gimme iggy | pop

in einem monat kommt gimme danger von → jim jarmusch ins kino. ich habe den film heute im presse-preview gesehen. ein dokumentarfilm, getragen von → iggy pop, der mit realem namen james osterberg heißt. der film ist über weite strecken komisch, weil osterberg einen schön trockenen humor und seine storys schon tausendmal mit immer guten pointen erzählt hat. also nicht viel neues: zum beispiel, dass er es als schlagzeuger leid war, immer nur die ärsche seiner mitspieler zu sehen und deswegen ans gesangsmikro wechselte. oder die geschichte des ausgeschlagenen schneidezahns beim stagediving, weil niemand im publikum ihn damals, gefühlt 1969, auffing, und er auf den boden knallte.

jarmusch arbeitet mit vielen fernsehzitaten aus den 19560er und -60er jahren, die optisch nichts mit iggy pop oder seiner band, den stooges, zu tun haben, aber das illustrieren, was gerade im interview angesprochen wird. wo es an solchem material fehlt, hilft er mit kleinen, selbstgemachten 2D-animationen nach, die zu den lustigsten elementen von gimme danger gehören.

nach etwa einer stunde ist die luft raus, der film geht quasi zu ende und fängt dann wieder und nochmal wieder an, bis dann am schluss das unvermeidliche comeback der band folgt – vier alte männer vor einem riesigen, handzahmen publikum.

die stooges waren nie eine wirklich erfolgreiche band, es gab dafür viel zu viele brüche (drogen, bühnenchaos, stilfindung etc.). was sie auch nicht waren, in diesem film aber als solche verkauft werden: die urväter des punks. das ist quatsch, denn die urväter kommen aus england, wo der punk mehr mit alkohol als mit kiffen, mehr mit thatcher und der queen als mit dem nachdenken über gute riffs und nachte oberkörper zu tun hatte. die sex pistols kommen nur einmal ganz kurz vor, wo sie einen stooges-song covern. die ramones werden mehrmals am rande angesprochen. im grunde waren sie die band, die die form fand, die die stooges nie fanden. die ramones waren amerikanischer punk, ohne sich so zu nennen. in meinen interviews mit joey ramone sprach er immer nur von rock and roll, nie von punk, warum auch.

interessant fand ich osterbergs begegnung mit david robert jones alias „bowie“. die beiden werden popgeschichtlich immer wieder miteinander verglichen, wohl wegen ihrer androgynen schlangenartigen haltung auf der bühne. dabei trennen beide welten. bowie ist als gesamtkunstwerk, der nie so richtig in einer rockband spielen konnte, etwas völlig anderes als iggy pop, der in detroit in einer „kommunistischen“ WG mit seinen mitmusikern lebte. bowie und iggy hatten kaum miteinander zu tun. iggy pop sagt in dem film über david bowie nur „ja, er war schon cool“, und er deutet an, dass bowie auf den US-punk abfuhr und sich davon input versprach. dabei verstanden die stooges im tiefsten inneren den punk nicht, weil der punk nicht in den weiten des mittleren westens der USA zu hause war, sondern auf den verregneten straßen englischer großstädte.

jim osterberg ist ein sehr sympathischer zeitgenosse; und tausend kreuze, dass er nach seinen jahrzehntelangen drogenerlebnissen so eloquent und klar und mit einem phänomenalen gedächtnis erzählen kann. ich habe → diesen BBC-vortrag (john peel lecture) von ihm sehr gern gehört. jarmuschs liebevolle hommage gimme danger ergänzt das ganz gut.

trumps faule anleihen | 1989

das erste mal in der financial times taucht donald trump am 4. september 1989 auf. auf seite 21 wird sein spiel mit → faulen anleihen dargelegt – fast mit ehrfurcht, wie heil und elegant trump als damals 43jähriger immobilienhai durch die problematische finanzierung einiger gebäude in atlantic city segelte. den bankrott, den eigentlich er verdient hätte, bekommt der nicht ganz so kluge entertrainer → merv griffin zu spüren. an ihm bereichert sich trump sogar ein bisschen – also eine völlig runde und völlig legale angelegenheit. US-kapitalismus pur. der artikel spricht bände. oben ein detail daraus.

financial times 4.9.1989

ich vermute, wenn trump seine steuererklärung offenlegt, kommt nichts illegales, aber praktisch nur unmoralisches heraus. er spielt mit geld auf dem rücken der steuerzahler und aktionäre. schon damals, heute als präsident geht das nicht mehr so gut, weil er da andere themen bewirtschaftet und plötzlich politiker befragen muss, statt einfach los zu dealen und zu mauscheln.

kopelew hungerstreikt für | sacharow

sacharow und kopelew

die beiden fotos (links andrei sacharow, fofografiert 1989 von vladimir fedorenko; rechts kopelew, fotografiert von elke wetzig (Elya) etwas früher) sind beide in der wikipedia zu finden. ich steuere einen o-ton bei, nämlich aus der ZDF/heute-nachrichtensendung von ende mai 1984. ich habe sie damals mangels VHS-recorder auf audiocassette mitgeschnitten und die cassette heute digitalisiert.


lew kopelew im hungerstreik für den kollegen (ZDF/heute)

lew sinowjewitsch kopelew hat eine für einen sowjetischen intellektuellen im 20. jh. fast typische lebensgeschichte. ein stetes auf und ab zwischen gefeiert und fertig gemacht werden. → andrej dmitrijewitsch sacharow ging es nicht anders. er war ein führender sowjetischer kernwaffen-entwickler, fiel jedoch wegen kritischer politischer einstellung mehrmals in ungnade. 2 jahre nach dem hungerstreik 1984 wurde er per telefonat von michil gorbatschow aus der haft in gorki befreit und gebeten, mit seiner frau nach moskau zzurückzukehren. lew kopelew lebte nach seiner ausreise in den westen im wesentlichen in köln. wer in köln den beethoven-park besucht, kann über den lew-kopelew-weg dorthin gelangen.

kleinschreibung | bauhaus

herbert bayer: stadelwand (1936)

aus immer wieder gegebenem anlass möchte ich am rande erwähnen, dass den nazis in dessau die kleinschreibung der bauhaus-jünger ein solcher dorn im auge war, dass sie die anweisung an die stadt gaben, kleingeschriebene briefe nicht zu öffnen, sondern zu vernichten. hier zur kleinschreibungstheorie ein zitat aus typografie.info: es bezieht sich auf den österreichischen künstler herbert bayer, dem wir auch die grafik oben zu verdanken haben:

feiner streicher | abend

plush music poster

martin entführte mich gestern ins kölner → loft, wo zum siebten mal der saxofonist → hayden chisholm sein plush music festival präsentiert. chisholm kommt aus neuseeland und hat in köln musik studiert. der gestrige abend war einer mit vorwiegend streichern, begann mit claudio bohórquez, der sehr schnell und emotional bachs partita nr. 3 für violoncello spielte. feiner auftakt.

claudio bohórquez spielt bach

es folgte tschaikowskys Souvenir de Florence für streichsextett, wo bohórquez eins der celli spielte, abel selaocoe aus südafrika das zweite.

streichsextett spielt tschaikowsky

eine stunde später spielte abel selaocoe ein verblüffendes cello-solo mit gesang. von ihm gibt es zahlreiche videos, unter anderem → dieses, mit einem kurzen ausschnitt aus dem stück gestern: → giovanni sollimas lamentatio:

 abel selaocoe spielt sollima

der abend endete auf experimentelle art, mit dem trio DOHA, hayden chisholm, gareth lubbe und claudio bohórquez. sehr berührendes stück, wo sich die streicher und die obertongesänge exzellent ergänzen und zusammenfügen.

DOHA-trio: gareth lubbe (mitte) mit obertongesang

von lubbe gibt es ein → kleines obertongesangsvideo. und hier ist er mit südafrikanischen kindern beim → kichern mit viola.

damit ging eine runde, sehr professionelle veranstaltung zu ende. für 12 € geschenkt.

essays für die US-verfassung | 1788

ein plädoyer für die US-verfassung, 1788

heute vor 266 jahren wurde james madison geboren, der als vater der US-verfassung gilt. die zeit war nicht reif für die abschaffung der sklaverei, außerdem besaß madison selbst einige sklaven. deswegen musste er in seinen essays für eine gemeinsame verfassung aller US-staaten bisschen mathe machen. wird der schwarze sklave als nicht-bürger quasi mit null gezählt, oder doch ein bisschen? madison schlägt in seinem 1788 veröffentlichten „the federalist: a collection of essays written in favor of the new constitution“ vor, jeden sklaven als 3/5 person zu rechnen.

maine wird | unabhängig

gestern vor 197 jahren trennte sich maine von massachusetts. dem gingen zahlreiche volksabstimmungen voraus, die bei geringen beteiligungen mal mehr, mal weniger für die unabhängigkeit ausfielen. auf den brexit übertragen wäre das so: lass uns halt nochmal abstimmen, bis das ergebnis bestimmten leuten passt.

jedenfalls überwogen in maine die aussteiger, sodass mit der bundesregierung das prozedere ausgehandelt werden musste. die hauptschwierigkeit bestand darin, dass es damals ein patt zwischen bundesstaaten mit und ohne sklaverei gab. maine, als progressiver teil des nordostens der USA, wollte natürlich ein „freier“ staat sein, wobei mit frei die befreiung der schwarzen bevölkerung von der sklaverei gemeint war. die unabhängigkeit am 15. märz 1820 fand dann statt, weil fast gleichzeitig ein neuer staat im mittleren süden entstand, der stramm auf seite der sklavenhalter stand: missouri.

man sprach damals auch vom → missouri-kompromiss.

charitè serie | erbarmlich

weil charité = erbarmen heißt, nenne ich die serie mal erbarmlich. ich habe die ersten beiden folgen gesehen und musste schon für diese eineinhalb stunden viel erbarmen mitbringen. die bildästhetik (closeups mit großer objektivblende, farbkorrektur richtung braun und blau, enge bildführung wegen des engen historischen sets usw.) hat regisseur sönke wortmann von vor allem englischen vorbildern übernommen, downton abbey, call the midwife etwa. die allererste szene hätte 1:1 aus call the midwife kopiert werden können, weil da auch die ordensschwestern aufgestellt stehen und ihre strengen und streng-gläubigen instruktionen von der oberin empfangen.

das drehbuch von dorothee schön und sabine thor-wiedemann ist – typisch für eine MDR/UFA-produktion – so gestrickt, dass der zuschauer immer ausrufezeichen sieht, statt handlungen. während im großen vorbild der serie, der US-produktion the knick, die zentralen themen (betäubungs- und aufputschmittel, emanzipation der schwarzen und der frauen, sterilität im OP etc.) wie beiläufig gesetzt werden und sich allmählich herauskristallisieren, ist bei charité jede zweite einstellung so platt zielführend, dass man schon weiß, wohin der hase läuft und nicht mehr weitergucken muss. eins von zahllosen beispielen: eine blinddarm-patientin interessiert sich auffällig für ihre OP; da weiß man, dass sie einmal in der klinik arbeiten und dort wertvoll sein wird. oder doch noch eins: ein portraitmaler portraitiert eine schauspielerin; die sieht im atelier ein bild von robert koch und kennt sich plötzlich auffällig mit bakteriologie aus; klar wird daraus die viel beschriebene liebesbeziehung, MDR-mäßig natürlich ausgeweidet bis ins letzte schmonzettentröpfchen, bis zum erbrechen. von den ganzen kaiser-einlagen mit und ohne halsschnitt ganz zu schweigen: da bringen wir dem zuschauer mal bisschen politik 19. jahrhundert bei, aber nicht zu heftig, nicht zu kompliziert … ich höre die redaktion vor angst schlottern.

weil ich aber kein film-, dafür ein ton-experte bin, hier das, was für mich das ausschlusskriterium überhaupt ist: der sound. das hier ist das erste, was man an gesprochenem wort hört, anfang der ersten folge der staffel:


charité-serie anfang: was bitte sagt die frau?

ich verstehe nichts. „Mistschwestern und Wärterinnen?“ keine ahnung. jeder in film und rundfunk weiß, um sich einzuhören, muss man dem konsumenten den ton besonders deutlich machen. er soll nicht fragen: hä, was hat die gesagt? und den fernseher lauter drehen, sondern er muss das ganz selbstverständlich verstehen.

paar sätze später sagt die schwester oberin „mit guter Pflege“. sie spricht es aber aus wie „mit butta flege“. ich habe es dreimal anhören müssen, um es zu verstehen:


charité: mit butta flege

etwas später: was soll das heißen? „Hartmut kann die Lücken“?


charitè: hartmut kann lücken

hier die soundwelle dazu:

die silben müssten viel deutlicher herausstechen

selbst bei akustisch weniger problematischen stellen wie in der folgenden szene stellt sich die frage, warum der hauptdarsteller in einem akustisch wunderbar trockenen raum so einen hall drauf hat:


charité: ernst stötzner alias virchow

die ton-behandlung in der serie charité ist, wie in vielen tatort-produktionen auch, eine katastrophe. es muss, wie oft im deutschen fernsehen, so gewesen sein, dass redakteure die staffel abnahmen und dabei das drehbuch lasen. sorry, kollegInnen, wir leben im 21. jahrhundert, und seit „Der Pate“ gelten andere regeln für ton im film!

ich will nur mal als beispiel den ton in einer beliebigen aktuellen angelsächsischen produktion zeigen, dem gerade zu ende gegangenen BBC-dreiteiler → the replacement. zwei leute in einer wohnung, der raum mit viel weniger teppich und büchern voll als beim obigen ausschnitt, beide völlig klar verständlich:


BBC: the replacement

the replacement: selbst leise worte sind deutlich

zum vergleich, beide „trockenen“ räume hintereinander: charité und the replacement:


ARD charité vs. BBC the replacement

und schließlich, ganz wichtig: auch in akustisch komplexerem umfeld, wo bei charité, wie auch bei vielen deutschen produktionen praktisch nur noch lippenlesen hilft, ist hier alles glasklar, sehr mikrofon-präsent verständlich:


the replacement, komplexer hintergrund

radfahr-apps wie | strava

zu den angeblich meist genutzten bike tracking apps gehört STRAVA, programmiert von einem startup-unternehmen in san francisco. um den weg eines fahrrads und die damit verbundene anstrengung mitzuverfolgen, reicht ein beschleunigungssensor, wie er in allen smartphones verbaut ist, nicht aus. anders als die fürs gehen typischen stöße, wenn der fuß den boden berührt, ist das radfahren eine sehr fließende bewegung ohne markante beschleunigung beim treten. deswegen setzen bike tracking apps auf GPS-daten.

ich habe jetzt paar tage strava genutzt. zunächst musste ich mich (ich mache sowas aus prinzip nicht mit einem realen email-account) registrieren. die app startet und läuft nun immer im hintergrund; man muss sie dazu zwingen, nicht automatisch zu starten. sie zwingt einen fast bei jedem aufrufen, auf premium upzugraden, wo man zahlen muss, oder der community beizutreten, um zu zeigen, wie toll man heute schon rad gefahren ist.

ich wollte nur ausprobieren, wie die app mein radfahren – selbstverständlich mit einem brompton bike – verfolgt. sie tat das äußerst mäßig, sodass ich sie jetzt deinstalliert habe: dauernd stoppte die aufzeichnung, und da, wo die app eigentlich wissen sollte, dass ich das rad im zug habe (keine straße, geschwindigkeit 256 km/h), zeichnet es mir dann trotzdem schnurgerade strecken auf, wie im screenshot unten von köln nach würzburg. dafür fehlen dann dort daten über meine anstrengenden fahrten den berg hoch. auf dem rückweg wird die app dann wieder ungefragt kreaktiv und erfindet die app dann einen weg, den ich nie geradelt und auch nicht mit dem zug gefahren bin, und entschuldigt sich immer wieder mit einer meldung dieser art: „strava hat nach einem problem das tracking wieder aufgenommen.“ auch die fahrten innerhalb von köln (unten herausvergrößert) stimmen nur teilweise.

falsch verstandenes fahrrad-tracking

unterm strich: jede beliebige app, die das joggen oder gehen trackt, erkennt locker, wenn jemand sich mal nicht bewegt, weil er auf der bank sitzt oder im bett schläft. wenn diese beliebte bike app nicht merkt, dass ich auf schienen nicht mit 200 km/h radfahren kann, ist für die tonne.

ausländer (die) | plural

schon das wort „ausländer“ ist bekanntlich unsinn, weil jeder von uns unter dieses label fällt. der bayerische bauer, der über 7 generationen hier hof und acker führt, hat selbstverständlich vorvorfahren aus gegenden, die damals noch nicht ukraine oder tirol oder flandern hießen. der US-amerikanische ausländer trump zum beispiel hatte großeltern aus kallstadt bei bad dürkheim und kann in der heutigen weltsicht von glück reden, dass er a) weiße hautfarbe hat, b) keine frau ist und c) aus dem deutschen reich und nicht aus südsudan kommt. also, von ausländer zu reden, statt, wie’s meist gemeint ist, von flüchtling oder asyl-suchendem, ist unsinn.

unsinn diskriminiert an sich nicht, aber wenn man nun sagt: „ich möchte, dass alle ausländer verschwinden“, oder, etwas weniger diplomatisch, „alle ausländer sind arschlöcher“ – dann diskriminiert das schon. diskriminieren kommt aus dem lateinischen und heißt unterscheiden. man trennt quasi die bevölkerung in zwei gruppen, ausländer = arschlöcher und nicht-ausländer = nicht-arschlöcher.

so hat das eine bekannte getan, die in der S-bahn „immer blöd von ausländern angeguckt“ und vielleicht auch angemacht wurde. sie führte bei messerstechereien, von denen sie gehört oder gelesen hatte, gern das wort „ausländer“ ein, „diese messerstechenden ausländer“, mit meist nebensätzen wie: „… die man sofort abschieben, einknasten“ etc. sollte. diese bekannte hat jetzt nicht hinausposaunt, dass „natürlich wieder ein ausländer“ in herne kleine kinder bedroht und ermordet hat – denn dummerweise, und für sie völlig unverständlich, hat ein „einheimischer“ das getan.

als mir trudi in florida (abstammung sudetendeutsch) ihre kleinstadt vorstellte und durch die straßen kurvte, bat ich sie, mal links abzubiegen, über die bahnschienen. sie weigerte sich. begründung: „da wohnen die schwarzen, und das möchte keiner sehen.“ ich war später öfter alleine da, und in dem stadtteil wohnten wirklich vorwiegend menschen dunkler hautfarbe, jedoch in durchaus nicht heruntergekommenen häusern, während trudi völlig verarmt mit einer total kaputten familie in einem wohnwagen hauste, den sie zwar „sauber“ hielt, aber der von ratten, schlangen und spinnen besucht war und in dem die hunde stanken, ja, die hunde, trudis 3 hunde.

alle modernen verfassungen, incl. der türkischen, haben klauseln gegen generalisierte diskriminierungen. im grundgesetz besagt artikel 3:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

das ist kein hemdsärmliger paragraph, sondern wohl bedacht und strafgesetzbewährt.

wer also „die ausländer“ sagt, ist einfach dumm. wer aber sagt, die ausländer sind arschlöcher, macht sich strafbar, er verstößt gegen das grundgesetz.

moralisch verdrängen solche hasserfüllte zeitgenossen, dass natürlich viele der so genannten ausländer absolut keine arschlöcher sind; sie selbst aber, die das behaupten, sind es schon. die meisten deutschen „ausländerfeinde“ leben in gegenden, wo nie ein asyl-suchender hinkam. und wenn einer sich dennoch dahin verirrte und die ausländerfeinde angst vor ihm bekamen, dass ihre wohlbehüteten mädchen von dem ausländer missbraucht werden würden, und zwar alle, … dann muss ich Euch ausländerfeinden ganz bayerisch sagen: geht scheißen!

passwort | erntefest

eine webseite, die zur einmaligen verwendung eine registrierung verlangt, ist uncool. eine, die diese registrierung nicht mit einem neuen account fordert, sondern mit bestehenden accounts von anderswo, handelt verbrecherisch. denn wenn sie uns nötigt, uns mit unserem facebook-, google- oder ähnlichem account anzumelden, geben wir diesem portal nicht nur unseren facebook-namen (und damit z. b. die freundesliste), sondern auch das passwort. damit hat der windige laden (im beispiel unten ein portal, das eine statistik unseres reiseverhaltens erstellt) die macht pber das ganze account. in der regel wird damit nichts böses angestellt. aber wozu passwörter geheimhalten, wenn man sie so großzügig verteilt?

luftiges enter | tainment

eurowings online beim flug

internet gibt’s nur im A330, aber im A319 immerhin home entertainment, selbst beim kurzstreckenflug nach london. dafür zahlt man knapp 4 € pro flug, keine ahnung, wie. die filmauswahl ist durchaus okay, die TV-serien etwas dürftig bestückt. kostenlos ist das audioangebot, aber nur, wenn man sich bei napster registriert. weil das offline geschieht, reicht jede beliebige fantasieadresse. die musikauswahl ist stark pop-lastig, kein jazz und keine e-musik. aber ein audiobuch (was ich mir nicht antue) von stuckrad barre.

kostenlose fluginfos. unten: der musikplayer

skelettiertes erbarmen nach | BWV 721

xaver varnus spielt BWV 721

die aria „erbarme dich“ aus der matthäus-passion ist ein gassenhauer und von zeitloser schönheit. der ungarische organist → xaver varnus hat jetzt eine völlig skelettierte version der orgelversion davon eingespielt, auf einer kleinen, fast 300 jahre alten orgel in einer kleinen kirche von → felsőörs. felsőörs liegt mitten in ungarn. die orgel ist weitgehend intakt, die tasten sind uneben, es gibt nur ein manual, einige pfeifen klingen unsauber. xaver varnus spielt das um 1704 komponierte stück für orgel „erbarme dich, o herre gott“ mit einem hackenden stakkato der linken hand, sehr ungewöhnlich für das, auch in orgel-transkription meist süßlich vorgetragene werk.

weil die orgel bekanntlich keine anschlagsdynamik der tasten kennt, nutzt varnus den hauchigen an- und schnellen ausklang der pfeifen, indem er die tasten der linken hand immer nur kurz anschlägt, sodass die pfeifen gar nicht groß durchgeblasen werden. damit wird er dem instrument gerecht und liefert eine der bemerkenswertesten interpretationen von BWV 721. auch → philip glass, dem minimalisten, würde das gefallen. aber das ist eine andere geschichte und führt zu weit.

siehe (und höre) dazu auch „erbarme dich“ aus der viel berühmteren matthäus-passion in einer → relativ aktuellen (mit countertenor) und einer → sehr alten aufnahme mit → marian anderson. beide werke haben etwa die gleiche länge, ähnliche bassfiguren, und sind in h-moll angelegt.

C & A übernimmt Adler | 1938

in bremens zentrum waren bis 1938 zwei bekleidungsgeschäfte unmittelbar nebeneinander: Adler und C & A. Adler gehörte der jüdischen familie bialystock. C & A, katholisch und „arisch“, übernahm zu einem spottpreis das nachbargeschäft. nach dem krieg arbeitete das unternehmen diese dunkle zeit auf. im foto unten (der fotograf war für mich nicht herauszufinden) ist das jüdische geschäft 1937 zu sehen. ganz links, nur im anschnitt, das logo von C &A.

familie bialystock gibt gegen die nazis auf.

zündfunk london special | 1983

heute krame ich einen cassetten-mitschnitt des BR-zündfunks vom 3. oktober 1983 heraus. rough trade war damals ein frisch gegründetes label mit sehr interessanter musik, punk und new wave waren auf höhenflügen. ich interviewte bands wie die smiths und sendete mit vielen reportagen das erste zündfunk-special über londons alternative musikszene. ich war damals wegen engen freunden so sechsmal pro jahr da. und bin’s heute noch öfter.

die sendungen waren damals viel steifer als später, u. a. wegen der wortgenau abgelesenen moderationen. was mich beim hören nach über 30 jahren wundert, ist die menge an – würde man heute sagen – feuilletonistischen moderationen. eigentlich mehr als moderationen: erlebnisberichte, trendnotizen. damals war zum beispiel das wort ghetto blaster neu; in deutschland kannte es kaum jemand. also erklärte ich, wie die dinger aussehen, dass ich sie überall in brixton sehe usw. ich habe damals angefangen, mit jingles zu arbeiten. dieser hier, den ich „London Spezial“ nannte, ist schwer verständlich. paar jahre später gab’s dann sehr gut verständliche, die ich heute noch gern höre…

hier einige ausschnitte aus der sendung vom oktober 1983 im „zündfunk club“, u. a. mit den smiths und den go betweens:


einige moderationsausschnitte

the replacement | BBC

neue miniserie auf BBC 1. eine brilliante architektin zieht einen riesen-deal zum bau einer modernen bibliothek an land – und wird just dann schwanger. ab da wird sie schlagartig anders von ihren kollegen behandelt, obwohl diese progressiv und ihr sehr zugewandt sind. für ihre eltern-auszeit sucht sich die büroleitung eine hoch ambitionierte architektin (oben rechts im bild), und dann schält sich etwas lamgsam und zäh heraus, dass die neue gar nicht gut ist, wie sie tut.

der guardian sieht in dem psychothriller hitchcock-elemente. ja, das ende der gestern ausgestrahlten ersten episode hatte sowas. mal gucken, wie’s weitergeht.

trump groß | zügig

ein geschäftsmann bleibt bei geschäftsverhandlungen hart, also da, wo es um geld und ruhm geht. bei minder wichtigen dingen, wo der geschäftsmann weder finanzen, noch eitelkeit verletzt sieht, spielt er den großzügigen. das fing kurz nach amtsantritt an mit trumps bemerkung, folter sei prima, aber wenn die parlamentarier dagegen sind, ist es auch okay. und es fand heute wieder statt, als netanyahu zu besuch im weißen haus war: ein oder zwei staaten (israel, palestinia), ich kann mit beidem leben, sollen die parlamente entscheiden.