neue drohnen | verordnung

webseite bezirksregierung köln, drohnenaufnahme*

das bundesverkehrsministerium gab anfang april die → neue drohnenverordnung heraus. wichtig ist selbstverständlich die sicherheit, aber man achte auf den ersten satz:

Drohnen bieten ein großes Potenzial – privat wie gewerblich. Immer mehr Menschen nutzen sie. Je mehr Drohnen aufsteigen, desto größer wird die Gefahr von Kollisionen, Abstürzen oder Unfällen. Für die Nutzung von Drohnen sind deshalb klare Regeln nötig. Um der Zukunftstechnologie Drohne Chancen zu eröffnen und gleichzeitig die Sicherheit im Luftraum deutlich zu erhöhen, habe ich eine Neuregelung auf den Weg gebracht. Neben der Sicherheit verbessern wir damit auch den Schutz der Privatsphäre.

die regelung enthält einige zuvor nicht existente einschränkungen und einige erleichterungen. klare verhältnisse bestehen zum beispiel jetzt für bundeswasserstraßen (wie den rhein) und autobahnen. die darf man im abstand von mindestens 100 metern befliegen, aber nicht mehr überfliegen. für drohnenpiloten ist es wichtig, diese verordnung proaktiv zu nutzen, das heißt, die von den behörden eingerichteten ansprechstellen zu nutzen.

ich tat das zunächst mitte april, indem ich an drohnen@brd.nrw.de schrieb und fragte, wie sich das denn nun so verhält, wenn ich über dem rhein einen brückenbau und über einem autobahnkreuz dessen struktur dokumentieren wolle, für die wikipedia oder die deutsche presseagentur?

die antwort von der luftfahrtbehörde der bezirksregierung düsseldorf kam zehn tage später und besagte dreierlei:

a) „in den meisten fällen“ kann das überflugverbot (also in dem fall direkt über dem rhein oder der autobahn) dadurch aufgehoben werden, indem man die dafür zuständigen behörden anspricht.

b) wenn die sich weigern, kann man auch bei der luftfahrtbehörde eine ausnahmegenehmigung beantragen. dort werde das verfahren für die abwicklung solcher anträge gerade „intern geklärt“.

c) wenn die sich nicht weigern, muss man der luftfahrtbehörde nichts weiter melden.

für drohnenpiloten wie mich war die grundhaltung der email ermunternd. ich schrieb umgehend die für die autobahnen westlich von köln zuständige dame in der bezirksregierung köln an, bekam umgehend eine automatische antwort, die anfrage werde bearbeitet, hörte dann aber zwei wochen lang nichts. auf weitere nachfrage bekam ich einen rückruf, der mir den überflug der autobahnen verbot. grund: die autobahnsituation sei angespannt genug, außerdem sei eine drohne schon mal runtergefallen und habe dabei fast ein auto getroffen. man gebe nur aufstiegsgenehmigungen für aufnahmen, die der verkehrsstatistik dienten.

ich wies die dame auf die neue drohnenverordnung hin und sagte ihr, ich kann demnach auch 100 meter neben der autobahn aufsteigen und dann von schräg oben fotografieren, hätte das nur gern angemeldet, zum beispiel bei ihr oder bei der zuständigen autobahnmeisterei. die beamtin wusste von der drohnenverordnung nichts, auch nicht von einer ansprechperson in düsseldorf, wollte sich schlau machen und mich zurückrufen. bin gespannt.

unterm strich war die grundhaltung diese: wir haben das noch nie erlaubt, also erlauben wir es auch jetzt nicht, schon gleich gar nicht für die wikipedia (wo die großen autobahnkreuze durchaus ihre eigenen artikel haben). statt: aha, Sie fragen bei uns an, danke! wir schauen mal, ob und wie das in absprache mit der lokalen polizeidienstelle möglich sein könnte.

die drohnentechnik ist weit fortgeschritten. das fliegen und gleichzeitig fotografieren ist ein komplexer doppeljob. also wird es auch in zukunft nicht von den dingern im himmel wimmeln. und wer das ernsthaft zu einem bestimmten öffentlichen zweck betreibt, sollte unterstützt werden.

eine drohne in 20 m höhe stört niemanden. foto: ms/dpa

interessanter weiterer aspekt ist dieser: in bestimmten öffentlichen räumen wie straßen, parks, baggerseen etc. herrscht – man kann es kaum glauben – ein fotografier- und filmverbot. genau betrachtet geht es dabei aber um professionelle aufnahmen, etwa model-shootings oder krimi-drehs, wo mit großem technischen aufwand gearbeitet wird und die naherholungssuchenden deutlich in ihrer ruhe und beweglichkeit eingeschränkt werden. für diese aktionen gibt es eine stelle, die entsprechende drehgenehmigungen erteilt.

ich hörte nun, dass dieselben stellen drohnenaufnahmen mancherorts verbietet, mit hinweis auf das fotografierverbot in öffentlichen naherholungsgebieten. das ist beamtenbürokratischer unsinn, und zwar vor allem aus diesem grund: wer von oben fotografiert, stört niemanden unten. moderne drohnen steigen rasant schnell auf, und schon nach ein, zwei sekunden sind sie für die spaziergänger nicht mehr zu sehen und zu hören. womit die behörde das verwechselt, sind niedrig fliegende drohnen, die ein erholungsgebiet tatsächlich aufmischen können. diese fallen aber nicht unter die drehgenehmigungspflicht, weil sie ja primär fliegen und nicht filmen.**

und schließlich: das verkehrsministerium des bundes sagt, man wolle „der Zukunftstechnologie Drohne Chancen eröffnen und gleichzeitig die Sicherheit im Luftraum deutlich erhöhen„. um damit überhaupt anzufangen, müssen drohnenpiloten üben dürfen. ich weiß aus eigener erfahrung, dass der flug 100 meter über boden nicht trivial ist. beispiel: bei kräftigem höhenwind kommt die drohne evt. nicht mehr dagegen an und driftet ab. sie ist so winzig im himmel zu sehen, dass sie hinterm baum verschwinden kann. was dann? dazu muss man RTH (return to home)-routinen kennenlernen etc.

wer also der zukunftstechnologie chance eröffnen und die sicherheit im luftraum erhöhen will, muss den leuten sagen: ja, übt ordentlich! statt: nee, hier und hier und hier dürft ihr erstmal gar nicht fliegen!

ein spannendes thema für die nahe zukunft.

praktische erfahrung mit dem umgang einer drohne neuester generation → hier.


*bei der obigen aufnahme, gefunden → hier, nennt die bezirksregierung keine quelle. wir (fotografen) können sowas besser.

**die typische antragsregelung für drehgenehmigungen in der stadt oder in parks enthält für boden-aufnahme typische worte wie → hier (drohnen kommen dabei gar nicht vor):

  • eingesetzte Fahrzeuge und Kennzeichen
  • bei Außendreh: Schuss-/Actionszenen angeben
  • Schienenkamera, Kamerakran, Steigerwagen und sonstiges angeben
  • eventuell benötigte Haltverbotzonen inklusive Hausnummer
  • bei Vollsperrung einen geprüften Verkehrslenkungsplan einreichen