essays für die US-verfassung | 1788

ein plädoyer für die US-verfassung, 1788

heute vor 266 jahren wurde james madison geboren, der als vater der US-verfassung gilt. die zeit war nicht reif für die abschaffung der sklaverei, außerdem besaß madison selbst einige sklaven. deswegen musste er in seinen essays für eine gemeinsame verfassung aller US-staaten bisschen mathe machen. wird der schwarze sklave als nicht-bürger quasi mit null gezählt, oder doch ein bisschen? madison schlägt in seinem 1788 veröffentlichten „the federalist: a collection of essays written in favor of the new constitution“ vor, jeden sklaven als 3/5 person zu rechnen.

maine wird | unabhängig

gestern vor 197 jahren trennte sich maine von massachusetts. dem gingen zahlreiche volksabstimmungen voraus, die bei geringen beteiligungen mal mehr, mal weniger für die unabhängigkeit ausfielen. auf den brexit übertragen wäre das so: lass uns halt nochmal abstimmen, bis das ergebnis bestimmten leuten passt.

jedenfalls überwogen in maine die aussteiger, sodass mit der bundesregierung das prozedere ausgehandelt werden musste. die hauptschwierigkeit bestand darin, dass es damals ein patt zwischen bundesstaaten mit und ohne sklaverei gab. maine, als progressiver teil des nordostens der USA, wollte natürlich ein „freier“ staat sein, wobei mit frei die befreiung der schwarzen bevölkerung von der sklaverei gemeint war. die unabhängigkeit am 15. märz 1820 fand dann statt, weil fast gleichzeitig ein neuer staat im mittleren süden entstand, der stramm auf seite der sklavenhalter stand: missouri.

man sprach damals auch vom → missouri-kompromiss.

charitè serie | erbarmlich

weil charité = erbarmen heißt, nenne ich die serie mal erbarmlich. ich habe die ersten beiden folgen gesehen und musste schon für diese eineinhalb stunden viel erbarmen mitbringen. die bildästhetik (closeups mit großer objektivblende, farbkorrektur richtung braun und blau, enge bildführung wegen des engen historischen sets usw.) hat regisseur sönke wortmann von vor allem englischen vorbildern übernommen, downton abbey, call the midwife etwa. die allererste szene hätte 1:1 aus call the midwife kopiert werden können, weil da auch die ordensschwestern aufgestellt stehen und ihre strengen und streng-gläubigen instruktionen von der oberin empfangen.

das drehbuch von dorothee schön und sabine thor-wiedemann ist – typisch für eine MDR/UFA-produktion – so gestrickt, dass der zuschauer immer ausrufezeichen sieht, statt handlungen. während im großen vorbild der serie, der US-produktion the knick, die zentralen themen (betäubungs- und aufputschmittel, emanzipation der schwarzen und der frauen, sterilität im OP etc.) wie beiläufig gesetzt werden und sich allmählich herauskristallisieren, ist bei charité jede zweite einstellung so platt zielführend, dass man schon weiß, wohin der hase läuft und nicht mehr weitergucken muss. eins von zahllosen beispielen: eine blinddarm-patientin interessiert sich auffällig für ihre OP; da weiß man, dass sie einmal in der klinik arbeiten und dort wertvoll sein wird. oder doch noch eins: ein portraitmaler portraitiert eine schauspielerin; die sieht im atelier ein bild von robert koch und kennt sich plötzlich auffällig mit bakteriologie aus; klar wird daraus die viel beschriebene liebesbeziehung, MDR-mäßig natürlich ausgeweidet bis ins letzte schmonzettentröpfchen, bis zum erbrechen. von den ganzen kaiser-einlagen mit und ohne halsschnitt ganz zu schweigen: da bringen wir dem zuschauer mal bisschen politik 19. jahrhundert bei, aber nicht zu heftig, nicht zu kompliziert … ich höre die redaktion vor angst schlottern.

weil ich aber kein film-, dafür ein ton-experte bin, hier das, was für mich das ausschlusskriterium überhaupt ist: der sound. das hier ist das erste, was man an gesprochenem wort hört, anfang der ersten folge der staffel:


charité-serie anfang: was bitte sagt die frau?

ich verstehe nichts. „Mistschwestern und Wärterinnen?“ keine ahnung. jeder in film und rundfunk weiß, um sich einzuhören, muss man dem konsumenten den ton besonders deutlich machen. er soll nicht fragen: hä, was hat die gesagt? und den fernseher lauter drehen, sondern er muss das ganz selbstverständlich verstehen.

paar sätze später sagt die schwester oberin „mit guter Pflege“. sie spricht es aber aus wie „mit butta flege“. ich habe es dreimal anhören müssen, um es zu verstehen:


charité: mit butta flege

etwas später: was soll das heißen? „Hartmut kann die Lücken“?


charitè: hartmut kann lücken

hier die soundwelle dazu:

die silben müssten viel deutlicher herausstechen

selbst bei akustisch weniger problematischen stellen wie in der folgenden szene stellt sich die frage, warum der hauptdarsteller in einem akustisch wunderbar trockenen raum so einen hall drauf hat:


charité: ernst stötzner alias virchow

die ton-behandlung in der serie charité ist, wie in vielen tatort-produktionen auch, eine katastrophe. es muss, wie oft im deutschen fernsehen, so gewesen sein, dass redakteure die staffel abnahmen und dabei das drehbuch lasen. sorry, kollegInnen, wir leben im 21. jahrhundert, und seit „Der Pate“ gelten andere regeln für ton im film!

ich will nur mal als beispiel den ton in einer beliebigen aktuellen angelsächsischen produktion zeigen, dem gerade zu ende gegangenen BBC-dreiteiler → the replacement. zwei leute in einer wohnung, der raum mit viel weniger teppich und büchern voll als beim obigen ausschnitt, beide völlig klar verständlich:


BBC: the replacement

the replacement: selbst leise worte sind deutlich

zum vergleich, beide „trockenen“ räume hintereinander: charité und the replacement:


ARD charité vs. BBC the replacement

und schließlich, ganz wichtig: auch in akustisch komplexerem umfeld, wo bei charité, wie auch bei vielen deutschen produktionen praktisch nur noch lippenlesen hilft, ist hier alles glasklar, sehr mikrofon-präsent verständlich:


the replacement, komplexer hintergrund