zündfunk london special | 1983

heute krame ich einen cassetten-mitschnitt des BR-zündfunks vom 3. oktober 1983 heraus. rough trade war damals ein frisch gegründetes label mit sehr interessanter musik, punk und new wave waren auf höhenflügen. ich interviewte bands wie die smiths und sendete mit vielen reportagen das erste zündfunk-special über londons alternative musikszene. ich war damals wegen engen freunden so sechsmal pro jahr da. und bin’s heute noch öfter.

die sendungen waren damals viel steifer als später, u. a. wegen der wortgenau abgelesenen moderationen. was mich beim hören nach über 30 jahren wundert, ist die menge an – würde man heute sagen – feuilletonistischen moderationen. eigentlich mehr als moderationen: erlebnisberichte, trendnotizen. damals war zum beispiel das wort ghetto blaster neu; in deutschland kannte es kaum jemand. also erklärte ich, wie die dinger aussehen, dass ich sie überall in brixton sehe usw. ich habe damals angefangen, mit jingles zu arbeiten. dieser hier, den ich „London Spezial“ nannte, ist schwer verständlich. paar jahre später gab’s dann sehr gut verständliche, die ich heute noch gern höre…

hier einige ausschnitte aus der sendung vom oktober 1983 im „zündfunk club“, u. a. mit den smiths und den go betweens:


einige moderationsausschnitte

gottschalk auf den hund | gekommen

ich kenne → thomas gottschalk flüchtig aus meinen BR-zeiten. zwei abteilungen, die sich respektvoll distanziert gegenüberstanden und gelegentlich im aufzug und in der kantine sahen: die leichte unterhaltungswelle B3 (→ gottschalk, → jauch, → egner…) und der politisch widerborstige B2 zündfunk (lindenmayer, → riederer, → kastan, kick, angerer, → bruckmaier, → kapfer…). auf B3 liefen die charts, gottschalk machte witze wie: „bei der geschlossenen schneedecke können Sie wenigstens nicht durchfallen“. wir im zündfunk stellten den punk und den metal vor, besuchten besetzte häuser und ließen jusos live gegen rechte socken antreten. 1980er jahre.

gottschalks fernsehkarriere ist zwiespältig. seine talkshows waren alle flops, weil er einfach keine interviews führen kann, oder anders ausgedrückt: weil er kein journalist ist, ganz im gegenteil zum beispiel zu einer ebenfalls zündfunk-kollegin → sandra maischberger. wetten dass dagegen war ideal für ihn, weil hier ein schön unpolitischer sunny boy den liebsten fernsehschwiegersohn für das etwas ältere samstagabendpublikum spielen konnte. genommen spielte er den nicht, er war und ist so.

wenn jemand finanziell so gut dasteht, wundert es mich, dass er in die unterste werbeschublade greift und sich vor ein möbelhaus spannen lässt, nur um noch paar euro zu verdienen. im goldjäckchen. sorry, thomas, schmieriger geht’s nicht.

manning job done | twice

schwere geburt war mein so genannter „zwischenruf“ heute in WDR 3 / resonanzen, einem mehrstündigen kulturprogramm mit sehr viel musik und einer dreieinhalbminütigen kommentar/glossen-ecke, eben dem zwischenruf. ich hatte der redaktion auf deren wunsch zwei kulturnahe aktuelle themen angeboten, die aber auf kein interesse stießen. stattdessen wurde ich gebeten, etwas über die begnadigung chelsea aka bradley mannings zu schreiben. nun war manning heute in aller munde und in allen zeitungen und in der tagesschau ganz vorn. was will ich dazu noch sagen? eine glosse konnte ich mir wegen des ernsts der lage zunächst nicht vorstellen. die redaktion bat also um einen kommentar, eine einordnung – wie sie heute vermutlich schon x kollegen vollzogen hatten.

ich kam vom mittagessen zurück, als mir ein dreh einfiel, doch eine glosse daraus zu machen, nämlich eine dystopie der fake news. dieser text wurde umgehend abgelehnt:


nicht gesendete fakenews glosse

der text sei unverständlich und ginge nicht ernst genug auf das thema der begnadigung mannings durch obama ein. der nachmittag neigte sich dem sendebeginn zu. ich wurde gebeten, doch einen kommentar zu schreiben, der aspekte aufwirft, die nur ich, der ich die wikileaks sehr gut kenne, aufwerfen kann. mir fielen keine ein, denn inzwischen sind alle kollegen auf dem gleichen stand. aber ich schrieb den kommentar, sicher kein weltwunder an text, und → hier eine zeitlang nachhörbar.

war das nun eun typischer ablauf für ein journalistisches autorenleben? eher nicht. es gibt zwei arten von beiträgen fürs radio (und für print): das alltägliche, was gemacht werden muss. und die etwas höhere kunst, sich etwas zu erfinden, zusammenhänge zu schaffen und an sich normales ins bizarre, komische, skurrile zu drehen, dahin, wo nicht jeder sowieso hindenkt und wo man nicht merkt, wohin die geschichte läuft, bevor sie nach wenigen minuten zu ende ist. ein sehr sensibles produkt. also ein eher unüblicher ablauf im freien autorenleben.

zündfunk bauchlyrik | 1988

sendungsmitschnitt auf cassette

wir moderatoren finden erst über die jahre zu uns selbst. in meinen frühen jahren im zündfunk, club 16, pop sunday, war ich zu leise zu nah am mikro. das war damals gängiger stil bei vielen. erst gegen 1990 fand ich meine stimme, wie sie ist. hier also noch nicht. mir nicht in erinnerung, diese viel zu tragisch vorgetragene vermutlich selbst geschriebene zeitgeist-wissenschaftslyrik. das war freeform radio par excellence, wir konnten machen, was wir wollten. es juckte keine quote, es zählte die echtheit. wir erzählten das, war wir dachten, wir spielten die musik, die wir kannten und toll fanden. das war keine bessere zeit, aber eine andere.

wenn ich es heute höre, fällt mir auf, dass ich, anders als das meiste in meinen 80-minuten-sendungen, diesen take nicht live gesprochen hatte. im vorlauf der spätnachmittagssendungen hatten wir „schneidetermine“ mit studio. diesen text, der zu atmosphärischem sound im stereopanorama hin und her fährt, musste eine toningenieurin/technikerin (praktisch ausschließlich frauen; nur in den hörspielen saßen männer am pult) quasi live gepegelt und auf band aufgezeichnet haben. da gab es kein undo. ich nahm dann das tonband, das mit 38 cm/s offen gewickelt lief, vom studio 4 im vierten mit in die sendung hoch in den siebten stock.


kurzer ausschnitt daraus

dame stephanie | shirley

Stephanie Shirley als junge Frau

stephanie brook ca. 1957

vor etwas über zwei jahren sah ich mir den → TED-talk einer bunt gekleideten, sehr ernst wirkenden älteren dame an, die tatsächlich eine britische dame war, nämlich eine ritterin des britischen empires, → dame stephanie shirley. weil ich ja quasi eine schwäche für IT und IT-geschichte habe, blieb ich an der rednerin hängen und dachte nach so 2 minuten, die würde ich gern mal kennenlernen. sie sprach von „kindertansport“, und ich recherchierte dann kurz, von wo nach wo sie dieser glücksbringende nazi-deal der briten transportierte, nämlich von wien nach london. sie war damals 5.

dann erfuhr ich übers stadtarchiv dortmund, dass ihre großmutter die erste frau im stadtrat war, 1920er jahre: nach rosa buchthal ist auch eine straße im zentrum dortmunds benannt.

heiratsurkunde von dame stephanies oma rosa 1895

rosas sohn arnold buchthal war richter in dortmund, wurde als jude von den nazis nach ungarn und österreich in kleine schreiberpositionen strafversetzt. die jüngere seiner beiden töchter, vera, nannte sich, kaum 18 geworden, in england von vera stephanie buchthal in stephanie brook um, heiratete in den 1950er jahren einen IT-mann namens derek shirley, gründete aus frust anfang der 1960er jahre eine eigene softwarefirma, die vermutlich erste in england überhaupt. sie stellte ausschließlich frauen ein. der betrieb wuchs auf mehrere tausend angestellte, genau genommen: projektgebundene freiberuflerinnen. als FI international dann in den 1980ern an die börse kam, wurden 60 frauen zu millionärinnen, steve shirley selbst war mit einem schlag die reichste frau nach der queen. die queen traf sie mehrmals, zuletzt als sie sie zur DAME ernannte. seitdem heißt vera buchthal, stephanie brook, steve shirley: dame stephanie. punkt.

es dauerte eine weile, ein konzept für eine sendung zu finden. ende 2015 bekam ich dann das okay vom WDR. das war mir vor allem deswegen wichtig, weil mir nun mein vorhaben, dame stephanie kennenzulernen, finanziert wurde. ich hatte den kontakt zu ihr über ihre presseagentur hergestellt, schnell fand sich ein erster und zweiter termin. es kam im hochsommer 2016 zu einem dritten treffen. ich besuchte auch die größte autismus-einrichtung des landes, dame stephanies stiftung prior’s court, sowie zwei lebensgefährtinnen, hilary gilfoy und penny tutt, ehemalige stewardess, inzwischen 91, und mir gegenüber anfangs sehr reserviert, weil sie, wie sich herausstellte, noch nie neben einem deutschen gesessen hatte und mit deutschland hitlers“blitz“ verband. am schluss befand sie, dass das treffen durchaus angenehm war und ich doch mit meiner ganzen familie wiederkommen möge, es sei seit dem tod ihres manns viel platz im haus.

das → feature im wdr wurde von → nikolai produziert und ist eine klassische autorensendung. ich bin (leider, haha) dauernd zu hören, wie ich dame stephanie ins wort falle, mit ihr deutschstunde mache (denn sie hat praktisch alles deutsch schon mit 5 verlernt. sprach sie, als sie mit ihrem vater bei den nürnberger prozessen war, mit dem vater deutsch? aber nein!), sie nach ihrem verhältnis zu margaret thatcher frage und ob sie 1968 miniröcke trug und ob ihr schwer autistischer sohn nur aggressiv war? wir verstanden uns so gut und lachten so viel, dass ich hoffe, es kam in der sendung einigermaßen rüber. das feature ist im moment nicht mehr nachhörbar, wird es aber wohl, spätestens wenn es von einem anderen sender übernommen wird, wieder sein.

deutschlandfunks timeshift | player

auf der rechten seite von deutschlandfunk.de und deutschlandradio.de findet sich seit neuestem ein so genannter zeitversetzter („timeshift“) internet-player. er ist auch direkt abrufbar, für den deutschlandfunk über → diesen link.

die typische anwendung ist folgende: man wirft den player an und hört wie gewohnt das aktuelle programm. will man aber schnell mal die letzten nachrichten hören, wählt man sie in der rechten spalte aus. so lässt sich im programm herumspringen, bis zu zwei stunden zurück. im player selbst, also links, sind 15-sekunden-sprünge möglich – zum beispiel wenn man gerade was nicht verstanden hat.

neuer streamplayer, hier deutschlandfunk. beta-version

meine kollegen jan-martin altgeld und boris bittner betonen, dass sich der player im betastatus befindet, also in einer vorzeigbaren testphase. bei mir läuft er unter microsoft edge und google chrome korrekt und macht spaß. unter firefox und safari auf windows geht er aber gar nicht. auch ein zeichen, welche herausforderungen an die programmierer die verschiedenen gängigen browser stellen.

taft über roosevelt | 1908

der republikaner taft preist roosevelt (juli 1908)

ende des jahres 1908 wurde william taft theodore roosevelts nachfolger als präsident der USA. hier eins von zahlreichen, aber schlecht organisierten tondokumenten bei der library of congress.

wer diese seite mit einem iOS-gerät ansieht, wird nichts abspielen können. der grund liegt bei der library of congress, die noch auf flash-technologie setzt.

gamescom und GDC | DLF

mein relativ kompakter beitrag im DLF vom samstag mit einem rundgang von der GDC zur gamescom, dort vor allem independent entwicklungen aufgabelnd, also nicht die großen titel, über die überall berichtet wurde. es spricht anja jazeschann, schauspielerin und im nachrichtensprecherensemble des deutschlandfunks.

flankierend zu dem bericht gab es → live ein gespräch, das sich vor allem um VR drehte. der letzte interview-ausschnitt in dem stück ist von michał wróblewski (SetApp).


kleiner rundgang auf GDC und gamescom 2016

setApp_gamescom

jeremy spielmann und moritz zumbühl, blindflug-studios, schweiz

mit iPad | radio machen

iPadUploadZuDira

ins DIRA-system des deutschlandfunks hochgeladene iPad-testdatei

dies ist ein erfahrungsbericht zum thema radiojournalismus und iOS. auslöser für ein neues nachdenken über das thema war, dass mein 10 jahre altes digitales aufnahmegerät, das größenmäßig unschlagbare sony TCM M10, langsam macken bekommt; vor allem aber wollte ich mich von PC und laptop befreien, weil ich ein iPad nutze, neuerdings das 12,8“ pro. iOS-geräte sperren sich gegen vieles, zum beispiel gegen den anschluss gängiger USB-geräte. wenn ich auf einer SD-karte bilder, videos und musik/interviews habe und sie über das camera connection kit ans iPad anschließe, überspielt mir das gerät gern die fotos und filme, nicht aber das audiomaterial. der grund liegt im deal, den steven jobs vor vielen jahren mit der musikindustrie abgeschlossen hat. dazu gehört, dass musik nur über iTunes ins gerät kommt, also über den rechner. deswegen nahm ich, wenn ich zum beispiel aus england beiträge an den deutschlandfunk absetzte, einen laptop-computer mit, auf dem wavelab lief, mein standard-schnitt- und mischprogramm. da wanderten die o-töne vom aufnahmerecorder via USB in den laptop. wavelab rechnet beliebige audioformate, also lud ich mp2 in 48 kHz hoch zum DIRA- oder DIGAS-system des senders. was aber, wenn ich auf den laptop verzichten möchte?

  1. erstes problem: wie bekomme ich mein exquisites sennheiser-mikrofon mit seinen analogen stereoausgängen ans iPad angeschlossen?
  2. zweites problem: wie schneide ich die eingespielten interview-otöne am iPad?
  3. drittes problem: wie lade ich das fertige produkt von iPad zum sender hoch?

alle probleme sind jetzt gelöst, und ich sage kurz (und später länger), wie:

  1. über das IK iRig Pro Duo, ein interface in buttergröße, 200 €, kann ich das mikro mit seinen zwei XLR-steckern an den thunderbolt-kontakt des iPad anschließen.
  2. verschiedene apps erlauben das aufnehmen. ich nutzte dazu das in seiner kostenlosen, einfachen variante durchaus funktionable audio-schnittpro Hokusai 2.
  3. der direkte upload zum sender funktioniert nicht, weil die schnittsoftware die datei nicht offiziell lokal speichert. ich ging den umweg über die dropbox. dann gab ich der redaktion den dropbox-link, und sie importierten das audiomaterial ins system. alternativ kann ich auch übers portal des senders gehen, von dort den web-upload aus der dropbox starten.

wunschkonzert | für ewig gestrige

als ich in den 1980ern im BR meine sendungen vorbereitete, gab es tage, an denen alle vorgänge im archiv zehn mal schneller abliefen als üblich. es war → wunschkonzert-zeit: hörer riefen an, einer wollte das zweite brandenburgische konzert hören, also fetzte ein assi nach hinten zum „B“ (bach) und fischte irgend eine schallplatte mit dem zweiten brandenburgischen heraus. ein anderer „schallarchiv“-mensch raste dann hoch in den 7. stock, wo die sendung lief, reichte die scheibe ins studio, der moderator war erleichtert, es konnte weitergehen.

die nazis hatten im großdeutschen rundfunk ein → wunschkonzert eingerichtet, das den krieg und die wehrmacht unterstützen sollte. dieses wunschkonzert gehörte zu den erfolgreichsten und meist gehörten sendungen der frühen deutschen rundfunkgeschichte.

UFA_wunschkonzert

wunschkonzert 1940: leichte unterhaltung zum startenden weltkrieg

einige sender haben auch heute noch wunschkonzerte, der WDR aber meines wissens nach nie. weil für den sender eine reihe kompetenter musikjournalisten arbeiteten, war die sendezeit viel zu kostbar, die meist leichte unterhaltung, die den hörern so in die kopf schoss, zu senden. das war gut so, und es zeigte die kompetenz der musikredaktionen. quasi: wir spielen das, was relevant ist, und nicht das, was du sowieso schon kennst und „nur“ mit anderen teilen willst.

jetzt hat sich das geändert. während andere sender aufhören, startet der der WDR zur guten sonntagmorgenzeit sein wunschkonzert und nennt es »lieblingsstücke«. es ist ein anachronismus. in zeiten, wo mit facebook musik geteilt wird, mit youtube und spotify und internetradio jeder sein programm zusammenstellen kann und es auf jeder party zu spotify- oder youtube-sharing kommt, musik also überall in gigantischen mengen zur verfügung steht – da führt der größte sender der ARD eine mehrstündige sendung ein, die die gassenhauer der hörer (nichts gegen die hörer und ihren geschmack!) runternudelt, mit ein paar persönlichen geschichten, gershwin’s rhapsody in blue zum beispiel heute morgen. verbrannte sendezeit? nein: sehr billige sendezeit, denn die GEMA rechnen die sender eh pauschal ab, und beiträge von freien autoren muss man nicht einkaufen. stattdessen moderiert ein freier autor die ganze zeit einigermaßen klug durch, muss kein interview mit einem experten führen, sich also nicht weiter vorbereiten. bei der anmoderation des gershwin zitierte er halt schönberg. kann man schon machen.

die wellenleitungen und hörfunkdirektionen wissen angesichts des sparkurses nicht, was sie machen sollen. und so greifen viele auf das zurück, was eben am gefälligsten ist.

Trump-IT | Deutschlandfunk

hans_brehm_trumpIT

trump-IT. illustriert von hans-jörg brehm

diese art von glossen auf bayerisch entstehen fast immer ohne manuskript. ich plappere so lange in mein mikro, meist mit geschlossenen augen, bis sich eine geschichte formt. zwar hatte ich hier den rahmen (die schweinefleisch spuckende trompete von donald trump gegen muslime) vorher im kopf, aber zum beispiel hat sich die virtual reality erst bei diesem ca. zehnminütigen aufnahmeprozess in die geschichte geschlichen. mein persönliches highlight schoss mir völlig unbewusst in die sinn, also mit null nachdenken: der junge schwarzenegger am pool-rand. im grunde ganz wenige sekunden kurze randnotiz, aber nicht ohne bedeutung, weil darin ein ganzes universum der denkhaltung des protagonisten steckt. angie’s VR lieferte dann schließlich auch die pointe, mit der ich nach gut 2 minuten enden konnte.

für die, die diese glossen nicht kennen: das digitale logbuch ist eine rubrik in der deutschlandfunk-sendung „computer und kommunikation“, von manfred kloiber und mir vor etwa 15 jahren entwickelt, um der an sich sehr faktennahen sendung einen kleinen gegenpol zu geben. die autoren des „logbuchs“ haben über die lange zeit hinweg gewechselt, aber ein paar feste größen blieben. mein favorit ist achim killer. das setting der bayerischen digitalen logbücher ist so: eine roboterfabrik, in der am wochenende nichts los ist. zwei personen, der immer alles besser wissende ich-erzähler und die im grunde alles besser wissende angie. plus eine halle voller mehr oder weniger debiler roboter. und, diesmal zentral wichtig, der chefprogrammierer, herr singh aus indien. das war’s schon.


digitales logbuch – trump-IT, langfassung

lieber (?) | hörer

Werbung_Funk-Stunde-1926_2

werbung der berliner funk-stunde vom 26.2.1926

bei uns im rundfunk gibt es (wie in zeitungen und im TV) zwei fraktionen: die einen schätzen den hörer/leser/zuschauer als kreativen kritiker und damit mitgestalter des programms. die anderen tun so, als schätzten sie den hörer, können ihn aber zutiefst nicht leiden, weil sie sein ewiges nörgeln satt haben.

als der rundfunk anfing, gab es nur die erste fraktion, denn es fehlten den redaktionen die hörer. die 1926er werbung des vorvorvorvorvorgängers des RBB im bild oben zeigt auch zwei frühe formen von smileys, beide mit kopfhörer.

das ist eins von mehreren ausschnitten aus derselben funkzeitung, nämlich Der deutsche Rundfunk. Rundschau und Programm für alle Funkteilnehmer von vor genau 90 jahren, die eine befreundete kollegin für mich gemacht hat, als sie in ihrem archiv unterwegs war.

 

Werbung_Funk-Stunde-1926

werbung für neue hörer

Programm_Berlin_26_02_26

programm der berliner funk-stunde vor genau 90 jahren

Programm München 26_02_26

programm münchen vor genau 90 jahren

Programm_London_26_02_26

englische sender vor genau 90 jahren

literaturagentin | jammert

lianneKolfsWebseite

lianne kolf, nur noch an filmen interessiert

vorhin in deutschlandradio kultur die angeblich erste literaturagentin deutschlands, lianne kolf. ich bezweifle, dass sie die erste ist, kann das gegenteil aber nicht beweisen. würde mich wundern, wenn es hier zu lande erst seit den 1980er jahren agenten für autoren gab.

das gespräch war insofern interessant, als der umbruch im verlagswesen keine rolle spielte. die münchnerin lebt in einer romantischen welt, wo man als wenig erfahrener buchautor bei keinem verlag fuß fassen kann, also einen agenten braucht, der das werk gezielt einspeist und an die richtigen lektoren bringt. klassische lobbyarbeit also, aber in einem geschäftsfeld, was sich so umwälzt wie zuletzt die musikindustrie. es gibt heute für einsteiger wie fortgeschrittene autoren immer weniger argumente, sich mit so geringen tantiemen abspeisen zu lassen: typisch sind lächerliche 10% (oder weniger) vom händlernettopreis, davon gehen dann nochmal 20% agentenhonorar ab. bei einem buch, das im laden 15 € kostet, verdient der autor deutlich unter einem euro. der verlag verdient sich auch nicht dusselig daran. siehe zum beispiel → hier in dieser beispielrechung.

selbst im finanziell extremen fall, dass ein autor ein buch im selbstverlag herausbringt und alles (incl. cover, vielleicht layout, ISBN-nummer, einstellen bei amazon, iBooks etc.) aus der hand gibt, verdient er pro verkauftem buch noch etwa 20% der bruttopreises, den er für sein buch selbst festlegt. bei diesem „book on demand“-verfahren entfällt der agent.

dieses thema scheint lianne kolf nicht zu kennen. auf ihrer webseite feiert sie sowieso keine normalen bücher mehr, sondern die bücher, die zu filmen wurden. und dann beklagt sie sich, dass sie nicht teil des film-glamours ist. in der sendung jammert sie darüber, dass sie keine freikarte für die verleihung des filmpreises bekam, obwohl sie es war, die den autor des buchs „betreut“ hat, das dann zum drehbuch und zu welchem film auch immer führte.

weil es auch an kritischen nachfragen fehlte, ist die halbstundensendung eine perle der rückschrittlichkeit des verlagswesens. gewesen.

DAB + | im zug

mitDAB_unterwegsImZug

mit DAB+ im zug; aber es klappt nur mäßig. foto: ms/dpa

ich fuhr silvester mit dem auto von köln nach frankfurt. wir hatten ein kleines DAB+-radio gekauft (76 €) und wollten es auf der fahrt erstmals ausprobieren. wir fuhren mit hervorragendem empfang los. aber etwa 20 minuten später, etwas südlich von königswinter, verließ uns das signal. das gerät empfing rein gar nichts mehr. kurz vor frankfurt kam dann wieder etwas herein, unter anderem die SWR-progamme.

eine ähnliche erfahrung hatte ich letzten donnerstag, als ich mit dem ICE von köln nach baden-baden fuhr (übrigens zu einer besprechung zum → archivradio). um 9.21 uhr hatte ich, wie man am foto oben sieht, noch guten empfang von deutschlandradio kultur. das war etwa bei bonn. ich hatte mich eigens dafür ans fenster gesetzt. wenige minuten später, etwas südlich von bonn, verschwand das signal – und tauchte nur noch sporadisch auf, etwa in mannheim beim umsteigen. in karlsruhe am bahnhof gab es keinen empfang; offenbar schirmte nicht nur der zug ab, sondern auch das bahnhofsgebäude. in baden-baden, aus dem zug ausgestiegen, in den bus gestiegen, war der empfang wieder hervorragend. wobei man sagen muss: DAB+ klingt entweder super oder gar nicht. es gibt kein unentschiedenes rauschen wie bei UKW.

#UKW: der empfang auf der strecke von köln nach süden ist auch mit UKW problematisch. der WDR verlässt einen mit all seinen wellen nach etwa einer halben stunde im auto; im zug hört man ihn auch mit ausgefahrener UKW bei dem kleinen gerät, gar nicht.

reinhardt deuscher von der progammverbreitung im deutschlandradio wies mich auf mehrere details hin, die den DAB+-empfang betreffen. man muss bei der abdeckung von DAB+ zwischen „indoor“ und „outdoor“ unterschieden. in meinem büro in köln habe ich einen hervorragenden „indoor“-empfang, der sich vom „outdoor“-empfang, wenn ich die straße entlang gehe, nicht unterscheidet. selbst in erdgeschosswohungen mit dicken wänden funktioniert der empfang, von paar ausnahmen abgesehen, hier in der stadt gut. herr deuscher meinte, auf etwa 70% der deutschen autobahnstrecken müsste man deutschlandfunk und seine schwesterprogramme empfangen, sogar 90%, wenn man einen eingebauten DAB+-empfänger (mit einer entsprechend guten außenantenne) hat. bis ende 2016 soll die autobahnabdeckung auf 85% respektive 97% steigen. das bedeutet, es lohnt sich, beim neuwagenkauf einen DAB+-empfänger zu kaufen. das tragbare gerät hatten wir nicht exponiert an die windschutzscheibe gestellt. für den großteil der strecke zwischen köln und frankfurt war es nutzlos.

reinhardt deuscher lieferte auch ein interessantes detail: in längeren tunneln für autos werden DAB+-antennen installiert. das wäre auch für züge reizvoll, zum beispiel für die bahnstrecke köln – frankfurt/flughafen. im zug gibt es übrigens ICE-WLAN. das erweist sich allerdings als weitgehend unbrauchbar: das netz ist meist nicht, und wenn doch, nur zum abschicken einer email zu gebrauchen. streaming von internet-radio klappt in aller regel nicht.

unter digitalradio.de findet sich der aktuelle versorgungsstand. eine seite darunter kann man dann zum beispiel auswählen, → welche gebiete man genauer betrachten möchte und wo die antennen stehen. diese seite könnte etwas besser navigierbar sein: wenn man oben rechts auf bundesland/multiplex klickt, kann man über ein pulldown-menü bundesländer oder deutschlandweit auswählen. über diese option habe ich mir mal angesehen, welche bundesweiten sender dort zu empfangen sind (praktisch keine), und welche NRW-spezifischen. auch da ist münster zurzeit schlecht bedient, wie der screenshot unten zeigt. die drei nächsten antennen sind über 20 km entfernt. noch schlimmer ist es um das sauerland bestellt.

doch geben wir DAB+ eine (zweite) chance.

DAB+-in-münster

DAB+ ist in münster schlecht zu empfangen.