anschlag in london ab | € 22.740

webseite der SZ am 22.3.2017 nachmittags

ein typisches beispiel, wie sich werbealgorithmen vergaloppieren, zumindest in bestimmten browsern, wie hier in firefox bei deaktiviertem adblocker. die top-meldung ist eigentlich ein anschlag auf einen wachmann in london/westminister. umrahmt und gestört wird der artikel aber von einer werbung von hyundai, die mit „change is good“ und einem super angebot wirbt. jetzt kann man auf den blauen „mehr erfahren“-knopf klicken und kommt dann vielleicht über doubleclick zu hyundai, oder auf den kleinen, fast unsichtbaren knopf rechts darunter?

was anzeige und was redaktionelles bild ist, vermischt sich hier. man kann die schlagzeile so lesen: change is good, wenn vor einem roten doppeldeckerbus zwei polizisten sich nett unterhalten. daneben dann eine bizarr auffällig weiß auf schwarze leiste, die mit der top-meldung anfängt, dass der campus in oberschleißheim ausgebaut wird.

auf dieser seite führt praktisch jeder klick in eine falle. man sollte sie so sehen wie hier, als kunstwerk.

eine halbe stunden später wird die seite dann richtig zynisch:

radfahr-apps wie | strava

zu den angeblich meist genutzten bike tracking apps gehört STRAVA, programmiert von einem startup-unternehmen in san francisco. um den weg eines fahrrads und die damit verbundene anstrengung mitzuverfolgen, reicht ein beschleunigungssensor, wie er in allen smartphones verbaut ist, nicht aus. anders als die fürs gehen typischen stöße, wenn der fuß den boden berührt, ist das radfahren eine sehr fließende bewegung ohne markante beschleunigung beim treten. deswegen setzen bike tracking apps auf GPS-daten.

ich habe jetzt paar tage strava genutzt. zunächst musste ich mich (ich mache sowas aus prinzip nicht mit einem realen email-account) registrieren. die app startet und läuft nun immer im hintergrund; man muss sie dazu zwingen, nicht automatisch zu starten. sie zwingt einen fast bei jedem aufrufen, auf premium upzugraden, wo man zahlen muss, oder der community beizutreten, um zu zeigen, wie toll man heute schon rad gefahren ist.

ich wollte nur ausprobieren, wie die app mein radfahren – selbstverständlich mit einem brompton bike – verfolgt. sie tat das äußerst mäßig, sodass ich sie jetzt deinstalliert habe: dauernd stoppte die aufzeichnung, und da, wo die app eigentlich wissen sollte, dass ich das rad im zug habe (keine straße, geschwindigkeit 256 km/h), zeichnet es mir dann trotzdem schnurgerade strecken auf, wie im screenshot unten von köln nach würzburg. dafür fehlen dann dort daten über meine anstrengenden fahrten den berg hoch. auf dem rückweg wird die app dann wieder ungefragt kreaktiv und erfindet die app dann einen weg, den ich nie geradelt und auch nicht mit dem zug gefahren bin, und entschuldigt sich immer wieder mit einer meldung dieser art: „strava hat nach einem problem das tracking wieder aufgenommen.“ auch die fahrten innerhalb von köln (unten herausvergrößert) stimmen nur teilweise.

falsch verstandenes fahrrad-tracking

unterm strich: jede beliebige app, die das joggen oder gehen trackt, erkennt locker, wenn jemand sich mal nicht bewegt, weil er auf der bank sitzt oder im bett schläft. wenn diese beliebte bike app nicht merkt, dass ich auf schienen nicht mit 200 km/h radfahren kann, ist für die tonne.

parkuhr heißt heute | handyparken

in vielen städten ist das handyparken möglich und ein mini-geschäftsmodell für etwa ein dutzend firmen, einige davon startups. ich nutze mein auto nur noch selten und kenne die preise, in der stadt zu parken. eine zeitlang habe ich mit geldkarte bezahlt; war oft kompliziert, weil der parkautomat die karte nicht immer gern freigab. ansonsten halt münzen. zum handyparken kam ich durch zufall, weil ich in einem stadtteil parkte, wo ich ein ticket ziehen musste, aber kein kleingeld hatte und weit und breit kein laden war, wo ich hätte wechseln können. also meldete ich mich kurzerhand, im geparkten auto sitzend, bei einem der etwa 10 anbieter in köln an. sowas ist immer mit dem download einer app verbunden, in meinem fall war es, easypark wie im screenshot oben. diese app hat eine nette wählscheibe, um die geplante parkdauer einzustellen und ad hoc zu verlängern. klappte prima. was mich wunderte, war, dass das parken deutlich teurer war als beim bezahlen mit münzen. das lag daran, dass der betreiber 15% der parkgebühr draufschlägt. es gibt für vielparker die möglichkeit, eine monatspauschale zu zahlen, um dann nicht bei jedem parkvorgang ordentlich was draufzulegen. die einen anbieter bieten eine SMS-erinnerung vor ablauf der parkzeit, manche kostenlos, andere wollen dafür 15 cent.

in diesen abo- und nicht-abo-modellen unterscheiden sich die konditionen der anbieter. ich stieg, wieder ohne groß weiter darüber nachzudenken, zu einem anbieter um, der „nur“ 25 cent pro parkvorgang nimmt, wenn man ohne abo bleiben will. beide provider wiesen mich beim start des parkvorgangs darauf hin, dass ich für eventuelle parkkontrollen einen zettel mit dem vermerk „handyparker“ hinter der windschutzscheibe positionieren sollte.

zwei vorteile des handyparkens liegen auf der hand: kein suchen nach münzen, nicht einmal nach automaten. und: kein ablaufen der parkzeit mehr, und umgekehrt: kein überbezahlen mehr, weil ich den parkvorgang jederzeit abbrechen, also abkürzen kann. der nachteil ist neben den extra-kosten (die sich schon nach zwei, drei parksituationen bezahlt machen dürften) durch die gebühr der datenschutz: die app funktioniert nur über kenntnis unserer position. beim münzparken wusste niemand, wer da parkte.

 

 

ne bar für den | müll

macbookfehlkonstruktion

touchpad A und touchbar B wären überflüssig, wenn man C betouchen könnte.

apple hat in den letzten jahren einiges an unsinn vorgestellt, aber auch viel gutes. die vorstellung des neuen macBook pro ist eine design-verirrung sonder gleichen. eigentlich war zu erwarten, dass der bildschirm des notebook-computers touch-empfindlich ist, also quasi ein iPad, nur mit mehr leistung und solider tastatur. herausgekommen ist ein gerät mit einem vergrößerten touchpad (A) und einer schmalen bunten leiste, genannt „touch bar“ (B). beide elemente enthalten das wort „touch“. sie dienen dazu, die bildschirmberührung, die eben nicht möglich ist, über umwege zu ermöglichen. die touch bar sagt quasi: sorry, den bildschirm darfst du nicht anfassen, dafür bin ich da, ein kleiner streifen zwischen tastatur und bildschirm, nicht einmal symmetrisch eingebaut.

in der welt des ergonomischen designs und des user interfaces ist das keine mittelmäßige idee, sondern eine beispielhaft dumme. leute, wir sind es gewohnt, bildschirme durch berührung zu steuern. also liefert uns nicht noch mehr krücken!

unverschämt penetranter | Codemeter

die penetranz, mit der sich programme in unsere rechner einschleichen, nimmt seit jahren zu. mehr oder weniger windige firmen bieten „schutz“ oder dergleichen an, nur um lästige apps zu installieren, die in der regel die rechner ausspionieren, zumindest aber den hersteller- und vertriebsfirmen tantiemen einspielen.

gestern installierte bei mir windows 10 neue updates, und nach dem neustart heutemorgen meldete sich, vermutlich unabhängig davon, ein „prozess“ zu wort, den ich nicht beenden konnte. das kleine programm namens codemeter von der wibu-systems AG in karlsruhe hatte irgendwie, ich vermute über einen USB-stick mit pressematerial, den weg in die startprogramme meines rechners gefunden. das ist unverschämt genug, denn ich wurde nicht danach gefragt.

nach dem neustart konnte ich nicht auf meinen rechner zugreifen, ohne ein windows-meldungsfenster zu quittieren. im prinzip ist es gut, dass windows mich fragt. ich musste mich also, das ist die zweite unverschämtheit, mit einem programm beschäftigten, das ich niemals gebeten hatte, zu mir zu kommen.

was genau codemeter wollte, weiß ich nicht, will ich gar nicht wissen. windows jedenfalls warnte mich mit der frage: „Möchten Sie zulassen, dass durch diese App [eben Codemeter] Änderungen an Ihrem Gerät vorgenommen werden?“ natürlich nicht! ich hatte die wahl, auf „Ja“ ioder „Nein“ zu klicken und klickte selbstverständlich auf „Nein“. was dann geschah, ist in diesem einminütigen video zu sehen. ich habe sowas noch nie erlebt: eine app, die mir eine frage so lange erneut stellt, bis ich ihr den eintritt gewähre und Ja sage:

verdammt, wie geht das weg!?

es gibt zum glück wege, aus dieser schleife, die man dem verbraucherschutz melden sollte (kann das jemand, der diesen blogeintrag liest, bitte tun?), herauszukommen. auch wenn das fenster den zugriff auf windows verbaut, lässt sich über die tastenkombination STRG-ALT-Entfernen der taskmanager aufrufen. in diesem findet sich codemeter als „task“ und muss beendet werden. damit ist der zauber erstmal vorbei. man sollte aber sofort unten links im windows-suchfenster nach „installierte programme“ suchen, diese systemsteuerung aufrufen. dort liegt codemeter nämlich noch herum und möchte beim nächsten systemstart wieder denselben zirkus veranstalten. wenn man codemeter über dieses fenster deinstalliert, kommt wieder das fenster von oben. auch hier kommt man durch drücken von „Nein“ nicht wieder heraus. hier kann man aber ausnahmsweise „Ja“ klicken, womit man nämlich zulässt, dass windows das programm deinstalliert.

ich wette, codemeter hat auch in der registry seine duftmarken hinterlassen. von dort aus dürften sie aber keinen schaden anrichten; müll eben.

selbst wenn codemeter die tollste app aller zeiten wäre: so würde sie sich völlig diskreditieren.


ich informierte selbstverständlich die pressestelle des herstellers von codemeter. die emailadresse der pressestelle steht auf der wibu-systmes-webseite. das kam zurück:

This message was created automatically by mail delivery software.

A message that you sent could not be delivered to one or more of
its recipients. This is a permanent error. The following address(es)
failed:

presse@wibu.com:
SMTP error from remote server for RCPT TO command, host: sendin.wibu.de (62.96.20.195) reason: 554 Recipient unknown

kweku adoboli | frei

kweku adoboli hat für die schweizer bank UBS gearbeitet, riesige gewinne für die bank eingefahren – und dann 1 1/2 milliarden in den sand gesetzt. er, und nicht seine chefs, die ihn dazu anstifteten, über die risikoschwelle hinaus zu spekulieren, kam vor gericht, in haft, und jetzt ist er dank guter führung wieder frei. er lebt in england und schottland, möchte nicht in sein heimatland ghana ausgeliefert werden, darf in londons bank-welt nicht mitarbeiten. heutemorgen in der BBC-nachrichtensendung → Today (vorspulen bis 1:32) sprach der gestürzte superbanker über diese situation.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/44/Kweku-Adoboli-007_%287651035016%29.jpg

kweku adoboli vor gericht, 2011. foto: traveler100, wiki commons

frauke petri wirbt | mich

keine ahnung, womit ich das verdient habe, dass mir facebook prominent frauke petri und ihre AfD-partei anpreist. keine ahnung, wie viel die AfD dafür bezahlt, solche werbungen zu schalten.

fraukeKannMichMal

facebook-screenshot mit anbiederung von/an frauke petri

man muss genau hinsehen und mit der maus drüberschweben, um zu sehen, wie man diese werbung als unerwünscht schließt: oben rechts im bild tut sich ein schließen-kreuz auf. daraufhin blendet mir facebook dann werbung für „Die falsche Alternative für Deutschland“ ein, anschließend eine werbung für die sendung extra-3.

digital kritzeln auf richtigem | papier

bambooSpark

notizblock mit stift und hülle

wacom ist eine firma, die unser vertrauen verdient, weil sie sich

a) nicht hat von wem kaufen/schlucken lassen, obwohl das nahe gelegen hätte,

b) im markt von grafiktabletts behauptet und immer wieder innovative produkte herausbringt, die genau dazu passen: zum zeichnen, schreiben, malen mit besonderen stiften.

ich arbeite seit rund 20 jahren fast nur mit grafiktabletts; auch beim schreiben von manuskripten, beim komponieren von musik, beim mischen von sendungen brauche ich die maus praktisch nicht mehr.

ein wacom-produkt des letzten jahres machte wenig furore: das bamboo spark. es ist eine A5-hülle mit einem block und einem stift drin, mehr nicht. es scheint gerade für uns journalisten, die viel herumreisen, an kongressen teilnehmen, auf dem weg zum interview fragen notieren, auch mal gern private notizen anfertigen, vielleicht sogar einen handgeschriebenen brief verfassen, ein geschenk des himmels zu sein. ich muss das bamboo spark noch bisschen ausprobieren, aber jetzt, eine stunde nach dem auspacken, wirkt es wie eine runde sache.

bambooUhr

achso, die spezialität dieses schreibgeräts ist, dass man zwar auf normalem papier schreibt oder zeichnet, das geschriebene aber über den druckempfindlichen kuli digital erfasst und auf knopfdruck (der knopf unter dem blau leuchtenden punkt) gespeichert wird. bis zu 100 seiten können wir auf die weise voll schreiben. spãtestens dann möchte sich das bamboo spark „entleeren“, und es tut das sehr elegant über eine app auf dem tablet oder smartphone, via bluetooth.

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links: handschrift auf papier. rechts: dasselbe erscheint auf dem tablet-bildschirm.

der stift hat rund 1000 druckstufen, braucht aber einen gewissen anfangsdruck, um überhaupt anzusprechen. ich zeichne gern direkt am iPad, aber das zeichnen auf papier macht mehr spaß.

bambooSpark_01

auf dem block gekritzelt, aufs tablet übertragen

ohne die bamboo spark-app auf iOS oder android macht das notizbuch keinen sinn. in der app lässt sich nicht nur das auf papier geschriebene sichtbar machen, abspeichern, verschicken, sondern auch – über die wacom cloud – text erkennen. die texterkennung ist ja vor allem im windows-betriebssystem weit fortgeschritten, aber auch wacom leistet hier passables. im nächsten Foto: links meine handschrift, ohne den versuch, besonders sauber zu schreiben, rechts das, was die bamboo spark-app meint an text zu erkennen. drei fehler. beim einen (Azubi statt Azuki) sieht man, dass das system „mitdenkt“. denn azubi ist eben das häufigere wort.

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links: auf papier geschriebener text. rechts: fast fehlerfrei erkannt in der spark-app

mir gefällt auch das gewicht des „geräts“. es ist so leicht wie meine üblichen A5-blöcke. und es sieht völlig un-digital aus. wenn es sich weiter so anlässt, ersetzt das bamboo spark in zukunft meine vielen blöcke, die ich nur selten öffne, geschweige denn etwas wiederfinde. das könnte jetzt anders werden, schon allein, weil die app die einzelnen seiten ja nach datum ordnet.

achso: aufgeladen wird das bamboo spark (angeblich alle paar wochen) über USB, und als schreibblock kann man jeden nehmen. nur der stift möchte seine wacom-minen. mich hat das gerät 129 € gekostet.

bambooSpark_04


tag 2. gestern abend mit christoph beim jour fixe. thema unter anderem autocockpits, sous-vide-garen, pralinenherstellung, UI-design. der block lieferte tolle dienste. er lag am tisch, mal schrieb christoph was rein, mal ich. ein pfeil dahin, eine zeichnung dorthin.

vorhin, in einer englischsprachigen gruppe von brompton-klapprad-freunden, fiel mir die vielfalt der wortkreationen rund um das rad auf. typischerweise hätte ich die worte, die mir zuletzt auffielen, als kleine liste in die gruppe getippt. aber viel näher liegt mir das schnell mal aufschreiben. das tat ich, am bamboo spark block, dann mit knopfdruck ins iPad, von dort in die dropbox, kurz in photoshop elements koloriert, und hoch ins brompton-forum.

 bromptoneers

 

der infamste spam seit | langem

deswegen so infam, weil er meine reale büroadresse enthält und eine ehemalige telefonnummer, die nie im telefonbuch oder auf meiner webseite stand. das einzige, was im text – außer minimalen grammatikfehlern – falsch ist, ist „amazon AG“, denn es handelt sich um eine GmbH. amazon hat sicherlich damit gar nichts zu tun. die absenderadresse ist fake, nämlich pay@giropay.de. das gefährliche ist der in einer zip-datei namens

Stellvertretender Rechtsanwalt Amazon AG.zip

versteckte anhang, höchstwahrscheinlich ein erpressungstrojaner. hier der text (diesmal nicht als screenshot, damit ihn leute durch die web-suche finden). ausgeixxxxt die wiegesagt korrekten persönlichen daten.


Sehr geehrte(r) Maximilian Schönherr,

unsere Erinnerung blieb bislang leider ergebnislos. Nun gewähren wir Ihnen hiermit letztmalig die Möglichkeit, den nicht gedeckten Betrag unseren Mandanten Amazon AG zu begleichen.

Aufgrund des andauernden Zahlungsausstands sind Sie angewiesen zuzüglich, die durch unsere Tätigkeit entstandene Kosten von 58,30 Euro zu tragen. Bei Fragen oder Reklamationen erwarten wir eine Kontaktaufnahme innerhalb von 24 Stunden. Um weitete Kosten auszuschließen, bitten wir Sie den fälligen Betrag auf unser Bankkonto zu überweisen.

Personalien:

Maximilian Schönherr
xxxxxxxxxx 
xxxxx xxxx

Telefon: 0221xxxxxxx

Die vollständige Forderungsausstellung NR285660510, der Sie alle Einzelpositionen entnehmen können, fügen wir bei.

Wir erwarten die Zahlung bis spätestens 24.03.2016 auf unser Konto. Können wird bis zum genannten Datum keine Zahlung verbuchen, sehen wir uns gezwungen unsere Forderung an ein Gericht abzugeben. Sämtliche damit verbundenen Zusatzkosten werden Sie tragen. Berücksichtigt wurden alle Buchungseingänge bis zum 21.03.2016.

Mit freundlichen Grüßen

Stellvertretender Rechtsanwalt Jannik Zwingli

divx update drückt uns was | auf

divxWillWas

divx 10 halst uns unangenehmes auf…

… wenn wir nicht nein sagen, genau genommen drei mal. das erste fenster will drei komponenten installieren (okay), aber auch ein icon auf dem desktop platzieren.

divx_01

das ist unnötig. die meisten nutzen divx als plug-in, das sich sozusagen selbst aufruft. das zweite fenster möchte ein programm installieren, das angeblich die geschwindigkeit des PC verbessert. solch einen scheiß sollten man ohne nachzudenken ablehnen.

divx_03

das dritte fenster möchte dann auf fotos etc. zugreifen, um sie zu „sharen“. geht’s noch? auf jeden fall auch ablehnen!

 divx_02

selbst nach abgeschlossener installation nervt divx weiter herum, möchte einem den newsletter schicken, was ins datenschutzdeutsch übersetzt heißt: wir hätten gern Deine email-adresse! und schließlich öffnet die installation ungefragt ein browserfenster mit weiterer werbung.

der divx-player ist seit beginn an ein nützliches ding, um videos abzuspielen und zu codieren. klar möchte die firma, die das produkt vertreibt (sie hat mehrfach gewechselt), was damit verdienen, indem sie „partner“ in den installationsprozess einbindet. wir müssen diese partner aber nicht akzeptieren. schäbig ist, dass die installation uns dreimal opt-outs vorschreibt, das heißt, wir müssen explizit dreimal nein sagen.

der alte fotoladen zockt | ab

ich war vorhin erstmals seit vielen jahren mal wieder in einem klassischen fotogeschäft. dass ich seit langem nicht mehr dahin ging, liegt einfach daran, dass die meisten fotos digital vorliegen und ich kein bedürfnis habe, sie auszubelichten, und wenn, dann mache ich das schnell mal selbst an einer kodak-station im drogeriemarkt. zur beratung mag manch einer das personal in fotoläden benötigen, ich brauche es nicht. das internet ist ein schatz für informationen, und es schwatzt mir nichts auf.

der grund, warum ich in den laden ging, war, dass ich ein biometrisch einigermaßen korrektes passfoto von mir aufgenommen hatte und der DM-markt-drucker mir keine option für das 35  x 45-passbildformat bot. ein photopapierbogen an diesem automaten würde für vier bilder dieser größe unter 50 cent kosten. außerdem wollte ich einen kleinen testballon starten, wie ein kleines fotogeschäft, das sicher nicht im geld schwimmt, heute so aufgestellt ist und welche preise es für einen kleinen service wie diesen erhebt.

also ging ich mit dem USB-stick hinein. der inhaber lud den stick in seinen rechner, überprüfte anhand der digitalen schablone am printer-display, ob es einigermaßen passte, druckte mir vier stück auf einem blättchen fotopapier aus und schnitt die vier passfotos mit einem clip zurecht. bei diesem durchaus angenehmen service, der insgesamt 3 minuten dauerte, ging ich von einem deutlich höheren preis als beim drogeriemarkt aus, vielleicht faktor 5, maximal faktor 10, also gefühlte 5 € – nicht aber von diesem preis:

passfoto_10Euro

passfoto von stick, ausbelichtet: 10 €

mir ist bekannt, dass die fotoläden (denen es früher so gut ging, wo wir schlange standen, also wir unsere 35mm filmrollen hintrugen und optiken für die spiegelreflexkameras kauften) heute am existenzminimum leben. sie haben noch ihre alten standorte in inzwischen immer teureren geschäftsstraßen und wundern sich, dass nicht mehr laufend jemand reinkommt, um ein großes hochzeits-shooting machen zu lassen oder eine canon mit fünf objektiven und fototasche zu kaufen. klar finden manche dieser händler (und damit manche, vor allem ältere und nicht technik-affine kunden) in der sicherlich ausführlichen kundenberatung noch ihre nische, vielleicht auch im verkauf von bilderrahmen und einem kleinen fotostudioservice hinten. aber jemandem wie mir, der offenbar weiß, worum es geht, der einen USB-stick mit einem fertig konfektionierten passfoto anliefert, zehn euro abzuverlangen, ist etwas bizarr. so jemand kommt natürlich nicht wieder.


kleine nicht respräsentative statistik am tag darauf. ich erzählte fünf leuten in meinem freundes- und bekanntenkreis die geschichte (incl. der sicher präkeren lage des einzelhändlers), aber ohne den endpreis zu nennen. die schätzungen reichten von 3 € bis 4,30 €.

1und1 rät mir zum | berufswechsel

googleHöhe

google-himmel für 10 € pro monat. illustration: ms

 

gerade bekam ich einen anruf mit grottenschlechter akustik von der nummer 0201 64703529. der herr sagte, er sei von 1und1 (die firma, die eigentlich nicht in 0201 essen, sondern in montabaur bzw. 0721 karlsruhe sitzt) und listete mir alle meine domains auf. klammer auf: ich habe neben meiner eigenen noch diverse andere, zum beispiel die von henriette kaiser, die ich betreue. die domains, sagte er, seien von google aus nicht erreichbar.

ich guckte also während des kurzen telefonats, ob meine domains ein problem haben – haben sie aber nicht. dann meinte der herr am telefon, das könne schon sein, dass die webseiten erreichbar seien, sie würden nur über google nicht gefunden.

mir kam die sache bizarr vor, also versprach ich einen rückruf und legte auf, rief 1und1 an, kam an den falschen, nämlich einen technischen berater, der mir sagte, es gäbe durchaus menschen, die „im auftrag von 1und1 werbeanrufe“ betrieben, ihm läge allerdings in seiner datenansicht ein solcher anruf bei mir heute nicht vor.

ich rief die nummer in essen zurück. tatsächlich meldete sich die warteschleife der 1und1 internet AG und wenig später eine dame im callcenter, die schnell den grund für den anruf des kollegen vorhin fand: meine webseiten würden über google nicht gefunden!

ich: „wie, nicht gefunden?“

sie: „Sie sind doch journalist?“

ich: „ja.“

sie: „wenn ich nach journalist und köln google, finde ich Sie nicht!“

ich: „finden Sie das schlimm?“

sie: „das finde ich schon schlimm, und das können wir verbessern, damit Sie leichter gefunden werden.“

ich: „Sie wollen mir also ein paket verkaufen, mit dem ich im → google page-ranking nach oben wandere?“

sie: „genau!“

ich: „für wieviel?“

sie: „9,99 € pro monat.“

ich: „und wenn ich gar nicht nach oben rutschen möchte, weil mir das egal ist? wäre ich frisör, könnte das vielleicht sinn machen.“

sie: „dann sollten Sie vielleicht Ihren beruf wechseln und frisör werden!“

ich: „und Sie könnten fingernägel lackieren, statt im call-center internetpakete zu verkaufen.“

sie: „genau.“

wir wünschten uns gegenseitig einen guten tag und gingen wieder schmunzelnd unseren jeweiligen, von google so schwer findbaren tätigkeiten nach.

wellness | deppen

nicht nur auf mallorca im niedrigpreissegment, sondern auch im hochpreissegment der wellness-„oasen“ reservieren die gäste gern ihr plätzchen mit kleinen duftmarken, typischer weise dem handtuch. schon am morgen sieht man die reservierungshaie den sauna- oder ruhebereich durchstreifen, um sich ihre lieblingsplätzchen für den ganzen tag zu krallen. im wellness-bereich gehört zu den wichtigsten duftmarken die wärmedecke, manchmal auch eins der überall herumliegenden werbemagazine für bädereinrichtungen ab 2500 € (pro duschkopf).

der veranstalter nimmt klagen von leer ausgegangenen platzsuchern entgegen und druckt deswegen ab und zu etwas von der art „bitte reservieren Sie mit rücksicht auf andere gäste Ihre liegen nicht…“ in dem täglichen viergängemenü-sodoku-wetter-lebensweisheit-blatt ab. natürlich erhört niemand die bitten, und so bleibt, wie auf malle schon seit der wirtschaftswunderzeit, alles beim alten. der gastgeber versucht, den ball flach zu halten. er will auch die goldkettchenrussen nicht vergraulen, die tags im pool hemmungslos freisprechend telefonieren und nachts in den tief beruhigten zimmern radau machen und lautstark den kleinbus mit callgirls anfordern.

aber das führt vom thema ab: das platzreservierungsthema. es lässt sich ganz einfach lösen, indem man sich die grundsätzliche frage stellt: warum möchte ausgerechnet hier keiner seinen platz verlieren, wo im nachbarraum alles leer ist?

auf den auf diesem foto sichtbaren 10 liegen jedenfalls saß und ruhte zwei stunden lang keine seele. aber andere seelen huschten vorbei und suchten – selbstverständlich vergeblich – einen bescheidenen platz.

wellnessPlatzhirsche

idiotische platzreservierung im wellness-center. foto: ms/dpa

einmal sah ich eine person, die ihren krempel komplett zusammenpackte, die liege damit freigab, um eine halbe stunde später mit hochrotem saunakopf zurückzukehren – um natürlich nur leere, reservierte liegen vorzufinden.

klar wissen die wohlhabenden selbst genau, dass sie keine besseren menschen sind, nur weil sie sechsmal im jahr für fünf tage zu zweit 2000 oder 6000 € zahlen können, ohne dass es weh tut, ja ohne dass es auffällt. kann sein, dass sie etwas eloquenter reagieren, wenn man sie fragt, ob sie vielleicht so gnädig wären, ihre liege für ein bescheidenes stündchen zu ent-reservieren. der tourist auf mallorca (oder gran canaria), insbesondere wenn es ein brite (männlich oder weiblich) ist, wird für ein solches ansinnen worte wie „wanker“ im anschlag haben und zeigt eine beeindruckende drohgebärde beim zu nahe an die liege treten.

der wellness-patient dagegen schwächelt tendenziell, er hat die teure ruhe ja „verdient“ (andere nicht), und wenn man ihn oder sie mit einem solchen ansinnen ansinnt, kommt dann eher etwas → migräniges heraus. wer ein solch migräniges → jammern vernimmt, dreht sofort verstört ab und flüchtet in eins der liegeparadise eine etage höher, ohne schöne aussicht auf den → sole-pool und ohne schönes lagerfeuer, dafür mit dem herrn p., der so derb vor sich herschnarcht, wie man das nie gedacht hätte: denn …

goldPudel

goldene iWatch mit pumps und pudel. foto: apple. illustration: ms

… am vormittag im foyer wirkte er so → distingiert, wie er sein goldenes iPhone mit der goldenen iWatch (sorry, das ist eine appleWatch, keine iWatch) synchronisierte und sich durchs pomadierte schwarze haar strich, während seine klaudia (mit k, ja!) sich auf 15 cm stiletto-pumps mit ihrem (sorry für das klischee, aber es ist wahr:) → pudel richtung sektbegrüßung begab. „hamm’s noch einen, aber bitte ein bisserl einen feineren!“ [und zum herrn p., dem gockel:] „gehst schon mal runter, hasi, eine schöne liege reserviern!“

linkedIn wird | datenkrakig

wahrscheinlich kann man als soziales netzwerk im internet nicht überlegen, ohne fiese methoden der datenspionage anzuwenden. das gängige fies-ding ist, dass das soziale netzwert (allen voran facebook) gerade neulinge penetrant auffordert, das adressbuch öffnen zu dürfen. was als „wir helfen dir, freunde zu finden“ verkauft wird, ist in wirklichkeit ein „danke, dass du so blöd bist, uns alle deine privaten und dienstlichen kontakte rüberzureichen!“

weil ich mit der problematik vertraut bin, habe ich meiner erinnerung nach niemals auch nur erwogen, das auslesen meiner kontaktliste zu erlauben, natürlich auch den früher sehr zurückhaltenden, jetzt aber immer datenkrakigeren profidienst → linkedIn. linkedIn, das internationale vorbild für das deutsche xing, fordert seit längerem zum auslesen des adressbuchs auf. es sieht so aus:

linkedIn_unpleasant

linkedIn möchte die adressen auslesen. auf keinen fall „continue“ klicken!

ich bekam bei linkedIn jetzt aber vorschläge, leute zu linkedIn einzuladen, die nur in meinem privaten adressbuch waren, jetzt aber hier im portal auftauchten. beim genaueren nachsehen fand ich heraus, dass linkedIn tatsächlich mein adressbuch ohne nachfrage „importiert“ hatte. der support, den ich anmailte, sagte mir, das hätte nur mit ausdrücklicher erlaubnis passieren können, und es würde immer im verbund mit den email-anbietern passieren. willheißen: wenn ich, wie oben, meine web.de-emailadresse mit dem web.de-passwort (wie blöd muss man sein, beides an einen dritten, eben linkedIn zu geben!) eingebe, liest linkedIn nur die bei web.de von mir hinterlegten adressen. ich fand aber in meiner linkedIn-adressenliste auch leute, die ich gar nicht mit email-accounts verknüpft habe, sondern die sich nur in meinem adressbuch auf dem smartphone und/oder tablet befanden.

das ist unlauter, vermutlich ein verstoß gegen das gesetz gegen unlauteren wettbewerb, worum sich die verbraucherschutzbehörden kümmern müssten.

strafe für | note 4 von 5

note4

ich hatte kürzlich eine support-anfrage an eine firma, die unter anderem migrationssoftware herstellt. die software (acronis migrate easy) funktionierte nicht, und zwar, wie sich erst beim support-dialog herausstellte, weil sie nicht mit windows 8 und 10 kompatibel ist. eine fehlermeldung gab es nicht; das programm ließ sich problemlos installieren und starten, tat aber einfach nichts.

wie fast immer, wenn eine support-anfrage zu ende ist, kommt vom hersteller eine mail, ob man die zusammenarbeit mit dem berater (einem menschen) okay fand. ich beantworte diese umfragen nicht gern, vor allem weil ich nicht weiß, wie ein einziger negativer punkt auf den mitarbeiter des call-centers oder der support-abteilung zurückfällt; außerdem sind die meisten dieser umfragen zu langwierig. bei dieser hier brach ich gleich nach der ersten seite ab. grund: ich klickte in der zufriedenheitsskala 4 von 5 an, also zufrieden, aber eben nicht sehr zufrieden.* dann tat sich gleich eine mords liste auf, die mir quasi ankreidete, dass ich keine fünf punkte geben wollte. wörtlich:

„…lassen Sie uns bitte wissen, was am meisten zu Ihrer Unzufriedenheit beigetragen hat.“

dreist, denn vier punkte wäre note 1,7 im abi. und punkt 4 sagt ja laut umfrageblatt „zufrieden“. warum sollte ich also unzufrieden gewesen sein?

das thema ist verwandt mit den bewertungsschemata bei ebay, airbnb und anderen. wenn man nicht die volle punktzahl gibt, wird das vom gegenüber als totaler frust oder hass ausgelegt. was das in der tiefe der online-gesellschaft bewirkt, ist eine entwertung der beurteilungswährung.

ein kollege, der in new york lebt und mit dem privat-taxi-dienst UBER erfahrung hat, schreibt dazu: „Uber-Fahrer kriegen Probleme, wenn sie durchschnittlich weniger als 4,6 Sterne bekommen.“ außerdem weist er mich auf → diesen zeitungsartikel hin, wo es um genau diese problematik geht.

⚒ noch eine nebenbemerkung: dieser feedback-check beginnt nicht mit der zeile

  • „Umfrage zu Ihrer Support-Anfrage“

sondern mit:

  • „Umfrage zur Interaktion mit dem Acronis Support“

was bitte ist das für ein satz: interaktion mit dem support? ich hatte einen meinungsaustausch mit einem menschen, keine interaktion mit einem ding.

 


* warum nur vier von fünf punkten? weil ich fand, der mitarbeiter hätte mir nicht nur sagen können, woran’s lag („falsches betriebssystem“), sondern auch: sorry, das letzte betriebsssystem, wofür diese als brandneu annocierte software funktioniert, ist windows vista – und damit drei generationen alt. der mitarbeiter fasste sich aber nicht an die eigene nase, sondern ließ mich mit dieser wenig hilfreichen, aber sicher korrekten info im regen stehen. außerdem bot er keine alternative an, obwohl es womöglich solche gibt. ich las später bei einem anderen, teureren datenmigrationsprodukt von acronis nach, ob das denn für neuere windows-versionen verfügbar ist. dort fehlten jegliche betriebssystemangaben. ich sage also: finger weg von dieser früher mal zuverlässigen backup- und migrations-software!

edge browser kapert | pdf

in der computerei gibt es, wie im analogen leben, feindliche übernahmen. sie passieren oft im hintergrund. keine ahnung, wann der neue browser von microsoft, der sich edge nennt und den internet explorer abgelöst hat, sich meiner pdf-dateien bemächtigt hat. mir fiel auf, dass ich ein via firefox heruntergeladenes pdf öffnen wollte und sich statt dessen edge öffnete, um mir dann im edge-browser-fenster das dokument zu zeigen. eine dreiste unverschämtheit, selbst wenn das nicht hinterrücks passiert wäre.

ich sah also im download-ordner die datei-icons an, und siehe da: pdfs trugen das blaue edge-icon:

edgeBrowserKapertSichPDFs

pdf-dokumente tragen nicht mehr das rote acrobat-icon: feindliche übernahme durch microsoft

man wird den spuk los, indem man mit der rechten maustaste auf eins der dokumente klickt und eigenschaften wählt. in dem fenster bitte bei „dateityp“ auf ändern klicken. dann tut sich dieser anblick auf:

pdfAufAcrobatZurück

a) hier sieht man, dass das blaue edge-icon die pdfs übernommen hat. im darüber aufpoppenden fenster stehen die programme zur auswahl, die pdfs darstellen können. zu oberst, b), edge. das wollen wir nicht. eine etage tiefer dann bei c) der acrobat reader. anklicken! bei d) ok klicken und bei e) den ganzen dialog schließen. alle pdf-dokumente auf dem computer bekommen nun das icon, das zu ihnen gehört.

dreist!


nachbemerkung: schulfreund franz w. schreibt mir via fBook, dass windows 10 diesen übergriff bei einem kollegen mit jedem update neu veranstaltet.