logistik der | bahn

gibt auch güterzüge!*

ein wissenschaftsfeature im deutschlandfunk über die zukunft und die probleme der fahrplaner bei der deutschen bahn. wird im märz laufen. hier der trailer:

*die grafik oben besteht aus zwei fotos in wikimedia commons: eine von → Ximeg und eine von → warsteiner

drohnen | zeitraffer

war nicht ganz so dunkel, wie’s aussieht ….

zeitraffersteuerung

köln am abend. foto: ms/dpa

severinstraße, köln südstadt. HDR image. foto: ms/dpa

detail aus dem foto oben. menschen, fahrräder, schienen – und nur drei autos

stilisiertes foto, blick nach westen. das rot ist nicht übertrieben.

alles gut | ist

kann schon sein. foto: ms/dpa

wenn ich scheiße lese oder höre, denke ich meist an ein gedicht von hans magnus enzensberger aus dem jahr 1964. enzensberger wird es mir nachsehen, dass ich ihn ihr ungefragt ehre. hab ihn zuletzt auf einer party im herbst 2018 gesehen. also: Die Scheiße…

Immerzu höre ich von ihr reden
Als wäre sie an allem Schuld.
Seht nur, wie sanft und bescheiden
sie unter uns Platz nimmt!
Warum besudeln wir denn
ihren guten Namen
und leihen ihn
dem Präsidenten der USA,
den Bullen, dem Krieg
und dem Kapitalismus?

Wie vergänglich sie ist,
und das, was wir nach ihr nennen,
wie dauerhaft!
Sie, die Nachgiebige
führen wir auf der Zunge
und meinen die Ausbeuter.
Sie, die wir ausgedrückt haben,
soll nun auch noch ausdrücken
unsere Wut?

Hat sie uns nicht erleichtert?
Von weicher Beschaffenheit
und eigentümlich gewaltlos
ist sie von allen Werken des Menschen
vermutlich das friedlichste.
Was hat sie uns nur getan?

Bildergebnis für enzensberger gedichte 1955-1970

trotzky 1934 über | hitler

“Hitler ist für die nächsten zehn Jahre bereit, weder gegen Frankreich, noch gegen Polen militärische Aktionen einzuleiten. In der Erklärung legte er fünf Jahre als Frist fest, in der eine echte Gleichheit der Rechte Deutschlands in Bezug auf die Streitkräfte erreicht werden muss. Diese Begriffe müssen natürlich nicht mit einer heiligen Bedeutung versehen werden. Sie umreißen jedoch die zeitlichen Grenzen, innerhalb derer die führenden Kreise des Faschismus ihre Rachepläne einschränken.” →

tolle illegale | drohnenaufnahmen

posting auf facebook: der kölner dom nachts, von oben

heute postete eine gute bekannte ein foto auf facebook, das sie offenbar auf instagram gesehen hatte. es ist eine sehr feine drohnen-aufnahme der neusser straße mitten in köln, im vordergrund die agneskirche. der kirchturm ist 61 m hoch. die drohne war der perspektive nach zu urteilen unweit nördlich der kirche in etwa 100 m höhe. die aufnahme stammt von einem kölner DJ, den ich nicht kenne, und der in instagram unter @saman_sebastian viele ästhetisch ansprechende fotos postet. darunter sind einige wenige, wenn auch spektakuläre, die er mit seiner fotodrohne aufnahm.

ich kenne die drohnenregeln und, so schwer es mir fällt, beachte sie weitgehend. es juckt mich in den fingern, die stadt nachts zu befliegen, eine tolle zeitrafferaufnahme der ausfallstraßen zu machen, mal die altstadt von oben zu fotograrieren. darf ich nicht. die vielen drohnenbeobachtungen in der nähe von flughäfen in jüngster zeit (gatwick, heathrow, hamburg) haben dem image der ganzen sache geschadet. drohnenvandalismus = fliegen, ohne regeln zu beachten.

saman_sebastian nahm den kölner dom nachts während des weihnachtsmarkts auf, und dann noch einmal tagsüber, direkt von einem punkt über der innenstadt aus. weil der dom 157 m hoch ist, muss die drohne jeweils gut 200 m hoch gewesen sein. saman_sebastian beflog auch autobahnen, fotografierte autobahnkreuze aus ordentlicher höhe, flog am von autobahnen umgebenen herkuleshochhaus hoch usw.

ich gehe davon aus, dass er keine erlaubnis für diese flüge hatte. vermutlich weiß er nicht, dass es gibt zwei ansprechstellen für solche freigaben gibt: eine in köln bei der stadt, eine bei der bezirksregierung in düsseldorf. es ist mit viel aufwand und auch kosten verbunden, selbst wenn man, wie ich das meistens tue, für die wikipedia fliege, also ohne einen cent daran zu verdienen.

ohne genehmigung aber verstieß saman_sebastian bei den fotos gegen mehrere, jedem (semi)professionellen drohnenpiloten bekannte regeln. abgesehen vom nachtflugverbot, der nähe zu bahnen und bundesstraßen sind die flughöhen besonders kritisch.

in köln sind die meisten orte für drohnenaufstieg völlig tabu, mancherorts (etwa über dem friedenspark, südstadt) kann man 50 m hoch fliegen, erst weit außerhalb (kalscheurer weiher) gibt es stellen für 100 m – die in deutschland maximal erlaubte höhe. mit den flughöhen ist nicht zu spaßen. ich habe schon öfter rettungshubschrauber blitzschnell auftauchen sehen. die hohen flüge von saman_sebastians drohne gefährden den personenflugbetrieb. der aufstieg bei der agneskirche befindet sich in einem absoluten tabubereich wegen des nahegelegenen krankenhauses und heliports. es gibt cessnas, die mit ordentlicher freigabe der flugleitstelle die innenstadt in teilweise unter 200 m überfliegen. beim zusammenstoß mit der drohne stürzt die maschine – mit zwei oder vier personen drin – ab.

weil es mir fern liegt, jemanden anzuschwärzen. also fragte ich saman_sebastian am abend auf instagram, ob er denn die genehmigung für diese flüge hatte. nachdem er nicht antwortete, zeigte ich ihm (via instagram) screenshots der app der deutschen flugsicherung, wo die flugverbote für seine drohnenpositionen exakt zu sehen waren. statt zu antworten sperrte er mich aus, sodass ich sein instagram-account nicht mehr sehen konnte. finde ich bisschen uncool von ihm.

die grafik zeigt den vorgang: das posting auf facebook, das ich am samstag abend sah, oben links. und unten rechts der auf instagram nicht mehr gefundene user @saman_sebastian.

verbotene aufnahmen (bild durch klick vergrößern!)

schein | wissenschaft

vorbemerkung: ich bin ein verfechter harten wissenschaftsjournalismus. auch als ich in den 1980er und 90er jahre wissenschaft in rock/metal-sendungen unterbrachte, ich habe nie gesagt, quantenphysik ist eben mal erklärt. 1990 fand ich mein wissenschaftsjournalistisches zuhause in → forschung aktuell im deutschlandfunk. damals hatte der WDR auch eine starke wissenschaftssendung, wo ich zum beispiel über radiosity berichten konnte – schweres thema, aber ich hatte luxuriöse 10 minuten zeit dafür. die WDR 5-wissenschaft hieß später leonardo (inzwischen quarks), und in den kreisen seriösen wissenschaftsjournalismus breitete sich der begriff der “leonardisierung” aus, womit eine aufweichung des programms gemeint war. denn leonardo wuchs sich zu einer art sendung für die maus für erwachsene aus, und harte, aktuelle wissenschaftsberichterstattung war diesem „hörerfreundlichen“ – böse zungen sprachen vom anbiedernden – kanal weitgehend fremd. dahinter steckte und steckt jetzt mehr noch die angst, hörer zu verprellen, denen der stoff “zu schwer” oder was auch immer ist.

schwerer stoff ist schwer, und unser handwerk ist es, ihn so zu vermitteln, dass es die hörer interessiert. guten wissenschaftsjournalismus macht genau das aus. und es macht ihn auch aus, nicht zu sagen: das ist ganz leicht, das verstehen wir gleich alle. wissenschaft „lite“.

wir kennen die hörer nicht, ich weiß aber von meiner → computersendung im BR, die 1983 startete, dass wir zahllose hörer hatten, die regelmäßig einschalteten, weil sie es spannend fanden, ohne wirklich viel zu verstehen. es muss so gewesen sein, wie es mir heute geht, wenn ich forschung aktuell höre: vieles ist mir thematisch so fremd, dass ich es wie von einem anderen planeten aus wahrnehme. aber es bleibt spannend. ob und wie sich das wissen aus diesen vielen schwer verständlichen beiträgen zusammenbaut, keine ahnung, aber es ist nicht abschreckend.

damit komme ich zu youtube, und hier fasse ich mich kurz. es wimmelt da von seriöser wissenschaft. das beste beispiel ist die → khan-academy, die von astrophysik über artithmetik bis griechische geschichte sehr viel abdeckt. stets interessanter, tiefgehender stoff, exzellent vermittelt. und nie mit dem anspruch, dem zuschauer etwas leicht zu machen:

die khan academy auf youtube

das nächste beispiel ist der youtube-kanal → Urknall, Weltall und das Leben. dahinter steckt der astronom, mathematiker und sachbuchautor → josef graßner. dass er weiß, wovon er spricht, erkennt man auch an seinem guten händchen, gäste auszusuchen. im aktuellen video ist der gastbeitrag ein mitschnitt des auftritts der max-planck-physikerin → susanne mertens, die eine halbe stunde lang durchaus unterhaltsam und anstrengend über das „wiegen“ von neutrinos referiert.

susanne merten im video von “urknall, weltall und das leben”

abschreckende beispiele sind selten, weil man bei youtube, wenn schon wissenschaft, dann auch von wissenschaft ausgeht. es gibt ja keine redaktion, die einem reinredet, also kann man so komplex und langatmig sein, wie es einem passt.

ein beispiel, wie wissenschaft anbiedernd, reißerisch und in der kürze oft völlig falsch präsentiert wird, ist clixoom, der kanal von christoph krachten, einem ehemaligen WDR-journalisten. ich kenne christoph von früher und kann mich nur wundern. wenn er sein aktuelles video mit → “beamen ist möglich” betitelt, denke ich sofort an die BILD-zeitung. geht es ihm, der er kein wissenschaftler und auch kein wissenschaftsjournalist ist, vielleicht nicht um den inhalt, sondern um die vermarktung?

zur vermarktung, gegen die prinzipiell nichts einzuweden ist, solange sie sich dem inhalt gebührlich unterordnet, passt die impertinente werbung, man möge den kanal clixoom unbedingt abonnieren. christoph krachten war in der geschäftsführung der youtube-vermarktungsfirma mediacraft, wo es vordergründig darum ging, aufstrebenden youtubern tipps zu geben, wie sie sich besser vermarkten. in wirklich ging es natürlich darum, aufstrebende youtuber ausfindig zu machen, sie vertraglich zu binden und mit deren erfolg geld zu machen. clixoom jedenfalls ist die bild-zeitung der youtube-„wissenschaft“, also für die tonne, aber immerhin mit einer halbe million abonnenten:

christoph krachten, täglich in clixoom

nachbemerkung: in der presse (und auch in podcasts, vlogs etc.) ist die titelfindung ein kernthema. “Beamen ist möglich!” (sogar mit ausrufezeichen) ist ein beispiel, wie man’s nicht machen sollte. korrekt, aber eben weniger griffig, hätte es heißen können: “Quanten können überall sein” oder so ähnlich. unten ein beispiel aus der heutigen süddeutschen zeitung, wie eine schlagzeile gut gesetzt wird. es ist ein buch erschienen, welches die these vertritt, dass jesus bei der kreuzigung mit einem lungenflügel überlebte. die BILD-zeitung hätte dazu die schlagzeile “Jesus hat überlebt!” gedichtet, die SZ bleibt bei einem seriösen “Atmen kann man auch mit einem Lungenflügel” und einem ebenso soliden untertitel:

oben fake-schlagzeile, unten reale schlagzeile (süddeutsche zeitung)


computerhappening | 1988

vorskizze zur studiobelegung

beim herumkramen in alten aktenordnern fand ich ein paar papiere zu einer sehr lebendigen samstag-sondersendung im zündfunk auf bayern 2: das zündfunk computerhappening 1988.

“bit, byte, gebissen”, das computermagazin, lief erfolgreich halbstündig seit gut 3 jahren. um die IT-entwicklungen im größeren rahmen einzufangen und abzubilden, haben wir (wir, das waren außer mir → nikolai von koslowski und der redaktionsleiter christoph lindenmeyer) ab und an, vermutlich nur zwei, dreimal, den langen samstags-zündfunk-termin dafür frei gemacht. uns stand im studio 4 im funkhaus ein extrem motiviertes team an technikerinnen (nur frauen) zur verfügung. durch meine vielen computersendungen zuvor hatte ich gute kontakte zur → bayerischen hackerpost, dem ersten bayerischen datenschutzbeauftragten, den sysops (system operators) diverser mailboxen (vorgänger von email, chat etc.). mein damals absoluter favorit bei den arcade games war gauntlet. auch dieser riesige automat kam ins studio und tönte live seine herrlichen sounds.

es waren teilweise sehr junge gäste dabei, die zu regelmäßigen hörern des computermagazins gehörten und in der sendung computerspiele spielten und in mailboxen chatteten. norman, freak, alex. ob chris hülsbeck kam, der schon vier jahre zuvor bei mir zu gast war, weiß ich nicht mehr. in meiner skizze ist er im linken studiobereich vorgesehen.

zu jeder sendung dieses kalibers gab es einen so genannten bandpass. damit bekam das band (in dem fall zwei bänder, die zusammen abgelegt wurden) eine nummer, die vermutlich im archiv auch heute noch auffindbar ist. muss mal nachfragen.

bandpass der sendung, jetzt auch in → wikimedia commons