fake news | generator

ich wollte mal gucken, wie ich billig (also ohne zeitaufwand) eine schön schmackige falschnachricht generiere. google-suche: es gibt keine fake-news-generatoren. als super fake-news-generator wird in der google-suche donald trump genannt. billiger joke.

ich könnte eine optisch tolle fake-news-nachricht in photoshop basteln, aber es gibt webseiten, die das für uns erledigen, wo wir jede beliebige info reinschreiben können und dann etwas herauskommt, was, für sich allein betrachtet, für kantinen- und bettgespräche sorgen könnte – weil es unglaublich wahr klingt.

ein portal, in das man händisch fette schlagzeilen und fotos einfügen kann, nennt sich breaking news, was den nagel auf den kopf trifft, denn fake news breaken. hier ein mit einem klick hergestellter fake-news screenshot:

ich habe  die graue schlagzeile und die gelbe laufbandzeile geschrieben und ein beliebiges autozusammenstoßfoto aus dem internet gewählt. [übrigens eins ohne copyright-angabe, ein → symbolbild bei gulf digital news.] der breakyourownnews-generator tut den rest.

im nachfolgenden beispiel musste ich der wiederauferstehung von lady diana von den toten händisch nachhelfen und zwei bilder montieren. der rest, um dieses gesamtkunstwerk zu schaffen, geschah über die genannte webseite wieder automatisch:

trumps faule anleihen | 1989

das erste mal in der financial times taucht donald trump am 4. september 1989 auf. auf seite 21 wird sein spiel mit → faulen anleihen dargelegt – fast mit ehrfurcht, wie heil und elegant trump als damals 43jähriger immobilienhai durch die problematische finanzierung einiger gebäude in atlantic city segelte. den bankrott, den eigentlich er verdient hätte, bekommt der nicht ganz so kluge entertrainer → merv griffin zu spüren. an ihm bereichert sich trump sogar ein bisschen – also eine völlig runde und völlig legale angelegenheit. US-kapitalismus pur. der artikel spricht bände. oben ein detail daraus.

financial times 4.9.1989

ich vermute, wenn trump seine steuererklärung offenlegt, kommt nichts illegales, aber praktisch nur unmoralisches heraus. er spielt mit geld auf dem rücken der steuerzahler und aktionäre. schon damals, heute als präsident geht das nicht mehr so gut, weil er da andere themen bewirtschaftet und plötzlich politiker befragen muss, statt einfach los zu dealen und zu mauscheln.

kopelew hungerstreikt für | sacharow

sacharow und kopelew

die beiden fotos (links andrei sacharow, fofografiert 1989 von vladimir fedorenko; rechts kopelew, fotografiert von elke wetzig (Elya) etwas früher) sind beide in der wikipedia zu finden. ich steuere einen o-ton bei, nämlich aus der ZDF/heute-nachrichtensendung von ende mai 1984. ich habe sie damals mangels VHS-recorder auf audiocassette mitgeschnitten und die cassette heute digitalisiert.


lew kopelew im hungerstreik für den kollegen (ZDF/heute)

lew sinowjewitsch kopelew hat eine für einen sowjetischen intellektuellen im 20. jh. fast typische lebensgeschichte. ein stetes auf und ab zwischen gefeiert und fertig gemacht werden. → andrej dmitrijewitsch sacharow ging es nicht anders. er war ein führender sowjetischer kernwaffen-entwickler, fiel jedoch wegen kritischer politischer einstellung mehrmals in ungnade. 2 jahre nach dem hungerstreik 1984 wurde er per telefonat von michil gorbatschow aus der haft in gorki befreit und gebeten, mit seiner frau nach moskau zzurückzukehren. lew kopelew lebte nach seiner ausreise in den westen im wesentlichen in köln. wer in köln den beethoven-park besucht, kann über den lew-kopelew-weg dorthin gelangen.

essays für die US-verfassung | 1788

ein plädoyer für die US-verfassung, 1788

heute vor 266 jahren wurde james madison geboren, der als vater der US-verfassung gilt. die zeit war nicht reif für die abschaffung der sklaverei, außerdem besaß madison selbst einige sklaven. deswegen musste er in seinen essays für eine gemeinsame verfassung aller US-staaten bisschen mathe machen. wird der schwarze sklave als nicht-bürger quasi mit null gezählt, oder doch ein bisschen? madison schlägt in seinem 1788 veröffentlichten „the federalist: a collection of essays written in favor of the new constitution“ vor, jeden sklaven als 3/5 person zu rechnen.

maine wird | unabhängig

gestern vor 197 jahren trennte sich maine von massachusetts. dem gingen zahlreiche volksabstimmungen voraus, die bei geringen beteiligungen mal mehr, mal weniger für die unabhängigkeit ausfielen. auf den brexit übertragen wäre das so: lass uns halt nochmal abstimmen, bis das ergebnis bestimmten leuten passt.

jedenfalls überwogen in maine die aussteiger, sodass mit der bundesregierung das prozedere ausgehandelt werden musste. die hauptschwierigkeit bestand darin, dass es damals ein patt zwischen bundesstaaten mit und ohne sklaverei gab. maine, als progressiver teil des nordostens der USA, wollte natürlich ein „freier“ staat sein, wobei mit frei die befreiung der schwarzen bevölkerung von der sklaverei gemeint war. die unabhängigkeit am 15. märz 1820 fand dann statt, weil fast gleichzeitig ein neuer staat im mittleren süden entstand, der stramm auf seite der sklavenhalter stand: missouri.

man sprach damals auch vom → missouri-kompromiss.

trump groß | zügig

ein geschäftsmann bleibt bei geschäftsverhandlungen hart, also da, wo es um geld und ruhm geht. bei minder wichtigen dingen, wo der geschäftsmann weder finanzen, noch eitelkeit verletzt sieht, spielt er den großzügigen. das fing kurz nach amtsantritt an mit trumps bemerkung, folter sei prima, aber wenn die parlamentarier dagegen sind, ist es auch okay. und es fand heute wieder statt, als netanyahu zu besuch im weißen haus war: ein oder zwei staaten (israel, palestinia), ich kann mit beidem leben, sollen die parlamente entscheiden.

 

ein präsident in der | trotzphase

ein → editorial in der heutigen ausgabe der new york times beschäftigt sich mit trumps kollektiver verdammung der US-justiz und beginnt mit dem vielleicht trivialen, aber richtigen satz:

„wenn präsident trump nicht kriegt, was er will, sucht er sich gern jemanden, den er dafür verantwortlich machen kann – verdorbene meinungsforscher, falsche wähler, lügende journalisten. jeder, der ihn und was er tut hinterfragt, wird zu seinem feind.“

die kinderpsychologie kennt dieses raster gut; es heißt da „trotzphase“. viele erwachsene, die nicht heil durch die trotzphasen des kindesalters durchkommen, setzen ihren willen mit mitteln durch, die alle auf trump zutreffen: die dinge schlecht machen, herumtoben und eben: andere diskreditieren.

in dem editorial wird auf trumps auslassungen gegen die justiz hingewiesen, diese mache sich ab sofort für jeden terroranschlag schuldig. diese argumentation ist deckungsgleich mit der, wo menschen, denen ein schwarzer hund in den garten pinkelt, zu rassenhassern werden. die deutschen hatten in den 1930er jahren eine kollektivschuld an den naziverbrechen. ein großer teil der amerikanischen bevölkerung hat jetzt eine kollektivschuld an all dem, was der von ihnen demokratisch gewählte präsident an „bösem“ durchzieht. trump hat im wahlkampf nichts anderes gesagt, als was er jetzt tut, also kann niemand, der ihn gewählt hat, sagen, er habe nichts gewusst.

gottschalk auf den hund | gekommen

ich kenne → thomas gottschalk flüchtig aus meinen BR-zeiten. zwei abteilungen, die sich respektvoll distanziert gegenüberstanden und gelegentlich im aufzug und in der kantine sahen: die leichte unterhaltungswelle B3 (→ gottschalk, → jauch, → egner…) und der politisch widerborstige B2 zündfunk (lindenmayer, → riederer, → kastan, kick, angerer, → bruckmaier, → kapfer…). auf B3 liefen die charts, gottschalk machte witze wie: „bei der geschlossenen schneedecke können Sie wenigstens nicht durchfallen“. wir im zündfunk stellten den punk und den metal vor, besuchten besetzte häuser und ließen jusos live gegen rechte socken antreten. 1980er jahre.

gottschalks fernsehkarriere ist zwiespältig. seine talkshows waren alle flops, weil er einfach keine interviews führen kann, oder anders ausgedrückt: weil er kein journalist ist, ganz im gegenteil zum beispiel zu einer ebenfalls zündfunk-kollegin → sandra maischberger. wetten dass dagegen war ideal für ihn, weil hier ein schön unpolitischer sunny boy den liebsten fernsehschwiegersohn für das etwas ältere samstagabendpublikum spielen konnte. genommen spielte er den nicht, er war und ist so.

wenn jemand finanziell so gut dasteht, wundert es mich, dass er in die unterste werbeschublade greift und sich vor ein möbelhaus spannen lässt, nur um noch paar euro zu verdienen. im goldjäckchen. sorry, thomas, schmieriger geht’s nicht.

trump-narzissmus mal | anders

beim studium des phänomens DT stieß ich auf einen artikel in der new york times vom 26. august 1980, der in mehreren aspekten interessant ist. trump war damals 34 und hatte den bau des trump towers mitten in manhattan durchgesetzt.

trump am modell des trump towers. foto: charles/manning, NYT

der artikel von howard blum zeigt erstens, wie gut die zeitung trump und wie gut trump die new york times kannte. zweitens waren die geldspiele und das beeinflussen von politikern mit geschenken schon damals kennzeichnend.

blum kritisiert trump allerdings vor allem in einem punkt: dass er einen art deco vorbau abreißen ließ, um seinen trump tower dahin zu stellen. was er nicht ohne bewunderung hinnimmt, sind „seine politischen kontakte, das familienerbe“, das ihm diesen luxus erlaubte, und trumps „agressive art, geschäfte zu machen.“

er scheint damals mit trump ausführlich gesprochen zu haben, denn der erzählte ihm einen schwank aus der zeit, als er (trump) 18 war: es regnete in strömen, als die  → verrazano-narrows-brücke eröffnet wurde (ich bin 2011 mal mit meinem vater drübergefahren; wirkte wie eine leicht schwankende, ganz normale autobahnstrecke). ihn ekelten die politikerreden bei dieser zeremonie an. diese „jerks“ lobten und priesen sich gegenseitig, obwohl viele von ihnen gegen die brücke gewesen waren, sagte trump dem reporter. und jetzt kommt’s: der junge trump, mit seinem vater an seiner seite, entdeckt einen „85jährigen schwedischen ingenieur“ am rande der veranstaltung stehen, der der architekt der brücke war und den keiner in den großen reden  erwähnte. diese ungerechtigkeit widerte den kleinen trump an.

der damals in wahrheit schon 86jährige schwede war ein schweizer und hieß → Othmar Ammann. bevor er in rente ging, war er längst stolzer, einflussreicher amerikanischer staatsbürger, nämlich quasi einer der brückenchefs von new york, also keine kleine, bemitleidenswerte nummer. was natürlich hinter dieser geschichte steckt, ist trumps damals schon virulente abneigung gegen bigotte politiker, oder wie er’s heute sagen würde, das politische establishment.

an jenem tag, so trump 1980, entstand die vision, manhattan umzubauen. mit 30 machte er sich an die arbeit für den trump tower. ein immobilienmagnat, dem das grundstück gehörte, sagte, man habe den jungen mann beobachtet, wie er mit den ganzen hürden (papierkram, umweltauflagen, bauhöheneinschränkungen) fertig würde, „and to tell you the truth, he surprised us. We were kind of skeptical at first, but everything Donald promised to get done, he did.“

wieder schüttet der autor des artikels ein wenig wasser in den wein und schreibt, dass die trumps die lokalpolitiker new yorks mit vielen geldspenden bei den wahlkämpfen unterstützt hätten, also ein leichtes spiel mit baufreigaben ermöglichen konnten. aber dann doch wieder lob: der ehemalige bürgermeister → robert f. wagner  meinte, trump sei nicht wegen seiner politischen verbindungen erfolgreich, sondern weil „er gern übertreibt, wie das verkäufer nunmal so tun“: „Donald could be very convincing when he’s selling a project to the city.“

der immobilienmann meinte, trump sei sehr scharf darauf gewesen, das gebäude nach seiner familie zu benennen. das habe ihn einiges gekostet. als es genehmigt war und fast gleichzeitig zufällig der penn station bankrott ging, kaufte er das grundstück bot der stadt an, ein kongresszentrum zu bauen, das den namen seine vaters tragen sollte. jetzt wieder typisch:

„er hat uns gesagt, er könnte von uns für den bau 4,4 millionen dollar kommission verlangen. auf die würde er gern verzichten, wenn das gebäude ‚Fred C. Trump Convention Center‘ genannt würde. wir dachten darüber nach und kamen zu dem schluss, dass das in ordung wäre, wenn wir [die stadt] bei dem deal 4,4 millionen sparen könnten. wir rechneten dann aber einen monat lang nach, studierten den original-vertrag zwischen penn station und trump und stellten fest, dass er gar keinen anspruch in höhe von 4,4, millionen, sondern höchstens von 500.000 dollar hätte. was mich dabei wirklich beeindruckt hat, war, wie weit er sich vorwagte. es war fantastisch. unglaublich. er hatte uns fast soweit gebracht, dass wir das kongresszentrum nach seinem vater benannten, um anfgeblich paar millionen einzusparen. vermutlich ging er davon aus, dass der deal über die bühne ging, weil wir das kleingedruckte nicht lasen, und wenn, dann so spät, als der deal längst unter dach und fach gewesen wäre.“

der → artikel zeigt uns einen anderen trump, als wir ihn kennen, und einen, den wir genau so jetzt kennen. der text geht noch lange weiter und wird dann durchaus kritisch, weil die vielen verstrickungen mit der politik deutlich werden, ursprünglich die seines vaters mit den demokraten von brooklyn.

reich übern | teich

1981 → heirateten prince charles und lady diana. sie wollten gern im damals im bau befindlichen trump-tower wohnen, und nicht nur das: zwei stockwerke kaufen, um daraus ein 21-zimmer-objekt zu machen. alles falsch, wie die TIMES vom 4. august 1981 schreibt. donald trump selbst wollte sich um den deal kümmern, der offenbar nie zustande kam. interessant auch der letzte satz in diesem allerersten artikel der TIMES, in dem donald trump erwähnt wird: arbeiter schwarzer hautfarbe protestieren gegen die weiß dominierte arbeiterschaft an dieser und an anderer baustelle.

trump mit | 25

wenn man die donald trump-diktion verfolgt, gibt es häufig vorhersehbare reaktionen. wenn ein romanautor ihn als miesen betrüger in seinen text einbaut, tweetet trump zurück, der autor sei a) völlig unbedeutend, b) total unbegabt. ähnlich reagierte er auf die rede von meryl streep mit der aussage, sie sei eine „überschätzte“ schauspielerin.

„Meryl Streep, one of the most over-rated actresses in Hollywood.“ (tweet vom 9. januar 2017)

trump charged. new york times, 16. oktober 1973

ich ging jetzt mal ins new york times archiv und suchte nach den frühesten erwähnungen donald trumps in dieser zeitung: 1971 taucht er das erste mal auf. er war damals 25 und hatte das immobilienimperium seines vaters übernommen, mit damals 14.000 wohnungen in und um manhattan. die staatsanwaltschaft ging gegen trump vor, weil der verdacht im raum stand, dass er mietverträge nach „race and color“ abschloss.

das ist nicht verwunderlich und deckt sich mit der agenda des neuen US-präsidenten. was aber auch interessant ist, ist die diktion von trump damals. er antwortete, haargenau im stil, wie er das heute tun würde: die anschuldigungen sind „absolut lächerlich. wir haben nie jemanden diskriminiert und würden es nie tun. es gab eine ganze reihe kleiner aktionen gegen uns, die wir alle gewonnen haben. wir wurden wegen rassendiskriminierung angeklagt und haben vor gericht immer gewonnen.“

wenn sich in 45 jahren nichts geändert hat, wird sich auch in den nächsten 4 nichts ändern.

männerstamm | tisch

… schreibt kollegin güzin kar im schweizer tagesanzeiger. kein wunder ist, dass trump und brexit die nationalpatriotische rechte in allen möglichen ländern stärken. womit ich aber nicht gerechnet hätte, ist die aktuelle frauendiskussion. trump hat sie quasi persönlich durch sein pussy-grabbing-video initiiert, und ihm wäre es natürlich sehr lieb, wenn die frauen ihn spätestens jetzt als präsident toll fänden. stattdessen reihenweise artikel und postings wie diese hier, wo etwas sehr laut gesagt wird, was schon immer da war.

auch dies macht zur zeit die runde:

dazu passend, zeitungsfoto 1970er jahre:

zynische selbst | versorgung

das leid, das du anderen antust…*

Am dritten Tag sprach nicht Jesus zu seinen Jüngern …, sondern [und ab hier weitgehend wörtlich übersetzt] fing die verschärfte Verhörphase an. Das Subjekt hatte den letzten Abend in einer großen Box verbracht. Gemäß der aktuellen Verhörstrategie war der Schlaf des Subjekts wie in den Tagen zuvor mehrmals unterbrochen worden. Um 10 Uhr 42 kamen die Wachen sowie 10 Psychologen (Verhörexperten) und holten das Subjekt aus der Kiste. Vorher war besprochen worden, wie man mit der Wunde am Handgelenk des Subjekts umgehen solle, denn das Verhör durfte dadurch nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Handfesseln wurden gegen neue ausgetauscht. Die Verhörexperten würden schließlich immer wieder mit der Wunde in Kontakt kommen.

Das Subjekt wurde an die Spezialwand geführt, und man brachte ein aufgerolltes Handtuch an seinem Hals an. Als das Subjekt auf die Frage, was es an Informationen verberge, sagte, keine, bekam es einen erniedrigenden Schlag ins Gesicht. Als es weiterhin verneinte, Informationen über Aktionen gegen die USA zu haben, wurde es mit Wucht gegen die Wand gestoßen.

Die Verhörenden hatten kein Interesse daran, mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten des Befragten in Kontakt zu kommen und forderten ihn deswegen auf, sich selbst um seine Wunden zu kümmern. Sie überreichten ihm 6 Mullbinden und forderten ihn auf, sich zu beeilen und nicht den Verhörvorgang hinauszuzögern, der in wenigen Minuten weiter ginge. Unmittelbar danach stießen sie ihn wieder gegen die Wand, weil er die Frage nach Informationen wieder verneinte. Daraufhin kam er wieder in die Kiste.

Um 11 Uhr 30 wurde das Subjekt aus der Box geholt und ihm ein Sack über den Kopf gestülpt. Man führte es zur Verhörwand und ließ es da in der Anwesenheit der Wachmänner bis 12 Uhr 9 stehen, um sein Orientierungsvermögen zu stören. Die Sicherheitsleute brachten das Subjekt anschließend in die Kiste zurück, nahmen den Sack ab und wiesen es an, den Eimer zur Kenntnis zu nehmen. Es sollte hier seine Blase entleeren.

Um 12 Uhr 46 brachten die Verhörexperten das Wasserbrett in die Zelle. Die Kiste wurde geöffnet, das Subjekt bekam den Sack über den Kopf. Auf dem Wasserbrett, wo sich das Subjekt widerstandslos hinlegte, wurde ihm der Kopf wieder befreit. Es fing an zu weinen, wiederholte, nichts zu wissen, und stotterte „Helft mir“.

Zwischen 12 Uhr 50 und 13 Uhr 15 wurde die Wasserbrett-Technik zahlreiche Male angewandt. Um 13 Uhr 17 kam das Subjekt zurück in die Kiste, um 13 Uhr 21 wieder heraus musste und in sitzender Position auf dem Wasserbrett Platz nehmen. Es wirkte niedergeschlagen, vorgebeugt und weinte offenbar echte Tränen. Es sagte, es habe nach dem Gebet beschlossen, nun die Wahrheit sagen, um sich selbst und seine Brüder zu retten. Um 13 Uhr 26 kam es in die Kiste zurück.

Um 16 Uhr 29 betrat das Team die Zelle und öffnete die Box. Weil das Subjekt keine Auskunft gab, wurde es wieder zum Wasserbrett geführt. Wieder weinte es und bekundete, alles gesagt zu haben. Man wies das Subjekt darauf hin, dass es mehr Informationen liefern müsse, um den Fluss des Wassers zu stoppen.


manning job done | twice

schwere geburt war mein so genannter „zwischenruf“ heute in WDR 3 / resonanzen, einem mehrstündigen kulturprogramm mit sehr viel musik und einer dreieinhalbminütigen kommentar/glossen-ecke, eben dem zwischenruf. ich hatte der redaktion auf deren wunsch zwei kulturnahe aktuelle themen angeboten, die aber auf kein interesse stießen. stattdessen wurde ich gebeten, etwas über die begnadigung chelsea aka bradley mannings zu schreiben. nun war manning heute in aller munde und in allen zeitungen und in der tagesschau ganz vorn. was will ich dazu noch sagen? eine glosse konnte ich mir wegen des ernsts der lage zunächst nicht vorstellen. die redaktion bat also um einen kommentar, eine einordnung – wie sie heute vermutlich schon x kollegen vollzogen hatten.

ich kam vom mittagessen zurück, als mir ein dreh einfiel, doch eine glosse daraus zu machen, nämlich eine dystopie der fake news. dieser text wurde umgehend abgelehnt:


nicht gesendete fakenews glosse

der text sei unverständlich und ginge nicht ernst genug auf das thema der begnadigung mannings durch obama ein. der nachmittag neigte sich dem sendebeginn zu. ich wurde gebeten, doch einen kommentar zu schreiben, der aspekte aufwirft, die nur ich, der ich die wikileaks sehr gut kenne, aufwerfen kann. mir fielen keine ein, denn inzwischen sind alle kollegen auf dem gleichen stand. aber ich schrieb den kommentar, sicher kein weltwunder an text, und → hier eine zeitlang nachhörbar.

war das nun eun typischer ablauf für ein journalistisches autorenleben? eher nicht. es gibt zwei arten von beiträgen fürs radio (und für print): das alltägliche, was gemacht werden muss. und die etwas höhere kunst, sich etwas zu erfinden, zusammenhänge zu schaffen und an sich normales ins bizarre, komische, skurrile zu drehen, dahin, wo nicht jeder sowieso hindenkt und wo man nicht merkt, wohin die geschichte läuft, bevor sie nach wenigen minuten zu ende ist. ein sehr sensibles produkt. also ein eher unüblicher ablauf im freien autorenleben.

gefährlicher schulweg in | chicago

chicago schießereien 2016 (nyt)

die grafik der new york times oben basiert auf daten der city of chicago. sie zeigt in rot die orte, wo im jahr 2016 schusswechsel stattfanden, viele davon mit todesfolge. blau eingezeichnet wege, die relativ sicher und teilweise von freiwilligen helfern bewacht sind. „bloomingberg home“ bezeichnet das haus, wo die familie bloomingberg mit drei schulpflichtigen kindern wohnt. sechs kollegen der times* gingen der frage nach, wie die kinder einigermaßen sicher in die schule kommen und haben dazu ein kurzes video gedreht, nämlich → dieses hier.


*Haeyoun Park, Larry Buchanan, Taige Jensen, Yuliya Parshina-Kottas, Rick Gershon, Alexandra Garcia