andrew jackson gegen die | indianer

das ist der US-general andrew jackson, um 1814:

gen. andrew jackson, 1814

am 9. august 1814, also heute vor 203 jahren, beendete jackson den so genannten → creek-krieg. er beendete ihn hinterhältig. der krieg begann 1813 zwischen den „creek“-, besser → muscogee-indianern, die sich den weißen kolonialherren angepasst hatten (lower creeks), und den anderen, die das nicht taten (red sticks). der general nutzte den konflikt, der ihn gar nichts anging, um sich breit zu machen. als er mit seinen truppen ankam, standen die US-freundlichen muscogees aus dem süden alabamas natürlich auf seiner seite, und es war ein leichtes, die „primitiven“ anderen im norden zu schlagen. anfang august war das erledigt – 3mal so viele tote indianer (1500) als weiße. statt sich aber bei den „angepassten“ muscogees des südens zu bedanken, zitierte jackson die führer beider indianer-gruppen nach fort jackson im heutigen alabama und demütigte sie dazu, den friedensvertrag zu unterzeichnen. dem zu folge verloren sie alle, also auch die lower creek indians, ihre gebiete, und der weiße mann hatte sich bequem alabama geschnappt. die indianer wurden in reservate ins heutige florida vertrieben.

jackson und häuptling → roter adler. stich von john reuben chapin

andrew jackson führte wenig später auch erfolgreich → krieg gegen die briten in new orleans, aber das ist eine andere geschichte. genauso wie die, die jackson zum fünften US-präsidenten machte (1829 bis 1837).

hier ein tradionelles gewandt der muscogee indianer. hat ihnen nicht weiter geholfen, damals, vor 203 jahren.

 

fake news 1933 | hitler

während ich so die sitzungsprotokolle des deutschen reichstags um 1932 herum höre und lese, taucht zunehmend eine person in den reden auf, die gar nicht im reichstag sitzt, nämlich adolf hitler. hitler saß da vor allem deswegen nicht, weil er als österreicher gar nicht als abgeordneter nach berlin gewählt werden konnte. es passte ihm aber sicherlich auch in seine machtpläne, zu warten, bis sich die weimarer republik selbst an die wand fährt, und ließ so lange seine weggefährten frick und goebbels den reichstag mit ihren scharfmacherreden zu bestücken.

mit der 7. wahlperiode (januar 1933) kam er dann ganz legal an die macht. die NSDAP brauchte dazu nur einen kleinen koalitionspartner, nämlich die deutschnationalen. göring war schon im dezember mit ordentlicher mehrheit zum reichstagspräsidenten gewählt worden und präsentierte dem hohen haus nun nicht den österreicher hitler, sondern den reichskanzler hitler, und der kam nicht in zivil, sondern in seiner braunen uniform. es war der 23. märz 1933, und aus dieser sitzung kamen die nationalsozialisten, → mit aller macht der welt ausgestattet, heraus.

hier das sitzungsprotokoll, seite 25. der beginn von hitlers sanfter, aber bestimmter rede. er musste an dem tag noch diplomatisch auftreten, um die katze in den sack zu bekommen. weil die sozialdemokraten niemanden im parlament mehr hassten als die kommunisten, eckte hitler auch mehrheitlich nicht an, wenn er sich bereits im zweiten absatz die „marxisten“ vornimmt. er wirft ihnen vor, fake news verbreitet zu haben, nämlich dass deutschland am 1. weltkrieg schuld gewesen wäre. er widerlegt diese behauptung mit den worten, sie sei „wissenschaftlich und sachlich falsch“.

 

endlich darf der österreicher im reichstag reden.

etwas später – da hat er das ermächtigungsgesetz schon in der tasche – tritt er nochmals ans rednerpult, um den SPD-abgeordneten und parteichef otto wels fertig zu machen. da wird die wortwahl schon deftiger:

„Deutschland soll frei werden, aber nicht durch Sie!“[8]

und joseph goebbels notierte tags darauf, als das gesetz in kraft trat, in seinem tagebuch:

„Man sah niemals, daß einer [Otto Wels] so zu Boden geworfen und erledigt wurde wie hier. Der Führer spricht ganz frei und ist groß in Form. Das Haus rauscht vor Beifall, Gelächter, Begeisterung und Applaus. Es wird ein Erfolg ohnegleichen.“

in den tagen danach war die ausländische presse mehr oder weniger sprachlos über diesen völlig legalen staatsstreich. einige medien zitierten wels, breitscheid und andere SPD- und KPD-abgeordnete, worauf die nazis im doppelstreich die ausländische presse als korrupt und die deutsche linke als verräter hinstellten.

der vergleich mit dem aktuellen interimspräsidenten der USA wäre aus der luft gegriffen und sowieso völlig daneben. aber seine kleingeistige strategie funktioniert genau so:

  • a) einfach was behaupten, mit der begründung, es stimme eben so,
  • b) alle, die es ablehnen, also lügner hinzustellen,
  • c) den medien, die ihn kritisieren, hetzjagd-instinkt anzuheften und
  • d) denen, die den bösen medien informationen in die hand spielen, den teufel an den hals zu wünschen.

trumps vorwurfs- | ausdauer

selbst nach einem halben jahr tritt er in die lügenwolken. enorme ausdauer. und das so früh am morgen, also vorhin. crooked = betrügerische crimes = verbrechen von hillary clinton. sowas nennt man in einem normal funktionierenden rechtssystem „verunglimpfung“:

präsidialtweet mit schmutzwäsche

wenig später, wahrscheinlich nach dem zähneputzen (oder -bleaching), dann das aus der gut gelaunten schmuddelkiste. sleazy = schmieriger, totally biased = völlig voreingenommener kongressmann adam schiff:

sleazy nach dem zähneputzen

 

reichstagssitzung 23.2. | 1932

kurt schumacher im reichstag 1932

dieser kurze ausschnitt aus schumachers rede vom 23. februar 1932 fand gegen ende eines turbulenten tags im berliner reichstag statt. die turbulenz kam durch eine rede des nationalsozialisten joseph goebbels zustande, der die SPD die partei der deserteure nannte. gemeint war die verweigerungshandlung der sozialdemokraten gegen kriegsende.

Wenn wir irgend etwas beim Nationalsozialismus anerkennen, dann ist es die Tatsache, daß ihm zum erstenmal in der deutschen Politik die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen ist.

zwei sätze später nennt er übrigens drei NSDAP-mitglieder, die ihm unterstellt hätten, sich im 1. weltkrieg selbst verwundet zu haben, „untermenschen“ – ein begriff, den die nazis später bekanntlich für alles nicht-„arische“ verwendeten.

peter könig und autonome | autos

peter könig. foto: ms/dpa

ich traf → peter könig letzte woche in seinem büro an der universität von osnabrück. er hatte zusammen mit kollegen am institut für kognitionswissenschaft eine studie angefertigt, die eine einfache frage beantwortet: entscheiden autofahrer in superkritischen situationen einheitlich oder beliebig? beispiel: wenn die straße in der mitte gesperrt ist, man das zu spät sieht, also nicht mehr bremsen kann, und rechts stehen zwei kinder, links acht rentner – welche der beiden gruppen fährt man um? mal die, mal die andere? oder immer die rentner? diese frage hat einen direkten zusammenhang mit der art und weise, wie autonome automobile programmiert werden. die vom verkehrsministerium dafür eingesetzte ethikkommission sagt, die maschine dürfe keine unterscheidung machen. soll sie also würfeln?

im deutschlandfunk lief gestern in der sendung aus kultur und sozialwissenschaften mein → bericht über das, was die presseabteilung der uni osnabrück falsch mit „maschinen können bald moralisches verhalten von menschen imitieren“ verbreitet hat. → hier die wissenschaftliche studie im detail.

weil das ganze interview interessant und relevant für die nahe zukunft ist und auch zum beispiel das thema anspricht, ob der code von autonomen robotern überhaupt nachvollziehbar ist, denn es handelt sich ja um selbst lernende systeme – aus diesem grund stelle ich es hier ungeschnitten zu informationszwecken zur verfügung. es darf ohne rücksprache nicht weiterverwendet werden.


peter könig, interview 13. juli 2017

anhaltende unruhe im | reichstag

stenografieprotokoll reichstag 18. oktober 1931

ich höre (fürs → archivradio) original-o-töne aus der fünften wahlperiode des deutschen reichstags. (ganz unten ist ein ausschnitt abspielbar!) dank der digitalisierung von stenografieunterlagen sind alle sitzungen online nachlesbar. der obige ausschnitt aus einer sitzung vom sonntag, den 18. oktober 1931, zeigt, dass die stimmung im parlament der auf den straßen ähnelt. auf den straßen nahmen damals die schlägereien zwischen rechten und linken gruppen zu, wobei sich besonders die SA wegen ihrer brutalität hervorhob. der oben angesprochene → rudolf breitscheid war ein scharfzüngiger redner und abgeordneter der SPD, der hier angeblich einen NSDAP-abgeordneten ein „schwein“ genannt hatte. nachdem ich breitscheid lange und in zahlreichen reichstagsreden gehört hatte, möchte ich das bezweifeln. kurz zuvor hatte er einen abgeordneten „lügner“ genannt – das ist verbrieft.

alfred breitscheid (r.) mit dem SPD-politiker otto braun. foto: bundesarchiv

der abgeordnete → alfred rosenberg, mit dem er sich hier angelegt hatte, war einer der führenden rassenideologen des hitlerfaschismus. von ihm stammen bücher mit titeln wie Die Spur des Juden im Wandel der Zeiten (1919), Das Verbrechen der Freimaurerei. Judentum, Jesuitismus, Deutsches Christentum (1921), Börse und Marxismus oder der Herr und der Knecht (1922). rosenberg machte unter hitler eine steile karriere und wurde nach dem krieg hingerichtet.

alfred rosenberg (2. von links) als judenvernichtungs“experte“1939. foto: bundesarchiv

in den wikipedia-artikel über breitscheid schrieb ich zwei typische statements vom februar 1932 hinein, von denen das erste besonders bemerkenswert ist, weil es klar die nahe zukunft beschreibt. breitscheid floh nach der machtübernahme der nationalsozialisten ins ausland, wurde aber in frankreich festgenommen und kam dann im KZ buchenwald um. ein ausnahmepolitiker.

In den letzten Jahren der Weimarer Republik wurde er als prominenter, außenpolitisch verantwortlicher Sozialdemokrat zum Schmähobjekt für die rechtsradikale Presse. Er sah mit Klarheit die Folgen einer Hitlerdiktatur voraus:

„Wir haben die Frage auszuwerfen: was würde der Sieg des Hitlertums bei der Reichspräsidentenwahl bedeuten? Die erste Antwort — ich glaube, Sie sind darin mit mir einverstanden — heißt Sturz der Weimarer Verfassung. Gewiß, ich gebe zu, daß der Boden der Demokratie jetzt eingeengt ist durch das System der Notverordnungen, das herbeizuführen wir wahrhaftig nicht den Anlaß gegeben haben. Aber das Terrain ist noch da, das Terrain der Verfassung besteht, dieses Terrain, dieser Boden kann wieder bereinigt werden, die Stacheldrähte der Notverordnungen können beseitigt werden. Kommt das Hitlertum zur Herrschaft, dann ist das Fundament beseitigt, auf dem wir das Haus unserer Zukunft und das Haus unserer Kinder aufbauen können.“[3]

In derselben Rede grenzt sich Breitscheid von den Kommunisten ab:

„Sie beantragen, daß alle privaten Schuldverpflichtungen an das kapitalistische Ausland annulliert werden. Die Kapitalisten, Großbanken und Großunternehmer, werden bereit sein, Ihnen eine Dankadresse zu überreichen. Sie stellen sich schützend vor die kapitalistischen Schuldner, die leichtsinnig, leichtfertig Geld aufgenommen haben, das sie nicht zurückzahlen möchten. Die Kommunistische Partei kommt und streicht mit einem Federstrich die Schulden der Kapitalisten. Ich muß schon sagen: eine größere Selbstaufopferung haben wir auch bei der Kommunistischen Partei noch nicht erlebt.“[4]


rudolf breitscheid über hitler und goebbels 1932

der obige aussschnitt aus der parlamentssitzung vom 24. februar 1932 wurde auf schallplatte mitgeschnitten und liegt heute digitalisiert beim → deutschen rundfunkarchiv. er ist in gewisser weise untypisch für damalige verhältnisse, weil immer, wenn die nationalsozialisten im parlament (und nicht ausgeschlossen oder unter protest ausgetreten) waren, große unruhe herrschte. breitscheid legt in dem ausschnitt seinen finger in eine wunde: hitler, so sagt er, verabscheue die parlamentarische demokratie. warum, so breitscheid, hält goebbels dann laufend reden im parlament?

hitler war damals noch österreichischer staatsbürger, also weit davon entfernt, als abgeordneter in den reichstag gewählt zu werden. goebbels dagegen war ordentlicher abgeordneter. am ende des ausschnitts bemerkt breitscheid, dass goebbels in seiner rede vpor kurzem im sportpalast hitler bereits als reichspräsidenten bezeichnet hat.

richard nixon | 1952

richard nixon was known as an unpolite press-hating boor. i’m doing some research about how his behaviour compares to the current US president and found this article from sept., 5, 1952 in the new york times, when nixon was republican candidate for vice-president. he does use „bad“ words against the competing candidates like „cynical swindles“, but he surprises with an almost intelligent musical metaphore. this certainly puts mr. trump into the last row of presidential boors. (no worries, we had some boors recently in european politics as well, berlusconi was one of them.)
richard nixon gilt als großer rüpel unter den US-präsidenten. ich guckte heute mal nach, ob er mit trump gleichzog und stieß auf diesen artikel in der new york times vom 5. september 1952:

nixon, der damals vizepräsidentschaftskandidat der republikaner war, griff seine konkurrenten bei den demokraten mit dem satz an, sie hätten die „zynischsten schwindel“ am laufen. ich habe meine zweifel, ob donald trump das wortpaar cynical swindle überhaupt kenne. nixon meinte damals damit die unterschiedlichen ansichten zweier demokraten über bürgerrechte.

weiter unten führt der damals junge nixon allerdings dinge aus, zu denen trump auch in seinem hohen alter nie und nimmer fähig wäre, nämlich:

„sie möchten gern, dass sie glauben, ihre süße musik bedeutet harmonie in dieser komplexen, schwierigen, fundamentalen sache“.

off-topic: nixon, of course, knew something about music and in → this 1961 talkshow performs quite well. even more interesting about this clip is his statement just before he moves over to the steinway piano. he says the white house will have a piano playing president soon. that was actually quite funny. mr. trump has never made jokes, or did i miss something?
klar, nixon hat hier einen standortvorteil, weil ihn seine eltern zum klavierunterricht geschickt hatten. interessanter aber ist in dem → clip von 1961, dass er humor beweist und sagt, demnächst wird im weißen haus ein klavierspieler hausen. von herrn trump ist mir kein einziger unpeinlicher witz bekannt.

nixon playing his own composition, 1961

two weeks later, sept. 20, 1952, nixon starts to tweet (sorry, to shout in brief snippets):

„ever since i have done that work, the communists, the left-wingers, have been fighting me with every smear that they have been able to do. bad.“ („bad“ was edited in by the editor)

further reading, with the following and several other delicious quotes:

“The press is the enemy. Write that on the blackboard 100 times and never forget it.”

schlacht von gettysburg | 1863

alexander gardner, gettysburg 1863

heute vor 154 jahren war tag 2 der schlacht von gettysburg. landnahmemäßig ging es dabei um nichts, es war ländliches gebiet. die kämpfe begannen am 1. juli mit erfolgen der südstaaten (konföderation) am zweiten tag. am dritten tag war die schlacht für die konföderierten verloren. es kamen mehr soldaten um als bei den anderen schlachten des unabhängigkeitskriegs, nämlich etwa 6.000. die armeen waren in etwa gleich stark (je 80.000 mann). in gettysburg wurde davon jeder vierte verletzt. die opferzahlen waren auf beiden seiten ähnlich.

die schlacht war psychologisch entscheidend und stellte einen wendepunkt dar. die unionisten einer vereinigten USA hatten gesiegt, der krieg war zwei jahre später vorbei.

der krieg war der erste, von dem es reichlich fotografien gibt. das glasnegativ oben hat, natürlich mit stativ, → alexander gardner (1821-1882) aufgenommen. er war damals 42 jahre alt und damit ein alter hase. paar monate später nahm er das bekannteste portrait seines präsidenten auf, abraham lincoln. übrigens republikaner.

abraham lincoln. foto: gardner 1963

wahl-„terror“ | 1688

das wort „terror“ taucht in den mitschriften des englischen unterhauses erstmals am 19. februar 1688 auf. und zwar im zusammenhang mit einer wahl, an der baron john dormer teilnahm. soldaten hatten den befehl verweigert und waren nach wallingford marschiert, um die dortige wahl zu „schützen“, genau genommen, um dormer ins parlament wählen zu lassen. dabei drohten sie dem bürgermeister damit, seine ohren abzuschneiden und sein haus niederzubrennen, falls er dormer nicht gewinnen lässt. dormer verlor die wahl gegen baron william jennens. in der parlamentarischen mitschrift werden diese drohungen als „terror“ bezeichnet.

house of commons, 19.2.1688 → proQuest

 

mogadischu funkverkehr | 1977

der „deutsche herbst“ jährt sich jetzt zum 40. mal. wir haben soeben im → SWR 2 archivradio einen mehrstündigen, sich dauernd wiederholenden stream dazu aufgestellt, der jetzt zu hören ist.

entführungsroute. grafik: Devilm25, wiki commons

im „deutschen herbst“ 1977 ging die ära der → RAF zu ende. die ereignisse überstürzten sich in der nacht vom 17. auf den 18. oktober. am morgen des 18. oktober lagen (hingen) die kerngrößen der RAF tot in ihren zellen in stammheim. wenige stunden zuvor hatte eine deutsche spezialtruppe mitten in afrika ein lufthansa-flugzeug gestürmt.

ich fand vor zehn jahren, als wir das → archivradio starteten, im „wortarchiv“ des WDR zwei bänder, die den mitschnitt des funkverkehrs zwischen dem entführer in dem flugzeug und dem tower von mogadischu enthielten – nicht komplett, aber immerhin 100 minuten lang. dieses dokument ist nicht nur für den deutschen herbst interessant und historisch relevant, es zeigt auch frühe, durchaus ausgeklügelte strategien, mit entführern umzugehen. in dem mitschnitt setzen die vertreter der deutschen regierung sehr gezielt den entführer in zugzwang, sein ultimatum zu verlängern. sie begründen das stets mit höherer gewalt oder fehlender technik. der meister der verhandlungen war → michael libal, der quasi-botschafter der BRD in somalia. er spricht in fast akzentfreiem englisch mit dem entführer mahmud shadid.

im WDR-archiv war die herkunft der beiden bänder, die wir haben fürs archivradio digitalisieren lassen, nicht verzeichnet. die archivarin ging davon aus, dass sie aus dem studio bonn des WDR kamen, welches in der damaligen bundeshauptstadt gute kontakte zu regierungskreisen hatte. sicher waren die mitschnitte nicht im original auf studiotonband gemacht worden, sondern wahrscheinlicher auf compact cassetten.

ein freund und kollege wies mich gerade auf erich wiedemanns buch → unser mann in timbuktu: die sieben leben eines spiegel-reporters hin. wiedmann beschreibt darin, wie er eine woche nach der befreiung der gekaperten maschine gegen geld tonbandcassetten mit dem funkverkehr entgegennahm:

erich wiedemann, textauszug

im archivradio streamen wir das meiste material. dieses tondokument aber lässt sich herunterladen. dazu habe ich einen sehr ausführlichen begleittext angefertigt, der ein rohes transkript der 100 minuten darstellt. → hier ist er zu finden. der aktuelle stream zum deutschen herbst ist über dieselbe seite oben rechts abrufbar.

fake news | generator

ich wollte mal gucken, wie ich billig (also ohne zeitaufwand) eine schön schmackige falschnachricht generiere. google-suche: es gibt keine fake-news-generatoren. als super fake-news-generator wird in der google-suche donald trump genannt. billiger joke.

ich könnte eine optisch tolle fake-news-nachricht in photoshop basteln, aber es gibt webseiten, die das für uns erledigen, wo wir jede beliebige info reinschreiben können und dann etwas herauskommt, was, für sich allein betrachtet, für kantinen- und bettgespräche sorgen könnte – weil es unglaublich wahr klingt.

ein portal, in das man händisch fette schlagzeilen und fotos einfügen kann, nennt sich breaking news, was den nagel auf den kopf trifft, denn fake news breaken. hier ein mit einem klick hergestellter fake-news screenshot:

ich habe  die graue schlagzeile und die gelbe laufbandzeile geschrieben und ein beliebiges autozusammenstoßfoto aus dem internet gewählt. [übrigens eins ohne copyright-angabe, ein → symbolbild bei gulf digital news.] der breakyourownnews-generator tut den rest.

im nachfolgenden beispiel musste ich der wiederauferstehung von lady diana von den toten händisch nachhelfen und zwei bilder montieren. der rest, um dieses gesamtkunstwerk zu schaffen, geschah über die genannte webseite wieder automatisch:

trumps faule anleihen | 1989

das erste mal in der financial times taucht donald trump am 4. september 1989 auf. auf seite 21 wird sein spiel mit → faulen anleihen dargelegt – fast mit ehrfurcht, wie heil und elegant trump als damals 43jähriger immobilienhai durch die problematische finanzierung einiger gebäude in atlantic city segelte. den bankrott, den eigentlich er verdient hätte, bekommt der nicht ganz so kluge entertrainer → merv griffin zu spüren. an ihm bereichert sich trump sogar ein bisschen – also eine völlig runde und völlig legale angelegenheit. US-kapitalismus pur. der artikel spricht bände. oben ein detail daraus.

financial times 4.9.1989

ich vermute, wenn trump seine steuererklärung offenlegt, kommt nichts illegales, aber praktisch nur unmoralisches heraus. er spielt mit geld auf dem rücken der steuerzahler und aktionäre. schon damals, heute als präsident geht das nicht mehr so gut, weil er da andere themen bewirtschaftet und plötzlich politiker befragen muss, statt einfach los zu dealen und zu mauscheln.

kopelew hungerstreikt für | sacharow

sacharow und kopelew

die beiden fotos (links andrei sacharow, fofografiert 1989 von vladimir fedorenko; rechts kopelew, fotografiert von elke wetzig (Elya) etwas früher) sind beide in der wikipedia zu finden. ich steuere einen o-ton bei, nämlich aus der ZDF/heute-nachrichtensendung von ende mai 1984. ich habe sie damals mangels VHS-recorder auf audiocassette mitgeschnitten und die cassette heute digitalisiert.


lew kopelew im hungerstreik für den kollegen (ZDF/heute)

lew sinowjewitsch kopelew hat eine für einen sowjetischen intellektuellen im 20. jh. fast typische lebensgeschichte. ein stetes auf und ab zwischen gefeiert und fertig gemacht werden. → andrej dmitrijewitsch sacharow ging es nicht anders. er war ein führender sowjetischer kernwaffen-entwickler, fiel jedoch wegen kritischer politischer einstellung mehrmals in ungnade. 2 jahre nach dem hungerstreik 1984 wurde er per telefonat von michil gorbatschow aus der haft in gorki befreit und gebeten, mit seiner frau nach moskau zzurückzukehren. lew kopelew lebte nach seiner ausreise in den westen im wesentlichen in köln. wer in köln den beethoven-park besucht, kann über den lew-kopelew-weg dorthin gelangen.

essays für die US-verfassung | 1788

ein plädoyer für die US-verfassung, 1788

heute vor 266 jahren wurde james madison geboren, der als vater der US-verfassung gilt. die zeit war nicht reif für die abschaffung der sklaverei, außerdem besaß madison selbst einige sklaven. deswegen musste er in seinen essays für eine gemeinsame verfassung aller US-staaten bisschen mathe machen. wird der schwarze sklave als nicht-bürger quasi mit null gezählt, oder doch ein bisschen? madison schlägt in seinem 1788 veröffentlichten „the federalist: a collection of essays written in favor of the new constitution“ vor, jeden sklaven als 3/5 person zu rechnen.

maine wird | unabhängig

gestern vor 197 jahren trennte sich maine von massachusetts. dem gingen zahlreiche volksabstimmungen voraus, die bei geringen beteiligungen mal mehr, mal weniger für die unabhängigkeit ausfielen. auf den brexit übertragen wäre das so: lass uns halt nochmal abstimmen, bis das ergebnis bestimmten leuten passt.

jedenfalls überwogen in maine die aussteiger, sodass mit der bundesregierung das prozedere ausgehandelt werden musste. die hauptschwierigkeit bestand darin, dass es damals ein patt zwischen bundesstaaten mit und ohne sklaverei gab. maine, als progressiver teil des nordostens der USA, wollte natürlich ein „freier“ staat sein, wobei mit frei die befreiung der schwarzen bevölkerung von der sklaverei gemeint war. die unabhängigkeit am 15. märz 1820 fand dann statt, weil fast gleichzeitig ein neuer staat im mittleren süden entstand, der stramm auf seite der sklavenhalter stand: missouri.

man sprach damals auch vom → missouri-kompromiss.

trump groß | zügig

ein geschäftsmann bleibt bei geschäftsverhandlungen hart, also da, wo es um geld und ruhm geht. bei minder wichtigen dingen, wo der geschäftsmann weder finanzen, noch eitelkeit verletzt sieht, spielt er den großzügigen. das fing kurz nach amtsantritt an mit trumps bemerkung, folter sei prima, aber wenn die parlamentarier dagegen sind, ist es auch okay. und es fand heute wieder statt, als netanyahu zu besuch im weißen haus war: ein oder zwei staaten (israel, palestinia), ich kann mit beidem leben, sollen die parlamente entscheiden.

 

ein präsident in der | trotzphase

ein → editorial in der heutigen ausgabe der new york times beschäftigt sich mit trumps kollektiver verdammung der US-justiz und beginnt mit dem vielleicht trivialen, aber richtigen satz:

„wenn präsident trump nicht kriegt, was er will, sucht er sich gern jemanden, den er dafür verantwortlich machen kann – verdorbene meinungsforscher, falsche wähler, lügende journalisten. jeder, der ihn und was er tut hinterfragt, wird zu seinem feind.“

die kinderpsychologie kennt dieses raster gut; es heißt da „trotzphase“. viele erwachsene, die nicht heil durch die trotzphasen des kindesalters durchkommen, setzen ihren willen mit mitteln durch, die alle auf trump zutreffen: die dinge schlecht machen, herumtoben und eben: andere diskreditieren.

in dem editorial wird auf trumps auslassungen gegen die justiz hingewiesen, diese mache sich ab sofort für jeden terroranschlag schuldig. diese argumentation ist deckungsgleich mit der, wo menschen, denen ein schwarzer hund in den garten pinkelt, zu rassenhassern werden. die deutschen hatten in den 1930er jahren eine kollektivschuld an den naziverbrechen. ein großer teil der amerikanischen bevölkerung hat jetzt eine kollektivschuld an all dem, was der von ihnen demokratisch gewählte präsident an „bösem“ durchzieht. trump hat im wahlkampf nichts anderes gesagt, als was er jetzt tut, also kann niemand, der ihn gewählt hat, sagen, er habe nichts gewusst.