentarier dagegen sind, ist es auch okay. und es fand heute wieder statt, als netanyahu zu besuch im weißen haus war: ein oder zwei staaten (israel, palestinia), ich kann mit beidem leben, sollen die parlamente entscheiden.

 

ein präsident in der | trotzphase

ein → editorial in der heutigen ausgabe der new york times beschäftigt sich mit trumps kollektiver verdammung der US-justiz und beginnt mit dem vielleicht trivialen, aber richtigen satz:

„wenn präsident trump nicht kriegt, was er will, sucht er sich gern jemanden, den er dafür verantwortlich machen kann – verdorbene meinungsforscher, falsche wähler, lügende journalisten. jeder, der ihn und was er tut hinterfragt, wird zu seinem feind.“

die kinderpsychologie kennt dieses raster gut; es heißt da „trotzphase“. viele erwachsene, die nicht heil durch die trotzphasen des kindesalters durchkommen, setzen ihren willen mit mitteln durch, die alle auf trump zutreffen: die dinge schlecht machen, herumtoben und eben: andere diskreditieren.

in dem editorial wird auf trumps auslassungen gegen die justiz hingewiesen, diese mache sich ab sofort für jeden terroranschlag schuldig. diese argumentation ist deckungsgleich mit der, wo menschen, denen ein schwarzer hund in den garten pinkelt, zu rassenhassern werden. die deutschen hatten in den 1930er jahren eine kollektivschuld an den naziverbrechen. ein großer teil der amerikanischen bevölkerung hat jetzt eine kollektivschuld an all dem, was der von ihnen demokratisch gewählte präsident an „bösem“ durchzieht. trump hat im wahlkampf nichts anderes gesagt, als was er jetzt tut, also kann niemand, der ihn gewählt hat, sagen, er habe nichts gewusst.

automatische text | erzeugung

welcher text kommt aus der maschine, welcher von einem journalisten?

die lösung lautet: A ist der maschinentext – wobei ich dazu sagen muss, dass ich der radiophonen kürze wegen aus den viel viel längeren texten (DIN A4) ausschnitte gewählt habe, die in etwa das gleiche thema haben: lage des hotels, parken…

der heutige schwerpunkt in der DLF-sendung → computer und kommunikation findet sich zum nachhören → hier.

das ein- und das zwei | korn

emmer-sauerteigbrot. foto: ms/dpa

emmer ist eine alte, wie man heute sagen würde „nicht besonders performante“ weizenart. der alte deutsche ausdruck dafür ist das zweikorn. mein emmer-sauerteig hat – das ist schon ein jahr her – zwei wochen gebraucht, bis er „trieb“, und weil ich ihn zuletzt mit → einkorn anfütterte, schien er vorgestern etwas verwirrt und stellte sich schlafen. den ganzen tag gestern versuchte ich ihn mit leichtem anfüttern, lauwarmem wasser, raumwärme aufzuwecken, aber auch heutemorgen waren seine fermentierungsbläschen sehr überschaubar.

also griff ich zur notlösung und mischte erstmals trockenhefe in den sauerteig. der ging natürlich ordentlich auf. das brot schmeckt trotzdem angenehm sauer, und gleichzeitig leicht süßlich, weil der emmer-weizen nunmal süßlich-nussig schmeckt. ein zauberhaftes mehl.

das brot von oben im anschnitt

gottschalk auf den hund | gekommen

ich kenne → thomas gottschalk flüchtig aus meinen BR-zeiten. zwei abteilungen, die sich respektvoll distanziert gegenüberstanden und gelegentlich im aufzug und in der kantine sahen: die leichte unterhaltungswelle B3 (→ gottschalk, → jauch, → egner…) und der politisch widerborstige B2 zündfunk (lindenmayer, → riederer, → kastan, kick, angerer, → bruckmaier, → kapfer…). auf B3 liefen die charts, gottschalk machte witze wie: „bei der geschlossenen schneedecke können Sie wenigstens nicht durchfallen“. wir im zündfunk stellten den punk und den metal vor, besuchten besetzte häuser und ließen jusos live gegen rechte socken antreten. 1980er jahre.

gottschalks fernsehkarriere ist zwiespältig. seine talkshows waren alle flops, weil er einfach keine interviews führen kann, oder anders ausgedrückt: weil er kein journalist ist, ganz im gegenteil zum beispiel zu einer ebenfalls zündfunk-kollegin → sandra maischberger. wetten dass dagegen war ideal für ihn, weil hier ein schön unpolitischer sunny boy den liebsten fernsehschwiegersohn für das etwas ältere samstagabendpublikum spielen konnte. genommen spielte er den nicht, er war und ist so.

wenn jemand finanziell so gut dasteht, wundert es mich, dass er in die unterste werbeschublade greift und sich vor ein möbelhaus spannen lässt, nur um noch paar euro zu verdienen. im goldjäckchen. sorry, thomas, schmieriger geht’s nicht.